International

Vier junge Musiker missbraucht? New Yorker Oper feuert Star-Dirigent

04.12.17, 05:54 04.12.17, 07:19

Die New Yorker Metropolitan Opera hat die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Musikdirektor James Levine wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vorerst auf Eis gelegt. Er soll mindestens vier Musiker missbraucht haben.

Wie das weltberühmte Opernhaus am Sonntag in New York mitteilte, wird der Stardirigent in dieser Spielzeit nicht mehr an der Met auftreten. Ein ehemaliger Staatsanwalt sei beauftragt worden, die bestehenden Anschuldigungen zu überprüfen.

Die «New York Times» und die «New York Post» hatten berichtet, der heute 74-jährige Levine habe einen Jugendlichen ab 1985 jahrelang sexuell missbraucht. Der Missbrauch habe bis 1993 angedauert und den heute 48-Jährigen fast in den Suizid getrieben. Am Sonntagabend veröffentlichte die «New York Times» einen Bericht, in dem drei weitere Musiker ähnliche Erfahrungen mit Levine schilderten.

Star-Dirigent James Levine soll Jugendliche sexuell missbraucht haben.  Bild: AP/AP

«Angesichts dieser Berichte hat sich die Met entschieden, jetzt zu handeln», hiess es in der Erklärung von Generaldirektor Peter Gelb. «Das ist für jeden Betroffenen eine Tragödie.»

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Vorwürfe tauchten bereits in einem Bericht der Polizei von Illinois vom vergangenen Jahr auf; laut einer früheren Erklärung der Met hatte Levine die Vorwürfe als falsch zurückgewiesen. Dem Dirigenten droht in diesen Fällen keine Strafverfolgung, da sie inzwischen verjährt sind.

Levine war 40 Jahre lang Musikdirektor an der Met. 2016 ging er wegen einer Parkinson-Erkrankung in Rente, arbeitete aber weiterhin am Opernhaus. Erst am Samstag stand er als Dirigent bei Verdis «Requiem» auf der Bühne. Eigentlich sollte er demnächst auch Puccinis «Tosca» dirigieren.

Eine E-Mail an Levines Manager mit Bitte um eine Stellungnahme blieb zunächst unbeantwortet.

In den USA wird seit Wochen eine breite Debatte über sexuelle Gewalt geführt, die nach den Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfen gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein aufgekommen war. Zahlreiche Opfer meldeten sich zu Wort (sda/afp/ap)

Das könnte dich auch interessieren:

Was machen vier Schweizer, nachdem sie über den Atlantik gerudert sind?

Heil, Heil, Rock'n'Roll: Weshalb fahren gewisse Rocker auf Nazi-Kram ab?

Und jetzt erklärt dir die Queen, wie du eine Krone nicht tragen solltest

2Pac als Geist, Snoop Dogg als Professor: #BlackHogwarts verleiht Harry Potter mehr Swag 

Er erfand die Champagner-Dusche auf dem Siegerpodest – jetzt ist Dan Gurney tot

Skandal bei PSG-Sieg – hier kickt der Schiri einen Nantes-Spieler und zeigt ihm dann Rot

Statt Kündigung in Schule geschickt: Unternehmerin hilft Analphabeten

Du streamst gern Serien und Filme? Dann Hände weg von diesen Seiten

Ich lösche WhatsApp – und alle sind schockiert 

Wie die Armee im Kalten Krieg: Die SRG ist die «heilige Kuh» von Mitte-links

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blaubar 04.12.2017 08:03
    Highlight Wusste man schon lange... es gab sogar Witze über ihn diesbezüglich. Allerdings ist er ein phantastischer Dirigent!
    7 7 Melden

Dolores, my love, leb wohl, deine «Zombie»-Invasion war meine Rettung

Dolores O'Riordan ist tot. Erinnerungen an den Song, mit dem sie und ihre Cranberries Weltkarriere machten.

Als Dolores kam, war ich jung und geladen. Ich hatte ein Jahr in Berlin gelebt, und Berlin hatte mich latent aggressiv gemacht. Erstens, weil ich wegen der Liebe nach Berlin gezogen war, aber die Liebe entschied sich dann gegen mich und für etwas, das ich in den nettesten Momenten als «blonde Qualle» bezeichnete. Zweitens, weil damals in Berlin einfach alle lauter, direkter und ein bisschen hässiger waren als in der Schweiz. Berlin wirkte wie eine körnige Schwarz-Weiss-Fotografie, die …

Artikel lesen