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Schockstarre am East River – Trump will bei der UNO aufräumen

Donald Trump will aufräumen in der UNO. Doch bisher gab es nur wirre Signale und Twitter-Tiraden. Ausbaden muss das die krisengeplagte Weltgemeinschaft - und die unerfahrene Botschafterin des US-Präsidenten.

17.02.17, 18:14 18.02.17, 09:19

Marc Pitzke

Cheeeeese: Nikki Haley. Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Ein Artikel von

Nikki Haley hat keinen beneidenswerten Job. Vor drei Wochen erst zog die Ex-Gouverneurin von South Carolina ins kalte New York, als UNO-Botschafterin der neuen US-Regierung. Ehemann Michael folgte mit dem Hund, zwei Fröschen und einem Goldfisch. «Unser neues Abenteuer», twitterte Haley.

Wie abenteuerlich das wirklich werden würde, hätte sie sich aber wohl kaum träumen lassen. Was natürlich an ihrem Chef liegt, US-Präsident Donald Trump.

Das zeigte sich spätestens diese Woche, als der UNO-Sicherheitsrat zu seiner monatlichen Nahostsitzung zusammenkam. Der Jour fixe wurde unerwartet brisant: Tags zuvor war Trump plötzlich von der Zweistaatenlösung für Israel und Palästina abgerückt - ein jahrzehntealtes Dogma, das er mal so eben brach.

Haley - die zum ersten Mal an der Nahostsitzung teilnahm - schien davon ebenso überrumpelt wie alle anderen. Sie schwieg, als der UNO-Sonderbeauftragte Nikolai Mladenow, aus Jerusalem dazugeschaltet, auf der Zweistaatenlösung bestand («der einzige Weg»). Sie schwieg, als zwei weitere Redner sich ähnlich äusserten. Sie schwieg, als Ratspräsident Wolodymyr Jeltschenko nach letzten Wortmeldungen fragte.

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Auch später vor der Presse erwähnte Haley den aufgeladenen Begriff erst mal nicht freiwillig, sondern schimpfte minutenlang über die «Anti-Israel-Einseitigkeit» der UNO: «Die USA werden das nicht länger ignorieren.» Erst die Frage einer Reporterin zwang sie zum Bekenntnis: «Wir unterstützen die Zweistaatenlösung.»

Haley soll aufräumen bei der UNO

Zweistaatenlösung: Ja? Nein? Jein? Seit Trump regiert, ist derlei Verwirrung nichts Neues an der UNO. Ausbaden muss das eine Weltgemeinschaft in der Dauerkrise - und Nikki Haley, eine Landespolitikerin ohne internationale Erfahrung. Ob Nahost, Nordkorea, Iran oder Ukraine: Sie soll die konfusen Signale und Twitter-Tiraden ihres Bosses diplomatisch verhandlungsfähig machen - ohne Orientierungshilfe des weiter verwaisten US-Aussenministeriums von Rex Tillerson.

Der UNO-Apparat, zunächst schockiert von Trumps Wahlsieg, ist inzwischen in einer Mischung aus Resignation, Skepsis und antrainierter Geduld erstarrt. Haley soll im Namen Trumps gründlich aufräumen innerhalb der Vereinten Nationen, wo die Leute ja nur «reden und Spass haben», wie der neue US-Präsident lamentiert. Diese Aversion geht auch, wie so vieles, auf ein altes, persönliches Ressentiment Trumps zurück: Anwohner und Diplomaten hatten lange gegen den Trump World Tower prozessiert, einen rüden Skyscraper gegenüber der UNO-Zentrale, der den eleganten Fünfzigerjahrebau seit 2001 überschattet.

Das UN-Gebäude in New York Bild: MATT CAMPBELL/EPA/KEYSTONE

Gegenwind aus Washington sind sie am East River gewohnt. Den Republikanern ist die UNO seit jeher ein Dorn im Auge. Zur gleichen Zeit, als der Privatier Trump den World Tower baute, blockierte der Senator Jesse Helms alle amerikanischen UNO-Zahlungen, bis der Staatenbund den US-Anteil am Haushalt reduzierte.

Trump will UNO-Gelder um 40 Prozent kürzen

Bis heute bestreiten die USA rund 22 Prozent des UNO-Budgets. Und wieder drohen sie nun, den Hahn zuzudrehen - eine effektivere Zwangsmassnahme als die langwierige Aufkündigung von Verträgen wie dem Pariser Klimapakt. Zwar versicherte Haley, es werde keine Brandrodung geben: UNO-Programme wie Unicef seien «immens wichtig». Doch prompt wurde bekannt, dass Trump alle UNO-Gelder um 40 Prozent kürzen und an politische Bedingungen knüpfen wolle.

Insgeheim fänden das manche hier aber gar nicht so schlecht. Die 1945 als Anker der Nachkriegsordnung gegründete UNO ist bürokratisch verkalkt und - siehe Syrien - politisch gelähmt. Reformen führten bisher ins Leere. Dem neuen Generalsekretär António Guterres könnte etwas Druck von aussen gelegen kommen, ist zu hören.

António Guterres Bild: MURAD SEZER/REUTERS

Haley, 45, ist der Puffer zwischen dem US-Präsidenten und dem UNO-Chef. Im Vorwahlkampf hatte sie den Trump-Rivalen Marco Rubio unterstützt. Hat sie nun das volle Vertrauen Trumps? Oder ist sie nur eine Marionette? Man wolle offen auf sie zugehen, heisst es höflich bei den Vereinten Nationen, und sie an ihren Taten messen.

«An die, die uns nicht unterstützen», las Haley bei ihrer UNO-Premiere forsch vom Blatt: «Wir führen eine Namensliste.» Ihr erstes Vorstellungstelefonat galt dem israelischen Botschafter Danny Danon, einem scharfen Kritiker Palästinas. Später wich sie aber spürbar ab von der - unklaren - Trump-Linie. So kritisierte sie die «aggressiven Aktionen» Russlands in der Ukraine und Nordkoreas jüngsten, «inakzeptablen» Raketentest weit deutlicher als ihr Vorgesetzter in Washington.

In derselben Woche twitterte sie ein Foto ihres Hundes, inmitten des New Yorker Tiefschnees, und schrieb dazu: «Wir sind wirklich nicht mehr in South Carolina.»

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Majoras Maske 18.02.2017 01:05
    Highlight Und wenn die USA wirklich Hilfsgelder für Flüchtlinge kürzen, dann ratet mal ob sie die Geschichte der perspektivlosen Flüchtlinge in den Flüchtlingcamps der UNO wiederholt. Die kommen dann wieder auf eigene Faust nach Europa. Hätte dieser Präsident nur einen Funken Anstand in sich, würde er zumindest für irakische oder afghanische Flüchtlinge aufkommen. Hätten die USA insbesondere für den Irak einen besseren Plan oder ein längeres Engagement gezeigt, der IS war der Welt wohl erspart geblieben. Es braucht eher eine Stärkung der UNO als deren Schwächung, selbst wenn es dort Reformen braucht.
    12 2 Melden
  • Wisegoat 17.02.2017 21:03
    Highlight Ob Herr Trump der richtige bzw. fähige dazu ist, mag bezweifelt werden. Aber, dass bei diesem mittlerweile vor Vetternwitschaft, Lobbyisten und Machtkämpfen triefenden Verein mal der Eisenbesen nötig wäre ist offensichtlich. Die Rohrkrepierer zu Syrien, Nordkorea, Ukraine etc. sind bezeichnend.
    28 6 Melden
    • Majoras Maske 18.02.2017 00:57
      Highlight Das Problem ist ja nur, dass diesen Menschen unter Trump nicht das Handwerk gelegt wird, sondern er im Gegenteil freiwillig die Tür weit öffnet und sogar Minister nominiert, nur weil sie ihm Geld gespendet haben und dann ihre persönliche Agenda verfolgen können. Niemand liebt Trump mehr als die Wallstreet und das ist für den Normalo kein gutes Zeichen.
      8 2 Melden
  • DocM 17.02.2017 20:00
    Highlight Warum haben alles das Gefühl, dass ohne die USA nichts mehr geht??? Fakt ist, sie führen sich auf wie der Elefant im Porzellanladen und setzen ihre Interessen aufgrund der wirtschaftlichen Grösse um. Exkludiert die Amis von allem und die Welt wird einfacher und vernünftiger.
    25 16 Melden
    • sambeat 17.02.2017 23:36
      Highlight Ich bitte Sie, mit dieser flachen Verallgemeinerung aufzuhören.
      7 10 Melden
    • DocM 18.02.2017 09:59
      Highlight @sambeat: sorry, wer spielt weltpolizist, wer hält seine gesetze für universal gültig, wer hat den mars bereits verkauft, wer hat gezielt die arabischen länder destabilisiert, wer unterdrückt div. länder aus eigeninteresse, wer hat die immobilienkrise verursacht und hat die frechheit, andere dafür zur kasse zu bitte, wer hat, ausser IS, respektiert keine anderen kulturen, wer versucht allen seine meinung aufzudrücken (aufzählung nicht abschliessen)?
      4 0 Melden
  • Firefly 17.02.2017 19:33
    Highlight Soll erst mal bei sich zu hause aufräumen! Sorry aber einen unfähigeren Präsident habe ich noch nicht erlebt.
    73 23 Melden
    • PSurri 17.02.2017 20:32
      Highlight Das sehen viele Amis anders! Und er ist deren Präsident...
      16 26 Melden
    • sambeat 17.02.2017 23:42
      Highlight Die Amerikaner, welche ich von Berufes wegen kenne und die hier in unserem Land leben und arbeiten, mögen Trump nicht wirklich, und das ist nicht geheuchelt. Und sie mögen es auch nicht sehr, dass sie als 'Amis' betitelt werden!
      3 6 Melden
    • DocM 18.02.2017 10:02
      Highlight @sambeat: weshalb heisst der ami in südamerika heute noch "gringo"?? und was soll die aussage: mögen nicht wirklich.... somit stehen sie zur hälfte hinter ihm und müssen somit mit der kritik leben.
      3 0 Melden
  • dF 17.02.2017 19:06
    Highlight «Zwar versicherte Haley, es werde keine Brandrodung geben: Uno-Programme wie Unicef seien «immens wichtig». Doch prompt wurde bekannt, dass Trump alle Uno-Gelder um 40 Prozent kürzen und an politische Bedingungen knüpfen wolle.»

    Sollte dies eintreffen, mit der Knüpfung an politischen Bedingungen, ist das ‚de facto‘ eine Erpressung der Weltgemeinschaft. Schön nach dem Prinzip ‚Ihr möchtet Geld, dann macht was wir sagen‘ und die Weltherrschaft ist so gut wie vollzogen.

    Da kann man nur noch hoffen, dass der Rest der Welt sich entschieden wehrt.
    85 16 Melden
    • bokl 17.02.2017 19:22
      Highlight Solange er neben dem Wehren doch auch proportional an den Kosten beteiligt, hat Trump kaum etwas dagegen.
      17 13 Melden
    • dF 17.02.2017 19:48
      Highlight @bokl

      Muss ich dir leider Recht geben, am besten wäre es, dass die Mitgliedsstaaten Beiträge anhand ihres jeweiligen BIP's zahlen würden.
      Ups, dies wird bei den Pflichtbeiträgen, mit gewissen Abhängigkeiten, schon getan.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinte_Nationen#Budget_und_Finanzierung
      11 1 Melden
    • Alnothur 17.02.2017 20:55
      Highlight Das macht die USA doch eh schon lange, bloss bisher nicht bzw. nur unterschwellig "mit Hilfe der UNO".

      Und, ja: wer zahlt, befiehlt.
      11 6 Melden
    • dF 17.02.2017 22:57
      Highlight @Alnothur

      «Und, ja: wer zahlt, befiehlt.»

      Damit meinst du, dass internationale Grosskonglumerate die Weltherrschaft unter sich, nach entsprechender Verfügbarkeit von Kapital, aufteilen sollen, oder wie?
      8 7 Melden
    • DocM 18.02.2017 10:04
      Highlight @dF: nein, abr sie machen es bereits.
      1 0 Melden
    • dF 18.02.2017 12:28
      Highlight @DocM

      Nicht falsch verstehen aber ich wollte eine Antwort von Alnothur und nicht von dir.

      Dass die Antwort Nein heissen muss, ist mir klar. Auch dass es trotzdem leider schon z.T. geschieht, ist mir klar.
      0 1 Melden
    • Alnothur 18.02.2017 12:51
      Highlight @dF, darfst dir den Aluhut am Empfang abholen - hier geht es tatsächlich um die UNO und die internationale Politik, und mal ausnahmsweise nicht um die Weltverschwörung der Hochfinanz.
      1 1 Melden
    • dF 18.02.2017 16:44
      Highlight @Alnothur

      Wie kommst du jetzt auf eine Weltverschwörung?
      Ich habe dir eine Frage gestellt gehabt, mehr nicht.
      0 1 Melden
  • N. Y. P. 17.02.2017 18:54
    Highlight Wir sollten uns einen wichtigen Kernpunkt in diesem Text näher anschauen :
    Ehemann Michael folgte mit dem Hund, zwei Fröschen und einem Goldfisch. «Unser neues Abenteuer», twitterte Haley.
    Ich müsste mich also wirklich extrem täuschen, aber ich glaube zu wissen, dass es DREI Frösche waren.
    84 6 Melden
    • pamayer 17.02.2017 21:02
      Highlight Yessss indeed: THREE FROGS.
      14 1 Melden
  • dF 17.02.2017 18:46
    Highlight Wenn man in der UNO aufräumen will, dann in dem man die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat abschafft.
    70 3 Melden
    • Tsunami90 17.02.2017 20:55
      Highlight Und im gegenzug die Vollversamlung mit mehr befugnissen ausstattet!
      21 2 Melden
    • Alnothur 17.02.2017 20:56
      Highlight Dank der ständigen Mitgliedschaft funktioniert die UNO überhaupt. Guck dir mal die Vorgängerorganisation an...
      7 5 Melden
    • füdli 17.02.2017 21:45
      Highlight und das vetorecht bitte auch gleich
      21 1 Melden
  • Str ant (Darkling) 17.02.2017 18:45
    Highlight Uno darf doch gerne ganz nach Genf umziehen :)
    67 9 Melden
    • ch 17.02.2017 20:58
      Highlight Was spricht dagegen? Die Usa sind schon seit längerem - lange vor Trump - ein schlechter Gastgeber für die Welt.
      14 5 Melden
    • jueporto 18.02.2017 00:21
      Highlight Denke, dass das einige Politiker nicht wünschen.
      Die Gefahr, dass auf Aufforderung seitens USA
      nicht passende Politiker durch die CH Behörden verhaftet werden ist vielleicht zu gross.
      Zudem wollen wir noch mehr internationale Organisationen, die den Ruf der Schweiz in Verruf bringen ? Aber, dazu müssten Genfer Stellung nehmen, die nicht von einer internat. Organisation abhängig sind.
      2 4 Melden

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