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Clinton: Aufatmen in Nevada
Bild: DAVID BECKER/REUTERS

«Danke, Nevada!»: Clinton hängt ihren Rivalen Sanders ab

Sie hat bei Tagelöhnern gepunktet, bei Gewerkschaftern und bei Besserverdienern: Mit ihrem Sieg in Nevada zeigt Hillary Clinton, dass sie die aussichtsreichste Bewerberin der US-Demokraten ist. Doch ihr Rivale Sanders will nicht aufgeben – noch nicht.

21.02.16, 09:32 21.02.16, 11:29

Marc Pitzke, las vegas

Ein Artikel von

Am Ende geht es doch ganz schnell. Kopf an Kopf liegen Hillary Clinton und Bernie Sanders anfangs, mal führt der eine, mal die andere, und jeweils nur hauchdünn. Doch als dann die Ergebnisse aus dem bevölkerungsstärkeren Süden Nevadas einlaufen, schiebt sich Clinton vor, Stimme für Stimme – bis der Zeiger auf 52.6 Prozent stehenbleibt.

Dabei hat Clintons Team mit dem Schlimmsten gerechnet. Im Caesars Palace am Casino-Strip von Las Vegas haben sie nur einen kleineren Saal angemietet, um die Resultate, je nachdem, zu feiern oder geübt-stoisch zu betrauern. Kaum 300 Leute passen hinein, der Rest muss auf dem Flur warten, die Smartphones gezückt fürs Kandidaten-Selfie.

«Danke, Nevada!», ruft Clinton, als sie vor die Fans tritt, flankiert von dem erschreckend fahlen Ex-Präsidenten Bill Clinton. 

«Manche mögen an uns gezweifelt haben, aber wir selbst haben nie an uns gezweifelt.»

Hillary Clinton

Ihre dünne, heisere Stimme deutet aber eher das Gegenteil an. Sicher, in der Theorie war Clinton immer die nahezu unaufhaltsame Kandidatin, die einzige mit echten Chancen. Doch dann kamen Iowa, die Fast-Niederlage, und New Hampshire, die echte Pleite – und im Clinton-Lager brach Panik aus: Würde ihr Schlachtplan am populistischen Revolutionär Sanders scheitern?

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders spricht in Las Vegas.
Bild: JIM YOUNG/REUTERS

Was die Demokraten-Führung gegen Sanders hat

In Nevada – wo Clintons einst zweistelliger Vorsprung zerronnen war – musste sie es also schaffen, um ihre Kandidatur zu retten. Alles stand auf dem Spiel im Spielerstaat, auch wenn Demokraten-Insider nur den Kopf schütteln über Sanders und seine wohl illusionären Versprechen: «Allein aus Respekt», sagt einer über den 74-jährigen Senator, «haben wir bisher nicht gegen ihn eingegriffen.»

Diese Zurückhaltung dürfte nun schwinden. Denn Sanders brauchte einen Sieg in Nevada noch mehr als Clinton: Sein unerwartet gutes Abschneiden in den beiden ersten Vorwahlstaaten hatte er fast ausschliesslich Weissen zu verdanken. In Nevada musste er sich erstmals einer diversifizierten Minderheiten-Wählerschaft stellen.

Die Amerikaner sprechen von «Wählbarkeit» – und die scheint bei Clinton, das ist die wichtigste Lehre von Nevada, einfach höher: Bernie Sanders hat weniger Reiz. Was sich schon am Freitagabend zeigte: Da wirkte seine Abschlusskundgebung in einem nicht ganz gefüllten Amphitheater auf den Hügeln vor Las Vegas seltsam unmotiviert – wie der Auftritt einer unwilligen Band vor weissen College-Studenten.

Was für Clinton spricht

Die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihr Mann und früherer Präsident Bill Clinton feiern ihren Gewinn in Las Vegas, Nevada.
Bild: MIKE NELSON/EPA/KEYSTONE

Clinton dagegen sichert sich die Mehrheit der nicht-weissen Wähler. Sanders punktet zwar knapp bei den Latinos, die in Nevada besonders stark vertreten sind. Doch bei den Schwarzen, die er zuletzt hofiert hat, stimmen nur zu 22 Prozent für ihn – obwohl er die Unterstützung einiger schwarzer Lokalpolitiker bekam.

Ohne die Afro-Amerikaner freilich, ohne eine breite Koalition der Minderheiten, lässt sich kaum eine demokratische Kandidatur gewinnen. Geschweige denn eine US-Präsidentschaftswahl gegen einen perfiden, skrupellosen, unberechenbaren Widersacher wie Donald Trump, der am Samstag zeitgleich bei den Republikanern in South Carolina siegte.

Die Trump-Wähler im Freudentaumel, South Carolina.
Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Auch deshalb hatte Clinton nichts dem Zufall überlassen. Sie wusste, dass Nevada – Schauplatz ihres bitteren Caucus-Zweikampfes mit Barack Obama im Jahr 2008 – erneut eine entscheidende Etappe werden würde.

Ihr erstes Nevada-Büro eröffnete Clinton schon im Juli 2015, nur Wochen nach ihrem offiziellen Einstieg ins Rennen und ein halbes Jahr vor Sanders. Monatelang umgarnte sie die mächtigen Casino-Gewerkschaften, die Latino-Vertreter, die «Dreamers» – jene jungen, von Abschiebung bedrohten Einwanderer. Sie zog durch Kantinen und Küchen, besuchte Tagelöhner und Nachtschichtler.

Dabei ist vielsagend, dass sich Sanders' Botschaft von ökonomischer Fairness gerade hier nicht durchsetzte - in einem Staat, der mehr als andere unter der Rezession litt. Doch Nevadas Vorwähler vertrauten Clinton: Sie gewann die Schlecht- und die Besserverdiener – eine Spanne, die sie brauchen wird für den Kampf, der vor ihr liegt.

Dieser Kampf dürfte trotzdem noch eine Weile dauern. Sanders verliert in Nevada nicht klar genug, um jetzt aufgeben zu können, ohne seine Anhänger derart zu vergrätzen, dass sie sich ganz von der Partei abwenden - ein Risiko, dass auch die Parteispitze fürchtet.

Er wird denn noch eine Weile mitmischen - auch, wie gemunkelt wird, aus Animosität gegen das Partei-Establishment, von dem er sich stets distanziert hat. «Wir haben den Wind im Rücken», beharrte er. «Wir werden am Super Tuesday in elf Staaten im ganzen Land konkurrieren.» Dann stieg er ins Flugzeug nach South Carolina, wo die Demokraten am kommenden Samstag wählen.

Clinton und Sanders – TV-Debatte in Bildern

Alles kurz zusammengefasst: Hillary Clinton hat die Urwahl der Demokraten für die US-Präsidentschaftskandidatur im Bundesstaat Nevada am Samstag knapp gewonnen. Nach Auszählung von 79 Prozent der Wahlkreise führte sie mit 52.1 Prozent vor ihrem Konkurrenten Bernie Sanders, der 47.8 Prozent erreichte. Sanders, parteiloser Senator aus Vermont, der sich selbst als demokratischer Sozialist bezeichnet, gratulierte Clinton, aufgeben will er aber noch nicht. Für Clinton ist es ein wichtiger Sieg, der zeigt, dass sie breite Wählerschichten überzeugen kann.

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    Alle Leser-Kommentare
  • mortiferus 21.02.2016 17:16
    Highlight Frau Clinton überfordert mich langsam. Es ist sicher nicht fair, aber ich kann ihre Fres..... nicht mehr sehen. Ich weis nicht mal warum :(
    6 2 Melden
  • nipp 21.02.2016 13:04
    Highlight Der Spiegel.. gröhl, dieses Wischblatt erhält seinen Input doch direkt von der Atlantikbrücke ;) wer die Sponsert sollte jedem klar sein...
    7 4 Melden
  • Luca Brasi 21.02.2016 12:55
    Highlight Ich finde den Artikel extrem "pro Clinton" (hat der Spiegel eine Partnerschaft mit ihrem Super PAC?). Erstens ist es ein recht knappes Rennen gewesen und zweitens ein Caucus, wo die Abstimmenden bei der Versammlung v.a. auf das Parteiestablishment trifft, das ihnen einredet, dass man mit Clinton die Präsidentschaft praktisch im Sack hätte und Trump verhindern könnte. Die Mehrheit der Vorwahlen sind jedoch primaries und dort hat Sanders bei der ersten so richtig zugeschlagen. Zudem steigert sich seine Bekanntheit und die Latinos stimmten mehrheitlich für ihn.
    13 1 Melden
  • greeZH 21.02.2016 12:55
    Highlight Lächerlich diese Spiegelartikel. Man kann Sanders nicht mehr totschweigen also hyped man halt Clintons knappe Siege. Verstehe den Spiegel nicht der sich ja eigentlich als links-liberal sieht. Clinton wäre in Europa mitte-rechts. Kein Präsidentschaftskandidat ist so gekauft wie sie. Sanders ist auf dem Vormarsch. Und lasst euch nicht von den Superdelegierten irritieren, die sind noch nicht in Stein gemeisselt. Wenn am Ende der Vorwahlen Sanders führen sollte werden die die Seite wechseln.
    9 1 Melden
    • Yes. 21.02.2016 14:41
      Highlight Doch doch, die Establishment Republikaner sind genauso gekauft.
      2 0 Melden
    • greeZH 22.02.2016 02:38
      Highlight Ich weiss dass die gekauft sind. Doch nicht mit solchen Beträgen. Das könnte sich jetzt allerdings ändern, da sich die GOP auf Rubio konzentrieren werden.
      0 0 Melden
  • tschoo 21.02.2016 11:37
    Highlight Warum sollte man nach drei von etwa 50 Vorwahlen aufgeben wollen, wenn man nur ganz knapp hinten liegt? Oder hab ich was nicht mitbekommen? Der Super Tuesday steht ja auch noch an, da ist viel zu holen für Sanders.
    22 1 Melden
  • koks 21.02.2016 11:13
    Highlight finde den artikel unseriös. boulevard niveau. man lasse sich solche ausdrücke wie 'populistischer revolutionär' für sanders mal auf der zunge vergehen. was genau wollt ihr uns damit mitteilen?
    15 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 21.02.2016 10:36
    Highlight Dieser Beitrag ist ja unglaublich Pro-Clinton und stellt Sanders als den Träumer mit den unverwirklichbaren Zielen dar. Obama hat - wie Sanders auch - 2008 genauso in Nevada gegen Hillary verloren (sogar mit einem grösseren Abstand). Und mal ganz ehrlich, wieso sollte Sanders nach zwei knappen Niederlagen und einem klaren Sieg in den ersten drei Vorwahlsrunden bereits ans aufhören denken? Sanders hat Clinton in nationalen Umfragen bereits überholt (und das nach einem 30% Vorsprung von Hillary vor einigen Monaten).
    39 2 Melden
    • ramonke 21.02.2016 12:26
      Highlight schreibt lieber mal selber artikel zu den wahlen als nur die artikel vom spiegel zu kopieren. dieses sanders bashing ist ja unter aller sau
      14 1 Melden
    • Yes. 21.02.2016 12:45
      Highlight Zumdem ist Sanders viel wählbarer als Clinton: Bei Umfragen wen man wählen würde, wenn irgendein Demokrat gegen irgendeinen Republikaner antreten würde (zB Sanders-Cruz oder Clinton-Rubio), kommt heraus, dass Sanders JEDES potentielle Duell gegen Republikaner gewinnen würde, während Clinton gegen jeden Republikaner ausser Trump (immerhin!) verlieren würde.
      4 2 Melden
  • Charley Collins 21.02.2016 09:58
    Highlight Nur 5% Unterschied. Vor 2 Wochen waren es noch 25%!!!! Bernie ist am Kommen!!!
    29 3 Melden
  • rodolofo 21.02.2016 09:50
    Highlight Mein Herz schlägt für Bobby Sanders.
    Aber mein Verstand sagt mir, dass Hillary Clinton die richtige Kandisatin für die Demokraten ist.
    Vielleicht werden wir uns noch einmal wundern, zu was diese Frau fähig ist, wenn sie endlich mal Präsidentin der USA geworden ist und ihr egal sein kann, ob sie wieder gewählt wird, oder nicht.
    Dann könnte sie sogar die Persönlichkeit und die Charakterstärke des jetzigen Amtsinhabers, Barak Obama, erreichen.
    7 17 Melden
    • Gigi vo Züri 21.02.2016 11:12
      Highlight Ich würde Clinton nicht vertrauen, zu lange hat sie schon Einfluss auf die amerikanische Politik und zu gut sind ihre Kontakte an die Wallstreet, wo sie sich für Reden auch gerne mal 675'000.-(!) zahlen lässt. Ich glaube daher schlicht nicht das sie so progressiv ist wie sie es vorgibt.
      20 1 Melden

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