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U.S. Vice President Joe Biden pauses as he delivers remarks at the U.S.-Ukraine Business Forum in Washington July 13, 2015. REUTERS/Yuri Gripas

Bild: YURI GRIPAS/REUTERS

Der ewige Zweite: Vizepräsident Joe Biden will ins Präsidentschafts-Rennen einsteigen

Hillary Clinton schien als Kandidatin fürs Weisse Haus gesetzt. Doch ihre Umfragewerte bröckeln. Auf der Suche nach einem besseren Aspiranten bringt sich nun ein alter Hase ins Spiel – der beliebte Vizepräsident Joe Biden.

03.08.15, 08:38 03.08.15, 09:08

Marc Pitzke, New York / spiegel online



Ein Artikel von

US-Präsidentschaftskandidaturen erwachsen aus den kuriosesten Motiven. «Die Durchschnittsamerikaner brauchen einen Champion», begründet Hillary Clinton ihren jüngsten Anlauf, als sei sie selbst Durchschnitt und nicht die Grande Dame einer millionenschweren Polit-Familie. «Ich bin wirklich reich», bellt Donald Trump dagegen ohne Schamgefühl. Andere berufen sich gerne auf himmlische Eingebung – etwa Scott Walker, der Gouverneur Wisconsins: «Es ist Gottes Wille.»

In this July 23, 2015, photo, Republican presidential hopeful Donald Trump speaks during a brief stop at a campaign event in Laredo, Texas. The prospect that Trump might eventually leave the primaries and run for president on his own has started to cast a shadow on the race, reviving memories of Ross Perot, Ralph Nader and the chills their third-party campaigns gave to Republicans and Democrats in turn.  (AP Photo/Darren Abate)

«Ich bin wirklich reich»: Donald Trump über seine Qualitäten als Präsidentschaftskandidat. Bild: AP/FR115 AP

In diesem Fall aber wäre es wohl das erste Mal, dass eine Präsidentschaftskandidatur im Angesicht des Todes entsteht.

Die Rede ist von US-Vizepräsident Joe Biden: Der 72-Jährige wollte sich mit der Wahl 2016 ja eigentlich aus dem Geschäft zurückziehen. Doch sein Sohn Beau, der im Mai einem Krebsleiden erlag, habe dem Vater auf dem Sterbebett noch das Versprechen abzuringen versucht, ein drittes Mal fürs Weisse Haus zu kandidieren, berichtete New York Times-Edelfeder Maureen Dowd nun in ihrer Sonntagskolumne.

Bidens Vorgehen ist dreist und beispiellos

Es sei «besser für das Land», zitierte Dowd den todgeweihten Sohn, wenn das höchste Amt nicht «wieder an die Clintons geht» – ein offener Schlag gegen die frühere First Lady, deren Nominierung viele Demokraten resigniert als so gut wie unausweichlich akzeptiert haben. Auch Bidens jüngerer Sohn Hunter, ein Rechtsanwalt, habe ihn ermutigt. Biden selbst sei tief berührt davon und sondiere seither vor.

Es ist nicht neu, dass ein US-Kandidat in spe seine Ambitionen vorab lancieren lässt. Doch dies ist ebenso dreist wie beispiellos. Erstens wird hierzu ein Trauerfall instrumentalisiert, der die Nation tief bewegte. Zweitens ist Dowds Quelle kaum diskret – bei besagtem Gespräch waren ja offenbar nur zwei Personen anwesend.

Seitdem herrscht hellste Aufregung im Vorwahlkampf der Demokraten, der bisher völlig unterging im Getöse des Republikaner-Zirkus um Donald Trump: Könnte es sein, dass Clinton doch noch interne Konkurrenz bekommt?

epa04867989 Democratic candidate for United States President, former Secretary of State, Hillary Clinton speaks during a campaign stop at Florida International University in Miami, Florida, USA, 31 July 2015. Hillary Clinton calls on Congress to lift the Cuban embargo during her speech. She highlighted that Republican arguments against increased engagement are part of failed policies of the past and contend that we must look to the future in order to advance a core set of values and interests to engage with Cubans and address human rights abuses.  EPA/CRISTOBAL HERRERA

«Die Durchschnittsamerikaner brauchen einen Champion»: Hillary Clinton über ihre Motivation zur Kandidatur. Bild: CRISTOBAL HERRERA/EPA/KEYSTONE

Zumindest scheint das der Wunsch gewisser Parteikreise: Eine erneute Kandidatur Bidens – der 2008 nicht über den ersten Vorwahlstaat Iowa hinauskam, bevor ihn Barack Obama zu seinem Vize machte – wurde am Wochenende auch noch von anderen Insidern anonym propagiert, in einer Medienkampagne, die weit über Dowds Kolumne hinausging.

Bidens Team habe begonnen, eine Kandidatur zu «diskutieren», meldete auch die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Bidens engsten Zirkel. Die Nachrichtenredaktion der «New York Times» und der konservative TV-Sender Fox News berichteten, Bidens Stabschef Steve Ricchetti habe persönlichen Kontakt aufgenommen zu noch unentschiedenen Parteispendern, die sich langsam Sorgen machten um Clintons «zusehends sichtbaren Schwachstellen als Kandidatin».

Noch bleibt es eine Idee. Biden – der bei einem Wahlsieg zum ältesten Präsidenten der US-Geschichte würde – ist zwar enorm populär, auch parteiübergreifend. Dank seines losen Mundwerks aber neigt er zu peinlichen Patzern, die schnell zu viralen YouTube-Videos werden.

Clintons Sympathiewerte bröckeln

Seine beiden ersten Anläufe aufs Weisse Haus endeten schmählich. 1988 stieg Biden nach Vorwürfen aus, er habe Teile einer Rede plagiiert. 2008 scheiterte er in Iowa mit gerade mal 0,9 Prozent, nachdem er Spitzenreiter Obama als «ersten Mainstream-Afroamerikaner, der reden kann und schlau und sauber ist» gelobt hatte.

Hinzu kommt: Clinton hat eine formidable Wahlkampfmaschinerie hinter sich, mit Abermillionen Dollar in der Spendenkasse und bereits Tausenden Fusssoldaten in allen Vorwahlstaaten. Trotzdem geht ihrer Kandidatur plötzlich die Puste aus: In einer aktuellen Umfrage bezeichneten 57 Prozent der Wähler sie – auch wegen des nicht totzukriegenden E-Mail-«Skandals» – als «nicht vertrauenswürdig», während Joe Biden die besten Popularitätswerte seit Jahren erzielte.

Kein Wunder, dass einige Demokraten Bedenken haben. Sollte Clinton implodieren, haben sie keinen Plan B – die anderen Bewerber haben keine Chance gegen die Republikaner. Selbst Linksaussen Bernie Sanders nicht, der mit seinen populistischen Tiraden Stadien füllt.

So kann es sein, dass der Wirbel um eine Biden-Kandidatur auch nur ein cleverer Trick ist, um Clinton aus ihrer Hochglanz-Lethargie aufzuschrecken. Ein anderer möglicher Gegenkandidat, so Dowd in derselben Kolumne, sei Howard Schultz, der Gründer der US-Kaffeekette Starbucks: Der sei wenigstens «authentisch und ehrlich» – zwei im heutigen Polit-Spektakel immer seltenere Charaktereigenschaften.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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