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Nour Ulayyet hält ihr Smartphone mit dem Foto ihrer Schwester Sahar Algonaimi, die nicht in die USA einreisen durfte. Bild: dpa

US-Einreisestopp: «Dann bekam ich Handschellen angelegt und begann zu weinen»

Der Einreisestopp in den USA führt zu Chaos und Angst an den Flughäfen. Betroffene Passagiere berichten, wie das Trump-Dekret ihr Leben durcheinanderbringt.

29.01.17, 13:22 29.01.17, 14:56

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Die von Donald Trump angeordneten neuen Einreiseregeln sorgen weltweit für Empörung. Schon am Samstagmittag wurden erste Fälle von Muslimen bekannt, die an der Einreise in die Vereinigten Staaten gehindert wurden. Manche wurden gar nicht erst ins Flugzeug gelassen, andere wurden nach dem Aussteigen von US-Grenzern in Empfang genommen.

Eine Studentin aus dem Sudan etwa erzählte der Nachrichtenagentur Reuters, ihr seien am New Yorker Flughafen John F. Kennedy kurzzeitig Handschnellen angelegt worden, während sie durch das Gebäude geführt wurde. Nisrin Elamin, 39, sagt, sie sei nach ihrer Landung am Freitagabend fünf Stunden festgehalten worden. Sie sei Doktorandin in Stanford, seit 1993 in den USA und habe eine Aufenthaltserlaubnis für die USA. Nachdem sie ihre Greencard gezeigt habe, sei sie befragt und abgetastet worden, sagt Elamin: «Dann bekam ich Handschellen angelegt und begann zu weinen».

Ebenfalls in New York wurde ein Dolmetscher festgehalten, der im Irak jahrelang für das US-Militär gearbeitet hatte. Er war laut «New York Times» fast 19 Stunden in Gewahrsam. Hameed Khalid Darweesh, dessen Fall in Brooklyn sogleich vor Gericht landete, sagte später aber trotz des Zwischenfalls: »Amerika ist das beste Land und hat die besten Menschen der Welt."

173 Mal das Boarding verweigert

Das US-Heimatschutzministerium sprach am Samstag in einer Stellungnahme zunächst von 375 Reisenden, auf die das Dekret Auswirkungen gehabt haben soll. 109 seien auf der Durchreise gewesen, dabei soll ihnen die Einreise in die USA verwehrt worden sein. In 173 Fällen haben Fluggesellschaften Reisenden das Boarding in Richtung Amerika verweigert. Alle Greencard-Inhaber hätten letztlich einreisen können.

Am Flughafen in San Francisco wurde Medhi Radgoudarzi festgehalten. Er war aus Iran in die USA geflogen. Erst nach mehreren Stunden in Gewahrsam konnte er den Flughafen mit seiner Frau und Tochter verlassen:

Medhi Radgoudarzi (Mitte) Bild: KATE MUNSCH/REUTERS

In San Francisco hatten – wie an anderen US-Flughäfen – zahlreiche Menschen gegen Trumps Dekret protestiert und so auf das Schicksal der betroffenen Reisenden aufmerksam gemacht. Medhi Radgoudarzis Tochter bedankte sich nach der Freilassung ihres Vaters bei den Demonstranten:

Demonstranten mit der Tochter von Medhi Radgoudarzi. Bild: KATE MUNSCH/REUTERS

Aus Chicago gibt es Berichte über den Fall Sahar Algonaimi. Die 60-jährige Syrerin, die in Saudi-Arabien lebt und ihren Verwandten zufolge ein gültiges Visum hatte, wollte demnach ihre kranke Mutter Isaaf Jamal Eddin in Indiana besuchen. Algonaimis Schwester Nour Ulayyet sagte, Algonaimi sei bei ihrer Ankunft am Samstag am O'Hare International Airport in Chicago zurückgeschickt worden.

Familie wiedervereinigt

Nour Ulayyet und ihre Mutter Bild: dpa

Zu einer emotionalen Wiedervereinigung kam es am Logan Airport in Boston. Wie CBS berichtet, musste sich dort Hamed Hosseini Bay einer Befragung unterziehen, der aus seiner Heimat Iran zurückgekehrt war, wo er seinen kranken Vater gepflegt hatte. CBS zufolge lebt Bay seit rund neun Jahren in der Gegend von Boston. «Sie haben gemacht, was sie machen mussten», sagte Bay später, nachdem er wieder mit seiner Familie vereint war. Sie war zwei Wochen vor ihm aus Iran zurückgekommen.

Wiedervereinigung der Bay-Familie Bild: BRIAN SNYDER/REUTERS

Wiedersehen mit Verspätung gab es auch am Flughafen von Dulles in Virginia. Die Reporterin Betsy Woodruff von «The Daily Beast» machte auf Twitter unter anderem auf den Fall zweier iranischer Greencard-Inhaber aufmerksam.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet zum selben Fall, der Mann sei 88 und blind. Seine Frau sei 83 und habe kürzlich einen Schlaganfall gehabt.

Wohl erst in den nächsten Tagen zeigen wird sich, wie sich die neuen Regeln von Präsident Donald Trump auf die Ausreisen von Menschen aus den USA auswirken. Viele Betroffene, die in Amerika leben, werden sich nun überlegen, wie riskant es ist, das Land zu verlassen.

Shirana Navabha etwa, eine US-Bürgerin, die aus Iran stammt, sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass sie eigentlich am Sonntag nach Iran fliegen wollte. Nach Trumps Dekret würde sie nun aber auf die Reise nach Teheran verzichten. «Ich habe jedem gesagt, dass ich komme», sagte die 57-Jährige, die in Dallas wohnt. «Jeder war aufgeregt. Und jetzt komme ich nicht, es ist nur frustrierend.» mbö/Reuters/AP/dpa

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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17
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 29.01.2017 22:57
    Highlight «Dann bekam ich Handschellen angelegt und begann zu weinen»

    Oh je, du Arme! Du kannst mit dem Flugi nicht mehr in die USA einreisen. Das ist schlimm.

    (Andere verrecken mitten im Mittelmeer auf ihren Gummibooten.)

    9 16 Melden
  • RETO1 29.01.2017 21:26
    Highlight alles tragische Fälle, mir kommen die Trännen
    7 4 Melden
  • banda69 29.01.2017 17:24
    Highlight Welcome to the world of Trump & SVP.
    17 12 Melden
  • Gelöschter Benutzer 29.01.2017 17:22
    Highlight Bin zwar (noch) nicht betroffen, habe aber soeben meine ferienpläne umgestaltet. Anstelle 4 wochen usa, habe ich mich für südostasien entschieden. So ein unzuverlässiges Land, wie die Trump-USA möchte ich nicht betreten.
    21 9 Melden
  • CASSIO 29.01.2017 15:47
    Highlight Ich hab gehört, dass Roger Federer ein Einreiseverbot für die US Open erhalten soll.
    7 19 Melden
    • Hessmex 29.01.2017 16:37
      Highlight Ja, ist ja auch Doppelbürger!
      2 7 Melden
  • NumeIch 29.01.2017 15:04
    Highlight Ich stelle mir das gerade vor. Ich komme zurück aus dem Urlaub oder einer Geschäftsreise und in der Schweiz klicken erstmal die Handschellen und man will mich zurückschicken. Unfassbar das sowas möglich ist in der heutigen Welt!
    71 19 Melden
  • rodolofo 29.01.2017 14:44
    Highlight Ich fürchte, das ist nur der Auftakt zu weiteren Schikanen, Diskriminierungen und offenen Angriffen auf Minderheiten und Andersdenkende!
    Damit werden von der Trump-Administration ganz bewusst die Hemmschwellen herunter gesetzt, wie bei der Ankündigung Trump's, Folter und Geheimgefängnisse wieder zuzulassen und zu fördern.
    Wir müssen uns auch nicht wundern, wenn in diesem Gesellschaftlichen Klima Rassistische Polizisten vermehrt wehrlose Schwarze abknallen und die brenzlige Situation allmählich zu einem Flächenbrand eskaliert!
    Wirklich sehr gefährlich, was diese Trump-Regierung da macht...
    64 17 Melden
  • Jazzdaughter 29.01.2017 14:37
    Highlight Aber nein, alle, die vor Trump gewarnt haben, übertreiben doch, oder? "Lasst doch mal sehen, wie er das Amt bewältigt."
    Also, eine Woche ist vorüber und ich habe genug gesehen. Mir fehlen die Worte.
    94 23 Melden
    • Tanuki 29.01.2017 15:50
      Highlight Geht mir genauso und dies ist leider erst der Anfang.
      27 6 Melden
  • Maragia 29.01.2017 14:06
    Highlight Ist ja schliesslich das gute Recht von den USA. Wir erhalten auch nicht für jedes Land ein Visum und dürfen einreisen. Warum sollen die USA nicht für einzelne Staaten eine Einreisesperre verhängen?
    36 99 Melden
    • Gehirnbenutzer 29.01.2017 14:38
      Highlight Weil es nicht um Sicherheitsbedenken geht sondern um diskriminietende Provokation geht.
      60 30 Melden
    • Butzdi 29.01.2017 14:52
      Highlight Bitte lesen Sie doch den Artikel bevor Sie hier so Käse erzählen. Die Verhafteten hatten ALLE ein Visum oder eine Aufenthaltsbewilligung (green card).
      Jahrelang haben die Republikaner gegen Illegale gewettert und in der ersten Woche werden unbescholtene LEGALE verhaftet, wen das nicht erzürnt, der hat kein Hirn und auch kein Herz.
      71 15 Melden
    • Döst 29.01.2017 15:54
      Highlight Wäre sicher besser gewesen, wenn man Personen mit bereits erteilten Visa die Einreise ohne wenn und aber erlaubt hätte (war ja nun wirklich kein Notfall). Die Greencard Besitzer Fälle wurden anscheinend alle erledigt, sprich reingelassen. Das soll auch so sein, ist schliesslich eine Aufenthaltsbewilligung.
      Aber sonst kann die USA natürlich jederzeit selber bestimmen, wer wann wieso ins Land einreisen darf oder nicht. Das war schon immer so.
      11 5 Melden
  • Sheldon 29.01.2017 13:39
    Highlight amerika schäme dich
    87 41 Melden
  • Abel Emini 29.01.2017 13:37
    Highlight Müsste man eigentlich in Europa/Australien auch durchziehen + weitere feindlich gesinnte Staaten/Völker.
    26 66 Melden
    • Butzdi 29.01.2017 14:57
      Highlight Abel, 'feindlich' gesinnte Staaten und Völker gibt es nicht. Wenn man Staatsangehörige aus Ländern, dessen einzelne andere Staatsangehörige in den USA Terror begingen, ausschliessen möchte, dann wären Saudi Arabien, Ägypten und Pakistan auf der Liste. Dort hat Trump aber per Zufall persönliche Geschäfte am laufen... ein grosser Betrug des Oberbetrügers Trump und seiner Beraterschlange Bannon, sonst gar nix.
      51 7 Melden

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