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epa05953748 (FILE) -  FBI Director James Comey testifies before the Senate Judiciary Committee hearing on 'Oversight of the Federal Bureau of Investigation.' on Capitol Hill in Washington, DC, USA, 03 May 2017. FBI Director James B. Comey has been dismissed by US President Donald J. Trump according to White House spokesman Sean Spicer on 09 May 2017.  EPA/SHAWN THEW

FBI-Direktor James Comey. Bild: SHAWN THEW/EPA/KEYSTONE

Knall in Washington! Trump entlässt FBI-Chef Comey

09.05.17, 23:58 10.05.17, 06:32


Es ist eine Entscheidung wie ein Blitzeinschlag: US-Präsident Donald Trump hat FBI-Chef James Comey mit sofortiger Wirkung entlassen. Das teilte das Weisse Haus am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Die Demokraten reagierten entsetzt – und ziehen Parallelen zum Watergate-Skandal.

Präsident Trump habe auf klare Empfehlungen von Justizminister Jeff Sessions und des stellvertretenden Generalbundesanwalts Rod Rosenstein gehandelt, hiess es in der Mitteilung des Weissen Hauses. Die Entscheidung kommt völlig überraschend. Comeys Behörde führt die Ermittlungen wegen möglicher Russlandkontakte des Trump-Teams. Er galt schon deswegen als so gut wie unantastbar.

Trump schrieb in einem Brief an das FBI, der US-Medien vorliegt, Comey habe ihm drei Mal persönlich gesagt, dass nicht persönlich gegen ihn ermittelt werde. «Gleichwohl stimme ich völlig mit dem Justizministerium überein, dass Sie nicht in der Lage sind, das FBI zu führen», schreibt Trump. Trump fügte hinzu, es sei nun sehr wichtig, dass das Vertrauen in das FBI wiederhergestellt werde.

Erinnerung an «Watergate»

Die US-Demokraten verwiesen in ersten Reaktionen auf Comeys Ermittlungen zu etwaigen Russland-Verbindungen. Der Schritt «riecht nach einer Vertuschung» und sei Teil eines Versuches, die Untersuchung zu behindern, sagte der ranghöchste Demokrat im Justizausschuss des Repräsentantenhauses, John Conyers. Die USA stünden damit am Rande einer Verfassungskrise.

Der Vizevorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, der Demokrat Mark Warner, nannte die Entlassung Comeys «schockierend». Es sei «tief beunruhigend», dass der Präsident den FBI-Chef inmitten der Ermittlungen zu «unangemessenen Kontakten» zwischen dem Trump-Team und Russland entlasse. Warner wie auch der Chef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, forderten die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers zu der Russland-Affäre.

Mehrere Demokraten zogen zudem Parallelen zu dem «Saturday Night Massacre» 1973, als der damalige Präsident Richard Nixon in der Watergate-Affäre einen unabhängigen Sonderermittler entliess. Gegen Nixon wurde später ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Das Präsidialamt wies die Vorwürfe zurück.

Schwerer Schatten

Die Russlandermittlungen gegen das Trump-Team sind seit Monaten ein schwerer Schatten über der Präsidentschaft des Republikaners. Das FBI untersucht mögliche Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung während des Präsidentschaftswahlkampfs.

In den USA laufen mehrere Ermittlungen wegen einer möglichen Einflussnahme Russlands auf die Wahl. Allerdings ist die Untersuchung im Repräsentantenhaus wegen des Streits zwischen den Parteien blockiert und auch der Senat kommt kaum voran. In beiden Kammern halten Trumps Republikaner die Mehrheit und leiten damit auch die Ausschüsse. Die Regierung in Moskau und der US-Präsident weisen alle Vorwürfe entschieden zurück.

Comey hatte rund um die US-Wahl 2016 eine herausragende Rolle gespielt. Erst vor wenigen Tagen hatte er seine umstrittene Entscheidung verteidigt, kurz vor der Wahl im November 2016 neue Entwicklungen in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton öffentlich gemacht zu haben. Er sagte: «Es war eine harte Entscheidung, aber ich glaube im Rückblick, dass es die richtige Entscheidung war.»

Unter Berufung auf eine Bewertung von Vize-Justizminister Rosenstein hiess es, Comey hätte seine neuen Schlussfolgerungen in der E-Mail-Affäre nicht Ende Oktober – in der heissen Phase des Wahlkampfs – veröffentlichen dürfen.

Unabhängige Stimme

Comey hatte am 27. Oktober in einem Brief an Senatoren überraschend erklärt, er wolle die Ermittlungen in Clintons E-Mail-Affäre wieder aufnehmen, weil weitere Nachrichten aufgetaucht seien. Mehrere Tage später teilte Comey zwar mit, auch mit den neu entdeckten E-Mails gebe es keinen Anlass dafür, ein Strafverfahren gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin einzuleiten. Die Entwicklungen aber schadeten Clinton im Wahlkampf gegen den späteren Sieger Donald Trump sehr.

Comey ist ein Republikaner, der sich in Washington auch als unabhängige Stimme einen Namen gemacht hat. Er führte eine Behörde mit mehreren zehntausend Mitarbeitern und galt als einer der begabtesten und am höchsten respektierten Experten im Bereich Sicherheit und Strafverfolgung.

Comey war vor vier Jahren vom damaligen Präsidenten Barack Obama an die Spitze des FBI berufen worden. Die reguläre Amtszeit der FBI-Direktoren läuft über zehn Jahre. (sda/dpa/afp/reu)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dr. flöckli 10.05.2017 08:48
    Highlight Ich sehe gerne zu, wie sich Trump sein eigenes Grab schaufelt, denn alles lassen sich auch die Amis nicht gefallen.
    Wie es vor ein paar Wochen hier bei Watson hiess: Top, die Wette gilt! Hoffe, er wird irgendwann im August abgesetzt, dann kann ich vielleicht nach Moskau fliegen😉😎
    19 3 Melden
  • Moelal 10.05.2017 08:17
    Highlight Wann feuert sich Trumpel endlich selber?
    17 7 Melden
  • boexu 10.05.2017 08:03
    Highlight Das klingt für mich wie ein Polit-Thriller aus der Feder eines nicht mit Kreativität gesegneten Autors. "Freue" mich schon aufs nächste Kapitel...
    22 1 Melden
  • URSS 10.05.2017 08:03
    Highlight Comey weg?! Gut so. Dieser Mann ist so Inkompetent wie sein Chef.
    Mitten im Wahlkampf schiesst er Clinton grundlos aus der Präsidentschaft. Dabei geht es nicht darum ob Clinton geliebt wird oder nicht, er hat damit unzulässig den Wahlkampf zugunsten von Trump entschieden mit seiner Ankündigung es werde ermittelt. Nach dem die Scherben am Boden liegen sagt er salopp, es werde doch nicht ermittelt.
    Die Absetzung von Comey ist der Anfang vom Ende Donald Trumps, offenbar war Comey Trump gefährlich nahe gekommen.
    14 6 Melden
    • MacB 10.05.2017 09:14
      Highlight Wieso inkompetent? Weil er seine Arbeit macht? Sein Job bestand nicht darin, Rücksicht auf Wahlen oder sonst was zu nehmen, sondern Untersuchungen bei Verdachtsmomenten zu führen. Auch wenn das Timing vielleicht unglücklich war, Clinton hat sich selbst aus dem Wahlkampf genommen.
      0 0 Melden
  • NumeIch 10.05.2017 07:52
    Highlight So es ist Zeit für das Amtsenthebungsverfahren. Bevor Donnie noch mehr kaputt machen kann.
    22 3 Melden
  • N. Y. P. D. 10.05.2017 07:03
    Highlight Comey galt/gilt als einer der begabtesten und am höchsten respektierten Experten im Bereich Sicherheit und Strafverfolgung.

    Und Trump so : «Gleichwohl stimme ich völlig mit dem Justizministerium überein, dass Sie nicht in der Lage sind, das FBI zu führen»
    Es sei nun sehr wichtig, dass das Vertrauen ! in das FBI wiederhergestellt werde.

    Es ist wohl das einzige Amt der Welt, das dazu benützt werden kann, seine eigenen Strafverfolger zu entlassen.

    Comey muss demnach schon ganz nahe an Donald dran gewesen sein.

    Andere werden jetzt zu Ende führen müssen..

    64 6 Melden
    • Buff Rogene 10.05.2017 07:26
      Highlight "Andere werden jetzt zu Ende führen müssen.."

      Damit gibts Du gleich den Grund mit an, weshalb eine Entlassung Comey aus den gemeinhin angeführten einfach keinen Sinn macht.

      Comey ist nicht das FBI.
      Und die Untersuchungen richten sich nicht gegen Trump persönlich, sondern gegen ein, zwei marginale Lakeien.

      Nein, ich bin kein Trump Fan. Aber diese Verzerrungen sind wirklich nicht zum aushalten. Hoffe, dass sich das irgendwann wieder bessert.
      10 42 Melden
    • roger.schmid 10.05.2017 07:51
      Highlight @Buff: "nur gegen ein, zwei marginale Lakeien." !? z.b der nationale Sicherheitsberater..? mach dich nicht lächerlich.
      28 4 Melden
    • N. Y. P. D. 10.05.2017 09:06
      Highlight @Buff Rogene
      Ich kann nicht schreiben, dass der neue FBI-Direktor die Sache zu enden führen wird. Der Neue wird von Trumps Gnaden sein. Und die Untersuchungen stark einbremsen.
      Deshalb habe ich "Andere" geschrieben.

      a) Es könnten FBI-Internas an die Presse gelangen.

      b) Journalisten bringen schlussendlich die Beweise für die Russland-Verbindungen an die Öffentlichkeit.

      c) ...

      Mit "Andere" will ich also alle Möglichkeiten abdecken..
      4 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rubby 10.05.2017 06:32
    Highlight Diese unglaubliche überheblichkeit von donald trump macht einem fassungslos..!!!...das riecht nach vertuschung....auch wenn er "angeblich" nach empfehlungen gehandelt hat könnte ihm dieser schritt das genick brechen....es wär jetzt an der zeit, dass dieser unfähige mann von seinem hohen ross fällt ....jetzt sollten endlich männer mit verstand in den vordergrund treten und diesen typen der so unglaublich selbst verliebt ist zu fall bringen !!
    56 4 Melden
    • Asmodeus 10.05.2017 06:46
      Highlight "Hey Donald. If this guy stays we are in really deep shit"
      - "Yeah. I, the greatest President that has ever lived, agree."
      20 2 Melden
    • Bijouxly 10.05.2017 07:10
      Highlight ... Und frauen.
      21 4 Melden
  • Nathanael 10.05.2017 03:08
    Highlight Mögliche Zeugen oder Opponenten ausschalten - so führt nun mal ein moderner Herrscher, da hat Trump schon recht. Machen Erdogan, Putin, Zuma oder Mugabe ja auch so; seit langem sehr erfolgreich.
    112 5 Melden
  • elivi 10.05.2017 02:30
    Highlight Whahahaha haha ha aaach solche news sind wie immer wieder die gleichen witze zu hören.
    Wie lange brauchten die franzosen um ihren könig zu stürzen? Ah glaub die waren fast am verhungern. Tja da darf der wohl so einigen kack übers volk giesen bevor es soweit kommt ...
    44 5 Melden
  • Juliet Bravo 10.05.2017 02:12
    Highlight Die Moskau-Connection wird ihm wohl langsam zu heiss. Es wird ihm noch um die Ohren fliegen.
    57 5 Melden
    • Asmodeus 10.05.2017 05:28
      Highlight Ich befürchte das wird es nicht.

      Die Republikaner haben ja nicht die Eier in der Hose um Trump abzusägen.
      39 3 Melden
  • Gummibär 10.05.2017 01:39
    Highlight Im Kremlin lachen sie sich krumm.
    US National Security Advisor kompromittiert und gefeuert.
    US Attorney General gefeuert.
    US Direktor des FBI gefeuert.
    US Justizminister in den Ausstand getreten.
    Die Demokraten und die Republikaner in den Untersuchungsausschüssen auf Konfrontationskurs.
    Besser hätten sie es sich kaum wünschen können - die Russischen Hacker.
    89 7 Melden
  • Hayek1902 10.05.2017 01:21
    Highlight Typisch Türkei, der Sultan demontiert die Justiz... Ups
    72 4 Melden
  • phreko 10.05.2017 00:45
    Highlight Zuerst hebt er ihn ins Amt und danach wird er trotzdem von ihm abgeschossen. Soll noch einer die Welt verstehen!

    21 15 Melden
    • Asmodeus 10.05.2017 05:29
      Highlight Vielleicht hat Comey hat plötzlich ein Gewissen gekriegt, die Schmiergeldzahlungen wurden eingestellt oder er hat bemerkt, dass sein Arsch ebenfalls auf Grundeis geht, wenn er sich nicht gegen Trump wendet.

      Wenn Comey plötzlich einen Unfall hat in den nächsten Tagen/Wochen, wissen wirs.
      28 5 Melden
    • maljian 10.05.2017 05:54
      Highlight Er wurde von Obama vor 4 Jahren ernannt, nicht von Trump.
      37 0 Melden
    • dä dingsbums 10.05.2017 06:14
      Highlight Ins Amt berufen wurde er von Obama, steht im Artikel.
      30 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Matthias Studer 10.05.2017 00:39
    Highlight Dabei hat er Trump im Wahlkampf noch so dermaßen unterstützt...
    45 5 Melden
    • HabbyHab 10.05.2017 06:43
      Highlight Es gibt nicht nur gut und böse und Meinungen zu Leuten können sich ändern, lieber Radiochopf. Viele nehmen Comey seine Intervention gegen Clinton immer noch übel, aber das hält nicht davon ab, seine Ermittlungen gegen Trump&Team gut zu finden.
      23 2 Melden
  • Butzdi 10.05.2017 00:31
    Highlight Tja, und so gehts weiter im Zirkus. Die Untersuchten Sessions und Trump entlassen den Untersucher.... das hat Nixon übrigens auch gemacht, kurz bevor sein Absetzungsprozess begann.
    116 7 Melden
    • Pana 10.05.2017 00:46
      Highlight Trump: "Let's make this look a little more like Watergate."

      Bannon: "Hold my beer."
      69 1 Melden
  • Jason84 10.05.2017 00:26
    Highlight Ob er so die Ermittlungen gegen sein Team stoppen möchte?
    75 6 Melden
    • Mishach 10.05.2017 01:24
      Highlight Natuerlich! Das sahen verschiedene Analytiker schon vor Monaten heraus. Trump tut alles, um seine Terrorherrscaft zu behalten und sich und seine Familie zu bereichern. Ob die diversen investigationen im Senat und im Hause nun weitergehen, ist etwas unklar.
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