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Clintons Sex-Skandale im US-Wahlkampf: Der Sommer wird schmutzig

Monica Lewinsky, Gennifer Flowers, Paula Jones: Bill Clintons Sex-Affären schienen fast vergessen. Doch jetzt werden sie zur gefährlichen Wahlkampf-Munition gegen seine Ehefrau Hillary. Donald Trump legt schon los.

22.01.16, 12:20 22.01.16, 13:31

Veit Medick und Marc Pitzke, Washington und New York

Ein Artikel von

Die Vergangenheit meldete sich per Twitter zurück. «Ich war 35 Jahre alt, als mich Bill Clinton, Justizminister von Arkansas, vergewaltigte und Hillary versuchte, mich zum Schweigen zu bringen», war auf dem Kurznachrichtendienst zu lesen. «Ich bin jetzt 73… es geht nie weg.»

Hinter dem Twitter-Kürzel @atensnut verbarg sich Juanita Broaddrick, eine ehemalige Altenpflegerin, die Präsident Bill Clinton schon 1999 der Vergewaltigung beschuldigt hatte. Der Vorwurf ging damals unter.

Doch nun, da Clintons Ehefrau Hillary fürs Präsidentenamt kandidiert, ist er wieder da. Anfang Januar schaltete sich Broaddrick mit ihrem heiss diskutierten Tweet in den US-Vorwahlkampf ein: «Ich habe zu lange geschwiegen», sagte sie der Polit-Website «The Hill». Hillary Clintons Kandidatur habe sie zur Rückkehr ins Rampenlicht bewegt.

Hillary und Bill Clinton anno 1992.
Bild: Greg Gibson/AP/KEYSTONE

Ach ja, und auch das: Dieser Tage unterstützt Juanita Broaddrick den Pöbel-Republikaner und potenziellen Clinton-Rivalen Donald Trump.

Bill Clinton: von der Vergangenheit eingeholt.
Bild: AP/FR170737 AP

Broaddrick steht nicht alleine. Plötzlich sind noch andere Frauen aus der skandalgeplagten Clinton-Ära wieder in den US-Schlagzeilen. Alte Namen und alte Laster - fast vergessen, nie vergeben. Es sind auch diese Debatten, die Hillary Clintons Wahlkampf derzeit so belasten und einen Vorgeschmack geben auf einen schmutzigen Sommer.

Clintons Ausschweifungen sind nur scheinbar ein Relikt der Neunzigerjahre. Dass sie nun wiederkehren, war wohl nur eine Frage der Zeit - zumal sich Hillary Clinton jetzt als eine «stolze, lebenslange Kämpferin für Frauenrechte» empfiehlt. Die Republikaner wittern eine Chance, der Demokratin Schaden zuzufügen - über die eigentlich abgehakten Indiskretionen des Ex-Präsidenten, die sie duldete, wenn nicht gar deckte.

Monica Lewinsky und Bill Clinton 1998.
Bild: Hulton Archive

Ausgerechnet Trump kramte diese Fälle nun als erster wieder hervor. «Ihr Mann ist einer der schlimmsten Missbrauchstäter der Welt», schimpfte er in Richtung Clinton. Kein Wort davon, dass Trump selbst den Lewinsky-Skandal einst als «Unsinn» abgetan hatte.

«Ihr habt das Recht, dass man euch glaubt»

Donald Trump hat Blut geleckt.
Bild: AP/FR159466 AP

Denn Trump weiss: Die Verhältnisse in Amerika haben sich geändert. Die Debatten auf Uni-Campussen und Verfahren gegen Stars wie Bill Cosby zeigen, dass sexuelle Gewalt kein Kavaliersdelikt mehr ist. «Lasst nicht zu, dass eure Stimme unterdrückt wird», ermunterte auch Hillary Clinton die Opfer. «Ihr habt das Recht, dass man euch glaubt.»

Dieser Appell könnte sich nun rächen. «Soll man Juanita Broaddrick, Kathleen Willey und Paula Jones auch glauben?», fragte sie eine Frau in New Hampshire. «Jeder sollte zunächst geglaubt werden», wand sich Clinton, «bis ihr aufgrund der Indizien nicht geglaubt wird.»

Als wäre das nicht schon genug Ärger, erscheint dieser Tage ein Dokumentarfilm, der für Clinton ebenfalls nicht unproblematisch ist. «Weiner» handelt vom Wahlkampf des Ex-Kongressabgeordneten Anthony Weiner fürs Amt des New Yorker Bürgermeisters im Jahr 2013.

Auch der Fall Weiner könnte Clionton schaden

Gefallener Politstar Anthony Weiner.
Bild: EPA

Weiner, der Ehemann von Clintons engster Vertrauten Huma Abedin, hatte sich 2011 dabei erwischen lassen, intime Twitter-Unterhaltungen mit Frauen geführt und kompromittierende Fotos verschickt zu haben. Abedin hatte ihm verziehen, und jetzt wollte er das grosse Comeback.

Es kam anders. Wenige Monate vor der Wahl wurde bekannt, dass Weiner nach dem ersten Sexskandal weitere Internet-Affären geführt hatte - just als seine Frau schwanger war.

Die «New York Times», die den Film bereits sehen konnte, spricht von einem «verstörenden Zeugnis der Beziehung des Ehepaars». Weiner, wie er in Panik gerät. Weiner, wie er versucht, die Medien auf falsche Fährten zu locken. Weiner, wie er vor einer der besagten Frauen in ein McDonalds-Restaurant flüchtet. Und mittendrin Abedin, die Clinton-Vertraute, entsetzt, erbost, versöhnlich. Die Filmer hielten alles fest.

Hillary Clinton selbst kommt in dem Streifen nicht vor. Aber man muss sie auch nicht sehen, um die Parallele ziehen zu können: Die Männer hatten sich nicht unter Kontrolle - und, so die Kritiker: die Frauen halfen ihnen dabei. Mit ihrer Vergebung.

Dinge, die aussehen wie Donald Trump

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Wolfsblut 23.01.2016 13:10
    Highlight Wäre ja nicht das erste Mal, dass eine Frau an Altlasten des Ehegatten scheitert. Siehe Elisabeth Kopp. Wenigstens sind Clintons Eskapaden bekannt und somit ist Hillary nicht erpressbar. Ein Hoffnungsschimmer.
    3 0 Melden
  • FrancoL 22.01.2016 19:12
    Highlight Machen wir uns nichts vor! ein guter Teil der Bevölkerung verurteilt Bill und seine Frau auch noch dazu.
    Ich habe nie so richtig verstanden wie die Demokraten dieses Risiko nicht abgewägt haben.
    Für die Republikaner ist das ein kleiner Sonntagsschmaus und die heben sich die dicken Brocken sicherlich für den 1 zu 1 Kampf auf.
    Eine kleine Hoffnung bleibt dass im Dunstkreis von Dump auch noch genügend Schmutzwäsche gefunden werden könnte.
    3 0 Melden
  • Hackphresse 22.01.2016 16:51
    Highlight Also wenn die Amis am Ende wirklich Tramp (achtung ich habs absichtlich so getippt) wählen, dann sind sie wirklich selbst schuld.
    15 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.01.2016 18:48
      Highlight Mit Sanders gäbs ja eigentlich eine Alternative zu Clinton. Aber dafür ist wohl ein Grossteil der Bevölkerung nicht bereit.
      4 1 Melden
    • Smart as hell 22.01.2016 19:10
      Highlight Ich glaube Trump wäre ein guter Präsident. Jetzt ist schriller Wahlkampf. Das ist etwas völlig anderes als regieren.
      4 20 Melden
  • sowhat 22.01.2016 16:40
    Highlight Ich wollte ja schon einstimmen in euren allgemeinen Tenor von wegen, das kann ihr doch nicht schaden. Aber ich fürchte das ist "pfeifen im Walde". Die amerkiansche Seele scheint auf sowas schon zu reagieren. oh jeh - wenn meine Befürchtungen nur nicht eintreffen. Bitte keinen Präsindenten Trump.....
    3 1 Melden
  • zombie woof 22.01.2016 15:51
    Highlight Lügen, Betrügen und Wahlkampf betreiben auf tiefstem Niveau, das scheint wohl so eine Eigenschaft von Milliardären zu sein...
    20 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 22.01.2016 14:50
    Highlight ist dieser trampel trump immun gegen altlasten oder geht er mit denen so um wie mit seinen immobilien?

    ...alles platt machen wenn es nicht mehr passt und keinen gewinn mehr abwirft...?
    18 1 Melden
  • Lumpirr01 22.01.2016 14:22
    Highlight Zum Zweck des Wahlkampfs greift Trump auch mal in die Gosse! Die historischen ausserehlichen Beziehungen von Bill werden ihm kaum was bringen. Kann mir kaum vorstellen, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten der USA einen Präsidenten wählt, der so hitzköpfig ist und sich kaum beherrschen kann...........
    10 2 Melden
    • auoji 22.01.2016 16:22
      Highlight Insgesamt werden es darum sehr viele NichtwählerInnen geben, sehr viel Protestwähler. Hilft hoffentlich Sanders, wenn der sich besser frei halten kann vom fliegenden realen Dreck
      3 0 Melden
  • DerWeise 22.01.2016 14:00
    Highlight Bitte bitte macht mal was Schlaues und wählt Bernie Sanders.
    31 4 Melden
  • 7immi 22.01.2016 13:52
    Highlight diese wiederaufwärmung sagt mehr über trump als über clinton aus... ich hoffe, die wähler sehen das auch so.
    24 0 Melden
  • cassio77 22.01.2016 13:02
    Highlight das wird hillary stärken, nicht schwächen. selbst bill ging aus der affäre gestärkt hervor. trump ist ein idiot, diese geschichte aufzuwärmen.
    26 1 Melden
    • René Obi 22.01.2016 13:51
      Highlight Hoffentlich.
      15 3 Melden
  • Baba 22.01.2016 12:40
    Highlight Was zum Henker haben Bills Verfehlungen mit Hillary zu tun? Ich habe es schon nicht verstanden, dass damals wegen einer ausserehelichen Affäre (für mich betrifft das nur die Eheleute selbst) ein Impeachment stattfand. Nun aber diese alten Kamellen jetzt wieder auszugraben und sie gegen SEINE FRAU zu verwenden, das ist doch wohl auch für die Republicans too much - oder doch nicht?
    Was will man Hillary vorwerfen? Dass sie ihren Bill nicht verlassen hat? Dass sie nicht öffentlich geklagt und gejammert hat oder ihn einfach über den Haufen geschossen?
    Ich zitiere Asterix "Die spinnen die Amis".
    44 1 Melden
    • Ikarus 22.01.2016 12:53
      Highlight Ist doch nix neues im amerikanischen wahlkampf, da wird mit jedem mittel gekämpft und milliarden investiert..
      27 0 Melden
    • Santale1934 22.01.2016 13:05
      Highlight Lieber Hillary als Trump! (Lieber ein Demokrat als ein Republikaner)
      27 1 Melden
    • Yelina 22.01.2016 13:13
      Highlight Hab mir das gleiche gedacht, sie ist trotz allem bei ihm geblieben, das sollte doch ihr Ansehen eher noch steigern
      19 1 Melden
    • E. Edward Grey 22.01.2016 13:21
      Highlight Das dieses Thema kommt war klar wie Klossbrühe. Doch hätte ich es erst später lanciert. Ich glaube Trump hat ein schlechtes Timing, das Ganze wird bis zur Wahl wieder verpufft sein.
      22 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.01.2016 14:54
      Highlight hofffn wir es...
      ...und hoffen/wünschen wir mal, dass man (i know, it's not cool, dieses auge um auge, zahn um zahn..) auch etwas bei den dümmsten trampel(tieren) findet und auch so breit walzt wie jetzt ...
      2 0 Melden
    • Señor Ding Dong 22.01.2016 15:18
      Highlight @thotha:

      Da braucht man gar nicht weit zu suchen. Man muss nur sein Unternehmen grob unter die Lupe nehmen, dann kann man eigentlich alle Forderungen/Kritik, die er ausübt, direkt an in zurücksenden.

      Illegale Immigranten raus? und wer realisiert dann zu Billig-Löhnen seine Bauprojekte? Seine Wähler? Die sind ihm doch zu teuer. Und wollen dann noch Versicherungen und so'n Kram. Produktion im Inland fördern? Wer ist denn der Meister des Outsourcens?
      3 0 Melden
    • Stephan Locher 22.01.2016 15:19
      Highlight Wenn Hillary den Frauen gedroht und Sie zum Schweigen gezwungen hätte wäre da schon ein Zusammenhang.

      Doch so wie ich den Artikel verstehe wurde bloss ein Danke von einer Leidenden so Uminterpretiert.
      6 0 Melden

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