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Nur er kenne die Finalisten, die für Ämter in seiner Regierung infrage kommen, sagt Trump. Bild: Ted S. Warren/AP/KEYSTONE

Wird Romney Aussenminister? Nun zeigt sich, ob Trump Narzisst oder Dealmaker ist 

18.11.16, 15:43 19.11.16, 08:21

Donald Trump hat heute eine neue Stelle in seinem Team besetzt. Der ehemalige Chef des Militärgeheimdiensts DIA, Michael Flynn, soll Nationaler Sicherheitsberater werden. Dem einen oder anderen mag sauer aufstossen, dass der Drei-Sterne-General als Russland-Freund und Islam-Kritiker gilt. Gegen die Ernennung ist aber nichts zu machen, denn wie zuvor Stabschef Reince Priebus und Chefberater Steve Bannon müssen diese Posten nicht vom Senat bestätigt werden. 

Bei Kabinettsposten sieht das anders aus. Am Freitag wird bekannt, dass Trump den republikanischen Senator von Alabama, Jeff Sessions, als Justizministers ausgewählt hat.

Pikant: Sessions war 1986 wegen Rassismusvorwürfen im Senat durchgefallen, als ihn Ronald Reagan als Bundesrichter nominiert hatte. Eine erneute harte Anhörung ist ihm dort sicher. Die Republikaner verfügen in der Kleinen Kammer nach neuer Zusammensetzung nur über eine hauchdünne Mehrheit von 51 zu 49.

CIA-Direktor nominiert

Das Amt des CIA-Direktors hat Trump offenbar dem republikanischen Abgeordneten Mike Pompeo angeboten. Dieser ist Absolvent der renommierten Militärakademie West Point sowie der Harvard Law School. Pompeo, der dem rechten Tea-Party-Flügel der Partei zugerechnet wird, soll das Angebot angenommen haben. Auch er muss vom Senat bestätigt werden.

Die Besetzung des Aussenministers bereitet Trump offenbar am meisten Kopfzerbrechen. Die bislang gehandelten Namen könnten bereits bei der Vorselektion durch den Justizausschuss des Senats scheitern.

Dort verfügen die Republikaner über eine Mehrheit von einer Stimme – doch einer von ihnen, der Texaner Rand Paul, hat bereits angekündigt, sowohl Rudy Giuliani als auch John Bolton abzulehnen. Die anschliessende Anhörung und Abstimmung im Plenum würde unter denkbar schlechten Vorzeichen beginnen.

Trump nicht im Fahrplan 

Trump steckt seit seinem Wahlsieg in einem Dilemma. Da dieser auch für ihn selbst einigermassen überraschend kam, startete er die Übernahme der Amtsgeschäfte von der Obama-Regierung im Hintertreff. Die sogenannte Transition ist auch unter normalen Umständen chaotisch und extrem komplex. Innert zwei Monaten 4000 Positionen zu besetzen und sich in sämtliche Ministerien und Behörden einzuarbeiten, wird von Washington-Insidern als «Trinken aus einem Feuerwehrschlauch» bezeichnet.

Für Trump kommt erschwerend hinzu, dass er in diesen zwei Monaten geeignete Kandidaten für Schlüsselämter finden und diese überprüfen muss. Leichen im Keller werden von den Medien verlässlich ausgegraben und in den Senats-Hearings aufs Tapet gebracht. Wer im November die Präsidentschaftswahl beginnt, weiss in der Regel schon, wen er als Aussenminister haben will. Und auch die Hintergrundüberprüfung («Vetting») ist dann bereits abgeschlossen. Für Trump scheint dieser anspruchsvolle Prozess hingegen erst begonnen zu haben.

Da im Wahlkampf auch in der Republikanischen Partei nur wenige an seinen Sieg geglaubt hatten, blieben die bekanntesten Namen im Hintergrund. Jeff Sessions, Rudy Giuliani und Mike Flynn (der nominell Demokrat ist) waren die Ausnahme – und sind vielleicht die loyalsten, aber nicht unbedingt sehr geeignete Kandidaten. Das dürfte Trump egal sein. Nicht egal sein kann ihm hingegen, wenn seine Nominierungen im Senat durchfallen.

Es scheint, als ob ihm jetzt seine viel gerühmte Fähigkeit, Deals abzuschliessen, zum Vorteil gereichen könnte. Ein Zeichen in diese Richtung ist das bevorstehende Treffen mit Mitt Romney. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts und Obamas Herausforderer 2012 hatte Trump im Wahlkampf bitter bekämpft:

So viel weiss ich: Donald Trump ist ein Schwindler, ein Betrüger. Seine Versprechen sind so wertlos wie ein Abschluss der Trump-Universität.

Trump reagierte, wie man es von ihm erwarten konnte, und nannte Romney einen «Verlierer» und seine Kritik «erbärmlich».

Alles vergessen und vergeben? Zum Spass treffen sich die beiden sicher nicht am Wochenende. US-Medien mutmassen, Trump könnte Romney das Aussenministerium anbieten. Mit Widerstand im Senat müsste er in diesem Fall nicht rechnen, im Gegenteil. Auch die Demokraten könnten mit Romney als Aussenminister gut leben.

Trump werden teils widersprüchliche Charakterzüge zugeschrieben: Ein Narzisst soll er sein, der Loyalität über alles andere stellt. Aber auch ein Pragmatiker, dem es letztlich um die Lösung, um den «Deal» geht. Wem er in den kommen Tagen das Amt das Aussenministers anträgt, könnte ein frühes Zeichen sein, auf welche Seite das Pendel ausschlägt.

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • cubus72 19.11.2016 12:02
    Highlight Jeder Politiker ist ein Narzisst!
    7 4 Melden
  • malu 64 19.11.2016 00:56
    Highlight Trump hat Angst vor intelligenten Frauen. In seiner Umgebung befinden sich nur Frauen die repräsentieren, die intellektuelle Seite sieht aber anders aus. Gespräche an Trumps Familientisch drehen sich garantiert nur um Schuhe, Kleider, Schmuck und Autos.
    Unter seiner Entourage befinden sich keine Frauen. Einzig seine Tochter, die ein bisschen
    Intelligenz zeigt. Ausser seinem Schwiegersohn
    umgibt er sich mit abgehalfterten Politcowboys, welche schon in die verschiedensten Fettnäpfchen getreten sind.
    Ich bin sicher, dass er seine Wahl bereut. Nun
    muss er mit 70 noch richtig arbeiten!
    13 9 Melden
    • wonderwhy 19.11.2016 13:50
      Highlight Es liegt mir zwar fern Trump zu verteidigen, jedoch ist diese Aussage nicht korrekt. Die zweitwichtigste Position in seinem Team, wird belegt von Kellyanne Conway. Von der mag man halten was man will, sie ist jedoch bestimmt kein dummes Blondchen, welches nur Schuhe im Kopf hat. Hope Hicks, Katrina Pierson und Sarah Huckabee Sanders sind weitere Frauen in seinen Team mit nicht ganz unbedeutenden Positionen. Ich würde nun nicht argumentieren wollen, dass die alle dumm sind.
      9 2 Melden
    • Echo der Zeit 19.11.2016 17:09
      Highlight Ja man hat ja schon nicht alle Tassen im Schrank wen man für so jemanden Arbeitet.
      5 4 Melden
  • Der Tom 18.11.2016 21:55
    Highlight Aussenminister wird lex luthor
    6 1 Melden
    • malu 64 19.11.2016 00:14
      Highlight Um die Medienpräsenz zu erhalten, wäre da noch Charles Manson!
      3 2 Melden
  • patztop 18.11.2016 19:46
    Highlight Wenn es in den USA zwei Politiker neben Bernie Sanders gibt, welche nicht käuflich sind von den Lobbies in deren Würgegriff der Parlamentsmitglieder konsequent an den Pranger stellen, dann sind dies Ron und Rand Paul. Und das nicht nur wie Trump als Lippenbekenntnis im Wahlkampf, sondern auch in die Tat umgesetzt, wie in diesem Fall mit der Ankündigung von Rand Paul, Guliani und den Oberpsychopathen John Bolton als Aussenminister zu blockieren. Während Trump schon seine Kabinettsposten mit den schlimmsten Lobbyisten-Hampelmännern besetzt.
    13 1 Melden
  • malu 64 18.11.2016 19:01
    Highlight Zuletzt wird er eine neue Elite schaffen. Diese
    wird sich aber nur um eigene Voteile kümmern.
    In vier Jahren wünschen Sie die Trump Regierung zur Hölle!💀
    30 6 Melden
  • Don Alejandro 18.11.2016 17:36
    Highlight Jetzt kommen die Opportunisten und Schleimspurleger aus ihren Löchern. Grosses Kino. Romney ist übrigens der Inbegriff des Establishments, soviel zur Konsequenz der Einhaltung der Wahlversprechen. Eifach luegä, dass de roti Chnopf guet verschteckt bliibt, gäll Donald.
    46 4 Melden
  • Rendel 18.11.2016 17:31
    Highlight Es wird sich gar nichts zeigen Herr Ramezani, nur dass sie von Psychologie keine Ahnung haben.
    12 54 Melden
  • Linus Luchs 18.11.2016 17:08
    Highlight Mitt Romney im März über Trump:
    "Ein Aufschneider und Betrüger, der die amerikanische Öffentlichkeit zum Narren hält."
    "Seine Pleiten haben Tausende amerikanische Familien ruiniert."
    "Er hat weder die Veranlagung noch das Urteilsvermögen, um Präsident sein zu können."

    Mitt Romney im Juni über Trump:
    "Ich wünschte, jeder in der Republikanischen Partei hätte Herrn Trump abgelehnt und jemand anderen gewählt."

    Und wer verhandelt im November mit Trump über einen Sitz in der Regierung? Mitt Romney.

    Die meisten Politiker haben eine so dicke Haut, dass sie kein Rückgrat brauchen.
    78 3 Melden
    • Andi B. 18.11.2016 17:16
      Highlight Orange wie Trump ;-)
      Romney ist einer der Menschen, die noch ihre Grossmutter ermorden würden wenns ihnen was bringen würde...
      29 4 Melden
    • Rendel 18.11.2016 17:32
      Highlight Danke für die Zeilen Linus : Die meisten Politiker haben eine so dicke Haut, dass sie kein Rückgrat brauchen.

      Leider ist das heute oft so.
      26 1 Melden
    • Pana 18.11.2016 17:37
      Highlight Apropo Rückgrat, Ted Cruz bewegt sich da in einer eigenen Liga:
      20 0 Melden
    • bokl 18.11.2016 18:50
      Highlight "Die meisten Politiker haben eine so dicke Haut, dass sie kein Rückgrat brauchen."

      Es gibt nun mal einen Unterschied zwischen Wahlkampf-Politik und Real-Politik. Wenn Romney das Angebot annimmt, kann er wohl einige seiner Anliegen umsetzen. Wenn er trotzt, erreicht er nichts für seine Wähler. So funktioniert es nun mal.
      12 2 Melden
    • Rendel 18.11.2016 19:23
      Highlight Mit Trotz muss das nichts zu tun haben. Trotz und Rückgrat gehören nicht zusammen.
      6 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.11.2016 22:35
      Highlight Gibts auch in Europa. Ich freue mich schon aufs erste Küsschen zwischen der rückgratlosen Mutti Merkel und dem Trumpeltier.
      1 8 Melden
  • Luca Brasi 18.11.2016 17:06
    Highlight Romney würde annehmen? Was kommt als nächstes? McCain als Kabinettsmitglied (Trump:"He's not a war hero")?
    30 1 Melden
  • Aged 18.11.2016 17:02
    Highlight Ich kann mir einfach und überhaupt nicht vorstellen, wie eine erwachsene, gestandene Person unter Trump arbeiten wollte oder könnte.
    34 11 Melden
    • Nevermind 18.11.2016 18:06
      Highlight Vielleicht so?
      30 4 Melden
    • Aged 18.11.2016 22:46
      Highlight Auch dann nicht, unmöglich. Hmm, sähe, betreffs Bild, haufenweise Alternativlösungen. (Oh Mist, jetzt kann ich wohl nicht einschlafen). 💤💤💤
      0 1 Melden
  • Andi B. 18.11.2016 15:59
    Highlight "Dem einen oder anderen mag sauer aufstossen, dass der Drei-Sterne-General als Russland-Freund und Islam-Kritiker gilt. Gegen die Ernennung ist aber nichts zu machen, denn (...) müssen diese Posten nicht von Senat bestätigt werden. "

    ab 3:13


    Sorry wenn das schon als Russlandfreundlichkeit gilt, was ist dann die Normalität werter Herr Ramezani? Russische Flieger über Syrien mit Stärke zu begegnen und abzuschiessen wie Clinton dies gefordert hat?
    Dieses Wording ist ne üble Sache, schade dass Sie dies nicht kritischer beleuchten...
    36 31 Melden
    • Radiochopf 18.11.2016 17:39
      Highlight @andi b wer nicht explizit und immer wieder gegen Russland ist, ist heutzutage ein Putin/Russland-Freund.. wer nicht Clinton gewählt hat, kann nur ein weisser Rassist sein.. diese Mentalität ist echt zum kotzen und Konflikte sind vorprogrammiert...
      17 31 Melden
    • atomschlaf 19.11.2016 09:54
      Highlight Und eine islamkritische Haltung ist heute dringender denn je. Täte vielen unserer Politiker(innen) auch gut.
      4 4 Melden

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