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Fehler und Pannen im US-Wahlkampf: Aufwachen, Hillary!

Sie soll Amerika vor Donald Trump retten. Doch so katastrophal, wie Hillary Clinton derzeit Wahlkampf macht, wird das eher nichts.

27.05.16, 22:55 28.05.16, 10:21

Veit Medick, Washington



Ein Artikel von

Hillary Clinton hat eine gewaltige Aufgabe: Die absehbare Kandidatin der Demokraten ist die Hoffnung all jener Amerikaner, die das Land im November vor Donald Trump bewahren wollen. Dafür will Clinton sich zum Gegenentwurf des Demagogen aufschwingen und die Kleingeistigkeit des Republikaners mit einer möglichst grossen, hoffnungsvollen Botschaft spiegeln.

Im Moment ist an eine Botschaft von Clinton nur leider gar nicht zu denken. Ihr Wahlkampf läuft derzeit so verheerend, dass man sich fragt, wie ihre Operation Wahlsieg eigentlich funktionieren soll.

U.S. Democratic presidential candidate Hillary Clinton takes the stage after being introduced by her husband former U.S. president Bill Clinton at the Hillary Victory Fund

Hillary und Bill Clinton.
Bild: MIKE SEGAR/REUTERS

Aussitzen reicht nicht

Es fängt damit an, dass Clinton praktisch nicht vorkommt – es sei denn mit schlechten Nachrichten. Soeben war das wieder zu beobachten: Während Trump Gelder sammelt und versucht, seine Partei zu flicken, muss sich Clinton mit der neusten Wendung ihrer E-Mail-Affäre herumschlagen. Man kann von dieser Affäre halten, was man will.

Aber dass Clinton noch immer glaubt, sie mit einem Schulterzucken und einem kurzen «sorry» einfach aussitzen zu können, ist ein Problem. Viele Amerikaner wünschen sich, dass sie sich einmal grundsätzlicher einlässt. Obama hat gezeigt, wie das geht. Als er im Wahlkampf 2008 wegen seines Umgangs mit einem umstrittenen Pastor massiv in der Kritik stand, hielt er eine grosse Rede. Und die Debatte wurde sachlicher.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

Clinton lässt sich von Trump vorführen. Auch das war in den vergangenen Tagen wieder zu sehen. Ihre Leute schienen endlich mal eine Art Angriffspunkt gefunden zu haben, indem sie dem Milliardär vorwarfen, sich mit geschickten Deals in der Immobilienkrise am Schicksal kleiner Hausbesitzer bereichert zu haben.

epa05330602 (FILE) A file picture dated 03 May 2016 shows US Republican presidential candidate Donald Trump (C) smiles while addressing his supporters on the eve of his victory in the Indiana Republican presidential primary in the lobby of Trump Tower in New York, New York, USA. According to reports from 26 May 2016, Trump secured enough votes from unbound delegates to win his nomination as the Republican party's official presidential candidate.  EPA/JUSTIN LANE

Clintons Schwäche lässt Donald Trump frohlocken. 
Bild: JUSTIN LANE/EPA/KEYSTONE

Doch Trump konterte mit einer kurzen Erklärung. Das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt zu finden, sei genau das, was Amerikas Politik jetzt brauche, liess er mitteilen. Funkstille im Clinton-Lager. Thema beendet. Der Eindruck, der bleibt: Trump greift an, wehrt ab, provoziert. Sie ist im Tiefschlaf.

Clinton macht sich unnötig angreifbar

Zudem leistet sich Clinton echte Fehler. Ein Beispiel ist ihr Umgang mit Bernie Sanders: Ihr Rivale hat keine Chance mehr gegen sie. Aber statt ihm souverän das Recht zuzugestehen, auch noch die letzten Vorwahlen zu bestreiten, erklärt sie sich auf CNN zur unvermeidbaren Kandidatin und bringt Sanders' Unterstützer damit noch weiter gegen sich auf.

Ein anderes Beispiel ist ihr Umgang mit Ehemann Bill: Ganz Amerika fragt sich, was der Ex-Präsident eigentlich im Weissen Haus machen würde, wenn sie Oberbefehlshaberin wäre. Doch statt die Frage mit einem einfachen «Ich kandidiere – und nicht Bill» zu beantworten, kündigt sie an, ihren Ehemann in einer Administration zu einer Art Jobguru machen zu wollen.

Wahlkampf in den USA: Welche Promis unterstützen wen?

Und plötzlich fragt sich ganz Amerika, warum sie sich ausgerechnet um den so wichtigen Arbeitsmarkt nicht selbst kümmern will. Schon klar, es sind noch fünf Monate zur Wahl. Und nicht alles, was gerade schief läuft, ist ihr anzulasten. Ihr Programm ist für Amerika so schlecht nicht. Nur scheint ein sachbezogener Wahlkampf mit Trump nicht möglich, sein Populismus füllt alle Schlagzeilen.

Und richtig ist trotz allem auch: Die Clintons sollte man nicht unterschätzen. Sowohl Hillary als auch Bill haben etliche Kampagnen hinter sich und beide haben mehrfach gezeigt, dass sie wissen, wie es geht. Sie haben ein Team, das weit grösser ist als Trumps und eine bestens gefüllte Wahlkampfkasse. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Eigentlich.

Aber es wäre für das Land und den Rest der Welt ganz gut, käme Clinton langsam mal auf Kurs. Sonst wachen im November alle mit einer bösen Überraschung auf.

Herrlich bescheuert: #PostATrumpSelfie

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rolf.iller 28.05.2016 09:03
    Highlight Das ist eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Bleibt zu hoffen, dass Clinton vorzeitig aufgeben muss. Sanders oder Biden hätten beide Zeugs Trump zu schlagen - Clinton nicht.
    31 13 Melden
    • SteWe 28.05.2016 12:07
      Highlight Wunschdenken. Sanders wäre wohl die beste Wahl für Amerika aber ein so linker Politiker wäre chancenlos gegen Trump.
      6 7 Melden
  • Ton 28.05.2016 08:58
    Highlight Man kann vom E-Mailskandal halten was man will? Achja? Warum hat denn der 83-Seitige Bericht jedes Argument der Clintonkampagne in der Luft zerrissen? Für mich heisst es, wie für viele andere Amerika er auch, bernie or bust. Es bleibt zu hoffen, dass das FBI vorwärts kommt und Clinton ausscheidet, sodass Sanders gewinnen kann. Trump hat in Umfragen bereits Hillary eingeholt, während Sanders schon immer 10-20 Prozentpunkte vor Trump war und ist.
    27 5 Melden
    • ovatta 28.05.2016 11:10
      Highlight Das FBI wird so lange täubeln bis Sanders aus dem rennen ist! Leider.
      12 1 Melden
  • rodolofo 28.05.2016 08:17
    Highlight Was ist eigentlich an dieser "e-mail-Affaire" so schlimm?
    Wenn Hillary geheimdienstlich versiert kommuniziert, dann finden irgendwelche Hacker trotzdem raus, was sie gesagt hat!
    Also was soll's?
    Auf mich wirkt diese kleine "Unprofessionalität" von Hillary Clinton menschlich und darum auch sympatisch.
    Auch wenn sie eine Frau ist (und Frauen sind ja, wie wir wissen, perfekt so, wie sie sind), sage ich hier (hinter vorgehaltener Hand), dass sie sich auch nicht immer perfekt verhält...
    Trump hat scheinbar kein Problem damit, Unsinn zu erzählen. Warum aber wird Hillary so argwöhnisch beobachtet?
    11 24 Melden
    • Ton 28.05.2016 10:57
      Highlight Es wird stets zwischen privatem Server und privaten Mails verwechselt. Hillary hatte einen eigenen Server und nutzte ausschliesslich diesen, für pricate und geschäftliche Angelegenheiten. Sie löschte zudem 30'000 E-Mails während der Untersuchung und verweigerte die Aussage, obwohl sie stets betonte sie würde immer und überall bereit sein Fragen zu beantworten.
      11 0 Melden
    • tschoo 28.05.2016 14:27
      Highlight Sie wollte auch das Cloud-Backup löschen lassen, allerdings hatte dieses das FBI bereits. So stellte sich heraus, dass sie dem FBI E-Mails unterschlug (= Beweismaterial) mit sicherheitsrelevanten Diskussionen (auch über mögliche Hackerangriffe, die sie melden müsste). Und es war nicht nur ein privater, sondern ein unsicherer Server, über den sie als Secretary of State vertrauliche Informationen über eine unverschlüsselte Verbindung austauschte. Das alles verstösst gegen div. Auflagen des State Departements und andere Gesetze. Und es war nicht genehmigt, obwohl sie das immer behauptete.
      4 0 Melden
    • tschoo 28.05.2016 14:39
      Highlight Hier noch eine Diskussion über das Thema, nachdem der Report veröffentlicht wurde.
      0 0 Melden
  • Tierra Y Libertad 28.05.2016 07:59
    Highlight Diese Spiegel Artikel zum US Wahlkampf sind sooo einseitig! -.-
    15 8 Melden
  • kEINKOmmEnTAR 28.05.2016 00:00
    Highlight Schade hat Bernie schon angekündigt dass er nicht als Unabhängiger antreten würde, ich würde diese doppelzüngige Schlange gerne noch mehr leiden sehen.
    35 13 Melden
    • Hayek1902 28.05.2016 11:30
      Highlight Wenn er das täte, könnte er auch gleich Trump seine Unterstützung zukommen lassen.
      2 4 Melden
    • kEINKOmmEnTAR 28.05.2016 14:41
      Highlight Was nicht so schlimm wäre angesichts der Alternative.
      2 1 Melden
  • GBZ 27.05.2016 23:23
    Highlight Ich finde, dass watson im US-Wahlkampf eine absolut einseitige Berichterstattung hat. Klar ist Trump schlim aber Clinton ist auch nicht viel besser! Schade für Amerika
    32 13 Melden
    • Amadeus 28.05.2016 03:12
      Highlight Clinton ist weder frauenverachtend noch rassistisch. Sie legt sich nicht mit der NRA ins Bett und wechselt ihre Meinung nicht im Wochentakt. Sie will kein generelles Einreiseverbot für Muslime und auch keine Mauer bauen, die Mexiko bezahlen soll. Sie will Obamacare beibehalten und leugnet den Klimawandel nicht...
      also....doch, Clinton ist viel besser als Trump
      23 20 Melden
    • Hayek1902 28.05.2016 11:31
      Highlight Clinton wechselt ihre Meinung vielleicht nicht im Wochentakt, dafür im 4-Jahres-Takt.... wie Trump.
      6 1 Melden
    • tschoo 28.05.2016 14:44
      Highlight Haha wie bitte Amadeus? Clinton sagt genau das, was ihr im Moment die meisten Stimmen bringt. Schlimm ist, dass sie nachher sagt, sie sei schon immer dieser Meinung gewesen.
      1 0 Melden
    • Amadeus 28.05.2016 15:33
      Highlight @tschoo: Einverstanden, auch Clinton wechselt ihre Meinung (wie übrigens die meisten Politiker inkl. Sanders). Mein Punkt ist, dass hier in den Kommentaren vorgebracht wird, dass Clinton und Trump politisch ungefähr gleich übel sind. Und damit bin ich nicht einverstanden. Trump ist ein frauenverachtender, rassistischer Clown mit null Ahnung von Politik. Dann lieber Clinton, die wenigstens politische Erfahrung mitbringt (über ihre politische Positionierung kann man natürlich diskutieren) und nicht nur Populismus betreibt um in die Medien zu kommen.
      2 1 Melden

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