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Republican presidential nominee Donald Trump speaks at the National Guard Association of the United States 138th General Conference and Exhibition in Baltimore, Maryland, U.S., September 12, 2016.  REUTERS/Mike Segar

Verhält sich nach dem Vorfall an der 9/11-Gedenkfeier auffallend zurückhaltend: Donald Trump.  Bild: MIKE SEGAR/REUTERS

Clinton in der Krise – wann explodiert die Zeitbombe Trump?

Wahlkampf-Pannen, Schwächeanfall: Hillary Clinton steckt in einer schweren Krise. Donald Trump wittert eine neue Chance – und agiert auf einmal überraschend differenziert.

13.09.16, 07:30 13.09.16, 08:22

Veit Medick



Ein Artikel von

In acht Wochen ist Wahl, aber zunächst einmal wollte Donald Trump ein angenehmeres Thema ansprechen. Er widmete sich im Fernsehen ausführlich seinem neuen Luxushotel in Washington DC. «Das Hotel ist grossartig. Es ist überragend. Ein solches Hotel hat Washington noch nie gesehen. Ein unglaubliches Projekt», schwärmte der Milliardär.

epa05537136 The Trump International Hotel on Pennsylvania Avenue in Washington, DC, USA, 12 September 2016. The Trump International Hotel opens today, with its grand opening ceremonies scheduled for 24 October 2016.  EPA/SHAWN THEW

Trumps neuestes Baby: Luxushotel in Washington. Bild: SHAWN THEW/EPA/KEYSTONE

Das hatte zwar wenig mit seinen Plänen für eine mögliche Präsidentschaft zu tun, aber für Gebäude, auf denen sein Name prangt, hatte Trump immer schon eine sehr ausgeprägte Leidenschaft. Und ausserdem läuft alles gerade so gut für ihn, dass einer wie er eben rasch ins Pathetische abgleitet.

Seine Rivalin steckt in einer Krise. Hillary Clinton hat schwere Tage hinter sich. Erst hat sie Trumps Anhänger beschimpft und damit gegen die goldene Regel von Präsidentschaftskandidaten verstossen, sich niemals mit den Wählern eines Konkurrenten anzulegen. Dann erlitt sie in Manhattan einen Schwächeanfall und hat die erschütterte Öffentlichkeit erst verspätet wissen lassen, dass sie an einer Lungenentzündung erkrankt ist. Amerika ist irritiert, und Trump sieht eine neue Chance auf den Wahlsieg im November. Diese Chance möchte er sich ungerne entgehen lassen.

Zwei Dinge sind auffällig

Erstens: Trump schweigt weitgehend zu Clintons gesundheitlichen Problemen. Er wünscht seiner Rivalin gute Besserung, vermeidet es aber, über ihren Zustand zu spekulieren, wie er es sonst so gerne macht. Das ist kein ungeschickter Ansatz. Seine Kampagne, so heisst es, habe ihn gewarnt, sich bloss aus dem Thema herauszuhalten. Clinton ist an dieser Front auch ohne uns unter Druck, so die Einschätzung, was sicher richtig ist. Aber alle in Trumps Umfeld wissen, wie schnell der Milliardär sich dazu verleiten lässt, trotz aller interner Absprachen doch persönlich zu werden, insofern herrscht an dieser Stelle noch hinreichend Unsicherheit, wie lange Trump sich zügeln kann.

Die gute Nachricht aus Sicht seiner Leute ist, dass Trump –  zweitens – auffallend diszipliniert agiert, was seine politische Botschaft angeht.

Seit Clinton bei einem Spendendinner am vergangenen Freitag «die Hälfte» seiner Anhänger als «erbärmliche» Rassisten und Sexisten angriff, glaubt er, ihren wunden Punkt gefunden zu haben. Am Montag arbeitete er sich eine gesamte Rede lang an Clintons strategischem Fauxpas ab, warf ihr vor, das Land zu spalten und die Amerikaner wie Objekte zu behandeln. Parallel dazu veröffentlichte seine Kampagne einen neuen TV-Spot, in dem Clintons Zitate ausgewalzt werden.

Trump hofft darauf, seine Gegnerin als ähnlich entrückt erscheinen zu lassen, wie es Barack Obama 2012 mit seinem Gegner Mitt Romney machte, nachdem dieser «47 Prozent» der Amerikaner zu unmündigen staatlichen Subventionsempfängern erklärt hatte. «Man kann das Land nicht führen, wenn man sein Volk geringschätzt», sagte Trump bei einer Veranstaltung in Baltimore und seine Fans erhoben sich, um zu applaudieren.

epa05536925 Republican presidential nominee Donald Trump departs after speaking at the National Guard Association of the United States (NGAUS) General Conference & Exhibition at the Baltimore Convention Center in Baltimore, Maryland, USA, 12 September 2016.  EPA/JIM LO SCALZO

Donald Trump am Montag in Baltimore. Bild: JIM LO SCALZO/EPA/KEYSTONE

Die Sätze klangen tatsächlich gut, aber es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, Trump so sprechen zu hören. Es gab kaum eine gesellschaftliche Gruppe, die der Milliardär in den vergangenen zwölf Monaten nicht verunglimpfte. Illegale mexikanische Einwanderer bezeichnete er als Vergewaltiger und Drogendealer, er beleidigte die Eltern eines gefallenen Soldaten, machte abfällige Bemerkungen über Frauen, Bürgerrechtler und einen prominenten Kriegsgefangenen.

Die Gefahr aus Trumps Sicht ist, dass immer dann, wenn Clintons Sätze thematisiert werden, auch seine eigenen Beleidigungen eine Renaissance erfahren. Hinzu kommt, dass er auch in seinem Leben vor der Kandidatur eher selten als Inklusionsexperte aufgetreten ist. Seine Kritiker erinnern nun daran, dass er Romneys Aussetzer vor vier Jahren vehement verteidigte, dem Republikaner damals sogar davon abriet, sich zu entschuldigen.

Trump will Details zu Gesundheitszustand veröffentlichen

Ähnliche Tücken hält Clintons Gesundheitsproblematik für Trump bereit. Die Demokratin steht – übrigens auch innerhalb ihrer Partei – zu Recht in der Kritik, die Hintergründe ihres Schwächeanfalls zunächst verheimlicht zu haben. Weil sie schon vor dem Kollaps mit einem grundsätzlichen Vertrauensproblem zu kämpfen hatte, versuchen Trumps Gegner nun, beides miteinander zu verweben.

Das ist ein legitimer Versuch, ihren Schaden noch zu vergrössern, nur ist die Sache mit der Transparenz nicht zwangsläufig ein Gewinnerthema für Donald Trump. Je mehr über Clintons rätselhaftes Faible für Klandestinität diskutiert wird, desto stärker dürfte auch in den Blick geraten, was der Republikaner selbst alles der Öffentlichkeit vorenthält. Von seiner Steuererklärung über ein ausführliches medizinisches Attest bis hin zu seinen «geheimen» Plänen gegen den Islamischen Staat – die Liste ist lang.

Immerhin: In dieser Woche will Trump offenbar ein paar neue Details zu seinem Gesundheitszustand veröffentlichen. Nur gibt es auch in seiner Partei Menschen, die das erst glauben, wenn sie die Papiere wirklich sehen. Grossen Ankündigungen keine Taten folgen zu lassen, ist bislang eine Art roter Faden gewesen in seiner Kandidatur.

Aber das ist nochmal ein anderes Thema.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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30
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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Malu 81 25.09.2016 09:54
    Highlight Verschont die Welt vor Trump. Lasst diesen
    Irren, nur in seinem privaten Reich König
    spielen..
    0 0 Melden
  • Beobachter24 13.09.2016 21:32
    Highlight Reines Wunschdenken.
    Ich sehe nicht, warum Trump "explodieren" sollte. Er wird bei der Wahl zur Verfügung stehen.
    Bei Clinton gilt es abzuwarten - mal schauen, ob ihre Gesundheit mitspielt.

    Zurück zu den Explosionen: Ich würde mal nicht ausschliessen, dass wikileaks noch die eine oder andere "Büchse" aufmacht.

    Abwarten und Bier trinken.
    8 2 Melden
  • stadtzuercher 13.09.2016 11:45
    Highlight wäre dufte, wenn die demokraten und ihre wähler es plötzlich bereuen würden, clinton sanders vorgezogen zu haben.
    26 5 Melden
  • panaap 13.09.2016 10:36
    Highlight Lustig wie alle Experten von der amerikanischen Innenpolitik. Wäre nur ein Bruchteil davon für die Schweizer Politik offen...
    12 10 Melden
  • Distace 13.09.2016 09:45
    Highlight Bitte bringt zur Abwechslung mal einen positiven Bericht über Trump. Es kann doch nicht alles schlecht sein an ihm?
    35 52 Melden
    • Crecas 13.09.2016 10:29
      Highlight Ich hatte vor einem Jahr grosse Hoffnungen für Trump. Ich habe mir gewünscht, dass dadurch endlich das verkrustete System aufgebrochen wird (Clinton ist ein Symbol für dieses System). Leider macht er seinen Job nicht. Er hat keine Rezepte gebracht, keine Lösungen. Nur more of the same gespickt mit vielen Lügen und unfältigen Bemerkungen. Dazu hat er mehrfach gezeigt, dass er potentiell sehr gefährlich ist. Leider gibt's da nicht mehr viel positives (wenn jemand 70% Falschaussagen macht).
      36 12 Melden
    • Chrigi-B 13.09.2016 12:12
      Highlight Trump will Präsident werden um die Steuern (natürlich für seine Unternehmen, seine persönlichen und die seiner Milliardärsfreunde) zu senken. Der normale Büezer ist dem sowas von egal. Sagt ja alles wenn man KFC mit Silberbesteck ist.
      18 8 Melden
    • lilie 13.09.2016 14:13
      Highlight @Distace: Etwas Gutes zu Trump sagen? Das ist leicht: Es ist ihm gelungen, einen wesentlichen Anteil der amerikanischen Stimmbürger von sich zu überzeugen.

      Wie ihm das gelingen konnte, nachdem er als Politiker unerfahren, planlos und unfähig ist, als Unternehmer gescheitert und als Privatperson nach Aussagen seines Biografen ein A****loch ist, sagt unter dem Strich vermutlich mehr über das amerikanische Stimmvolk aus als über ihn...
      14 10 Melden
  • SVARTGARD 13.09.2016 09:04
    Highlight JETZT! 💣💣💣
    14 18 Melden
  • Sillum 13.09.2016 09:01
    Highlight Das ist jetzt nun der gefühlte zweimillionste Bericht von Watson über Trump. Und kein einziger erwähnte jemals auch nur der kleinste Nanomillimeter vom Selfmademillionär der, wenn auch lediglich im Nanopromille-Bereich, positiv gewesen wäre. Gibt es wirklich nichts? Wenn er doch wenigsten bloss einmal im Monat ordentlich die Zähne putzen würde. Nein? Nicht mal das? Ich zweifle einfach an der seriösen Berichterstattung.
    67 45 Melden
    • Tepesch 13.09.2016 09:28
      Highlight @Sillum
      Das Problem mit Trump ist, dass er zu jedem Thema beide Seiten vertriett (abhängig vom aktuellen Publikum). Bei dem Mann weiss man einfach gar nicht für was er einsteht...
      22 19 Melden
    • ArcticFox 13.09.2016 10:26
      Highlight Selfmademillionӓr?
      36 6 Melden
    • mbr72 13.09.2016 12:48
      Highlight Selfmademillionär? Machst du Witze, der hat mit Daddys Startkässeli von 200 Mio. gestartet!!
      17 5 Melden
    • Hans Jürg 13.09.2016 19:13
      Highlight Selfmademilliardär? Er hat ein paar hundert Millionen geerbt. Ist mehrmals bankrott gegangen. Hat u.a. due Stadt Atlantic City ruiniert. Und er ist - so vermutet man - eigentlich Pleite.
      10 1 Melden
  • Der Rückbauer 13.09.2016 08:58
    Highlight «Amerika, das ist die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne den Umweg über die Kultur».
    40 18 Melden
  • MaskedGaijin 13.09.2016 08:32
    Highlight Titel auf Spiegel Online: Trumps Stunde

    Titel auf Watson: Clinton in der Krise – wann explodiert die Zeitbombe Trump?

    Ist 'Trumps Stunde' zu wenig reisserisch (für den gleichen Artikel)?
    86 8 Melden
  • lilie 13.09.2016 08:24
    Highlight Langsam kriege ich das Gefühl, es wäre am besten, beide würden offiziell zurücktreten und man würde Neuwahlen ansetzen.

    Das ist doch kein ernstzunehmender Wahlkampf mehr! 😕
    87 6 Melden
    • MeineMeinung 13.09.2016 09:11
      Highlight Ich hab so das Gefühl, dass die USA besser dran ist, wenn sie die nächsten vier Jahre ohne Präsident dastehen, als mit einemdieser beiden Idioten als POTUS!
      45 7 Melden
    • Sir Jonathan Ive 13.09.2016 10:49
      Highlight Aaron Burr for President!
      0 4 Melden
    • lilie 13.09.2016 14:15
      Highlight Sollen wir den Amis schreiben und ihnen erklären, wie man richtig wählt?

      Wir könnten grad noch eine Kopie an die Engländer schicken.

      Und an die Österreicher. 😆
      7 1 Melden
    • Jol Bear 13.09.2016 22:37
      Highlight Kanye West stellt sich leider erst in vier Jahren zur Verfügung...
      2 0 Melden
  • Domino 13.09.2016 07:49
    Highlight Die Frage ist doch eher wie die direkten TV-Duelle sein werden. Ist Hillary überhaupt fähig dazu? Sie hat seit Monaten keine Pressekonferenz gegeben. Ihre Auftritte dauerten selten länger als 15 Minuten. Oft sass sie oder war an einen Hocker angelehnt.
    41 17 Melden
    • Crecas 13.09.2016 09:18
      Highlight Sie war jeden Tag auf dem Capaign Trail, hat sehr viele Fundraiser gemacht und jeden Tag irgendwelche Interviews gegeben, war live oder zugeschaltet in TV Shows.

      Keine Pressekonferenzen zu machen (so dass man Fox News keine Fragen beantworten muss) und weniger grosse Rallies als viel mehr grosse Fundraiser zu machen (mehr finanzielle Mittel für das Ground-Game und die gezielten Ads, statt nicht gezielte Berichterstattung über Rallies), ist schlicht Wahltaktik. Wer das nicht sieht, versteht wenig von US Politik.
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