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Bild: EPA/UNIVISION FLORIDA CENTRAL

Die Horrornacht von Orlando: Vier Stunden Angst

50 Tote, 53 Verletzte, das ist die vorläufige Bilanz des Massakers im Schwulenklub Pulse in Orlando. Knapp vier Stunden dauerte es, bis die Geiselnahme vorbei war. Eine Rekonstruktion.

12.06.16, 22:20 13.06.16, 11:06

Verena Töpper / spiegel online



Ein Artikel von

Die «Latin Night» im Nachtklub Pulse war am Samstagabend besonders gut besucht. Es ist «Gay Pride Month» in den USA – die US-Schwulenbewegung feiert sich und alle feiern mit: Lesben, Bi- und Transsexuelle, Heteros. Das Pulse bezeichnet sich selbst als «heissester Schwulenklub in Orlando». Es gibt zwei Tanzflächen mit jeweils einer Bar, aber nur einen Ein- und Ausgang.

Etwa 300 Leute feiern im Klub zu lateinamerikanischer Musik. Laut der Nachrichtenagentur AFP tanzen Drag Queens auf der Bühne, vom Publikum werden sie mit Dollarscheinen beworfen. Auf Videoaufnahmen, die wenige Minuten vor dem Angriff aufgenommen worden sein sollen, ist zu sehen, wie ein Tänzer lasziv die Hüften kreisen lässt. Lautes Gelächter ist zu hören, Flaschen werden in die Höhe gehoben.

Draussen parkt ein Van. Er gehört Omar M., 170 Kilometer liegen zwischen seinem Zuhause und dem Pulse.

2:02 Uhr

Laut John Mina, dem Polizeichef von Orlando, betritt der 29-Jährige um 2.02 Uhr den Nachtklub – und eröffnet sofort das Feuer. Das halbautomatische Gewehr vom Typ AR-15 ist die zivile Version des Militärgewehrs M16 und gilt als Amerikas Lieblingswaffe. Das Modell hat schon bei mehreren Amokläufen traurige Berühmtheit erlangt.

Im Pulse arbeitet ein bewaffneter Sicherheitsmann, er schiesst sofort zurück. Während des Schusswechsels ist M. zeitweise vor der Tür des Klubs, schafft es aber wieder nach innen, wo er mehrere Geiseln nimmt. Ausser dem Gewehr hat er eine Handfeuerwaffe und Munition dabei.

«Verlasst das Pulse und rennt.»

Facebook-Status

2:09 Uhr

Um 2.09 Uhr erscheint auf der Facebook-Seite des Nachtklubs eine Warnung: «Verlasst das Pulse und rennt.»

Die in der Zwischenzeit angerückten Polizisten nehmen Kontakt zum Geiselnehmer auf. Details der Kommunikation will Mina nicht nennen.

5 Uhr

Um fünf Uhr beginnt der Einsatz der Polizei. Nach zwei Explosionen, mit denen der Attentäter abgelenkt werden soll, stürmen Beamte einer Spezialeinheit den Klub. Der Fernsehsender CNN berichtet, ein Panzerfahrzeug der Polizei habe zuvor die Tür und eine Wand eingerissen. Wieder fallen Schüsse, insgesamt schiessen elf Beamte auf Omar M.

Eine Kugel prallt vom Helm eines Polizisten ab.

Bild: EPA/ORLANDO POLICE

5:53 Uhr

Um 5.53 Uhr meldet die Polizei via Twitter, der Angreifer sei tot.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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