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Support nach Belästigungsvorwürfen: Trump brüskiert seine wichtigsten Verbündeten

Erst schwieg er lange zu den Belästigungsvorwürfen, jetzt unterstützt Donald Trump den umstrittenen Senatskandidaten Roy Moore in Alabama massiv – und geht damit ein grosses politisches Risiko ein.

Roland Nelles, Washington



Ein Artikel von

Spiegel Online

Amerika steht vor wichtigen Entscheidungen. In dieser Woche soll der Senat erstmals über die grosse Steuerreform abstimmen. Es geht um Billionen von Dollar. Doch ein anderes Thema fesselt den politischen Betrieb in Washington mindestens genau so sehr.

US-Präsident Donald Trump hat sich entschieden, seiner Partei im Kampf um den umstrittenen Senatskandidaten von Alabama, Roy Moore, eine abenteuerliche Kehrtwende aufzuzwingen. Statt den Mann weiter zu verteufeln, sollen die Republikaner ihm nun zum Sieg bei der Nachwahl am 12. Dezember verhelfen – so stellt sich das Trump zumindest vor.

FILE - In this Wednesday, Nov. 15, 2017, file photo, President Donald Trump speaks in the Diplomatic Reception Room of the White House, in Washington. Trump in tweets Sunday, Nov. 26, is again coming to the side of Republican Roy Moore by bashing the Democratic nominee Doug Jones in the Alabama Senate race. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais, File)

Pokert hoch: US-Präsident Donald Trump Bild: AP/AP

Nachdem er in der Affäre zunächst lange geschwiegen hatte, ist Trump nun innerhalb weniger Tage zum wichtigsten Fürsprecher von Moore avanciert. Der stramm konservative Ex-Richter wird von einem halben Dutzend Frauen glaubwürdig beschuldigt, sie in den Siebziger- und Achtzigerjahren sexuell belästigt zu haben. Eines der Opfer war damals erst 14 Jahre alt.

Trump will das alles nicht gelten lassen. Zwar vermeidet es der Präsident (noch), direkt zur Wahl von Moore aufzurufen. Doch dafür feuert er inzwischen fast täglich Tweets ab, die als Unterstützung von Moore verstanden werden können – und wohl auch genau so gemeint sind.

Auf gar keinen Fall dürfte der Gegenkandidat Doug Jones von den Demokraten in Alabama gewinnen, twitterte Trump am Sonntag. Der Mann wäre ein «totales Desaster», einfach «schwach». Und überhaupt: Die Anschuldigungen gegen Moore seien doch mehr als 40 Jahre alt, findet Trump. Man solle Moore deshalb doch bitte auch zuhören, wenn er sage, das alles stimme nicht.

FILE - In this Monday, Sept. 25, 2017, file photo, former Alabama Chief Justice and U.S. Senate candidate Roy Moore speaks at a rally, in Fairhope, Ala. President Donald Trump in tweets Sunday, Nov. 26, is again coming to the side of Moore by bashing the Democratic nominee Doug Jones in the Alabama Senate race. (AP Photo/Brynn Anderson, File)

Roy Moore wird von einem halben Dutzend Frauen glaubwürdig beschuldigt, sie in den Siebziger- und Achtzigerjahren sexuell belästigt zu haben. Bild: AP/AP

Mit der Unterstützung für Moore brüskiert Trump die meisten Republikaner in Washington, die er zur Durchsetzung seiner Agenda braucht. Entsetzt müssen sie mit ansehen, wie sich Trump auf die Seite eines mutmasslichen Pädophilen stellt. Moral, Anstand, Respekt – all die Tugenden, die die Republikaner jahrzehntelang so gerne für sich in Anspruch genommen haben, scheinen unter diesem Präsidenten nicht mehr zu gelten.

Sowohl der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, als auch der Chef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, hatten Moore nach Bekanntwerden der Vorwürfe energisch zum Rückzug seiner Kandidatur aufgerufen – ohne Erfolg. Moore weigerte sich, zurückzutreten.

Der Präsident stellt sich mit der neuen Linie auch gegen seine eigene Tochter. Ivanka Trump hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, es gebe einen «speziellen Platz in der Hölle» für Männer, die sich an Kindern vergingen, das war klar auf Moore gemünzt.

Warum Trump Moore unterstützt

Trump kümmert das alles nicht. Er sieht in Moore wohl so etwas wie einen «Schicksalsgenossen». Auch Trump wurde im Wahlkampf von mehreren Frauen beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Auch er wies die Anschuldigungen als «frei erfunden» zurück, obwohl es sogar ein Videoband gab, auf dem er damit prahlte, wie gerne er Frauen begrapscht.

The New York Post, left, and New York Daily News are arranged for a photo, Wednesday, Nov. 22, 2017. The papers will often tackle the same topics on their front page, but only when the stars align do their colorful headline writers get the same idea. Both were reporting Wednesday on President Donald Trump's backing of Republican Alabama Senate candidate Roy Moore, who is accused of molesting a 14-year-old girl decades ago. Moore denies the charge. (AP Photo/Mark Lennihan)

Bild: AP/AP

Hinzu kommt: Mit der Unterstützung für Moore will Trump verhindern, dass die Republikaner den eigentlich sicheren Senatssitz in Alabama zum ersten Mal seit vielen Jahren an die Demokraten verlieren. Damit würde die Mehrheit seiner Partei im Senat nur noch eine Stimme betragen. Die finale Abstimmung über die Steuerreform, die kurz vor Weihnachten geplant ist, wäre in Gefahr. Ein Scheitern seines Prestigeprojekts will Trump auf keinen Fall riskieren.

Trump setzt wohl darauf, dass die Wähler in Alabama nach immer neuen Missbrauchs-Enthüllungen langsam den Überblick verlieren, auf welcher Seite eigentlich die grösseren Bösewichter zu verorten sind. Ihm hilft dabei, dass seit Tagen Politiker der Demokraten wie Senator Al Franken und der Abgeordnete John Conyers wegen der sexuellen Belästigung von Frauen massiv unter Druck stehen. Conyers soll sogar aus Steuermitteln Schweigegeld an eine ehemalige Mitarbeiterin gezahlt haben. Trump verfährt nun frei nach dem Motto: Moore ist doch harmlos, die anderen sind viel schlimmer.

Was Trump droht

Fraglich ist jedoch, ob sein Kalkül aufgeht. Die Unterstützung für Roy Moore könnte sich auch als grosses Risiko erweisen: Etliche moderate Senatoren bei den Republikanern dürften von Trumps Feldzug für Moore angewidert sein und könnten sich früher oder später in wichtigen Abstimmungen gegen Trump stellen. Gleiches gilt für manche Wähler der Republikaner in Alabama und im ganzen Land, die sich wegen der Affäre von den Republikanern abwenden könnten.

Sollte Moore trotz Trumps eifriger Hilfe am 12. Dezember verlieren, wäre Trump gnadenlos blamiert. Aber selbst wenn er gewinnen sollte, wäre der Fall damit noch lange nicht ausgestanden. Mehrere Senatoren erwägen bereits, Moore den Sitz im Senat zu verweigern. Nach den Statuten des Kongresses wäre dies durchaus möglich. Trumps Republikanern drohen dann neue, quälende Streitigkeiten bis weit ins nächste Jahr. Dann stehen bei den «Midterm»-Wahlen im Herbst weit mehr Kongressposten zur Entscheidung an als nur der eine in Alabama.

Renato Kaiser über Donald Trump

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alice36 27.11.2017 11:39
    Highlight Highlight Was unterscheidet eigentlich die amerikanische Kultur des Umganges mit Frauen von der z.B. arabischen oder russischen. Nimm sie dir wenn's dir gefällt und hau ihr eins auf's Maul wenn sie nicht will.

    Die zurschaugestellte Prüderie im amerikanischen Alltag scheint hinter verschlossenen Türen schnell ins Gegenteil zu kippen.Im Trump Zeitalter werden Sexismus und Chauvinismus wieder salonfähig. Lügen gehört zum guten Ton und die diffamierung von Andersdenkenden bildet das Sahnehäubchen.

    Wenn Gott etwas damit zu tun hat soll er mal kurz die Yellowstone Caldera öffnen, BITTE!
    35 7 Melden
    • Daniel Kunz 27.11.2017 13:48
      Highlight Highlight Bitte jeweils nachdenken vor dem Posten. Wie du hier den „arabischen und russischen Umgang mit Frauen“ in eine Schublade mit Pädophilie und Sexismus etc stecks ist sehr bedenklich. Und woher willst du wissen, dass „Mann“ da generell Gewalt an Frauen ausübt? Mal die eigenen Vorurteile hinterfragen bitte.
      7 7 Melden
    • Beni578 27.11.2017 16:07
      Highlight Highlight @Daniel Kunz

      Dass es in Saudi Arabien und verschiedenen anderen muslimischen Staaten Pädophilenehen gibt ist fakt. Dass Muslime einen bekannten Pädophilen als "den besten Menschen, der je gelebt hat" ansehen, ist ebenfalls Fakt. Wo genau siehst du da Vorurteile?

      Jedes Jahr werden in Saudi Arabien mehrere hundert kleine Mädchen mit Organschäden wegen Penetration in die Krankenhäuser eingeliefert.
      1 1 Melden
  • Haiderfroh 27.11.2017 10:24
    Highlight Highlight Die Anschuldigungen an Roy Moore sind eindeutig falsch. Sie sind ganz offensichtlich Teil einer inszenierten Hexenjagd gegen Trumpisten.
    Wo bleibt der aufklärerische Grundsatz? Im Zweifel für den Angeklagten!
    Die sexistische Vorverurteilung von Roy Moore ist besonders krass. Es gibt nicht einen Hauch eines Beweises für die Anschuldigungen und die angeblichen Taten liegen 30 bis 40 Jahre (!) zurück und sind längst verjährt. Das stinkt zum Himmel!
    8 99 Melden
    • Bruno S. 88 27.11.2017 10:59
      Highlight Highlight Er hat zugegeben dass er als mitte 30er eine 16 jährige gedatet hat. An den andere Fällen kann er sich nicht erinnern. Heisst das für dich eindeutig? Du wärst ein schlechter Detektiv...
      52 3 Melden
    • Eine_win_ig 27.11.2017 11:23
      Highlight Highlight Heja: sexuelle Vergehen an Minderjährigen sind ja nach der Verjährung auch OK...
      Keine Beweise? Come on. Ja, es gilt die Unschuldsvermutung. Aber es gibt auch Verurteilung auf Indizienbasis. Wenn 6 Frauen glaubwürdige Aussagen vorlegen, der Herr Aufgrund mehrer, sich gegenseitig unterstützender Aussagen, aus einer Malm verbannt werden musste, schriftliche Veweise in Jahrbüchern gefunden wurden, etc. pp., kann man nicht mehr Unschuldsvermutung schreien. Sich in diesem Moment noch für ein öffentliches Amt zu bewerben grenzt an Hohn!
      44 4 Melden
    • reconquista's creed 27.11.2017 12:02
      Highlight Highlight Aua, ein Troll bezieht sich auf Kant, das tut weh!
      Wie ironisch: Populisten schützen mit Aufklärung als Argument 😩
      42 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kronrod 27.11.2017 10:11
    Highlight Highlight Man sollte Politiker aufgrund dessen wählen, wer sie heute sind, und nicht aufgrund dessen, wer sie vor 40 Jahren waren. Selbst ein Mord verjährt nach 30 Jahren.
    4 102 Melden
    • Shin Kami 27.11.2017 10:54
      Highlight Highlight Mord verjährt nicht, aber egal. Auch wenn wir Trump und seine Freunde als das betrachten was sie heute sind, gehören sie alle nicht in Politische Ämter, da braucht es keine alten Geschichten.
      51 4 Melden
    • Valon Behrami 27.11.2017 11:08
      Highlight Highlight Das finde ich nicht. Und noch etwas: Weisst du, wie er heute ist?
      31 3 Melden
    • Kronrod 27.11.2017 11:59
      Highlight Highlight @Shin: zumindest in der Schweiz verjährt auch Mord nach 30 Jahren. Siehe: https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19370083/index.html#a97
      3 13 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. D. 27.11.2017 08:29
    Highlight Highlight Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika unterstützt einen Pädophilen.
    Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnet Neonazis als feine Leute.
    Bei Amokläufen durch Weisse in den USA will er lediglich beten.
    Wann wird dieser Rassist, Sexist
    und Chauvinist endlich aus dem
    Amt entfernt ?

    Und noch immer steht der Weltwoche - Chef stramm hinter Donald Trump.

    Roger, vielleicht ein paar Worte zu diesem Spiegel - Bericht ?

    167 19 Melden
  • rodolofo 27.11.2017 08:01
    Highlight Highlight Allmählich dämmert selbst den Evangelikalen, dass sie mit Donald Trump Sodom und Gomorrha gewählt haben...
    Aber ihnen fällt sicher wieder der Trick ein mit dem "Willen Gottes"!
    Es war eben der Wille Gottes, dass Evangelikale der Teuflischen Versuchung nachgeben, Amerika über die Welt zu stellen!
    Denn so will Gott die Vorbereitungen zum "Jüngsten Gericht" beschleunigen, bei dem "die Spreu vom Weizen getrennt" werden soll.
    Alle wissen jetzt wenigstens, dass Trump und seine Evangelikalen zur "Spreu" gehören...
    83 13 Melden
    • Snowy 27.11.2017 09:20
      Highlight Highlight Religion poisons everything.
      34 12 Melden
    • ÖrtTheBert 27.11.2017 09:56
      Highlight Highlight Danke für diese differenzierte und pluralitätsfähige Einschätzung, Snowy. Solche Aussagen sind wirklich viel besser, konstruktiver und dialogischer als das, was du kritisierst...
      22 13 Melden
    • one0one 27.11.2017 10:47
      Highlight Highlight Es sind nicht die Religionen per se... Es sind die fanatischen, engstirnigen, naiven, erlösungsuchenden, primitiven, rückständigen, wissenschaftsfeindlichen, ignoranten Anhänger der Religionen die alles vergiften..
      20 1 Melden
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«Trump wird die Macht teilen müssen – und dann sterben»

Eine politische Analyse der etwas anderen Art: Martin Zoller kann anhand der Analyse der Aura eines Menschen seine Zukunft sehen. So hat er die Wahl von Donald Trump richtig vorausgesagt. Jetzt allerdings scheint sich das Blatt zu wenden: Die Demokraten werden gemäss Zoller die Midterms gewinnen – und Trump wird noch vor Ablauf seiner ersten Amtszeit sterben.

Sie haben die Wahl von Donald Trump vorausgesagt. Wie ist Ihnen das gelungen? Schon 2014 wusste ich, dass Hillary Clinton keine Chance haben wird. Ich sah im Sommer dieses Jahres einen Mann als kommenden Präsidenten. Als Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat erkoren wurde, war mir klar, dass er auch gewählt werden wird. Ich habe das damals schon in verschiedenen TV-Interviews ausgeführt.

Wie kommen Sie zu solchen Aussagen? Machen Sie politische Analysen und verbinden diese …

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