International

US-Republikaner-Debatte vom 29. Oktober 2015

Bruderkrieg unter US-Republikanern: Rubio düpiert seinen Mentor Bush

Bei der dritten TV-Debatte will Jeb Bush seinen Zögling Marco Rubio blossstellen – der pariert glänzend. Donald Trump überrascht mit einem Bekenntnis.

29.10.15, 07:48 29.10.15, 08:08

Veit Medick, Washington

Ein Artikel von

Wenn sich Republikaner gemeinsam in einem Saal befinden, wird es gerade häufig laut. Sie beleidigen sich, sie giften sich an, und am Ende marschieren sie mit hängenden Köpfen nach draussen, nur um ihre Fehde vor den Kameras fortzuführen. Gemessen daran, so viel lässt sich nach 120 Minuten Diskussion sagen, war die TV-Debatte an der Universität von Colorado in Boulder so etwas wie ein atmosphärischer Neuanfang.

Sicher, es gab die üblichen Sticheleien. Aber insgesamt ging es doch verhältnismässig zivilisiert zu, selbst Donald Trump verzichtete einmal auf seine Lieblingsbeschäftigung, Parteifreunde zu erniedrigen. Ein bisschen Friede ist aus Sicht der Republikaner ja auch keine ganz schlechte Idee. Die Demokraten sammeln sich hinter Hillary Clinton, da ist es vielleicht hilfreich, selbst nicht den zerstrittensten Eindruck zu machen.

Inhaltlich war wenig wirklich Neues dabei. Die Steuerpolitik war in der Zehnerrunde ein grosses Thema, was bei den Republikanern nur bedingt unterhaltsam ist, da sie sich – wenn überhaupt – nur in den Prozenten unterschieden, um die sie die aktuellen Sätze senken wollen. Wenn es um Wirtschaft ging, konzentrierten sich die Kandidaten darauf, Hymnen auf ihre eigenen Errungenschaften zu singen. Und die Aussenpolitik? Ja, die Aussenpolitik. Die fand überhaupt nicht statt.

Rubios Punktsieg

Trotzdem war es eine interessante Debatte, und Marco Rubio hatte daran besonderen Anteil. Der 44-jährige Senator aus Florida hatte einen aus seiner Sicht glänzenden Abend. Kritische Fragen parierte er mit Leichtigkeit, sein konservatives Programm schmückte er mit Details über seinen kubanischen Familienhintergrund, und nebenbei beschwor er die Lieblingsfeindbilder der Parteibasis: Hillary Clinton und den vermeintlich parteiischen Journalismus im Land. «Die Demokraten haben den besten Super-Pac», rief er in Anspielung auf die umstrittenen Unterstützerplattformen: «Die Mainstream-Medien.» Das Publikum in Colorado frohlockte.

«Geh zurück zur Arbeit»: Jeb Bush und Marco Rubio gerieten aneinander.
Bild: RICK WILKING/REUTERS

Nur leider ging sein guter Auftritt ausgerechnet auf Kosten seines Förderers Jeb Bush. Bush, der seit Wochen in der Krise steckt, hatte sich viel vorgenommen für diese Debatte, er wollte mal einen kernigen Auftritt hinlegen. Also knöpfte er sich, wie seine Leute ihm das geraten hatten, gleich zu Anfang Rubio vor, der zuletzt zugunsten des Wahlkampfs einige Abstimmungen im Senat geschwänzt hatte. «Dein Amt ist auf sechs Jahre ausgelegt», fauchte Bush. «Du solltest zur Arbeit gehen. Oder Dein Amt zurückgeben.»

Es war ein sehr persönlicher Frontalangriff, der Versuch, Rubio vor nationalem Publikum blosszustellen. Rubio blickte nur kurz erstaunt auf und konterte. Er habe gehört, dass Bush seinen Wahlkampf an John McCain orientieren wolle. Auch der habe während seiner Kampagne 2008 Abstimmungen im Senat verpasst. «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Du Dich jemals über McCain beschwert hast», sagte Rubio zu Bush. «Und der einzige Grund, warum Du Dich über mich beschwerst, ist, dass irgendjemand Dich davon überzeugt hat, dass es Dir hilft, wenn Du mich angreifst.» Es war wie beim Boxen. Bush erinnerte an einen Kämpfer, der zum entscheidenden Schlag ansetzt, dabei aber die eigene Deckung vergisst. Und am Ende selbst auf den Brettern landet.

Die ganze Debatte auf CNBC:

YouTube/YouHotNews

Trumps Waffen-Bekenntnis

Der Moment wird noch eine Rolle spielen im Wahlkampf, so viel ist klar. Es war nicht nur deshalb eine so erstaunliche Szene, weil Rubio sie so spielerisch löste, sondern auch, weil es Rubio und Bush waren, die die Hauptrolle spielten.

Sie kennen sich seit 1998, als Bush Rubios Kandidatur zum Stadtrat von West-Miami förderte, sie teilen die gleichen konservativen Werte, wohnen in Floridas Süden zweieinhalb Meilen voneinander entfernt. Sie dürften eigentlich gar nicht gegeneinander antreten, aber Rubio hatte erkannt, dass Bush ein Auslaufmodell sein könnte und er mit seinen jungen Jahren für die Partei ein attraktiverer Kandidat mit gleichem Profil sein könnte. Mit der Ankündigung seiner Kandidatur im April ging Rubio den ersten Schritt der Emanzipation, jetzt hat er sie vollendet.

In den Umfragen liegt Rubio auf vernünftigem Niveau, aber immer noch weit hinter Donald Trump. Der Immobilienmogul verlebte einen recht ruhigen Abend in Boulder, hielt sich aus den Fachdebatten um Steuern, die Zentralbank oder die Gesundheitsversorgung eher raus und durfte stattdessen ein paar seiner Schlager präsentieren, den Mauerbau zu Mexiko zum Beispiel. Man könnte meinen, er entwickele sich thematisch nicht wirklich weiter, aber anscheinend muss er das auch nicht. Fragen wurden ihm praktisch nur zu seinen Lieblingsthemen gestellt, ein ausserordentlich freundlicher Zug der Moderatoren.

Trumps Lieblingsthema: Die Mauer an der Grenze zu Mexiko.
Bild: RICK WILKING/REUTERS

Einen Moment hatte natürlich auch Trump. Es ging um Waffen, jene Instrumente, die er so liebt. Ob er sich denn eigentlich in seinen Unternehmen sicherer fühlen würde, wenn seine Mitarbeiter Waffen mit sich führten, fragte ihn der Moderator.

«Ja, vielleicht schon», antwortete Trump. Er habe übrigens auch eine Erlaubnis, eine Waffe zu tragen. «Und ich trage sie auch manchmal mit mir herum. Oder häufig. Ich mag es, unberechenbar zu sein.»

Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • ferox77 29.10.2015 14:24
    Highlight Donald Trump ist ein Dampfbläser, keine Frage.
    Aber ist B. Obama besser?
    War Bush Jr. besser?
    Es macht keinen Unterschied ob Demokrat oder Republikaner.
    Die Fäden werden von den grosszügigen Wahlkampfspendern und Lobbyisten im Hintergrund gesponnen und die Posterboys dürfen gewählt werden.
    Donald Trump ändert nichts, H. Clinton ändert auch nichts, weil sich das System nicht ändert.
    Ein Systemwechsel ist nicht in Sicht, denn Money regiert die Welt.
    1 0 Melden

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