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Schlacht um das Herz des «IS»: Ein SDF-Kämpfer nördlich von Rakka. Bild: RODI SAID/REUTERS

Rakka – weshalb sich die USA ordentlich verzocken könnten

Rakka ist die Hochburg des sogenannten «Islamischen Staats» – nun rufen die «Syrischen Demokratischen Kräfte» zum Sturm. Doch der Konflikt zwischen der Türkei und den Kurden gefährdet den Vormarsch.

08.11.16, 03:29 08.11.16, 11:19

Christoph Sydow

Ein Artikel von

Cihan Ehmed spricht nicht besonders gut Arabisch. Beim Lesen eines niedergeschriebenen Textes gerät sie mehrfach ins Stocken. Als sie spontan auf Nachfragen antworten soll, sucht sie oft mühsam nach Worten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn Arabisch ist nicht die Muttersprache der syrischen Kurdin.

Offenbar ist es dem Milizenbündnis «Syrische Demokratische Kräfte» (SDF) nicht gelungen, einen arabischen Muttersprachler zu finden, um den Start der Offensive auf Rakka, die inoffizielle Hauptstadt der Terrororganisation «Islamischer Staat» («IS»), zu verkünden. Ehmeds Sprachschwierigkeiten sind Ausdruck eines Problems für die Anti-«IS»-Koalition in Syrien: ihre Zusammensetzung.

Auf dem Papier sind die SDF ein Bündnis, in dem sich kurdische, sunnitisch-arabische, christlich-arabische und turkmenische Milizionäre zusammengeschlossen haben, um gegen den «IS» in Syrien zu kämpfen. Die USA, Grossbritannien und Frankreich unterstützen die SDF mit Waffenlieferungen und mehreren hundert Spezialkräften.

Die Türkei will keine Kurden in Rakka sehen

Doch mehr als ein Jahr nach der Gründung des Bündnisses sind in seinen Reihen noch immer kurdische Kämpfer in der Überzahl. Die Volksverteidigungseinheiten (YPG) bilden das Rückgrat der SDF. Zwar bemühen sich die USA seit Monaten, arabische Stammeskämpfer und andere «IS»-Gegner für das Militärbündnis zu gewinnen – allerdings spielen diese innerhalb der SDF allenfalls eine Nebenrolle. Die Pressekonferenz, auf der die kurdische YPG-Funktionärin Ehmed am Sonntag zum Sturm auf Rakka aufrief, ist dafür nur ein weiterer Beweis.

Für die USA und ihren Kampf gegen den «IS» ist das aus zwei Gründen ein Problem: Zum einen ist Rakka eine durch und durch arabische Stadt. Selbst wenn es gelingen sollte, den Ort am Euphrat einzunehmen und den «IS» zu vertreiben: Die meisten der 200'000 Einwohner von Rakka würden die kurdischen Eroberer wohl als Fremdherrscher betrachten, die keine gewachsene Verbindung zu den Menschen in der Stadt haben.

Zum anderen ist die Türkei über die führende Rolle der Kurden bei der Eroberung der «IS»-Hauptstadt erzürnt. Ankara betrachtet die YPG als Terrororganisation. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat mehrfach deutlich gemacht, dass seine Regierung nicht hinnehmen werde, dass die kurdischen Milizen Rakka erobern.

Die Zerschlagung des «IS» ist für Erdogan zweitrangig

Im Gegenteil: Ende Oktober kündigte Erdogan sogar an, seine Truppen wollten mit Hilfe verbündeter syrisch-arabischer Milizen Rakka im Alleingang einnehmen. Doch der Weg dahin ist weit: Derzeit stehen die türkischen Einheiten und ihre lokalen Alliierten noch immer vor der vom «IS» kontrollierten Stadt al-Bab rund 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Bis Rakka sind es von dort noch rund 200 Kilometer. Die SDF stehen hingegen mittlerweile in Ain Issa, nur knapp 50 Kilometer von der «IS»-Hauptstadt entfernt.

Die USA fürchten, dass die türkische Militäroffensive in Syrien die YPG dazu bewegen könnte, ihren Vormarsch auf Rakka sogar noch zu stoppen. Denn Erdogans vorrangiges Ziel ist es, ein zusammenhängendes kurdisches Autonomiegebiet im Norden Syriens entlang der Grenze zur Türkei zu verhindern. Die Zerschlagung des «IS» ist für Ankara nur sekundär. Die Kurden aber haben ihrerseits deutlich gemacht, dass sie für ihre Führungsrolle im Kampf gegen die Dschihadisten politisch belohnt werden wollen – mit einem quasi-unabhängigen Staat «Rojava» im Norden Syriens.

Es dürfte eine der schwierigsten aussenpolitischen Aufgaben der neuen US-Regierung werden, die gegensätzlichen Interessen der Kurden und Türken in Syrien irgendwie in Einklang zu bringen. Denn daran, dass die Eroberung Rakkas noch vor Ende von Barack Obamas Amtszeit am 20. Januar 2017 gelingt, glauben nicht einmal die kühnsten Optimisten.

Die USA handeln nach dem Prinzip Hoffnung

Die seit drei Wochen laufende Schlacht um Mossul zeigt, wie erbittert der «IS» Widerstand leistet. Und dort rücken gut ausgebildete Peschmerga, von Iran trainierte und finanzierte schiitische Milizen und die irakische Armee auf die Stadt vor. Gegen dieses Heer von mehr als 50'000 Mann nehmen sich die SDF aus wie eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die in einer Art Crashkurs für die Schlacht um Rakka trainiert wurde.

Die USA sind deshalb bemüht, die von den SDF geschürte Euphorie zu bremsen. Zunächst gehe es darum, einen Belagerungsring um die Stadt zu ziehen. «Allein diese Phase wird Monate dauern», sagte Joseph Dunford, Chef des US-Generalstabs.

Wenn dann der Sieg über den «IS» in greifbare Nähe rückt, werden sich auch genügend arabische Kämpfer den SDF anschliessen, die dann in Rakka einrücken und die Stadt nach der Befreiung kontrollieren, so das Kalkül des US-Militärs. Das klingt wie eine vage Hoffnung –  mehr nicht.

Die Tunnelmenschen vom «IS»

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • hamurabi 08.11.2016 19:24
    Highlight "Auf dem Papier sind die SDF ein Bündnis, in dem sich kurdische, sunnitisch-arabische, christlich-arabische und turkmenische Milizionäre zusammengeschlossen haben.." Die Christen sind keine Araber (und noch weniger Kurden usw.), sondern ausschliesslich assyrisch-aramäische Streitkräfte! Wäre schön, wenn watson Inhaltsfehler nicht übernimmt...
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  • Radiochopf 08.11.2016 09:50
    Highlight Vor einer Woche habe ich zum 1. Mal von der SDF gehört und nun fast täglich?.. tönt ja marketingtechnisch auch besser, Syrische Demokratische Kräfte, als freie syrische Armee.. wundert sich eigentlich niemand über diese ständigen Namenswechsel? bei der freien syrischen armee gibt es ja auch die al nusra front, die nichts anders war als die al quaida vorher, aber plötzlich die guten sind.. zufälligerweise sind in den letzten Wochen immer mehr Berichte über brutale Morde und vorgehen der freien syrischen Armee bekannt geworden, ob das einen Zusammenhang hat?..
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    • Hoppla! 08.11.2016 13:17
      Highlight Die Quellen dazu fände ich interessant.

      Gemäss aktuellen Informationen hat sich die Jabhat Fatah al-Sham nicht mit der FSA verbündet.

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    • Tierra Y Libertad 08.11.2016 15:31
      Highlight Warum Namenswechsel? Die von dir angesprochen Gruppierungen (Ahrar al-Sham, Fatah al-Sham, al-Zenki...) sind nicht Teil der SDF.
      7 1 Melden
  • HansDampf_CH 08.11.2016 08:04
    Highlight Die größten Terroristen in der Region sind der Is und dann schon Erdogan, assad, Putin und Obama.
    13 22 Melden
    • unejamardiani 08.11.2016 08:43
      Highlight Ja immer brav Obama nennen dafür gibt es immer schön Herzchen. Der grösste Terrorist in diesem Konflikt ist IS-Vater Erdogan, danach kommen alle anderen und irgendwann vielleicht einmal Obama der dazu verdammt ist immer an allem schuld zu sein. Greift er ein ist er ein Mörder etc blablabla greift er nicht ein ist er ein Angsthase der zivilisten dem Tod überlässt. Es währe schön wenn ihr euch mal für etwas entscheiden würdet. Solche konflikte lassen sich nicht mit Blumen und Tee trinken lösen so naiv könnt ihr nicht ernsthaft sein.
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    • Radiochopf 08.11.2016 09:42
      Highlight @unejamardiani die Podesta Mails haben klar bewiesen, dass die USA genau wissen das die Saudis/Quatar den IS unterstützen.. wer ist nochmals bester Freund der Saudis und wer kauft den Amis für Milliarden von Dollars Waffen ab? diese amerikanische Heuchelei ist ein Witz.. wie war das mit der Al Quaida nochmals? zuerst aufgebaut um die Russen zu bekämpfen in Afghanistan und danach als Weltfeind-Nr. 1 präsentiert.. Osama bin Laden wurde vom CIA ausgebildet, aber das haben die meisten schon wieder vergessen.. die USA sind immer die guten, so naiv..
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    • CanaBeatz 08.11.2016 09:55
      Highlight Da hast du aber noch einen player vergessen. Steht meiner meinung nach auf der terrorliste noch vor dem IS.
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    • D(r)ummer 08.11.2016 10:25
      Highlight Nun, laut Ben Hodges (bei Anne Will) wollten die US-Generäle um Himmels Willen nicht aus dem Irak abziehen. Da entstand nach dem Abzug das Vakuum. Darum G.W.Bush &(!) Obama, wobei natürlich auch noch andere schuld sind.
      6 1 Melden
    • Posersalami 08.11.2016 18:10
      Highlight Erdowahn ist sicher keiner der Guten, aber Vater des IS ist er mit grosser Sicherheit nicht. Der IS hat ganz andere Wurzeln. Aber natürlich konnte der IS nur so erfolgreich sein, weil Erdowahn beide Augen ganz fest zugemacht hat.
      4 0 Melden
    • michiOW 08.11.2016 20:51
      Highlight Erdogan: Türkkisches Hitler-Pendant
      Obama: Hat sich verzockt und versucht, prinzipiengetreu aufzuräumen. Hat bis jetzt nicht geklappt.
      Assad: Stinknormaler Diktator mit einer treuen Armee.
      Putin: Machtmensch, welcher seine Macht bedroht sah.
      4 1 Melden
  • rodolofo 08.11.2016 07:14
    Highlight Wer ist denn in den Augen dieses Türkischen Régimes kein Terrorist?
    Ach ja richtig: Freund Wladimir (Putin der Schreckliche)...
    Bei einer solchen verschobenen Wahrnehmung wird es sehr schwierig werden!
    Denn aus der Perspektive Erdogans erscheinen die YPG-Kämpfer als schlimmere Gefahr als der IS!
    Alle, die heute gegen die Kurden sind, sind auch Freunde von Erdogan's AKP.
    Dabei waren die gleichen Kurden vor noch nicht allzu langer Zeit noch nützlich, als Erdogan die Kemalisten zurückdrängen konnte.
    Und jetzt ist ja Assad auch nicht mehr so schlimm, solange er den IS verschont...
    Zum Kotzen!
    47 11 Melden
    • Radiochopf 08.11.2016 09:37
      Highlight @Rodolfo Erdogan und Putin sind sicher keine Freunde, aber erzähl deine Märchen gerne weiter.. wie war das nochmals mit dem russischen Jet-Abschuss? meinst du die Russen, haben das den Türken so schnell verziehen? das sie nun wieder Geschäfte miteinander machen ist ein anderes Thema, jedenfalls ist Putin bei Erdogan am längeren Hebel.. bei Merkel und Obama sieht das anders aus... Merkel und Erdogan sind eher Freunde! die geht ihm immer wieder Hände schütteln und gewährt alle Forderungen.. hast du schon mal schlechtes von Obama über Erdogan gehört? Erdogan ist bei Obama/Merkel am längeren Hebel
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    • Posersalami 08.11.2016 18:12
      Highlight Putin und Erdogan sollen Kumpels sein? Niemals, das ist ein reines Zweckbündnis. Kumpels waren mal Erdogan und Assad, deren Familien waren befreundet und man hat sogar den Urlaub gemeinsam verbracht.
      4 0 Melden

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