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Hillary ist Wall Streets Liebling – Clinton hat eine potente Lobby

Bald könnte Hillary Clinton ihre Kandidatur für die US-Präsidentschaft verkünden. Eine Lobby steht schon hinter ihr: Die Finanzbranche.

02.04.15, 11:08

Marc Pitzke, New York

Ein Artikel von

Bild: AP/Pool AP

Der Saal im Herzen des Finanzviertels protzt mit Marmorsäulen und Monumentalfresken. Einst die Schalterhalle der Cunard-Reederei, gehört die Luxusimmobilie heute dem Edelrestaurant Cipriani, das sie für VIP-Events vermietet. Gerne treffen sich hier die Mächtigen der Wall Street, der berühmte Bronzebulle steht gleich gegenüber, die Börse ist nur ein paar Schritte entfernt.

Zum Beispiel an jenem Abend im März: Da speisten Banker und Konzernchefs, Millionäre und Milliardäre an blumengeschmückten Tischen, während die Sängerin Carole King für gepflegte Untermalung sorgte.

Ganz vorne, am Ehrentisch: Bill, Hillary und Chelsea Clinton.

Bild: X02817

Das Dreigestirn präsidierte über die Jahresgala der Clinton-Stiftung, die 2014 fast 200 Millionen Dollar an Spenden einnahm, meist für Projekte in der Dritten Welt. Auch diesmal griffen die Gäste tief in die Tasche: Bis zu 25'000 Dollar kosteten die Tickets für die Clinton-Audienz.

Aber es ging um viel mehr: Die geschlossene Gesellschaft diente, wie es die «Washington Post» formulierte, auch als «De-Facto-Auftakt» für die Präsidentschaftskandidatur Hillary Clintons.

Schon bald könnte Clinton diese Ambitionen offiziell machen. Weshalb das Stiftungsdinner eine problematische Optik bot: Die Demokratin und selbsternannte Vorkämpferin für die Interessen der Durchschnittsamerikaner im Kungelkreis der Finanzmogule.

Nicht erst da offenbarte sich Clintons politischer Zwiespalt. Auf der einen Seite ihre meist bankenfeindliche Wählerbasis – auf der anderen die Wall Street, ohne deren Millionen ein Einzug ins Weisse Haus schwer wird.

Bild: MIKE SEGAR/REUTERS

Auch US-Präsident Barack Obama übte diesen Spagat in seinen zwei Wahlkämpfen. Nicht immer erfolgreich: 2012 nahm ihm die Wall Street seine populistischen Sticheleien gegen die «Bonzen» so übel, dass sie sich mit ihren Spenden fast einmütig hinter den Republikaner Mitt Romney stellte.

Für Clinton droht die Gefahr nun andersherum: Die Wall Street liebt sie.

Das zeigte sich schon im Vorwahlkampf von 2008, als ihr die Branche 7.3 Millionen Dollar zukommen liess – eine Million Dollar mehr als Obama. «Das Geld steht hinter ihr», sagte ein Finanzier der Website «Politico». «Es ist für sie da, wenn sie es will.»

Connections zur Wall Street tief verwurzelt

Zugleich aber muss Clinton ihrer Partei und den Wählern nun glaubhaft machen, dass sie weiter auf der Seite des kleinen Mannes steht – ein schnell als scheinheilig zu enttarnender Spagat, der sie Stimmen kosten könnte.

Clintons Connections zur Wall Street sind tief verwurzelt. Schon ihr Mann umgarnte die Banker. So machte er Citigroup-Chairman Robert Rubin zum Wirtschaftsminister – eines von zahllosen Beispielen für die «Drehtür» zwischen der Wall Street und Washington, die sich auch unter Obama dreht.

Als Senatorin war Hillary Clinton die wichtigste Ansprechpartnerin der Wall Street im Kongress. Mit vielen Bankern ist sie privat befreundet. Man trifft sich in Manhattan oder in den Hamptons, der bevorzugten Sommerfrische der reichen Amerikaner.

Seit ihrem Abschied vom Aussenministerium tritt Clinton ausserdem gerne auf als Gastrednerin für Wall-Street-Konzerne wie Goldman Sachs, JP Morgan Chase, die Private-Equity-Gruppe Carlyle und die Investmentfirma KKR. Clintons Honorar: Mindestens 200'000 Dollar – pro Rede.

Am engsten mit der Wall Street verbandelt ist Clinton aber über die Stiftung. Die Bill, Hillary & Chelsea Clinton Foundation fungiert als lukratives Netzwerk für Wirtschaftslenker und Politiker aus aller Welt. Die Grenzen zwischen Privatem und Politischem verschwimmen dabei oft.

Das setzt Clinton unter Druck. Denn die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich wird nächstes Jahr ein Top-Wahlkampfthema werden – und die Mehrheit der Amerikaner sieht die Wall Street als mitverantwortlich für die zunehmende Ungleichheit.

Schon halten progressive Demokraten Clinton vor, die Prinzipien der Partei zu verraten. Allen voran Martin O'Malley, der populäre Gouverneur von Maryland und potenzielle Präsidentschaftskandidat, und die Senatorin Elizabeth Warren, die die Grossbanken zerschlagen will.

Was die Banken davon halten, machten sie schnell klar: Sollten sich solche Ideen bei den Demokraten durchsetzen, so drohten sie der Agentur Reuters zufolge, dann würden sie der Partei den Geldhahn zudrehen.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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