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Marco Rubio: Der wahre Sieger von Iowa

Im Schatten von Cruz und Trump sorgt Marco Rubio für eine Überraschung. Der Senator entwickelt sich bei den Republikanern zur letzten Hoffnung der Vernünftigen. Wie gefährlich wird er den Hardlinern?

Veit Medick, des moines



Ein Artikel von

Spiegel Online
Republican presidential candidate Marco Rubio smiles as he exits the stage after speaking to supporters at the Rubio watch party at the Downtown Marriott Hotel in Des Moines, Iowa February 1, 2016. REUTERS/Dave Kaup

Hat allen Grund zum Lachen: Marco Rubio.
Bild: DAVE KAUP/REUTERS

Es war eigentlich schon viel zu spät, aber irgendwann kam Marco Rubio doch noch in die Kirche gehetzt. Die Caucus-Versammlung der «Gloria Dei Church» in West Des Moines näherte sich der Abstimmung, als der Kandidat mit Frau und vier Kindern zur Tür hinein gelaufen kam und vor dem Altar zum Mikro griff. «Das letzte Mal, als meine Frau und ich in einer Kirche in Iowa waren, haben wir kurz danach geheiratet», rief er: «Mal sehen, was heute passiert.» Die anwesenden Republikaner lachten, und Rubio konnte rasch noch seine politischen Botschaften loswerden.

Sein Einsatz hat sich gelohnt – für den 44-jährigen Senator aus Florida endete die Vorwahl in Iowa mit einem grossen Erfolg. Rechtsaussen Ted Cruz hat zwar den Caucus vor Donald Trump gewonnen. Aber Rubio war mit seinem dritten Platz der Einzige der Republikaner-Kandidaten, der die Erwartungen bei weitem übertraf. Wenn noch jemand aus der Mitte der Partei zu einem echten Gegenspieler der beiden Hardliner werden kann, ist das Rubio. Alle anderen Kandidaten, die zum so genannten Partei-Establishment zählen, fuhren in Iowa jämmerliche Ergebnisse ein. Rubio ist, wenn man so will, die letzte Hoffnung der Vernünftigen.

Der kommenden Vorwahl in New Hampshire kann der Senator vergleichsweise gelassen entgegensehen. Der Staat im Nordosten der USA ist liberaler als Iowa. Evangelikalen-Liebling Cruz dürfte es hier mit seinen erzkonservativen Positionen deutlich schwerer haben. Und Trump steht unter dem Druck, gewinnen zu müssen, um Zweifel an seiner Kandidatur zu zerstreuen. Rubio hat mit seinem Ergebnis in Iowa seine Anhänger motiviert, in New Hampshire kann er sich als Alternative zu den Hardlinern präsentieren. «Ich bin der einzige Kandidat, der die Partei vereinen kann», testete er auf der Wahlparty in Des Moines gleich mal seine neue Botschaft.

Vor allem bei jüngeren Wählern punktet er

Seine Fans sind schon lange davon überzeugt, dass Rubio der gefährlichste Gegner für die Demokraten wäre. Jung, dynamisch, konservativ: Aus ihrer Sicht ist der Senator ein perfektes Gegenmodell zur 68-jährigen Hillary Clinton – nicht zuletzt deshalb, weil er als Sohn kubanischer Eltern in der Latino-Wählerschaft punkten könnte. Inhaltlich scheint Rubio ausreichend flexibel, um weite Teile der Partei zu repräsentieren. Aussenpolitisch setzt er auf militärische Stärke, auch sozialpolitisch vertritt er eine harte Linie, lehnt Abtreibung und die Homo-Ehe ab. Wirtschaftspolitisch zählt er zum Reformerflügel. Besonders die Bildungspolitik unterscheidet ihn von den anderen Kandidaten. Mit seiner Forderung, Universitäten erschwinglicher zu machen, hat Rubio in Iowas jüngerer Wählerschaft überproportional punkten können.

Rubio ist ein glänzender Debattierer, kaum jemand setzt seine Botschaften sicherer als er. Aber auch er hat sich von Trumps Dominanz verunsichern lassen. Als er im Frühsommer 2015 seine Kandidatur verkündete, verknüpfte er das mit einer hoffnungsvollen, optimistischen Rhetorik. Je effektiver Trump jedoch unter den Amerikanern Abstiegsängste schürte, desto mehr verliess Rubio seinen Kurs. Zuletzt klang seine Beschreibung vom Zustand Amerikas ähnlich pessimistisch wie die von Trump.

Republican presidential candidate Sen. Marco Rubio, R-Fla., speaks at a caucus night rally, Monday, Feb. 1, 2016 in Des Moines, Iowa. (AP Photo/Paul Sancya)

Profitiert Rubio vom Streit zwischen Cruz und Trump?
Bild: Paul Sancya/AP/KEYSTONE

Seine Achillesferse ist die Einwanderungspolitik. Als Neuling in Washington war er Teil einer Gruppe von Senatoren, die für eine vergleichsweise liberale Gesetzesreform plädierten. Doch als er merkte, wie sehr ihm das auf dem rechten Flügel der Partei schadete, nahm er Abstand von dieser Position. In den vergangenen Monaten näherte er sich einigen Haltungen Trumps, wenngleich er sie klüger und durchdachter präsentierte. Aber sein Wankelmut bei diesem sensiblen Thema dürfte in einem Hauptwahlkampf keine Hilfe sein.

Der Mann, hinter dem sich alle versammeln

Noch ist er lange nicht der Kandidat der Republikaner. Aber Iowa hat seine Chancen wachsen lassen. Trump und Cruz haben zwar 50 Prozent hinter sich versammeln können. Das ist viel – heisst aber auch, dass 50 Prozent der Wähler im Agrarstaat einen anderen wählten.

Rubios Aufstieg stellt jene Kandidaten, die sich ebenfalls zum sogenannten Partei-Establishment zählen, vor ein Problem. Alle wissen: Wenn die Partei einen Gegenspieler zu Trump und Cruz aufbauen will, muss sie sich hinter einem Bewerber versammeln, ihm sämtliches Geld und alle Unterstützung zur Verfügung stellen. Bei einem Drei-Mann-Wettbewerb, so das Kalkül, würden sich Cruz und Trump jeweils die Stimmen wegnehmen. Und jene Hälfte der Wählerschaft, die die beiden Hardliner nicht will, könnte sich auf die Seite des dritten Mannes schlagen – zum Beispiel Rubio.

Das Problem ist, dass weder Jeb Bush, der Ex-Gouverneur von Florida, noch Chris Christie, der Gouverneur aus New Jersey, noch irgendein anderer Establishment-Kandidat bisher signalisiert haben, bald auszusteigen. Im Gegenteil: Sie setzen alle auf New Hampshire und ihre eigene Chance. Doch Rubios Leute sagen sich: Noch ein Ergebnis wie in Iowa, und das Problem löst sich von selbst.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Einstein56 02.02.2016 17:16
    Highlight Highlight Zum Glück dürfen die US- Bürger ihren Präsidenten selber wählen. Sie sagen uns ja auch nicht, ob wir Blocher und Co. zum Bundesrat machen dürfen. Erstaunlich, wie die scheinbar toleranten und liberalen Europäer sich schwer tun mit der Feststellung, dass sie die Kontrolle über die Welt schon lange verloren haben.
  • Pana 02.02.2016 15:44
    Highlight Highlight Rubios "Siegesrede" (als Dritter lol) war lächerlich. Ausführlich erzählte er, wie seine Eltern als arme Immigranten ins Land kamen, ihr Leben lang schufteten, um ihren Kindern ein besseres Leben ermöglichen zu können. Das seie Amerika. Und dieses Amerika will er für alle. Notabene nachdem man die 11 Millionen undokumentierten Latinos ausgeschafft hat, und wahrscheinlich noch a la Trump ne Mauer hinhaut. Ich muss aber zugeben, dass mir der sogenannte "Voto Latino" immer mehr sorgen macht. Das hispanische CNN berichtete gestern praktisch nur über die Republikaner.

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