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Wahl-Debakel in Pennsylvania: Die Vororte rebellieren gegen Trump

Bei einer Nachwahl in Pennsylvania geht es um jede Stimme, doch schon jetzt ist es eine Pleite für die Republikaner: Trumps Partei drohen wichtige Wählergruppen abhanden zu kommen - auch bei den Midterms im Herbst.

14.03.18, 16:35

Roland Nelles, Washington



President Donald Trump speaks at Marine Corps Air Station Miramar, in San Diego, Tuesday, March 13, 2018. (AP Photo/Alex Gallardo)

Bild: AP/FR170211 AP

Ein Artikel von

Donald Trump freut sich schon auf den Herbst: Dann will der Präsident vor den wichtigen Kongresswahlen überall im Land für die Kandidaten der Republikaner werben. Es geht dabei um die Mehrheit seiner Partei in den beiden Häusern, also um die Frage, ob Trump im Parlament künftig seine Agenda durchsetzen kann oder nicht.

Aber ihm und seinen Republikanern droht eine ernste Gefahr. Die Demokraten bereiten sich darauf vor, mindestens das Repräsentantenhaus zurückzuerobern, vielleicht erreichen sie sogar einen Sieg im Senat.

Erst scheiterten Trumps Republikaner im November bei der Gouverneurswahl in Virginia, dann verloren sie in ihrer Hochburg Alabama im Dezember mit dem Kandidaten Roy Moore einen wichtigen Senatssitz an die Demokraten. Und nun steht auch noch die Nachwahl für das Repräsentantenhaus im 18. Wahlbezirk von Pennsylvania auf der Kippe.

Dort liegt der Demokrat Conor Lamb nach einem regelrechten Wahlkrimi mit wenigen hundert Stimmen in Führung vor dem Republikaner und Trump-Fan Rick Saccone. Womöglich wird das Endergebnis erst nach einer erneuten Auszählung feststehen, aber die Demokraten haben ihren Mann bereits zum Sieger erklärt.

Conor Lamb, the Democratic candidate for the March 13 special election in Pennsylvania's 18th Congressional District celebrates with his supporters at his election night party in Canonsburg, Pa., early Wednesday, March 14, 2018. A razor's edge separated Lamb and Republican Rick Saccone early Wednesday in their closely watched special election in Pennsylvania, where a surprisingly strong bid by first-time candidate Lamb severely tested Donald Trump's sway in a GOP stronghold. (AP Photo/Gene J. Puskar)

Bild: AP/AP

So oder so ist die Tatsache, dass der Demokrat praktisch genauso viele Stimmen gewinnen konnte wie der Republikaner eine schlechte Nachricht für die Republikaner. Den Wahldistrikt, seit Jahren eine ihrer Hochburgen, konnte Trump bei der Präsidentenwahl 2016 noch mit einem 20-Prozentpunkte-Vorsprung sichern.

Für Trump ist dies eine persönliche Niederlage, auch wenn er natürlich jetzt die Schuld für das schlechte Abschneiden wie üblich auf den angeblich so schlechten Kandidaten schieben wird. Noch am Wochenende hatte Trump hier vor aufgeheizten Anhängern eine seiner üblichen Populistenreden gehalten. Er nannte den liberalen TV-Moderater Chuck Todd von MSNBC einen «Hurensohn», er prahlte mit angeblichen Erfolgen. Zudem pumpten Trump-nahe Unterstützergruppen viele Millionen Dollar in das symbolträchtige Rennen.

Republican Rick Saccone, center, is surrounded by cameras and reporters as he heads to the polling place to cast his ballot, Tuesday, March 13, 2018, in McKeesport, Pa. Saccone is running against Democrat Conor Lamb in a special election being held for the PA 18th Congressional District vacated by Republican Tim Murphy. (AP Photo/Keith Srakocic)

Rick Saccone Bild: AP/AP

Es half alles nichts. In Pennsylvania zeigte sich nun ein ähnliches Phänomen wie schon in den vorangegangenen Wahlen: Vor allem in den wohlhabenden Vororten können die Demokraten ihre Wählerklientel mobilisieren, viele Frauen gehen zur Wahl. Und: Auch Gewerkschafts-nahe Wähler stimmten für den Demokraten Lamb. Genau diese Wähler sicherten Trump noch 2016 die Präsidentschaft, weil sie in Staaten wie Pennsylvania, Ohio oder Michigan zu ihm abwanderten.

Es wäre sicherlich zu früh, daraus automatisch abzuleiten, dass Trump nun bei seiner Wählerbasis auf breiter Front an Zustimmung einbüsst. Aber es ist ein Indiz dafür, dass die Stimmung in bestimmten Gegenden möglicherweise kippt. Das unendliche Personalchaos im Weissen Haus, die Affäre um den Pornostar Stormy Daniels, die ewigen Pöbeleien des Präsidenten scheinen Wechselwähler zunehmend abzuschrecken und die Anhänger der Demokraten zu mobilisieren.

Taugt Lamb als Vorbild für andere demokratische Wahlkämpfe?

Für die Demokraten ist das eine Chance, der Kandidat Conor Lamb zeigt, wie sie in Trump-Hochburgen erfolgreich sein können: Er setzte mit konservativen Positionen bei Themen wie Waffen oder Migration auf die Ansprache bürgerlicher Wechselwähler. Dabei distanzierte er sich von der als klar links geltenden Anführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus in Washington, Nancy Pelosi. Er werde sie nicht unterstützen, sagte Lamb.

Zugleich kümmerte sich der Ex-Marine und Staatsanwalt bewusst um die weisse Arbeiterschaft. Zum Beispiel sprach er sich wie Trump für Strafzölle zum Schutz der heimischen Stahlindustrie aus.

Die Frage lautet nun, ob die Demokraten die Kraft aufbringen können, auch in anderen republikanischen Wahlbezirken solche passenden Kandidaten zu nominieren. Das Risiko für sie: Sollte sich die Parteibasis bei den Vorwahlen, die nun beginnen, eher für Linke-Progressive entscheiden, hätten die Republikaner in ihren Hochburgen wohl weiter den Vorteil.

Trump und seine Partei sind sich nicht einig

Donald Trump und die Republikaner suchen nun nach einem Weg, die drohende Niederlage bei den Kongresswahlen abzuwenden. Trump glaubt wohl, dass die konsequente Durchsetzung seiner «America First»-Agenda mit Strafzöllen und dem Bau der Mauer zu Mexiko helfen könnte. Auch so ist zu erklären, dass er bei beiden Themen momentan Druck macht.

Viele Republikaner im Kongress sehen das aber anders: Sie wollen in den wohlhabenden Vororten, wo ihre Kandidaten besonders verwundbar sind, vor allem mit dem Erreichten werben. Also zum Beispiel mit der Steuerreform. Zugleich setzen sie darauf, dass Trump weniger Chaos in der Regierung anrichtet und moderatere Töne anstimmt.

Aber: Donald Trump wird sich wohl nur ungern ändern. Das wäre jedenfalls die allergrösste Überraschung.

«Glauben Sie mir, jeder will im Weissen Haus arbeiten»

Video: srf

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Brikne, 20.7.2017
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roland Strauss 14.03.2018 23:33
    Highlight Diese Entwicklung ist ziemlich normal. Bei diesen Wahlen gibt es immer eine Gegenbewegung. Viele wählten Trump, um Hillary zu verhindern.
    4 1 Melden
  • chicadeltren 14.03.2018 22:02
    Highlight Und inwiefern ist dieser Lamb jetzt ein Dem?
    3 1 Melden
  • JoeyOnewood 14.03.2018 21:27
    Highlight was ist denn an dem wahnsinnig Demokratisch? klingt ja so, als ob er auch ein mittiger Republikaner sein könnte. er ist scheinbar einfach kein Rassist oder Sexist. Aber das scheint ja bereits ein Erfolg zu sein...
    9 1 Melden
  • Redly 14.03.2018 20:41
    Highlight Good News!
    36 2 Melden
  • reich&schön 14.03.2018 18:23
    Highlight Es wäre langsam Zeit für ein paar neue Parteien in den USA.
    Immer dieses Hin und Her zwischen grösserem und kleinerem Übel kann's ja auch nicht sein...
    59 3 Melden
    • Tsunami90 15.03.2018 03:07
      Highlight Gibt Parteien genug.
      2 0 Melden
    • reich&schön 15.03.2018 11:55
      Highlight Die sind aber zumindest auf Bundesebene bedeutunglos.
      1 0 Melden
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 14.03.2018 17:57
    Highlight Bei wirtschaftlichen Thema links, bei gesellschaftlichen Thema konservative könnte sich für die Demokraten als eine erfolgsversprechende Kombination in den red states handeln.
    Mal schauen wie sich das bei den nächsten Wahlen entwickelt.
    10 2 Melden
  • Sophia 14.03.2018 17:36
    Highlight Mal ehrlich, wer würde denn so Gesicht (Rick Saccone) wählen? Ich glaube an die Physiognomie und da geht so ein Gesicht einfach nicht durch, kann nicht durchgehen, genau so wenig, wie das Trump-Anglitz ein Fehler der Natur zu sein scheint. Klar, ich bin eine Ästhetin, Es wäre ja so schön, wenn die Menschen wenigstens das gemein hätten. Sogar der Gabriele D’Annunzio warnte aus gleichem Grund den B. Mussolini vor dem verbrecherischen Gesicht des Adolfo Hitlero und hat Recht behalten!!! Charakter sieht man am Gesicht, ich glaub's wenigstens.
    14 40 Melden
    • Triumvir 14.03.2018 21:21
      Highlight Ich wäre vorsichtig mit solchen fragwürdigen Theorien, denn die Nazis haben solche Theorien ebenfalls vertreten....
      12 0 Melden
    • Tsunami90 15.03.2018 03:09
      Highlight Echt jetzt?
      9 0 Melden
  • Pana 14.03.2018 17:21
    Highlight "Donald Trump freut sich schon auf den Herbst: Dann will der Präsident vor den wichtigen Kongresswahlen überall im Land für die Kandidaten der Republikaner werben."

    Ich könnte mich irren, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dies nicht zu den Verpflichtungen eines Präsidenten gehört.
    28 2 Melden
    • Tilman Fliegel 14.03.2018 21:14
      Highlight Deshalb heisst es ja er will und nicht er muss. Wahlkampf ist sein Ding: grosse Klappe und nichts dahinter. Aber er wird mit seiner Präsenz die Wähler bloss daran erinnern, wieso sie lieber keine Republikaner wählen sollten.
      10 0 Melden
    • reconquista's creed 14.03.2018 21:29
      Highlight Ja, abee Wahlkampf ist leider die einzige Sache auf der Welt die er, deswegen macht er es so gerne.
      Das viele lügen, übertreiben, selbstverherrlichen, diffamieren - und dann jubeln noch alle, herrlich..!
      10 0 Melden
  • Butzdi 14.03.2018 17:15
    Highlight Trumps Basis ist nur leicht am zerbröckeln, denn Sturheit lässt sich nicht durch Fakten beeinflussen. Grund für die Ergebnisse sind Leute die bisher gleichgültig waren gehen Wählen. Bei den Präsidentschaftswahlen gingen nur etwa 125 Millionen oder 47% der Wahlberechtigten an die Urne. Von den unter 30jährigen gingen nur etwa 20% wählen. Die Republikaner sollten sich Sorgen machen und die steigende Zahl der Republikaner die 2018 nicht mehr zur Wiederwahl antreten unterstreicht das.
    33 1 Melden

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