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«Nicht wiederbeleben» steht auf der Brust eines 70-jährigen Mannes geschrieben. bild: NEJM/university of miami

Mann tätowiert sich «nicht wiederbeleben» auf Brust – und bringt Ärzte damit in Dilemma

01.12.17, 19:37 02.12.17, 12:41

Als ein nicht ansprechbarer Patient in das Spital in Florida eingeliefert wurde, staunten die Ärzte nicht schlecht, als sie das Tattoo auf seiner Brust entdeckten. Unterhalb des Halses des 70-jährigen Mannes stand geschrieben: «Nicht wiederbeleben». Daneben war seine mutmassliche Unterschrift zu erkennen. 

Der Mann wies, laut einem im «New England Journal of Medicine», eine chronischen Lungenerkrankung sowie einem erhöhten Blutalkoholspiegel auf. Weil er keinen Ausweis dabei hatte und somit auch keine Familienmitglieder kontaktiert werden konnten, mussten die Ärzte eine Entscheidung treffen. 

Die Ärzte kontaktieren darauf das Ethikteam des Spitals und versuchten den Patienten mit Antibiotika und blutdrucksteigernden Massnahmen zu behandeln und so lange wie möglich am Leben zu halten. Denn die Entscheidung fiel nicht leicht. 

Mehr als nur Ethik

Der Konflikt war nicht nur ein ethischer. Auch rechtlich ist in Florida nicht vollends abgeklärt, ob das Tattoo als Wille des Patienten akzeptiert werden kann. Normalerweise wird der Verzicht auf wiederbelebende Massnahmen auf einem vom Notar beglaubigten Schreiben ausgewiesen. 

Die Ärzte standen also vor einem grossen Dilemma. Sie wussten einerseits nicht, ob das Tattoo als legales Dokument galt. Andererseits war auch nicht klar in welchem Zustand sich der 70-Jährige tätowierte und ob er immer noch 100 Prozent hinter seiner Entscheidung steht. 

Die Entscheidung

Schliesslich riet das Ethik-Team den Ärzten das Tattoo des bewusstlosen Mannes zu respektieren. «Sie sagten es sei am vernünftigsten, das Tattoo als authentische Botschaft zu befolgen», beschrieben die Ärzte die Situation. Und das taten sie auch. Der 70-Jährige verstarb darauf noch im Verlaufe des Abends. Kurz vor seinem Tod fand die zuständige Abteilung des Krankenhauses die Patientenverfügung des Mannes. Diese war mit dem Tattoo identisch: Der 70-Jährige wünschte keine wiederbelebende Massnahmen. (ohe)

SO würde es aussehen, wenn wir am Telefon ehrlich wären

Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

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16
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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Closchli 02.12.2017 02:30
    Highlight Ich kenne das Problem aus der Sicht: enger Familienangehöriger hat zwar Patientenverfügung, die Angehörigen wissen aber nichts davon. Der Patient hat zwar die Verfügung im Portemonnaie dabei, aber als der "Notfall" eintrifft, sucht niemand danach. Resultat: der Patient wird gerettet, es folgen Herzoperationen, aus medizinischer Sicht alles ok. Das Resultat aus Sicht des Patienten: ich lebe zwar noch, aber ein Leben dass nicht mehr lebenswert ist. Sie wollte das mit über 80 Jahren nicht mehr. Vlt. hätte in diesem Fall ein Tattoo geholfen.
    19 0 Melden
    • torpedo 02.12.2017 10:41
      Highlight Er hätte auch einfach seine nächsten Angehörigen über seinen Willen informieren können. Für einen über 80-jährigen gehört dies einfach dazu...
      10 1 Melden
  • DonPedro 01.12.2017 23:56
    Highlight In der Schweiz wäre das Tatoo als Patientenverfügung aus formellen Gründen ungültig, weil das Datum fehlt.
    Der Patientenwille ist aber in diesem Fall doch eindeutig,ich zweifle aber daran, ob sich die Rettungssanitäter, die als erste mit der Situation konfrontiert werden, daran halten würden.
    Ihr primärer Auftrag ist es,Leben zu retten und ihre Instruktionen dürften entsprechend lauten!
    16 1 Melden
  • ErklärBart 01.12.2017 20:54
    Highlight Klar, ein Tattoo ist keine Akte. Aber in diesem Fall doch sehr deutlich. Auch von der Platzierung her.

    Daher haben sie meiner Meinung absolut richtig entschieden.

    Zudem ist mir gleich der Fall des schwerkranken, britischen Mädchens in den Sinn gekommen: die Eltern wollten es in den Staaten behandeln lassen, die Mediziner in England waren alle dagegen.

    Bei einem kleinen Mädchen möchte man nicht allzu grossen Aufwand betreiben, weil die Chancen "schlecht" stehen. Bei einem 70Jährigen scheut man sich seinem unmissverständlichem Wunsch nachzukommen... schwierig.
    55 29 Melden
    • EvilBetty 01.12.2017 21:13
      Highlight «Die Chancen schlecht stehen» und seit Wochen austherapiert ist ein bisschen ein Unterschied...

      Es ging nicht um den Aufwand, sondern um Menschenwürde!
      56 1 Melden
    • EvilBetty 01.12.2017 22:11
      Highlight Sorry, was ich meinte war ein Junge.
      13 1 Melden
    • DerTaran 01.12.2017 22:20
      Highlight Bin immer noch der Meinung, dass der Staat den Eltern eine solche Entscheidung nicht annehmen darf.
      11 25 Melden
    • miarkei 02.12.2017 00:06
      Highlight Der von dir beschriebene Fall betrifft ein Kind, dass an einer chronischen und umweigerlich zum Tod führend den Krankheit führt. Vor allem da das Kind nach meinem Wissen nocht einmal sein 1. Lebensjahr erreicht hat und die Ärzt der Meinung waren das Kind leide zu stark.
      15 1 Melden
    • Cityslicker 02.12.2017 01:10
      Highlight @Taran: Wenn die Allgemeinheit dafür bezahlen soll, schon.
      5 7 Melden
    • Randy Orton 02.12.2017 07:51
      Highlight Kennst du den mit den Äpfeln und Birnen?
      7 0 Melden
    • ErklärBart 02.12.2017 10:00
      Highlight Man macht aus beidem guten Most ;)
      11 0 Melden
    • guineapig 02.12.2017 11:06
      Highlight Das Problem liegt in diesem Fall (gerade im klagewütigen Amerika) in der Rechtslage. Ein Tattoo ist generell kein rechtsgültiges Dokument und könnte (weit hergeholt, aber hypothetisch möglich) auch gegen den Willen des Patienten gestochen worden sein. Das heisst, dass rein theoretisch die Verwandtschaft des Patienten nachträglich wegen unterlassener Hilfeleistung Klage einreichen könnte.
      Dennoch hat die Ethikkommission natürlich richtig entschieden und auch ein Gericht würde aller Wahrschenlichkeit nach die Entscheidung stützen
      7 0 Melden
  • ARoq 01.12.2017 20:10
    Highlight Bei uns scheinen manche ältere Menschen nicht über die Möglichkeiten einer Patientenverfügung informiert zu sein:
    "Aber ich will dann auch nicht ewig an Schläuche gehängt werden und all das."
    https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Was-hat-man-dann-noch-vom-Leben-Nichts/story/21658000

    Eventuell sollten Hausärzte ab einem gewissen Alter mit ihren Patienten über das Sterben reden.
    Für die die noch keine Verfügung haben:
    https://www.fmh.ch/services/patientenverfuegung.html
    178 2 Melden
    • Tsunami90 02.12.2017 05:09
      Highlight Weshalb sollten das die Artte tun? Das Thema gehört an dwn Küchentisch.
      5 11 Melden
    • ARoq 02.12.2017 11:23
      Highlight Am Küchentisch herrscht offenbar Unsicherheit und Missverständnis, siehe verlinkter Artikel.
      Zudem kann eine Kopie der Verfügung vom Hausarzt aufbewahrt werden, was die Chance auf Berücksichtigung erhöht.
      2 0 Melden
    • Pflegefall-tool.at 03.12.2017 15:13
      Highlight Auch das Schweizer Recht berücksichtigt der Patientenratgeber "Pflegefall? Nein, danke! - Mit der Patientenverfügung selbst entscheiden" Facultas-Maudrich-Verlag, Wien, 2017
      0 0 Melden

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