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epa05409614 Democratic 2016 US presidential candidate Hillary Clinton (L) appears at a campaign rally with US President Barack Obama (R) at the Charlotte Convention Center in Charlotte, North Carolina, USA, 05 July 2016.  EPA/ERIK S. LESSER

Erster gemeinsamer Wahlkampfauftritt: Hillary Clinton und Barack Obama.
Bild: ERIK S. LESSER/EPA/KEYSTONE

Das FBI stört die Obama-Hillary-Wahlkampf-Party

Mit einem launigen Auftritt will Barack Obama den Wahlkampf von Hillary Clinton in Schwung bringen. Doch eine heftige FBI-Ohrfeige für die Demokratin überschattet den Termin.

Veit Medick, charlotte



Ein Artikel von

Spiegel Online

Klar, Donald Trump ist hier gleich Thema. Barack Obama hat Gefallen daran gefunden, sich am Republikaner abzuarbeiten. Unqualifiziert, unverschämt, unkontrollierbar – so in etwa sieht der US-Präsident den Milliardär. Ach, und die Inhalte. Welche Inhalte eigentlich? «Selbst die Republikaner wissen ja nicht so richtig, worüber er spricht», ruft Obama. Gute Stimmung in der Halle. Hillary Clinton lacht ihr Hillary-Clinton-Lachen. Alles bestens.

Der Präsident ist mit Clinton nach Charlotte im Bundesstaat North Carolina gekommen, sie sind gemeinsam in Obamas Air Force One eingeschwebt und dann Hand in Hand in das Convention Center geschritten. Es ist die Inszenierung einer politischen Freundschaft, die natürlich nicht so eng ist, wie es die Bilder nahe legen. Aber beiden liegt viel an ihrem Pakt, sehr viel sogar.

Endlich Spannung

Clinton will von der Popularität Obamas profitieren, der Präsident mit ihrem Wahlsieg sein Erbe retten. Vor dem Convention Center zieht sich eine lange Schlange, in der Halle feiert die Basis schon Stunden vor der Ankunft der beiden Politiker. Ja, man kann sagen, dass in Charlotte so etwas wie Spannung zu spüren ist, vielleicht erstmals in Clintons Kampagne.

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Während Clintons Ansprache sitzt Obama lässig im Hintegrund.
streamable

Die Wahrheit ist, dass das weniger an Clinton liegt, als an Obama, der nach seinen acht Jahren als Präsident nicht den Anschein macht, sich auf seine politische Rente zu freuen. Man kann darüber streiten, wie gross seine Errungenschaften als Präsident sind, aber was seine Wahlkampffähigkeiten angeht, so dürfte in den USA so schnell niemand auftauchen, der ihm nahe kommt. Natürlich ist für ihn inzwischen alles auch etwas einfacher. Die grosse Programmatik muss er nicht mehr entwerfen, es reicht, als Cheerleader aufzutreten.

Obama stimmt «Hillary»-Sprechchöre an, reibt sich ein paar virtuelle Tränen aus dem Gesicht, als Clinton am Mikro von seinen Töchtern schwärmt, stellt Trump als wildgewordenen Twitterer dar und singt eine Hymne auf die Präsidentschaftskandidatin, nach der man geneigt ist zu glauben, sie sei die begnadetste Politikerin aller Zeiten. «Ich liebe Dich», ruft jemand im Publikum. «Ich liebe Euch zurück», ruft Obama. «Ich liebe North Carolina. Als ich hier früher Wahlkampf gemacht habe, habe ich immer gesagt: Hier sind sogar die Menschen nett, die nicht für mich stimmen.» Clinton sitzt auf einem Stuhl hinter Obama und amüsiert sich. Es wirkt, als sitze sie im Publikum einer Late-Night-Show.

Obama erstmals auf Wahlveranstaltung mit Clinton

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Video: reuters.com

Vor acht Jahren, da waren die beiden im Vorwahlkampf der Demokraten regelrecht verfeindet. Aber so schnell, wie ihre Fehde die Stimmung in der Partei damals vergiftete, so schnell schlug sie auch wieder um: Kurz vor Obamas Nominierung im Sommer 2008 stellte sich Clinton auf seine Seite. Obama ernannte Clinton zur Aussenministerin, und aus den Rivalen wurden mit den Jahren politische Vertraute, jedenfalls erzählen sie das so in beiden Lagern.

Jetzt will Obama seiner ehemaligen Ministerin etwas zurückgeben.

Für Clinton ist das ein einerseits ein grosser Vorteil. Kurz vor Ende von Obamas Amtszeit scheinen die Amerikaner zu realisieren, was sie an der Nummer 44 haben. Seine Zustimmungsraten sind auf einem Langzeithoch, die Wirtschaft ist einigermassen stabil, und er ist – das darf in den USA nicht unterschätzt werden – immer noch äusserst unterhaltsam. «Twittern kann jeder», ruft er in offensichtlicher Anspielung auf Trumps Lieblingsbeschäftigung: «Aber niemand hat eine Ahnung davon, was den Präsidentenjob wirklich ausmacht – bis man hinter dem Schreibtisch im Oval Office gesessen hat.»

Der Vergleich mit Obama ist für Clinton aber auch problematisch. Er hat viel von dem, wovon sie mehr gebrauchen könnte. Wo er über die Bühne zu tänzeln scheint, wirkt sie steif. Wo er improvisiert, wirkt sie einstudiert. Obama hat sich in den acht Jahren im Weissen Haus eine bemerkenswerte Natürlichkeit bewahrt, die einen schnell glauben lassen könnte, er werde keinerlei Schwierigkeiten haben, ins normale Leben zurückzukehren. Bei genauerem Nachdenken ist das natürlich Unsinn, nach zwei Amtszeiten als Anführer der freien Welt ist die Resozialisierung schwierig, das dürfte bei Obama nicht anders sein.

Was das FBI zu Clintons E-Mail-Affäre sagt

Clintons Auftritt mit Obama wird überschattet, es geht mal wieder um die E-Mail-Affäre. Juristisch ist sie jetzt beendet, Clinton wird nicht angeklagt, das ist die gute Nachricht für die Kandidatin. Die schlechte ist, dass sie an dieser Anklage gerade so vorbeigeschrammt zu sein scheint. Das FBI hat ihr für ihren Umgang mit vertraulichen Dokumenten eine glatte 1 gegeben.

«Extrem unvorsichtig» habe Clinton gehandelt, als sie Teile ihrer dienstlichen Kommunikation auf private Server verlagerte, betonte FBI-Chef James Comey in einer bemerkenswerten Pressekonferenz am Vormittag. Er widersprach ihr zudem in einem zentralen Punkt ihrer Verteidigung: Sehr wohl seien über ihren Server geheime, ja sogar streng geheime Dokumente verschickt worden.

Im Kern sind Comeys Aussagen ein Angriff auf Clintons Urteilsvermögen, und zwar ausgerechnet in dem so wichtigen Bereich der nationalen Sicherheit. Die Vorwürfe dürften sie in den kommenden Monaten noch verfolgen. Clintons Glück ist, dass ihr Gegner Trump selbst kein Paradebeispiel für ein gutes Urteilsvermögen ist und ihr in dieser Hinsicht wenig vorhalten kann. Aber das macht ihr Verhalten nicht besser.

In Charlotte spricht Clinton die E-Mail-Affäre natürlich mit keinem Wort an. Auch sie reibt sich lieber an Trump. «Könnt Ihr euch vorstellen, dass er im Oval Office sitzt», fragt sie ins Publikum. «Buh», schallt es zurück. Es ist ein Sound, den Obama an diesem Tag nicht gerne hört. «Nicht buhen», ruft er kurz darauf. «Wählen!»

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 06.07.2016 19:06
    Highlight Highlight Störung?
    Ich würde sagen das war der Stempel "approved".

    Wenn hohe Mitarbeiter derart "nonchalant" mit Daten umgehen werden sie "normalerweise" gefeuert.
    4 1 Melden
  • rolf.iller 06.07.2016 16:26
    Highlight Highlight Es gibt 4 Kandidaten. Neben den zwei Ekelkandidaten gäbe es noch Gary Johnson (Libertär) und Jill Stein (Grün). Wäre schön wenn die beiden auch Erwähnung finden würden.
    7 1 Melden
  • Triumvir 06.07.2016 08:19
    Highlight Highlight Alles ist besser als Trump. Sogar Hillary. Punkt. So ungefähr dürfte derzeit die Stimmung in den USA aktuell sein... zumindest bei den vernünftigen Amerikaner/innen.
    32 22 Melden
    • Stachanowist 06.07.2016 09:12
      Highlight Highlight Für die Amis ist Hillary sicherlich besser. Beim Rest der Welt bin ich mir da nicht so sicher. Sie ist eine starke, ja fanatische Befurworterin von Kriegseinsätzen.
      22 6 Melden
    • Theor 06.07.2016 09:37
      Highlight Highlight Dennoch schade, dass es überhaupt soweit gekommen ist. Zwei durch und durch unsympatische Kandidaten. Weil in Amerika eben das "Etablishment" die Vorwahl trifft. Das Volk darf dann nur noch das kleinere Übel wählen.
      15 3 Melden
    • fabianhutter 06.07.2016 11:09
      Highlight Highlight @Stachanowist: fanatische Befürworterin von Kriegseinsätzen? Woher kommt diese Behauptung? Von ihren 4 Jahren als Aussenministerin? Weil sie Lybien bombardiert hat? Was man doch bisher gesehen hat, ist dass sie Opportunistin ist, und als solche wird sie keinen Krieg anzetteln.

      @Theor: Trump wurde bestimmt nicht vom Establishment aufgestellt....
      2 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mafi 06.07.2016 07:59
    Highlight Highlight "Das FBI hat ihr für ihren Umgang mit vertraulichen Dokumenten eine glatte 6 gegeben." - wollt ihr den Artikel nicht wenigstens noch so anpassen, dass er für Schweizer einigermassen sinnvoll erscheint?
    38 4 Melden
    • Laurent 06.07.2016 08:00
      Highlight Highlight @Mafi: doch, du hast natürlich vollkommen recht.
      26 5 Melden
    • Stachanowist 06.07.2016 09:17
      Highlight Highlight Mich hat beim Lesen genau die 1 irritiert, weil oben ja dick und fett steht, dass es ein Spiegelartikel ist 😂
      15 1 Melden
    • Mafi 06.07.2016 10:37
      Highlight Highlight Nunja 😂 @Stachanowist
      2 2 Melden
  • rodolofo 06.07.2016 07:54
    Highlight Highlight Gestern, beim Betrachten eines Bildes von der breit lachenden Hillary Clinton in der Tagesschau sind mir Ähnlichkeiten aufgefallen zwischen ihr und der Tessiner Schlagersängerin Nella Martinetti.
    Da ist diese penetrant POSITIVE Aufgekratztheit, die mich spätestens dann zu nerven beginnt, wenn sie aufgesetzt und übertrieben kultiviert rüberkommt.
    Mir gefällt die "Temperamentvolle Südländische Fröhlichkeit", aber nur wenn sie natürlich ist, und auch grimmig und übelgelaunt schauen und wütend toben kann, wenn ihr danach ist!
    Mit "American Cheese" kann ich überhaupt nichts anfangen...
    25 4 Melden
    • fabianhutter 06.07.2016 11:15
      Highlight Highlight Also von Hillary Clinton gibt es nun wirklich genug grimmige Bilder...
      User Image
      4 1 Melden
    • rodolofo 06.07.2016 21:18
      Highlight Highlight Na dann bin ich ja beruhigt.
      Sie ist ein Mensch, wie Du und ich, mit dem Unterschied, dass sie Präsidentin der USA werden könnte.
      2 1 Melden
  • Ton 06.07.2016 07:37
    Highlight Highlight Ich werde gegen Hillary stimmen. Weiss noch nicht mit wem, wohl Sanders, doch je nach Frust auch Stein oder Trump. Hauptsache dieser korrupte Warhawk kommt nicht ins Weisse Haus.
    31 36 Melden

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