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Donald Trump mag die grosse Bühne. Bild: Carlos Osorio/AP/KEYSTONE

Warum der Sexismus-Streit zwischen dem rechten Sender Fox News und Donald Trump eine Riesenfarce ist

Kurzzeitig Feinde, plötzlich wieder Freunde: Der Sexismus-Streit zwischen Fox News und Donald Trump ist für den rechten Sender ein perfekter Coup. Manchen gilt der Kanal nun als Hort des kritischen Journalismus. Welch eine Farce.

12.08.15, 09:22 12.08.15, 09:58

Veit Medick, Washington



Ein Artikel von

Es soll jetzt alles wieder besser werden. Roger Ailes hat angerufen. Der Chef von Fox News ist ein guter Freund von Donald Trump. Ailes versicherte, man werde ihn fair behandeln. Da liess sich Herr Trump am Dienstag auch gleich wieder in zwei Sendungen schalten. «Bin froh, dass wir wieder Freunde sind», sagte der Moderator der Morgenshow zu ihm. «Alles erledigt», sagte der Moderator der Abendshow.

«Alles gut», sagte Trump.

War was? Ein paar Tage lang schien das Verhältnis zwischen dem rechten Sender und dem Möchtegern-Präsidenten schwer beschädigt. Megyn Kelly, eine der Star-Moderatorinnen des Senders, hatte Trump während der TV-Debatte seine frauenfeindlichen Äusserungen vorgehalten. Trump hatte sich auf seine Weise revanchiert. Aber jetzt will man wieder freundlicher miteinander umgehen. Hilft ja alles nichts.

Megyn Kelly legte sich mit Trump an. Bild: AARON JOSEFCZYK/REUTERS

Alles abhaken also? Nicht so schnell. Die Episode sagt nämlich etwas aus über das Verhältnis zwischen Medien und Mächtigen in den USA. Zumindest im Fernsehjournalismus hat sich eine merkwürdige Distanzlosigkeit entwickelt, fast schon eine Kumpanei. Man merkt das vor allem dann, wenn die Freundschaft mal für einen Moment gebrochen wird. Wenn jemand frech fragt, wie Megyn Kelly etwa. Dann fühlt sich der Interviewte plötzlich verraten. Und die Journalistin ist die Heldin des kritischen Journalismus. Kelly zum Beispiel wird in den USA plötzlich verehrt, als habe sie soeben einen zweiten Watergate-Skandal enthüllt. Da stimmt etwas nicht.

Für das Verhältnis zwischen Medien und Spitzenpolitikern ist der Fall Fox News versus Trump ein gutes Beispiel. Drei Phasen hat die Angelegenheit bislang durchlaufen. Im Frühsommer war Trump der Darling des Networks. 31 Fox-Auftritte in drei Monaten. Grätsche gegen John McCain? Hetze gegen die mexikanischen Einwanderer? Fox News war zur Stelle. «Er sagt Dinge, die gesagt werden müssen», sagte Monica Crowley, Radiomoderatorin und Dauergast in den Shows des Senders. Trump bescherte Fox News hohe Quoten, Fox News war für Trump eine wichtige Abspielplattform. Es war ein wunderbares Zusammenspiel.

Fox News rührt mit der grossen Kelle an rund um die US-Wahlen. Bild: Getty Images North America

Rupert Murdochs Intervention

Plötzlich stand in den Zeitungen, Rupert Murdoch, Vorsitzender der Muttergesellschaft «News Corporation», habe Sender-Chef Ailes gebeten, die Berichterstattung über Trump zurückzufahren. Ailes soll sich gewehrt haben. Murdoch ging zu Twitter. «Wann hört Donald Trump auf, seine Freunde zu blamieren, ganz zu schweigen vom gesamten Land?», schrieb er. Murdochs Zeichen: Trump ist vielleicht nicht der richtige republikanische Kandidat.

Dann kam die Debatte. Megyn Kelly und zwei Kollegen knöpften sich den Lautsprecher recht hartnäckig vor. Sie fragten ihn nach seinem Verhältnis zu Frauen, seinen Firmenpleiten, seinen Plänen zur Einwanderung. Die Botschaft: Seht her, wir sind unabhängig. Trump schäumte. Es war ein geschickter Zug des Senders. Die Neuerfindung des Journalismus, zu der der Auftritt der Moderatoren jetzt stilisiert wird, war es nicht.

Hofieren, verraten, vertragen. Politik als Drama. Dahinter steckt auch ein System. Fox News ist kein einfacher Fernsehkanal. Der Sender – knapp 20 Jahre alt, Hauptsitz in New York – macht auch Journalismus, sicher. Es gibt ziemlich bissige Moderatoren und gute Reporter. Aber Fox News ist auch eine politische Institution, die die Mission hat, der herrschenden Meinung einen stramm-konservativen Dreh zu geben.

Das ist kein verbotenes Anliegen. Demokratie lebt von Alternativen, politische Medien können sie transportieren. Und Fox ist nicht allein. Der Kabel-Kanal MSNBC kopiert den Sender auf der linksliberalen Seite. Aber an Aggressivität und Macht ist Fox News unerreicht.

Trump wird von Reportern in Beschlag genommen. Bild: Getty Images North America

Das Geschäft brummt

Kaum eine Einrichtung hat einen ähnlichen Einfluss auf konservative Debatten wie Fox News. «Die republikanische Partei braucht Fox News mehr als Fox News die republikanische Partei braucht», analysiert die News-Website «vox.com» treffend. Knapp neun von zehn US-Amerikanern, die sich selbst als konservativ sehen, vertrauen dem Sender. Die Richtung der Partei bestimmen, Abhängigkeiten schaffen, Kandidaten küren: Das ist das Selbstverständnis von Fox News. Es läuft ganz gut. Die Tea Party zum Beispiel verdankte ihren Aufstieg letztlich der freundlichen Unterstützung von Fox News. Doch der Sender will mehr. «Ich möchte den nächsten Präsidenten bestimmen», soll Chef Ailes laut Biograf Gabriel Sherman vor der jüngsten Wahl in einem Managerkreis gesagt haben.

Das Geschäft brummt. Die Konkurrenten von CNN und MSNBC sind abgehängt. Nur der Sportsender ESPN hat zur besten Sendezeit mehr Zuschauer. Der Gewinn belief sich 2014 auf rund 1.2 Milliarden Dollar. Das einzige Problem: Das Publikum besteht grösstenteils aus der konservativen Basis, und die wird immer älter. Moderatorinnen wie Kelly, die sich in ihrer Abend-Show «The Kelly File» auch mal mit Stars der Partei anlegt, sollen neue Zielgruppen erschliessen. Auch in dieser Hinsicht kam der Konflikt mit Trump wie gerufen.

Die Präsidentschaftswahl 2016 soll zum Fest werden für die Macher des Programms. Die Chancen stehen nicht schlecht. Die Hinterlassenschaften Barack Obamas – ob die Gesundheitsreform oder ein Atom-Deal mit Iran – lassen sich bestens aufnehmen, um die Basis zu mobilisieren. Und Hillary Clinton wäre ein schönes Feindbild. Man muss eben nur zusammenhalten. Geht das?

«Er ist ein grossartiger Mann», sagt Trump über Roger Ailes nach dessen Anruf. Rupert Murdoch spricht schon wieder vom «Freund Donald». Und Talkmaster Sean Hannity trifft sich mit ihm zum Exklusivinterview. Kritische Fragen? Null.

Alles wird gut im System Fox.

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 12.08.2015 10:23
    Highlight So schnell trumpt man in die Falle. Clever inszenierter Unfrieden, gewürzt mit politischer Unkorrektheit, Ansprache an tiefe Triebe und man hat die volle mediale Aufmerksamkeit. War da noch was....
    Bei uns schafft das in kleinerem Mass auch immer wieder eine drei Buchstaben Partei. Und es klickt gleich im Kopf. Manchmal sind wir so beGERNzt und merken es erst hinterher, wie schnell wir in die für uns ausgelegten medialen Fallen tappen.
    17 1 Melden
    • DerWeise 12.08.2015 11:04
      Highlight Naja eine "Falle" wird nur zur Falle, wenn man keine Ahnung hat und sich nicht aktiv mit dem Weltgeschehen beschäftigt. Stichwort Medienkompetenz. Leider sind da Watson und co nicht besonders hilfreich...
      2 7 Melden
    • Zeit_Genosse 12.08.2015 13:26
      Highlight Sie als "DerWeise" mit Medienkompetenz werden einen grossen Bogen um "Fallen" machen. Nur lieben viele den süffig-unterhaltenden Stil und lassen den über ihre mediale Firewall schwappen. Ingnoranzmanagement ist eine anstrengende Disziplin, wo auch ich als kritischer Zeit_Genosse mal schwach werde und mich (gerne) fangen lasse;)

      Wir dürfen mit den werbefinanzierten Medien nicht zu hart ins Gericht gehen, machen sie doch ständig den Spagat zwischen Relevanz für Lesende und Werbende. Für uns Mediennutzer kostenlos, da sollten wir mit der Forderung nach mehr Medienkompetenz nachsichtig sein.
      7 1 Melden
    • DerWeise 12.08.2015 13:45
      Highlight Zum "DerWeise": Man sollte nicht alles allzu ernst nehmen.

      Ja "kostenlos" ;) Ich glaube eben schon. Durch die enorme Reichweite und Beeinflussungsgrad z.B. von 20min sollte auch eine enorme Verantwortung einher gehen.
      5 0 Melden

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