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Ein Bild der Zerstörung: 12 Zugwaggons sprangen beim Unglück aus den Geleisen. Bild: AP/The Seattle Times

Zug kracht auf Autobahn: Der Amtrak war mit 128 statt 48 Stundenkilometer unterwegs

Bei Seattle stürzte ein Amtrak-Zug auf der Jungfernfahrt auf eine Schnellstrasse. Mindestens drei Menschen starben, über 70 wurden verletzt. 

19.12.17, 03:59 19.12.17, 09:38

Der im US-Bundesstaat Washington entgleiste Zug ist deutlich zu schnell unterwegs gewesen. Statt umgerechnet 48 Kilometer pro Stunde sei der Zug 128 Stundenkilometer schnell gefahren, teilte die US-Verkehrsbehörde am Dienstag mit. Beim Unglück starben drei Menschen.

Es sind Szenen wie aus einem Katastrophen-Film. Bei Seattle ist ein Amtrak-Zug von einer Brücke gestürzt und mitten in der morgendlichen Rush-Hour auf eine Autobahn gekracht.

Bislang haben die Rettungskräfte drei Tote aus dem völlig zerstörten Zugswrack geborgen. Über 70 Menschen wurden ins Spital gebracht. «Noch weiss niemand, wie viele Menschen wirklich gestorben sind», sagte der Bürgermeister von Dupont zu CNN.

Die Rettungsmannschaften kämpfen sich derzeit mit schwerem Gerät durch die völlig verkeilten Waggons, um weitere Opfer zu finden. 

Es gibt erste Hinweis, dass der Zug auf seiner Jungfernfahrt viel zu schnell unterwegs war. Wie Fox News berichtet, ist der Streckenabschnitt für Tempo 50 ausgelegt. Der Zug sei aber fast mit 130 Stundenkilometern unterwegs gewesen.  

So erlebten die Passagiere den Crash

Chris Karnes spürte zuerst ein Ruckeln, dann wurde er im Waggon herumgeschleudert. «Es tönte wie in einer Aluminiumbüchse, die gerade zerdrückt wird. Die Menschen haben geschrien». Darauf sei das Licht ausgegangen. 

Überall seien Verletzte auf dem Boden gelegen. «Die Leute bluteten und schrien. Eine Person hat sich gar nicht mehr bewegt», schildert ein anderer Augenzeuge. 

Ein Waggon krachte auf einen Laster. Bild: AP/The News Tribune

Der Amtrak-Zug befuhr die neue Bahnstrecke an diesem Tag zum ersten Mal. «Ich wollte unbedingt auf der Jungfernfahrt dabei sein», sagt Karnes weiter. Er sei sich sicher, dass der Zug vor der Entgleisung nicht gebremst habe. 

«Es tönte, wie wenn eine Alu-Büchse zerdrückt wird. »

Die 20-jährige Emma Shafer machte gerade ein Nickerchen, als es krachte. «Das ist das Ende», habe sie gedacht. Ihr Wagen hing dann fast senkrecht an der Brücke. «Eine Frau steckte mit ihrem Baby in der Zugstoilette fest. Sie schrie um Hilfe», so Shafer weiter. 

Ein Bild wie aus einem Katastrophenfilm. Bild: EPA/WSDOT

Paul Woodbury sass in Wagen 6, als der Zug crashte. Mit ihren Handys hätten sie im dunklen Wagen nach Orientierung gesucht und dann mit den Füssen die Scheiben zertrümmert, um herausklettern zu können. 

Der Morgendunst habe das Wrack eingehüllt. «Die Leute standen völlig geschockt auf der Strasse herum.» Dann seien die Menschen aus den Autos herbeigerannt, um den Verletzten zu helfen. Kurze Zeit später seien dann die Rettungskräfte eingetroffen. 

(amü)

Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alice36 19.12.2017 10:23
    Highlight Neu instand gesetzte Strecke, neue Lokomotiven, modernisierte Schienen und eine bessere Signaltechnik. Da liegen dann nur 50 Km/h drin? Wahrscheinlich alles "Made in USA" und von Billigarbeitern gebaut, sorry. Wenn Trump seine Infrastruktur weiter so modernisiert dann gute Nacht.
    1 3 Melden
  • meine senf 19.12.2017 10:21
    Highlight Eine neugebaute Bahnstrecke, auf welcher nur 50 gefahren werden darf und es offenbar keine technische Zugsüberwachung gibt? Das ist Bahnfahren à la USA.
    0 2 Melden
  • burroamoroso 19.12.2017 08:23
    Highlight Die USA hat von allen 1. Weltländern die schwächste und anfälligste Infrastruktur. In ein paar Jahren werden, wenn nichts unternommen, Strassen kollabieren und Brücken einstürzen. Es wird aber vieles nicht beachtet und lieber die Netzneutralität abgeschafft. Schade eigentlich, verbringe gerne meine Ferien dort. Nicht im Netz. In den USA!
    53 9 Melden
    • Markus Kappeler 19.12.2017 10:38
      Highlight Ähh, Diese Zugstrecke wurde erst gerade erneuert. Es war die erste Fahrt nach der Renovation. Die USA werden uns in Sachen Wohlstand und Lebensqualität überholen, wenn dies nicht bereits geschehen ist. Einer der Gründe dafür ist ein schlanker Staat, der nicht überbordet und den Menschen Luft lässt und nicht ständig die Steuern erhöht für fragliche Ziele.
      2 3 Melden
    • öpfeli 19.12.2017 10:42
      Highlight Vielleicht ist es an der Zeit deine Ferien in ein anderes Land zu verlegen.
      1 1 Melden
    • Butschina 19.12.2017 11:35
      Highlight Vergiss die Dämme nicht. Die bilden eine grosse Gefahr
      0 1 Melden
    • Fabio74 19.12.2017 17:20
      Highlight @kappeler Danke für den Lacher.
      Der schlanke Staat der seine Infrastruktur verlottern lässt. Wo Brücken einsturzgefährdet sind. Wo Züge auf uralt Gleisen fahren. Wo Zugsicherung antiquiert ist, weil die Gleise den Güterbahnrn gehören und die sich bisher vin der Pflicht, die Zugsicherung zu erneuern, freikaufen konnten.
      1 1 Melden
    • Markus Kappeler 20.12.2017 09:33
      Highlight Fabio74, lass doch mal die Polemik weg. Zwischen verlottern lassen und schädlichen Milliarden Investitionen, damit die Schienen vergoldet sind, gibt es viel Spielraum. Während wir die Schienen vergolden und täglich polieren, wird in Amerika haushälterischer mit dem Geld umgegangen. Mit dem Effekt, dass Amis mehr Geld zum leben haben. Unsicher ist die Bahn deswegen nicht. Ganz im Gegensatz zur Strasse. Der Zug ist auch in Amerika 1000% sicherer als der Bus. Wieso also die Bahn zu unnötigen Investitionen nötigen, die dann dazu führen, dass alle mit dem billigen und unsicheren Fernbus fahren?
      0 0 Melden
  • Linus Luchs 19.12.2017 05:55
    Highlight In den USA kommen bei einem Zugsunglück drei Menschen ums Leben. Darüber wird uns mit mehreren Beiträgen gross berichtet. In Myanmar werden Tausende Rohingya ermordet, Frauen vergewaltigt, sogar Kinder erschossen*, das ist bei uns eine Randnotiz wert. Diese Gewichtung der Berichterstattung spiegelt ein total verzerrtes Weltbild respektive einen USA-Tunnelblick wider, der in den Redaktionen vielleicht gelegentlich hinterfragt werden könnte.

    * https://www.vice.com/de/article/8xm53x/hunderte-kleine-kinder-wurden-seit-dem-ausbruch-der-gewalt-in-myanmar-getotet
    124 37 Melden
    • Political Incorrectness 19.12.2017 08:12
      Highlight "Massenmord in Myanmar – Fast 7000 Rohingya innert eines Monats umgebracht"
      https://www.watson.ch/!994325364
      31 4 Melden
    • Knarzz 19.12.2017 09:00
      Highlight Ich behaupte jetzt mal, dass es eher so ist, dass du die Nachrichten nicht genau liest (oder watson), oder nur die Ami-Sachen siehst, weil sie dich aufregen. ;)

      https://www.watson.ch/International/Migration/228779449-Horrorbericht-von-Rohingya-Vertreibung-%E2%80%93-Flucht-Richtung-Mittelmeer
      26 13 Melden
    • Linus Luchs 19.12.2017 09:31
      Highlight @ Political Incorrectness + Knarzz
      Keine Sorge, ich habe beide Watson-Artikel gelesen, den neueren auch kommentiert. Aber ich sehe – nicht nur bei Watson –, wie nebenbei so ein bisschen über einen sich anbahnenden Genozid berichtet wird, bei dem Kleinkinder von "Sicherheitskräften" erschossen werden. Und als mir nun der zweiten Watson-Artikel zu diesem Zugsunglück in Seattle serviert wurde, noch mit dem Titel "Das ist das Ende", habe ich mich tatsächlich aufgeregt, Knarzz, da hast du Recht.
      1 0 Melden
    • Maragia 19.12.2017 10:13
      Highlight Linus Luchs hat ja sogar im anderen Watson Artikel kommentiert... Versucht hier jemand Stimmung zu machen?
      0 1 Melden
    • Mia_san_mia 19.12.2017 11:53
      Highlight Schon gut, dass es so ist. Das interessiert mich mehr als immer die gleichen Meldungen von toten Kindern.
      1 2 Melden

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