International

Ehemaliger FBI-Direktor James Comey Bild: SHAWN THEW/EPA/KEYSTONE

US-Geheimdienstausschuss lädt Comey zu Anhörung ein – Foto zeigt ihn lächelnd

10.05.17, 23:56 11.05.17, 06:09

Der Geheimdienstausschuss des US-Senats hat den ehemaligen FBI-Chef James Comey zu einer Anhörung am Dienstag hinter verschlossenen Türen eingeladen. Dies gab eine Sprecherin des republikanischen Vorsitzenden Richard Burr am Mittwoch bekannt.

Die Einladung sei von Burr und dem ranghöchsten Demokraten des Ausschusses, Mark Warner, ausgesprochen worden. Ob Comey die Einladung annehmen würde, war zunächst unklar. US-Präsident Donald Trump hatte ihn am Dienstag unerwartet entlassen.

Am Mittwoch tauchte zum ersten Mal ein Foto von Comey seit seiner Entlassung auf. Es zeigt den ehemaligen FBI-Direktor mit einem Lächeln im Gesicht vor seinem Haus in Virginia.

James Comey am Mittwoch. Bild: AP/FR171401 AP

In der ersten Stellungnahme ausserhalb des Kurznachrichtendienstes Twitter begründete Trump die Entlassung wie folgt: «Weil er keinen guten Job gemacht hat. Ganz einfach. Er hat keinen guten Job gemacht.»

Trump äusserte sich am Mittwoch zu seinem heftig umstrittenen Entscheid im Oval Office des Weissen Hauses während eines überraschenden Treffens mit Henry Alfred Kissinger, dem langjährigen Aussenminister der USA. Auf die Frage, ob Comeys Entlassung vom Vortag sein Treffen mit Russlands Aussenminister Sergej Lawrow beeinflusst habe, sagte Trump: «Überhaupt nicht.»

Fotos zeigen, dass beim Treffen der russischen Delegation mit Trump auch der russische Botschafter Sergej Kisljak anwesend war. Trump schüttelt ihm strahlend die Hand. US-Medien spiessten das angesichts der Ermittlungen der US-Geheimdienste und des FBI wegen einer möglichen russischen Wahlbeeinflussung als sehr bemerkenswert auf.

Wollte Comey Ermittlungen ausweiten?

Der nationale Sicherheitsberater Mike Flynn - ein enger Vertrauter Trumps - war wegen gegenüber der Öffentlichkeit verheimlichter Kontakte mit Kisljak gestürzt. Justizminister Jeff Sessions verschwieg in einer Anhörung zwei Kontakte mit dem russischen Netzwerker.

Das ist der Grund, warum Sessions sich wegen Befangenheit aus den Russland-Ermittlungen zurückgezogen hat. Allerdings empfahl er Comeys Entlassung, dessen Behörde gegen das Trump-Team ermittelt.

Einem Bericht der «New York Times» zufolge hatte FBI-Chef Comey kurz vor seiner Entlassung eine Ausweitung der Ermittlungen zur mutmasslichen Einflussnahme Russlands im Wahlkampf geplant. Die Zeitung berichtete, Comey habe nur Tage vor seiner Entlassung beim stellvertretenden Justizminister Rod Rosenstein mehr Geld und weiteres Personal für die Untersuchungen beantragt. Darüber habe er anschliessend auch Abgeordnete informiert.

Viel Kritik

Das Weisse Haus hatte am Dienstag mitgeteilt, Präsident Trump habe auf klare Empfehlungen des Justizministers Sessions und des stellvertretenden Generalbundesanwalts Rod Rosenstein gehandelt und Comey entlassen.

Der Entscheid war im politischen Washington wie ein Blitz eingeschlagen. Trumps Handeln werfe viele Fragen auf, kritisieren Abgeordnete beider Parteien.

Der demokratische Oppositionsführer im Senat, Chuck Schumer, warf Trump vor, einen «schrecklichen Fehler» begangen zu haben. Der republikanische Senator Lindsey Graham sagte der «Washington Post», aufgrund der Kontroversen um den FBI-Chef glaube er, dass ein Neuanfang dem FBI und dem Land gut tun würde.

Der Republikaner John McCain hingegen kritisierte Trumps Entscheidung. Auch wenn der Präsident das Recht zur Entlassung des FBI-Chefs habe, sei er von Trumps Schritt «enttäuscht», zitierte ihn der Sender CNN. (sda/dpa/reu)

Trumps Russlandverbindungen im Fokus

Trump spinnt – jetzt muss der Kongress handeln

Wieder platzt eine Trump-Bombe! Sind das seine 7 Schritte ins Verderben?

Trump macht den Nixon: Wird Comeys Entlassung sein Watergate?

6 Gründe, warum die Republikaner Trump (noch) nicht fallen lassen

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das ist der Mann, der Trumps Twitter-Konto abgestellt hat

Der Deutsche Bahtiyar Duysak hat Anfang November den Twitter-Account von Trump Minuten deaktiviert. Jetzt äussert er sich erstmals in einem Interview. 

Ganze 11 Minuten war der Twitter-Account von US-Donald Trump am 2. November offline, weil ihm ein Twitter-Angestellter den Stecker gezogen hatte. Das Internet feierte den damals noch unbekannten Mitarbeiter als Helden, der den Nobelpreis verdient habe. 

Jetzt ist bekannt, wer dem US-Präsidenten seinen Twitter-Account deaktiviert hatte. In einem Interview mit TechCrunch outet sich Bahtiyar Duysak, ein Deutscher mit türkischen Wurzeln, als Trump-Blocker.

Aber wie konnte Duysak dem mächtigsten …

Artikel lesen