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Nazi-Schergen in den USA kassierten mehr als 20 Millionen Dollar Rente

Ehemalige SS-Männer und KZ-Wachleute haben in den USA insgesamt mehr als 20 Millionen Dollar Rente bekommen. In einigen Fällen soll der Staat mit früheren Nazischergen einen Deal eingegangen sein: Geld gegen Ausreise.

01.06.15, 09:53 01.06.15, 10:04

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Während des Zweiten Weltkriegs war Elfriede R. im Konzentrationslager Ravensbrück stationiert. Nach Kriegsende wanderte sie nach Kalifornien aus, heiratete einen Juden, der aus Deutschland stammte und dessen Eltern im Holocaust ermordet worden waren. Als R.s Vergangenheit bekannt wurde, verliess sie die USA. Das war 2006. Danach erhielt sie von den US-Behörden insgesamt 120'000 Dollar Witwenrente, weil es bis zum vergangenen Jahr keine gesetzliche Grundlage dafür gab, die Zahlungen zu stoppen.

R. ist die einzige Nazigehilfin, gegen die das US-Justizministerium je ein Abschiebungsverfahren einleitete. Doch was ihre Rentenbezüge anbelangt, ist sie keine Ausnahme. Das geht aus einem Report des Inspector General der US-Rentenversicherung hervor. Die Nachrichtenagentur Associated Press konnte den Bericht vorab einsehen.

Demnach zahlten die USA an mutmassliche Nazi-Kriegsverbrecher, SS-Männer und andere mutmassliche Gehilfen des NS-Regimes – insgesamt 133 Personen – 20,2 Millionen Dollar. Die Summe, weitaus mehr als bislang vermutet, floss von Februar 1962 bis Januar 2015. Dann trat ein Gesetz namens «No Social Security for Nazis» in Kraft.

Deals mit Ex-Nazis

Die Millionensumme zeigt, wie lange die US-amerikanische Öffentlichkeit sich des Zustroms von Nazis nicht bewusst war. Bis zu 10'000 sollen nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert sein; die meisten logen über ihre Vergangenheit, um US-Bürger werden zu können. Erst 1979 wurde im US-Justizministerium eine spezielle Einheit gegründet, um diese Leute aufzuspüren.

Laut Associated Press ging der Staat mit Ex-Nazis einen fragwürdigen Deal ein: Wenn sie das Land verliessen oder vor ihrer Abschiebung flohen, floss weiterhin Geld. Das Justizministerium bestreitet allerdings, Zahlungen der Rentenversicherung benutzt zu haben, um diese Bürger wieder loszuwerden.

5,6 Millionen Dollar wurden dem Bericht zufolge an 38 Ex-Nazis gezahlt, ehe sie abgeschoben wurden. 95 mutmassliche Nazi-Kriegsverbrecher erhielten insgesamt 14,5 Millionen Dollar. Die Hälfte dieser Gruppe starb oder floh aus den USA, während ihre Verfahren noch liefen. Andere einigten sich mit den Behörden und durften aus gesundheitlichen Gründen bleiben – oder weil sie mit den Ermittlern kooperierten.

Efraim Zuroff vom Simon Wiesenthal Center in Jerusalem sagte, es sei notwendig gewesen, die mutmasslichen Nazis aus den USA zu entfernen. Aber es sei ein Hohn, dass viele von ihnen dennoch Zahlungen erhalten hätten. «Es geht hier ums Prinzip – schliesst man Deals mit Nazis, um sie ausser Landes zu bekommen?», sagte Zuroff. «Das Justizministerium hat Ja gesagt, aber wer möchte daran denken, dass Steuerdollar an Leute gingen, die in Lagern Wache schoben?» Andererseits habe die Regierung einfach versucht, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst viel zu tun.

Der Bericht nennt als Beispiel den Fall einer Person, die in mehreren Konzentrationslagern in der Wachmannschaft arbeitete. Als sie 1989 erfuhr, dass ihr die US-Staatsbürgerschaft entzogen werden sollte, verliess sie das Land. Danach flossen bis Januar 2015 noch 400'000 Dollar aus der US-Rentenkasse an die Person. (ulz/AP)

Das wurde aus der Führungsriege des «Dritten Reiches»

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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