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FILE - In this Wednesday, April 4, 2018 file photo, a U.S. soldier sits on his armored vehicle on a road leading to the tense front line with Turkish-backed fighters, in Manbij, north Syria. Even as President Donald Trump mulls a U.S. pullout, insisting that the Islamic State is “almost completely defeated,” the extremist group is showing signs of resurgence in Syria. Talk of a U.S. troop withdrawal has alarmed the Unites States’ main ally in Syria, the Kurds, who fought alongside the Americans to roll back the Islamic State group. (AP Photo/Hussein Malla, File)

Ein US-Soldat in Manbij, im Norden Syriens. Bild: AP/AP

Nach dem Giftgasangriff in Syrien will Trump Vergeltung – Was kann er tun?

Dutzende Menschen erstickten beim Giftgasangriff auf das syrische Duma, Donald Trump droht dem Assad-Regime mit Konsequenzen binnen 48 Stunden. Das sind die militärischen Optionen der USA.

Christoph Sydow



In den sieben Jahren des syrischen Bürgerkriegs hat das Regime von Baschar al-Assad Hunderttausende Landsleute getötet. Ein paar Tausend von ihnen sind bei Giftgasangriffen der syrischen Armee ums Leben gekommen – insgesamt sind das weniger als ein Prozent aller Kriegstoten.

Obwohl also die allermeisten Kriegsopfer durch Artilleriebeschuss und Fliegerbomben getötet wurden, sind es die Chemiewaffenangriffe, die international für die grösste Empörung sorgen. US-Präsident Barack Obama hatte einst den Einsatz von biologischen oder chemischen Waffen in Syrien als «rote Linie» bezeichnet, deren Überschreiten «enorme Konsequenzen» für das Assad-Regime haben werde. Als die syrische Armee dann aber im August 2013 in Vororten von Damaskus Sarin einsetzte und Hunderte Zivilisten tötete, verzichtete Obama auf eine militärische Reaktion.

Anders Donald Trump: Nachdem die syrische Armee im April 2017 Sarin in der Stadt Chan Scheichun eingesetzt hatte, ordnete der US-Präsident einen Luftangriff auf die Militärbasis Schairat an. Dieser Militärschlag war als einmalige Strafaktion gedacht und sollte Assad von weiteren Chemiewaffenangriffen abschrecken.

Der Angriff 2017 brachte Trump gute Presse

Ohne Erfolg: Der Giftgasangriff auf Duma vom Samstag mit Dutzenden Toten ist nur der jüngste und folgenschwerste Vorfall in den vergangenen zwölf Monaten. Mehrfach haben Helfer und Mediziner seither von Chlorgasangriffen auf Oppositionsgebiete in Syrien berichtet.

Der Westen nahm davon kaum Notiz, weil die Opferzahlen gering waren und weil man Assad stillschweigend den Einsatz von Chlorgas zubilligte. Produktion und Besitz von Chlorgas sind völkerrechtlich erlaubt, da es für zivile Zwecke genutzt werden darf. Allerdings ist sein Einsatz als Waffe laut der Chemiewaffenkonvention verboten.

Trump hat nach dem Angriff vom Samstag erneut Konsequenzen angekündigt. Offenbar soll eine Entscheidung darüber binnen höchstens 48 Stunden gefällt sein, wie die «Washington Post» unter Berufung auf eine Trump-Äusserung am Rande einer Kabinettssitzung berichtet.

Hinweis auf eine Entscheidung?

Via Twitter bezeichnete Trump Assad zuvor als «Tier» und machte Wladimir Putin, Russland und Iran mitverantwortlich. Ein «hoher Preis» sei dafür zu bezahlen, kündigte Trump an – von wem, verriet er nicht. Klar ist: Russland wird im Uno-Sicherheitsrat jede Verurteilung der syrischen Regierung verhindern.

Der Giftgasangriff setzt den US-Präsidenten unter Zugzwang. Vor wenigen Tagen hatte er angekündigt, den US-Militäreinsatz in Syrien möglichst bald zu beenden. Derzeit sind rund 2000 US-Soldaten im Norden des Landes stationiert. Sie sollen dazu beitragen, die Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) in Syrien endgültig zu zerschlagen. Ihre Mission richtet sich nicht gegen das Assad-Regime.

epa06657567 US President Donald J. Trump (C) speaks with the media before a meeting with his cabinet in the Cabinet Room of the White House in Washington DC, USA, 09 April 2018. Trump said he will decide in the next few days whether the US will respond militarily for the reported chemical weapons attack in Syria.  EPA/JIM LO SCALZO

Trump am 09. April im Weissen Haus: Der Giftgasangriff setzt den US-Präsidenten unter Zugzwang. Bild: EPA/EPA

Doch nachdem die Bilder der erstickten Familien aus Duma auch in den USA über die Fernsehbildschirme liefen, muss Trump militärisch reagieren, wenn er glaubwürdig bleiben will. Im Weissen Haus hat man genau in Erinnerung, dass auch Trump-kritische Medien wie die «New York Times» und CNN den US-Präsidenten vor einem Jahr für den Luftangriff auf den Flugplatz Schairat gelobt hatten.

Das US-Militär könnte etwa den syrischen Armeestützpunkt Dumayr bombardieren. Von dem Flughafen in der Nähe von Damaskus heben die Hubschrauber ab, die in den vergangenen Wochen und Monaten das Rebellengebiet Ost-Ghuta angegriffen haben, in dem auch Duma liegt. Ein solcher Angriff würde der US-Attacke vor einem Jahr ähneln. Allerdings hat sich gezeigt, dass eine einmalige Strafaktion keinen Einfluss auf die Kriegsführung des Assad-Regimes hat.

Luftangriffe ändern nichts an militärischen Realitäten

Möglich ist deshalb, dass Trump in den nächsten Tagen versucht, eine Militärkoalition zu schmieden, um eine grössere Zahl an Zielen anzugreifen. Allen voran Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, sein Land werde angreifen, wenn Assad in Syrien Chemiewaffen einsetzt. Doch selbst wenn die USA und Verbündete in den nächsten Tagen landesweit Militärstützpunkte beschiessen sollten – das ändert nichts an den Realitäten im Bürgerkriegsland. Syriens Regime, Iran, Russland und die Türkei sind die Staaten, die den Kriegsverlauf mit eigenen Truppen und verbündeten Milizen bestimmen. Der Einfluss Washingtons und seiner Alliierten ist marginal.

Und über allem steht die Frage, wie Russland reagiert: Moskau hat auf mehreren Militärstützpunkten in Syrien eigene Soldaten stationiert und moderne Luftabwehrsysteme ins Land verlegt. Jede US-Intervention bringt das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland mit sich.

Unterm Strich stehen Trump, Macron und andere vor demselben Dilemma wie vor einem Jahr: Putin wird keine Luftangriffe auf Syrien zulassen, die den Fortbestand des Assad-Regimes gefährden. Der Westen will Assad für den Chemiewaffeneinsatz bestrafen und zudem verhindern, dass sich Angriffe wie in Duma wiederholen. Doch der Diktator hat seit 2011 gezeigt, dass er sich um keinen Preis von seiner Kriegsführung abhalten lässt, solange Russland hinter ihm steht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gregor Hast 11.04.2018 08:12
    Highlight Highlight Wir wollen und brauchen keine solche stumpfsinnigen und blödsinnigen Kriege sowie Regime Changes! Lasst das syrische Volk bei den nächsten Präsidentschaftswahlen darüber abstimmen, wer ihr nächster Präsident sein darf, und wenn es Bashar al Assad wieder haben will, dann akzeptiert das. Übrigens Trump will eigentlich aus Syrien abziehen, aber man macht ihm ja in Washington die Hölle heiss!
  • Mandelbrot 10.04.2018 14:21
    Highlight Highlight Und 3. Für den Chlorgasangriff in Duma 2018 gibt es ebenfalls keine Beweise für einen bestimmten Schuldigen. Es gibt also in keinem der Fälle Beweise bzgl. Schuldfrage. Es gibt nur Sichtweisen und Vermutungen nicht aber eine absolute Wahrheit. Jedermann mit etwas Englischkenntnissen kann das selber überprüfen in den entsprechenden Untersuchungeberichten. Wenn er das macht, bekommt er keine Probleme mit Fakenews oder Verschwörungstheorien.
  • Mandelbrot 10.04.2018 14:15
    Highlight Highlight In diesem Artikel werden drei Giftgasangriffe erwähnt. Zur Schuldfrage wird eine absolute Wahrheit formuliert : Es waren die syr.Armee, resp.Assad. Wer aber die urspr. Untersuchungsberichte liest, kommt zu ganz andern Wahrheiten : 1. Beim Giftgasangriff im August 2013 in Vororten von Damaskus gibt es keine Beweise in Form von Untersuchungsberichten, die die syr.Regierung der Tat überführen könnten. 2. Beim Giftangriff im April 2017 (Chan Scheichung) war es nur vermutlich Sarin, und es gab nur zwei Sichtweisen, die sich widersprachen, also auch keine Schuldbeweise.
  • Mandelbrot 10.04.2018 08:21
    Highlight Highlight Ich empfehle allen Interessierten, die Leserkommentare zu Watson "Syrischer Militärflughafen angegriffen......" (siehe oben) zu lesen.
  • Watcher 10.04.2018 00:52
    Highlight Highlight Kann mir jemand einen einzigen sinnvollen Grund angeben, warum Assad in der aktuellen Situation mit einer Giftbombe willkürlich ein paar dutzend seiner Landsleute töten soll? Welches Ziel soll Assad damit verfolgen? Nicht vergessen, der Grund muss Sinn ergeben.
    • psylo 10.04.2018 01:27
      Highlight Highlight Ich kann mir auch nicht erklären, warum er die anderen 27 mal, bei denen er erwiesenermassen (gemäss Untersuchungen der UNO) in den letzten Jahren in Syrien chemische Waffen verwendet hat, so gehandelt hat. Schrecklich, was in Syrien geschieht, und Assad hat auf gar keinen Fall eine weisse Weste, auch falls er in diesem Fall nicht involviert wäre.
    • blaubar 10.04.2018 01:46
      Highlight Highlight Damit es endlich dem Fass den Boden ausschlägt und die USA/NATO ENDLICH Syrien platt machen kann. Man ist im Verzug. Danach kommt gleich der Iran dran. Libyen, Irak und Afghanistan hat man ja schon.
    • Ueli der Knecht 10.04.2018 03:20
      Highlight Highlight Ein rationaler Grund könnte die sogenannte "Madman-Taktik" sein.

      zB. Ein auf die Situation adaptiertes Zitat:

      „Ich will die [Saudi-Ami-Terroristen] glauben machen, dass ich den Punkt erreicht habe, wo ich alles tun werde, um den Krieg zu beenden. Wir werden ihnen so etwas zuspielen wie: ‚Mein Gott, sie wissen ja, wie sehr [Assad] den [Imperial]ismus hasst. Wenn er in Wut gerät, kann ihn keiner mehr zurückhalten – und er hat die Hand am [Chemiewaffen-Arsenal].‘ In zwei Tagen ist [Abdelilah Baschir] persönlich in [Damaskus] und bittet um Frieden.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Madman-Theory
    Weitere Antworten anzeigen
  • Triple 10.04.2018 00:44
    Highlight Highlight Schon gut für den Donald, dass jetzt von Assad anscheinend Gas eingesetzt wurde. Beweisen muss man heutzutage ja nichts mehr, man behauptet einfach und schlägt mal blind drauflos. Für mich ist das ganze sehr fragwürdig. Ein Hubschrauber der eine Fassbombe abgeworfen hat. Aha, muss ein grosser Heli gewesen sein.... Würde mich nicht wundern, wenn das ganze irgendwann als Propagandaaktion enttarnt wird.
    • psylo 10.04.2018 01:05
      Highlight Highlight Die Frage wäre dann: warum hätte die USA das nötig?
  • Andi Amo 10.04.2018 00:37
    Highlight Highlight Moment mal, der Korrespondent des Schweizer Fernsehens in Berlin hielt es heute in der Tagesschau für am logischsten, dass Israel den Giftgasangriff ausgeführt hat. Wieso findet man in diesem Bereich kein einziges Wort davon??
    • psylo 10.04.2018 01:36
      Highlight Highlight Andi, hast du eine Quelle zu dem, was du sagst, oder verwechselst duhier etwas: so wie ich es verstandem habe, hat Israel letzte Nacht eine syrische Militärbasis angegriffen.
    • Oh Dae-su 10.04.2018 11:03
      Highlight Highlight Sorry Andi, aber du bringst da was durcheinander. Der Experte (nicht Korrespondent) hielt es für wahrscheinlich, dass Israel den Angriff auf den Flughafen in Syrien durchgeführt hat, nicht den Giftgasangriff.
  • blaubar 10.04.2018 00:15
    Highlight Highlight Sydow will Krieg. Einmal mehr. Schade.
    Wir erinnern uns, wie gut Giftgas und andere Gifte geeignet sind, auch gerne ohne Beweise, Leute zu diskreditieren und danach einen Angriffskrieg zu starten.
    Wir erinnern uns an den Irakkrieg.
  • Phiilofofi 09.04.2018 23:03
    Highlight Highlight Das Ziel ist also weitere Opfer zu verhindern.

    Also greift man mit grösserer Militärgewalt an. Und riskiert einen direkten Krieg gegen Russland.

    Diese Strategie macht absolut Sinn, weil 1+1=0
  • smoking gun 09.04.2018 22:32
    Highlight Highlight Und im gleichen Interview erklärt Obama: "Es gibt in Washington ein Drehbuch des aussenpolitischen Establishments, und es wird erwartet, dass Präsidenten sich daran halten. Dieses Drehbuch schreibt bestimmte Antworten für bestimmte Fälle vor, und tendenziell sind es militärische Antworten. Wenn Amerika direkt bedroht ist, funktioniert das Drehbuch. Aber es kann auch eine Falle sein und zu falschen Entscheidungen führen."
  • silverback 09.04.2018 22:27
    Highlight Highlight «Der Giftgasangriff setzt den US-Präsidenten unter Zugzwang. Vor wenigen Tagen hatte er angekündigt, den US-Militäreinsatz in Syrien möglichst bald zu beenden.»

    Wie passend. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    • psylo 10.04.2018 01:02
      Highlight Highlight Denkst du, das ist eine amerikanische Verschwörung, damit sie die Truppen nicht abziehen müssen? Wieso wäre denn das nötig? Trump könnte doch einfach sagen: wir bleiben dort, alle würden denken: dummer Trump (was wir ja sowieso alle denken), und so wäre es dann halt, nicht?
    • Gregor Hast 11.04.2018 08:13
      Highlight Highlight Trump würde das wirklich liebend gern tun...Leider wird er immer wieder in die Enge getrieben. Zum Glück hat er Leute hinter seinem Rücken, die auch wirklich hinter ihm stehen!
  • smoking gun 09.04.2018 22:27
    Highlight Highlight Barack Obama verzichtete 2013 auf eine militärische Reaktion, weil Geheimdienstchef James Clapper ihn informierte, dass die Täterschaft von Assad nicht bewiesen sei. "I am very proud of this moment", sagte Obama in einem Interview zu dem Journalisten Jeffrey Goldberg. Er sei stolz darauf, sich dem enormen Druck nicht gebeugt zu haben und einen Militärschlag gegen Syrien in letzter Minute abgebrochen zu haben. (Quelle: The Obama Doctrine. The Atlantic, April 2016)
  • Energia 09.04.2018 22:11
    Highlight Highlight Nicht das ich partei ergreife, aber ist es bewiesen, dass es das Regime war? Wenn ich in der Opposition wäre, würde ich es selber machen, den es ist ja das einzige worauf der Westen reagiert...
  • Pitsch Matter 09.04.2018 22:06
    Highlight Highlight Der Westen hat nur zwei Möglichkeiten: Er lässt die Koalition in Syrien zwischen Russland, Iran und Türkei gewähren die das Assad Regime wieder stabilisieren oder sie greifen ein ohne es mit Russland abzusprechen und die ganze Situation wird total eskalieren.

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