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Mobbing à la Trump – wie der US-Präsident seinen Aussenminister loswerden will

Durch das gezielte Streuen von Rücktrittsgerüchten versuchen der US-Präsident und sein Team offenbar, Aussenminister Rex Tillerson loszuwerden. Doch der leistet Widerstand. Geht er oder geht er nicht?

Roland Nelles, Washington



Secretary of State Rex Tillerson listens as President Donald Trump speaks during a cabinet meeting at the White House, Wednesday, Nov. 1, 2017, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)

Keine Liebe: Trump und Tillerson. Bild: AP/AP

Ein Artikel von

Spiegel Online

In seiner Rolle als gnadenloser Manager in der TV-Serie «The Apprentice» liebte es Donald Trump, junge Mitarbeiter mit grosser Geste zu entlassen: «Sie sind gefeuert», sagte er dann kühl. Als Präsident will er nun wohl seinen Aussenminister Rex Tillerson loswerden und wählt dafür den indirekten Weg. Er will ihn offenbar aus dem Amt mobben.

Seit die «New York Times» zuerst über einen «Plan» des Weissen Hauses berichtet hat, Tillerson bald durch den bisherigen CIA-Chef Mike Pompeo zu ersetzen, wird immer deutlicher, dass die Indiskretion gezielt gesetzt worden sein könnte, um Tillerson ein Signal zu geben: Es ist Zeit, zu gehen. Der US-Sender CNN berichtete, das Weisse Haus stelle den Minister gezielt bloss, damit er sich Bitteschön von selbst zurückzieht.

Zwischen Trump und Tillerson gibt es schon seit Monaten Ärger. Der US-Präsident und der selbstbewusste Ex-Chef des Weltkonzerns ExxonMobil können ganz offenkundig nicht miteinander. Es ist das Aufeinandertreffen zweier Alphamänner, die sich beide dem jeweils anderen überlegen fühlen.

Wo sich Tillerson und Trump unterscheiden

Zuletzt wurde das deutlich, als bekannt wurde, dass Tillerson Trump intern einen «Schwachkopf» (moron) genannt haben soll. Trump bot den Aussenminister daraufhin - angeblich im Scherz - an, ihre Intelligenzquotienten miteinander vergleichen zu lassen. So richtig lustig war das aber sicher nicht gemeint. Schon da gab es Rücktrittsgerüchte.

Trump duldet keine allzu selbstbewussten Minister neben sich. Schon gar nicht, wenn sie ihm Widerworte geben. Tillerson hat oft genug deutlich gemacht, dass er in wichtigen aussenpolitischen Fragen durchaus eine andere, eine moderatere Position vertritt als der Präsident: Er sprach sich gegen eine Aufkündigung des Pariser Klimavertrags und des Iran-Abkommens aus, er setzt im Konflikt mit Nordkorea eher auf Verhandlungen denn auf Säbelrasseln. Und er sieht - anders als Trump - in einem guten Verhältnis zu den Nato-Verbündeten und zu Europa einen wichtigen Eckpfeiler der US-Aussenpolitik.

Allerdings hat sich Tillerson auch unter den Mitarbeitern im Aussenministerium Feinde gemacht. Mit harter Hand verdrängt er dort seit Monaten hohe Karrierediplomaten von ihren Posten, lässt wichtige Stellen unbesetzt. Die Stimmung in dem Ministerium soll sehr schlecht sein. Trump liefert er damit einen weiteren Grund, ihn loszuwerden.

Tillersons mächtige Freunde

Wenn Tillerson sich bald freiwillig zurückzöge, wäre das für Trump die eleganteste Lösung. Vor der förmlichen Aufforderung an Tillerson, den Rücktritt einzureichen, schreckt der Präsident offenkundig (noch) zurück. Er möge Entlassungen eigentlich gar nicht so gerne, sagen Leute, die Trump besser kennen. Ausserdem hat Tillerson in der Grossindustrie und unter den moderaten Kräften in der republikanischen Partei viele einflussreiche Freunde wie etwa den langjährigen Aussenminister James Baker. Diese Leute wollen Trump und sein Team offenbar nicht weiter verärgern, sie sind auf den Präsidenten ohnehin nicht allzu gut zu sprechen.

Tillerson wiederum verspürt offenbar wenig Lust, sich von Trump seine Lebensplanung diktieren zu lassen. Nachdem der erste «New York Times»-Bericht über seine angeblich bevorstehende Entlassung bekannt wurde, liess er seine Sprecherin verkünden, er gehe wie gewohnt seiner Arbeit nach. Ihm mache seine Aufgabe «Freude».

Bei einem Treffen mit dem deutschen Aussenminister Sigmar Gabriel im Aussenministerium in Washington machte er auf den Gast aus Deutschland einen gewohnt entspannten und konzentrierten Eindruck. Von Rückzugsabsichten keine Spur. Für die nächste Woche hat Tillerson Gabriel seine Teilnahme am Nato-Rat zugesagt, man will über Iran, die Ukraine, Nordkorea und andere Themen sprechen.

epa06360471 A handout photo made available by the United States Department of State (DOS) shows US Secretary of State Rex Tillerson (R), flanked by German Foreign Minister Sigmar Gabriel, addressing reporters before their meeting at the US Department of State in Washington, DC, USA, 30 November 2017.  EPA/US DEPARTMENT OF STATE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Gabriel und Tillerson Bild: EPA/US DEPT. OF STATE

Die grosse Frage lautet nun, wie lange beide Seiten dieses Spiel noch spielen wollen. Obwohl Präsident Trump am Donnerstag mehrfach von Reportern nach Tillersons Zukunft gefragt wurde, vermied er es, seinem Aussenminister öffentlich eine Jobgarantie auszusprechen. Er antwortete nur: «Rex ist hier.» Und die Sprecherin des Präsidenten sagte, man habe «derzeit» keine Personalien zu verkünden. Ein klares Bekenntnis zu einem Mitarbeiter klingt anders.

Auch Tillerson wird wohl erkennen, dass er durch die immer neuen Rücktrittsgerüchte mehr und mehr zur lame duck wird, zur lahmen Ente. Aus Tillersons Umgebung wurden schon vor Wochen angebliche Überlegungen kolportiert, der Minister wolle sich nach einem Jahr im Amt freiwillig zurückziehen. Er sei genervt von Trump und von dessen erratischem Politikstil. Aber ein Jahr wolle er vollmachen, um dem «Land zu dienen». Das wäre dann Ende Januar, Anfang Februar.

CIA-Chef als neuer Aussenminister?

Sollte Tillerson tatsächlich gehen, wäre der jetzige CIA-Direktor Mike Pompeo aus Trumps Sicht wohl die beste Wahl für einen Nachfolger. In den vergangenen Monaten soll er zu einem der wichtigsten Einflüsterer des Präsidenten aufgestiegen sein. Der frühere Panzerkommandant und langjährige Kongressabgeordnete der Republikaner ist stramm konservativ und verfolgt wie Trump eine «America First»-Strategie. Auf die Interessen wichtiger Verbündeter oder anderer Länder wird da eher wenig Rücksicht genommen.

Im Konflikt mit Nordkorea würde Pompeo wohl deutlich härter Auftreten als Tillerson. Auch gegenüber Iran macht er sich für eine unnachgiebige Linie stark. Neuer aussenpolitischer Ärger, auch mit wichtigen Verbündeten wie Deutschland, wäre unter diesem Minister deshalb wahrscheinlich.

Zusammengefasst: Zwischen Donald Trump und Rex Tillerson gibt es seit Monaten Ärger, nun spitzt sich die Lage zu: Offenbar will der US-Präsident seinen Aussenminister loswerden und streut dafür Rücktrittsgerüchte. Als möglicher Nachfolger wird CIA-Direktor Mike Pompeo gehandelt. Tillerson will allerdings (vorerst) nicht gehen, seine Sprecherin teilte mit, er gehe wie gewohnt seiner Arbeit nach.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dirk Leinher 02.12.2017 09:13
    Highlight Highlight Mittlerweile scheint nicht mehr viel von dieser Story übrig zu bleiben.
    Waren es vielleicht andere Kreise die gerne einen Keil zwischen Trump und Tillerson treiben möchten?
    Trump Gegnern würde das sicher in die Hände spielen, wenn sich die beiden verkraften würden.
  • äti 01.12.2017 16:26
    Highlight Highlight Als NachfolgerIn schlage ich Ivanka vor. Sie hat noch keine volle Agenda.
  • Trump's verschwiegener Sohn 01.12.2017 10:33
    Highlight Highlight Die Welt muss sich am meisten Sorgen machen um den Typen namens Tom Cotton, welcher hoch gehandelt wird für die Nachfolge des CIA-Direktors. Er ist ein Handlanger der schlimmsten Lobbyisten (Koch-Brüder, Sheldon Adelson, Kristol). Alle diejenigen, deren feuchtester Traum ein Angriff auf den Iran ist (alle wissen wer das ist) können ihr Ziel dann doch noch erzwingen.
    • roger.schmid 01.12.2017 11:24
      Highlight Highlight @patztop: so ist es.es etwas ausführlicher hier:
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    • roger.schmid 01.12.2017 14:01
      Highlight Highlight Das war irgendwie der falsche Link. Eigentlich meinte ich dies

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    • SemperFi 01.12.2017 15:55
      Highlight Highlight Insbesondere ersetzt bei der CIA ein Dilettant den anderen. Was so ein Jekami langfristig anrichtet, lässt sich nur erahnen.
  • roger.schmid 01.12.2017 10:05
    Highlight Highlight Tillerson sollte die milliarden Deals mit Russland einfädeln. Da wurde aber vom Parlament ein Riegel vorgeschoben. Das ist jetzt natürlich etwas doof für Rex und Donald. Die Nachfolge wird aber noch katastrophaler.
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    • Hades69 01.12.2017 12:47
      Highlight Highlight Hätte es „echte“ Beweise gegeben, wäre der Aufstand noch grösser. Alles nur Gerüchte um die Masse zu manipulieren und verwirren.

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