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Samantha Elauf (r.) und ihre Mutter freuen sich vor dem U.S. Supreme Court über ihren Sieg. Bild: Getty Images North America

Kopftuchstreit: Muslimin triumphiert in den USA über Abercrombie & Fitch

Eine Muslimin hat sich vor dem Supreme Court der USA gegen Abercrombie & Fitch durchgesetzt. Die Modekette wollte die junge Frau nicht als Verkäuferin einstellen, weil sie ein Kopftuch trug.

01.06.15, 22:21

Ein Artikel von

Im Kopftuchstreit mit der US-Modekette Abercrombie & Fitch hat eine Muslimin vom Obersten Gerichtshof der USA Recht bekommen. Das Unternehmen in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma habe ungesetzlich gehandelt, urteilte der Supreme Court in Washington.

Hintergrund: Die Firma hatte eine Bewerbung der Frau im Jahr 2008 als Verkäuferin abgelehnt, weil sich ihr Kopftuch nicht mit der Kleiderordnung der Marke vertrage. Die damals 17-Jährige vermutete hinter der Ablehnung eine religiöse Diskriminierung.

Mit Unterstützung der US-Behörde für gleiche Chancen in der Arbeitswelt (EEOC) strengte sie eine Klage an. In erster Instanz bekam sie eine Entschädigung von rund 18'200 Euro zugesprochen. Doch ein Berufungsgericht hob das Urteil auf, weil die Muslimin die Kette nicht darüber informiert habe, dass sie aus religiösen Gründen eine Ausnahme vom kopfbedeckungsverbot brauche. Nun gab eine Mehrheit von acht der neun Obersten Richter der Vereinigten Staaten der Frau Recht: Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 verbiete es, die Frau wegen ihrer Religion zu diskriminieren, begründeten die Richter ihre Entscheidung.

Die Klägerin müsse nicht beweisen, dass Abercrombie über ihre Religion informiert gewesen sei, hiess es in dem Urteil. Es reiche bereits, dass das Kopftuch ein «motivierender Faktor» für die Entscheidung der Modekette gewesen sei. Bei der mündlichen Urteilsbegründung ergänzte das Gericht, dass Abercrombie «zumindest vermutet» habe, dass die Frau das Kopftuch aus religiösen Gründen trage.

Abercrombie hatte erklärt, dass sämtliche Kopfbedeckungen gegen die Kleiderordnung für seine Mitarbeiter verstossen. Die Klägerin habe überdies gewusst, dass sie sich bei dem Job im «Abercrombie-Stil» präsentieren müsse. Die Modekette bezeichnet seine Verkäufer als «Models» und legt Wert auf ein jugendlich-sportliches Image. Männliche Verkäufer lässt das Unternehmen bisweilen mit nacktem Oberkörper arbeiten, Verkäuferinnen tragen nicht selten enge Oberteile mit tiefem Ausschnitt.

Bereits 2013 hatte Abercrombie & Fitch nach der Niederlage in einem anderen Kopftuchstreit zwei Bewerberinnen eine Ausgleichssumme von insgesamt 71'000 Dollar gezahlt und seine Kleidervorschriften gelockert.

kbl/dpa/AFP

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 02.06.2015 11:58
    Highlight Was die Fragen um das Kopftuch angeht, hat Frankreichs Ex-Präsident N. Sarkozy doch bereits alles treffend gesagt. Fragte er doch, ob "wir vielleicht unsere Schuhe anbehalten, wenn wir eine Moschee besuchen?"
    5 0 Melden
  • Der Tom 01.06.2015 23:36
    Highlight Verstehe das nicht. Für diese Modekette sind die Angestellten Models die Passend zu der Mode bekleidet sein müssen. Wenn das Kopftuch nicht passt hat die Ablehnung nichts mit Diskriminierung zu tun. Wie sieht das eigentlich bei Hooters aus?
    21 2 Melden
  • Dominik Sonntag 01.06.2015 23:18
    Highlight Wenn es 2013 schon ein Kopftuch Streit gab warum legt diese Frau es dann darauf an dort zu arbeiten, in einem Modegeschäft das seine Verkäufer als Models sieht. Wenn sie sich vorher etwas informiert hätte wüsste sie dass und davon gehe ich aus. Also für mich sieht das so aus als wollte sie genau so ein Verfahren erreichen nur um damit in die Presse zu kommen.
    17 2 Melden
  • Walti Rüdisüli 01.06.2015 23:12
    Highlight Passabler Artikel, nur etwas habe ich auszusetzen: Wenn es um die Staaten und Geld geht, schreibt doch die jeweiligen Geldsummen in US-Dollar hin, nicht in Euros. CHF wären ja noch nachvollziehbar, aber ansonsten weckt eine Angabe in einer falschen Währung den Verdacht, der Artikel oder zumindest Teile davon seien per "copy-paste" entstanden.
    12 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 01.06.2015 22:59
    Highlight na ja. die mode von a&f ist ja eh nichts aussergewöhnliches und aufgeblasen durch reines marketing-blabla.
    8 4 Melden
  • P hilip 01.06.2015 22:38
    Highlight Das sind doch auch die, die nur Kleidung an schöne Menschen verkaufen wollen. ^^
    7 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 01.06.2015 22:38
    Highlight Man mag jetzt über Kopftücher, Kopftuchverbot und Diskriminierung denken, was man will - aber wen ich zu welchen Bedingungen einstelle, sollte noch immer im Ermessen von mir als Unternehmerin stehen. Oder etwa nicht?
    20 5 Melden
    • Angelo C. 02.06.2015 11:07
      Highlight Absolut richtig vermutet! Wenn ich eine Firma betreibe, entscheide ich a) wie er oder sie in mein Betriebskonzept passt und b) was ich explizit für mein Geschäft als schädlich empfinde. Gewitzigt durch solche Erfahrungen, würde ich mir an der Stelle dieses nun mit hoher Geldstrafe belegten Modehauses künftig von jeder potenziellen Mitarbeiterin im Vorfeld der Anstellung bestätigen lassen, ob sie mit oder ohne Kopfbedeckung arbeiten wird. Das muss einfach erlaubt sein. Nachher nachbessern wollen ist offensichtlich zu riskant, zumal in den USA eh Jede und Jeder die Krumme machen will, um sich für alles und jedes gerne ein Zubrot im mehrstelligen Bereich zu verdienen. Und dies nicht nur beim "lebenslänglich nachwirkenden Trauma" wegen dem Haar eines Verpackungsmitarbeiters in der Konservendose :-)! Ein furchtbares Land, diese USA - mitsamt ihrem kruden Rechtssystem....
      3 1 Melden

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