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U.S. Senator Ted Cruz (R-TX) (R) greets businessman Donald Trump onstage as they address a Tea Party rally against the Iran nuclear deal at the U.S. Capitol in Washington September 9, 2015. Both Cruz and Trump are U.S. Republican presidential candidates. REUTERS/Jonathan Ernst      TPX IMAGES OF THE DAY

Die zwei schrillen US-Republikaner Donald Trump und Ted Cruz spannen im Kampf gegen den Iran-Deal zusammen.  
Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

US-Hardliner Trump und Cruz im Einsatz gegen die Iraner, die Linken und natürlich Obama

Gegen Iran, gegen die Linken und gegen den eigenen Präsidenten: Die Republikaner Donald Trump und Ted Cruz schwingen sich zum gemeinsamen Kampf gegen das Böse in der Welt auf. Die Tea Party ist entzückt.

10.09.15, 15:52

Veit Medick, Washington



Ein Artikel von

Donald Trump braucht keine zwei Minuten, um sein Urteil zu fällen. «Ich mache Deals, das ist das, was ich mein ganzes Leben lang mache. Aber ich habe noch nie einen so inkompetent verhandelten Deal gesehen wie diesen», ruft er. «Wir werden von sehr, sehr dummen Leuten geführt.» Schreie, Jubel. Wegen solcher Sätze sind seine Leute gekommen.

Washington, Kapitol, ein Uhr mittags: Die populistische Tea Party hat zur Demo gegen das Nuklearabkommen mit dem Iran geladen und dafür zwei ihrer Helden eingeladen: Donald Trump, Umfragekönig aus New York und Ted Cruz, Senator aus Texas. Einige Hundert Menschen haben sich auf dem westlichen Rasen vor dem US-Kongress versammelt. Viele Weisse, viele Ältere, etliche Veteranen. Sie tragen Schilder mit der Aufschrift «Zahlt den Iran nicht auch noch dafür, dass er uns tötet» und «Obama erfüllt Hitlers Traum».

WASHINGTON, DC - SEPTEMBER 09:  Republican presidential candidate Donald Trump (2nd L) talks with journalists during a rally against the Iran nuclear deal on the West Lawn of the U.S. Capitol September 9, 2015 in Washington, DC. Thousands of people gathered for the rally, organized by the Tea Party Patriots, which featured conservative pundits and politicians.  (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)

Donald Trump teilt lauthals gegen US-Präsident Barak Obama aus. 
Bild: Getty Images North America

Es ist kein normaler Termin im politischen Betrieb in Washington. Mit Trump und Cruz verbrüdern sich die zwei schrillsten Präsidentschaftsbewerber der Republikaner. Sie kennen sich kaum, wollen aber nun gemeinsam voranschreiten im Kampf gegen das Böse in der Welt: Die Iraner, die Linken und, natürlich, Barack Obama. Der Präsident ist in ihren Augen so ziemlich an allem Schuld, was derzeit schief läuft. Amerika, so sehen sie es, geht gerade den Bach runter. Und sie treten an, um das Land wieder stromaufwärts zu schicken.

Ganz besonders unglaublich ist aus Sicht von Trump und Cruz dieser Vertrag, den Obama mit den Iranern ausgehandelt hat. Im Kern besagt er, dass Teheran sich 15 Jahre lang Nuklear-Kontrollen unterwerfen muss und im Gegenzug die Sanktionen gelockert werden. Die Weltgemeinschaft feiert das Vertragswerk als historisches Projekt, doch Trump und Cruz sehen es so: Obama, ja alle westlichen Verhandler haben sich von den Mullahs gewaltig über den Tisch ziehen lassen. Die Kontrollregeln seien löchrig, die Sanktionslockerungen fahrlässig.

U.S. Republican presidential candidate Senator Ted Cruz (R-TX), with his wife Heidi, arrives to address a Tea Party rally against the Iran nuclear deal at the U.S. Capitol in Washington September 9, 2015. REUTERS/Jonathan Ernst

Der texanische Senator Ted Cruz lässt sich von den Seinen für die Hiebe gegen die Regierung feiern.
Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

«Wenn ich Präsident bin, werden wir oft gewinnen»

«Dieses Abkommen wird die iranische Bombe beschleunigen», schimpft Cruz. «Amerikaner werden sterben, Israelis werden sterben. Wer auch immer zum nächsten Präsidenten gewählt wird, hat den Vertrag sofort zu zerreissen.» Applaus, Applaus.

Wirklich in die Tiefe gehen die beiden vorsichtshalber nicht, es soll ja Stimmung aufkommen in der Mittagshitze. Cruz ist engagiert, Trump belässt es bei einer recht oberflächlichen Betrachtung des Nuklearabkommens. Er geniesst einfach den Moment. Hinter ihm das Kapitol, vor ihm die Weite der Washington Mall: Da, wo Trump steht, findet normalerweise die Amtseinführung von Präsidenten statt. Es ist eine Kulisse ganz nach seinem Geschmack. Der Atom-Vertrag ist für ihn vor allem ein Zeichen, dass Amerika nicht mehr gewinnt. «Wenn ich Präsident bin, werden wir so oft gewinnen, dass ihr Gewinnen vielleicht fast schon langweilig finden werdet», sagt er.

President Barack Obama, right, meets with King Salman of Saudi Arabia in the Oval Office of the White House, on Friday, Sept. 4, 2015, in Washington. The meeting comes as Saudi Arabia seeks assurances from the U.S. that the Iran nuclear deal comes with the necessary resources to help check Iran’s regional ambitions.   (AP Photo/Evan Vucci)

Der Iran-Deal liegt auch den Saudis im Magen: Obama versuchte König Salman im Juli zu beschwichtigen. 
Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Dass Trump und Cruz sich ausgerechnet den Iran-Deal ausgesucht haben, um ihren Pakt zu beschliessen, ist auch ein Stück weit absurd, ihre Kampagne gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Das Atom-Abkommen ist bei den Republikanern verhasst, aber der Kongress wird es nicht aufhalten können. Obama hat die Zustimmung von mindestens 42 demokratischen Senatoren. Theoretisch könnten seine Leute sogar mit einer «Filibuster» genannten Dauerrede jegliche Resolution der Republikaner verhindern.

Cruz und Trump schielen auf die Basis

Es ist ein wichtiger aussenpolitischer Sieg für den Präsidenten. Und ein Desaster für all jene, die in den letzten Monaten so laut- und finanzstark gegen das Abkommen mobil gemacht hatten. Viele Republikaner sind von der schweren Niederlage frustriert. Doch Trump und Cruz wollen das Thema weiter fahren. Sie schielen auf die Basis, bei der das Iran-Abkommen auf breite Ablehnung stösst und versprechen, das Abkommen nach der Präsidentschaftswahl neu zu verhandeln.

Elaine Scott, left, and Marian Manchak, both of Kingwood, Texas, cheer after Donald Trump spoke during a Tea Party rally against the Iran deal on the West Lawn of the Capitol in Washington, Wednesday Sept. 9, 2015. The two women had been up since 2:30am in order to show their support for blocking the Iran deal. (AP Photo/Jacquelyn Martin)

Gegen den Iran, gegen Obama: Trump und Cruz wissen, was die Tea Party-Anhänger hören wollen.
Bild: Jacquelyn Martin/AP/KEYSTONE

Sie wissen, dass das nicht wirklich realistisch ist. Die massgeblichen sicherheitspolitischen Experten halten Neuverhandlungen für quasi ausgeschlossen, schon weil Iran und die europäischen Verhandlungspartner sich weigern würden. Und eine einseitige Kündigung des Vertrags, da sind sich viele Beobachter sicher, hätte die verheerende Folge, dass das gesamte Sanktionsregime in sich zusammenbrechen würde, was nicht ansatzweise im Sinne der republikanischen Kritiker wäre.

Aber vielleicht geht ja doch noch was. Vielleicht passiert noch ein Wunder und es kommt gar nicht erst zur Abstimmung im Kongress, weil ein paar Demokraten im letzten Moment die Seite wechseln.

«Ich hoffe», ruft Cruz, «sie fallen heute Abend auf die Knie, beten und denken nochmal nach.»

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