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NEW YORK, NY - SEPTEMBER 05:  Emma Sulkowicz, a senior visual arts student at Columbia University, carries a mattress in protest of the university's lack of action after she reported being raped during her sophomore year on September 5, 2014 in New York City. Sulkowicz has said she is committed to carrying the mattress everywhere she goes until the university expels the rapist or he leaves. The protest is also doubling as her senior thesis project.  (Photo by Andrew Burton/Getty Images)

Kunstaktion als Traumabewältigung: Emma Sulkowicz trug tagelang eine Matratze wie die, auf der sie vergewaltigt wurde, mit sich herum.  Bild: Getty Images North America

Vergewaltigungs-Vorwurf der Matratzen-Studentin: Deutscher verklagt die Columbia University

Mit ihrem Matratzenprotest machte eine US-Studentin auf sexuelle Gewalt aufmerksam – und beschuldigte einen deutschen Kommilitonen, er habe sie vergewaltigt. Der junge Mann verklagt nun die Universität. 



Ein Artikel von

Spiegel Online

Immer wieder hatte die Kunststudentin Emma Sulkowicz eine blaue Matratze über den Campus der Columbia University getragen. Tagelang hatte sie damit gegen sexuelle Gewalt demonstriert. 

Sulkowicz machte im September 2014 mit dem ungewöhnlichen Protest auf das aufmerksam, was ihr selbst widerfahren sein soll: Ein deutscher Mitstudent habe sie im August 2012 auf ihrem College-Bett vergewaltigt. Auf einer ähnlichen Matratze, die sie zwei Jahre später für ihre Aktion nutzte. 

Vorwurf: Uni hätte den Studenten schützen sollen

2013 zeigte Sulkowicz den Studenten an, auch zwei weitere Studentinnen warfen dem jungen Mann sexuellen Missbrauch vor. Die Uni befand den Studenten jedoch in allen drei Fällen für unschuldig. Im Dezember wandte er sich an die «New York Times» und stritt die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und der Vergewaltigung ab. Aus der Berichterstattung ging auch hervor, dass er und Sulkowicz zum Zeitpunkt der mutmasslichen Vergewaltigung eine Liebesbeziehung hatten. 

Jetzt hat der deutsche Student vor einem Gericht in Manhattan Anzeige gegen seine Universität erstattet. Er wirft der Columbia University, dem Kuratorium der Hochschule, dem Uni-Präsidenten und dem Kunstdozenten von Sulkowicz vor, sie hätten ihn nicht vor den öffentlichen Anschuldigungen und der Protestaktion geschützt. 

Die Geschichte von Emma Sulkowicz in Bildern

Die Studentin habe ihn in der Öffentlichkeit wiederholt als «Serienvergewaltiger» bezeichnet. Ausserdem habe die Columbia University den Matratzenprotest unterstützt und damit ein für ihn einschüchterndes, feindseliges und erniedrigendes Umfeld geschaffen. So sei Sulkowicz erlaubt worden, die Matratze unter anderem in Unterrichtsräume und in die Bibliothek mitzubringen. Dadurch sei er auf dem Campus isoliert worden, die Aktion habe seinen Berufsaussichten in den USA geschadet. Ausserdem sei auf einer von der Universität betriebenen Webseite die mutmassliche Vergewaltigung als Tatsache dargestellt worden. 

Emma Sulkowicz hatte ihre Anzeige gegen den Kommilitonen in Kopie an die Studentenzeitschrift «Columbia Spectator» weitergeleitet. Das Magazin hatte damals den Namen des Studenten öffentlich gemacht und ihn als «mutmasslichen Vergewaltiger» bezeichnet. Daraufhin wurde der Name im Internet weiter verbreitet und an der Uni an die Wände mehrerer öffentlicher Toiletten geschrieben. 

Neue «sexuelle Revolution an den Universitäten»

Sulkowicz nennt die Klage ihres Ex-Freundes «lächerlich», wie sie in einer E-Mail an einen Reporter der Nachrichtenagentur AP schrieb. Mit ihrer Aktion habe sie auf künstlerische Weise das Trauma verarbeitet, das sie an der Uni erlebt habe. Die Studentin hatte der Uni zuvor vorgeworfen, der Disziplinarausschuss wäre mit ihrem Fall falsch umgegangen. Sie habe nicht fassen können, dass die Uni ihr nicht glaubte. 

Die Studentin hatte im vergangenen Herbst viel Unterstützung für den Matratzenprotest bekommen. Mehrere Studenten halfen ihr dabei, die Matratze über den Uni-Campus zu tragen. Die Unterstützergruppe organisierte sich über die Webseite Carrying The Weight Together. Sulkowicz sei mit ihrer Aktion zur Ikone einer neuen «sexuellen Revolution an den Universitäten» geworden, schrieb das «New York Times Magazine». Sie steht für die vielen Studentinnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Juristisch können sich Opfer von sexueller Belästigung und Gewalt an Hochschulen in den USA auf den «Title IX» und den «Clery Act» berufen. 

Seit 1972 verbietet der «Title IX» Diskriminierung aufgrund des Geschlechts an Hochschulen und Schulen – dazu zählen auch sexuelle Gewalt und Belästigung. Das Bürgerrecht soll Studenten schützen und Hochschulen verpflichten, sich zu kümmern. Wenn eine Studentin oder ein Student missbraucht wird, muss die Hochschule untersuchen, was passiert ist, darauf reagieren und die Betroffenen darüber informieren. 

Im vergangenen Sommer liefen Untersuchungen gegen 79 Hochschulen, weil sie womöglich gegen «Title IX» verstossen haben, darunter renommierte Unis wie Harvard, Dartmouth, Princeton und Berkeley. (kha/AP) 

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    Alle Leser-Kommentare
  • elivi 24.04.2015 19:15
    Highlight Highlight Das ganze hätte von anfang an bei der polizei gemolden werden müssen. Bei allen 3 Fällen. Die Uni machte hier von anfang an alles falsch. Zuerst ignorieren und nicht ernst nehmen ... dann wo's schon in allen medien war so tun als wäre man die heilige uni die opfern hilft ...
    ps ich hab nur wenig mitleid für den armen deutschen. Eine beziehung mit dem opfer gehabt zu haben ist kein freipass für vergewaltigung. Und wenn er tatsächlich ein serienvergewaltiger ist, sollte er lieber jetzt gestopt werden als nach dem 10 opfer dem man endlich glaubt.
  • Señor Ding Dong 24.04.2015 17:23
    Highlight Highlight Ich sehe hier vor Allem das Problem, dass sich die Schuladministration in zivilrechtliche Prozesse einmischt. "Die Uni hat ihn für unschuldig befunden" - was weiss denn die Uni??!

    Amerika hat schon ein dämliches Justizsystem. So wie die Fakten liegen, wird hier Rufmord betrieben. Unschuldig bis zum Schuldbeweis gibt's in der heutigen Medienjustiz nicht mehr.
    • Alnothur 24.04.2015 18:54
      Highlight Highlight Sie mischen sich nicht ein, sondern haben schlicht eine eigene Gerichtsbarkeit. War in den meisten Ländern in Europa, Schweiz inklusive, bis vor nicht allzu langer Zeit genauso.

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