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Am 8. November 2016 wurde er zum 45. US-Präsidenten gewählt: Donald Trump. Bild: AP/AP

5 Stolpersteine und 5 unerfüllte Erwartungen – Trumps Jahresbilanz sieht nicht gut aus

05.11.17, 14:32 05.11.17, 16:10

Knapp ein Jahr ist es her: Am 8. November 2016 wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Viel ist passiert seither. 

Die kurze Präsidentschaft von Donald Trump hat den Polit-Newcomer mehrmals in Grenzregionen und seine Administration ins Wanken gebracht – die grössten Stolpersteine der ersten Trump-Monate, festgemacht an fünf Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Präsidenten.

Michael Flynn

Michael Flynn (links) zusammen mit Donald Trump. Bild: AP

Der Nationale Sicherheitsberater und Hardliner lügt gegenüber Vizepräsident Mike Pence zu seinen Russland-Kontakten und muss schliesslich nach wenigen Wochen im Amt gehen. Es ist der erste grosse Rückschlag für Trump. Mit der Nominierung von Herbert Raymond McMaster gelingt ihm jedoch ein Coup – er kann einen renommierten, allseits geschätzten General für den Job anwerben.

James Comey

Bild: AP/AP

Wohl in einer Art Panikreaktion feuert Trump den FBI-Chef James Comey – ein Novum in der US-Geschichte. Trump ist mit den Russland-Ermittlungen der Bundespolizei nicht einverstanden. Weil sein Justizminister Jeff Session sich aus der Sache wegen Befangenheit zurückziehen muss, kann das FBI einen Sonderermittler berufen – Comeys Vorgänger Robert Mueller. Die Ermittlungen erweisen sich als schmerzhafter und dauerhafter Stachel im Pelz des Präsidenten.

Rex Tillerson

Bild: EPA/EPA

Der Aussenminister wird innerhalb der Regierung zu einer Art Gegenspieler von Trump. Vor Zeugen soll Tillerson Trump einen «Idioten» genannt haben. Das Dementi kam halbherzig, Trump bot Tillerson daraufhin einen Intelligenztest an. Immerhin konnte Tillerson durchsetzen, dass Trump die USA nicht aus dem Atomdeal mit dem Iran herauslöst.

Paul Manafort

Bild: EPA/EPA

Einst als Wahlkampf-Manager ins Team geholt, erwies sich der Strippenzieher mit Hang zu Despoten als Pferdefuss für Trump. Inzwischen lebt er wegen des Verdachts auf Geldwäsche im grossen Stil unter Hausarrest. Trump lebt mit der Peinlichkeit, einen mutmasslichen Straftäter als Wahlkampfmanager gehabt zu haben. Die Ermittlungen um Manafort und den ehemaligen Trump-Berater George Papadopoulos rücken das Trumpsche Wahlkampflager immer näher an eine Zusammenarbeit mit Russland heran. Gegenstand der Ermittlungen ist inzwischen auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

Robert E. Lee

Charlottesville wurde zum Sinnbild der Auseinandersetzungen zwischen links- und rechtsradikalen Demonstranten.  Bild: EPA/EPA

Um Denkmäler für den einstigen Südstaaten-Führer im US-Bürgerkrieg entsponn sich ein Streit, der zu gewalttätigen Demonstrationen führte. Die Stadt Charlottesville – wo linke Demonstranten mit Rechtsradikalen zusammenprallten – wurde zum Sinnbild der Auseinandersetzung. Trump machte alles falsch, distanzierte sich nicht ausreichend von der rechtsradikalen Gewalt. Anschliessend distanzierten sich viele von ihm – darunter Berater aus Wirtschaft und Wissenschaft. Auch Regierungspersonal, darunter Aussenminister Tillerson und der Chef des Nationalen Wirtschaftsrates, Gary Cohn.

Gescheiterte Versprechen

Nicht nur sorgte der US-Präsident für zahlreiche Skandale, er bleibt auch weit hinter seinen selbst gesetzten Versprechen zurück. Ein Jahr nach der Wahl ist von den grossen Ankündigungen nicht allzu viel übrig geblieben. Die Bilanz fällt bescheiden aus – eine Auswahl:

Gesundheitsreform

Trump versprach die Abschaffung von Obamacare. Doch das System bleibt. Wegen parteiinternen Streitigkeiten bei den Republikanern.  Bild: EPA/EPA

Versprechen

Donald Trump ist angetreten, die von Barack Obama geschaffene Gesundheitsreform abzuschaffen und durch ein besseres – sprich: für viele Amerikaner billigeres System – zu ersetzen.

Status

Nicht erfüllt. Obamacare ist nicht abgeschafft, ein neues System ist wegen parteiinterner Streitigkeiten bei den Republikanern nicht in Sicht. Trump hat es in dieser Frage nicht geschafft, seine Partei zu einen, zu einem Deal mit den Demokraten kam es ebenfalls nicht.

Mauerbau

Wie soll die Mauer denn genau aussehen? Elf Prototypen stehen nahe der Grenze zu Tijuana, Mexiko, zur Auswahl. Bild: AP/AP

Versprechen

Dass er eine Mauer entlang der 2000 Meilen langen Südgrenze zu Mexiko bauen und Mexiko dafür bezahlen lassen will, war eines der zentralen Wahlversprechen Trumps und wurde im Wahlkampf fast zum Kult.

Status

Von der versprochenen Mauer steht kein einziger Stein, die Finanzierung ist völlig offen. Bisher haben Bewerber für die Bauarbeiten lediglich Prototypen eingereicht, die in Kalifornien getestet werden. Ob es zu dem Bau jemals kommt und ob es dann eine Mauer oder eher ein Zaun sein wird, ist völlig offen.

Einreisestopp

Die neunjährige Rosalie Gurna protestiert zusammen mit Hunderten von Demonstranten gegen den Einreisestopps für Personen aus muslimischen Ländern.  Bild: EPA/EPA

Versprechen

Trump hat im Wahlkampf angekündigt, er werde die Migration von Muslimen stoppen, um amerikanische Werte zu sichern und das Einsickern von Terroristen zu verhindern.

Status

Trump hat gleich nach seiner Amtseinführung einen vorübergehenden Einreisestopp verhängt, der aber von Gerichten zunächst gestoppt und dann deutlich verwässert wurde. Hinter den Kulissen erhöhte Trump jedoch die Hürden für die Einreise von Ausländern. Er fordert nun auch die Abschaffung der sogenannten Green-Card-Lotterie, über die Ausländer an eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis gelangen können.

Klima

Vor der UN-Klimakonferenz demonstrieren Aktivisten in Gestalt von Trump und eines Eisbären.  Bild: EPA/EPA

Versprechen

Trump kündigte an, die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen herauszulösen.

Status

Die US-Regierung hat den Prozess des Ausstiegs in Gang gesetzt. Der völlige Rückzug wird erst 2020 geschehen. Trump könnte dann unter Umständen schon als Präsident abgewählt sein. Erst jüngst veröffentlichte die Regierung eine Studie, die entgegen der bisherigen Regierungslinie den Menschen als Hauptursache für den Klimawandel ansieht.

Steuern

Trump will ein neues Steuergesetz bis Weihnachten unterschreiben. Viele sind skeptisch. Bild: EPA/EPA

Versprechen

Trump kündigte eine grosse Steuerreform mit noch nie dagewesenen Entlastungen für Familien und Arbeiter an.

Status

Es liegt zumindest ein erster Vorschlag auf dem Tisch. Dieser sieht jedoch Entlastungen vor allem für Firmen und Wohlhabende vor. Auch Durchschnittsfamilien sollen entlastet werden. Allerdings gibt es bisher kein Konzept zu Gegenfinanzierungen. Die Steuererleichterungen würden ein weiteres Loch in den ohnehin angespannten Haushalt reissen und die riesige Schuldenlast weiter erhöhen. Trump will ein Steuergesetz bis Weihnachten unterschreiben – Skeptiker halten dies für sehr sportlich. (ohe/sda/dpa)

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels stand, dass Donald Trump zum 58. Präsidenten der USA gewählt wurde. Das ist inkorrekt. Trump ist der 45. Präsident der USA. Er wurde in der 58. Präsidenschaftswahl zum Präsidenten gewählt. 

US-Promis beziehen Position gegen Trump

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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27
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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • banda69 05.11.2017 16:27
    Highlight Donald Trump:
    Die Sensation
    Die Revolution

    ähm...Roger?
    19 5 Melden
    • roger.schmid 05.11.2017 17:15
      Highlight @banda69: man könnte beinahe meinen, du wolltest hier auf eine gewisse Weltwochen-Schlagzeile aufmerksam machen.
      14 1 Melden
    • Juliet Bravo 05.11.2017 18:01
      Highlight Und die Ohrflattere fühlt sich sicher immer noch top an😂😅
      5 0 Melden
  • Rendel 05.11.2017 16:10
    Highlight Hat er sein Golf Handicap verbessert? Das wäre immerhin etwas ^^ .
    38 5 Melden
  • Heinz Nacht 05.11.2017 16:04
    Highlight Wie jetzt, 58.? Da habt ihr irgendwie 13 mehr als die offizielle Zählung!
    4 1 Melden
  • DasMarc_ 05.11.2017 16:03
    Highlight Präsident ist er erst seit Januar 2017. Kann man eine Jahrsbilanz nicht normalerweise auch erst nach einem vollen Jahr ziehen? ;)
    14 20 Melden
    • Max Havelaar 05.11.2017 16:36
      Highlight Ja, geht ja noch so lange bis Ende Dezember 😏 Und Bilanz konnte man bei Trump schon vor seinem Antritt ziehen. Naja, immerhin hat er noch keinen 3. Weltkrieg ausgelöst. Aber sind ja 8 Wochen Zeit, die Bilanz noch komplett zu versauen.
      16 5 Melden
  • petrolleis 05.11.2017 15:45
    Highlight und ich habe gedacht, er ist der 45. präsident...
    8 1 Melden
  • Roman h 05.11.2017 15:25
    Highlight Fair bleiben.
    Ich mag ihn auch nicht aber die 5 Punkte zu seinen Versprechen ist er nicht schuld.
    Er hat es versucht und versucht es immer noch.
    Im Grunde hält er also seine Versprechen.
    Man kann vieles über ihn sagen aber er versucht alles um seine Versprechen zu halten.
    13 44 Melden
    • Hoppla! 05.11.2017 16:12
      Highlight Ich versprech, dass ich jeden mit meiner Anlagestrategie zum Millionär mache.

      Werde ich wohl nicht erreichen, aber wen störts wenn alle pleite sind? Halbherzig habe ich es versucht und versuche es immer noch.
      Im Grunde halte ich also meine Versprechen.
      Man kann vieles über mich sagen aber ich versuche alles um meine Versprechen zu halten.

      Spannende Einstellung.
      48 4 Melden
    • derEchteElch 05.11.2017 16:50
      Highlight Ist ja nicht Ihre Schuld, @Hoppla!, wenn man Ihnen glaubt und man Ihre Anlagestrategie befolgt.. 😉
      4 17 Melden
  • Gelöschter Benutzer 05.11.2017 15:19
    Highlight Komisch, sowenig Bomben abgeworfen wie seit langem nicht mehr.

    Belügt euch ruhig weiter, so bleibst kuschelig in der Bubble.
    16 59 Melden
    • äti 05.11.2017 16:47
      Highlight ... deine Zähler sind bloss eingeschlafen und du merkst es nicht einmal. So sad.
      31 7 Melden
    • Chrutondchabis 05.11.2017 17:40
      Highlight äti, eine kurze Recherche hätte gereicht um die Erkenntnis zu erlangen dass Wolfus recht hat. Passt halt nicht zum eigenen Weltbild gell? ;-)
      10 12 Melden
    • Rendel 05.11.2017 18:00
      Highlight Na Trump verkauft Waffen und andere töten damit. Das müsste man dann aufrechnen.
      15 6 Melden
    • äti 05.11.2017 18:46
      Highlight @chrout, ja klar. hat wenig mit weltbild zu tun, eher weil bloss eine seite gezählt wird und diese so lieb ist und als einzige zahlen liefert. schräg, nicht?
      3 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.11.2017 21:16
      Highlight @äti: lol, tatsächlich zählt nur das Pentagon - so sad. Was spielt das für eine Rolle? Dough!

      @Rendel: Wow, dieselben Fixgeschäfte wie zu Zeiten Obamas? So sad.
      5 2 Melden
    • Rendel 05.11.2017 21:21
      Highlight Ich fand das bei Obama auch nicht gut Wolfus, aber nun geht es um Trump. Und von den Bushs wollen wir nun auch nicht reden, gell.
      3 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.11.2017 21:38
      Highlight @Rednel:

      Wunderbar, also bei Trump:

      Bombenabwürfe: -
      Waffenverkäufe: +

      Das macht ihn zum schlechten Präsidenten?

      D.h. du vergleichst ihn mit ... genau...vorherigen:

      Bombenabwürfe: +
      Waffenverkäufe: +
      5 2 Melden
    • äti 05.11.2017 21:55
      Highlight @wolfus, echt, dir reicht das? nur das Pentagon? und weil alle anderen Armeen nicht zählen, haben sie keine Bomben? So genialer Vergleich.
      Finds alleweil irgendwie spassig, aber schräg.
      1 4 Melden
    • äti 05.11.2017 21:56
      Highlight Schweiz Waffenverkäufe: ++
      2 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.11.2017 22:06
      Highlight @äti:

      Du sprichst doch von Trump ... also USA ... also US Armee .. also Pentagon.

      Springst etwas im Dreieck mit deiner Argumentation ... wohl dein Erfolgsrezept auf der Strasse, aber nützt hier nichts.
      3 1 Melden
    • äti 05.11.2017 22:38
      Highlight .. nein, von Bombenabwürfen. Nur das und der nötigen Relation. Dem Kampf gegen Einseitigkeit zuliebe. :)
      0 1 Melden
  • King Susi auf der Autobahn 05.11.2017 15:06
    Highlight Weiss nicht wo ihr eure Infos her habt - DT ist der 45. Präsident, nicht der 58.
    12 0 Melden
  • roger.schmid 05.11.2017 14:55
    Highlight Trump ist wohl der erste Politiker, der seine Versprechen nicht nur nicht einhält, sondern sogar das Gegenteil davon macht:

    "the forgotten man will no longer be forgotten " - er vergisst die kleinen Leute nicht nur, er schei*** auf sie.

    Healthcare: "we will have great healthcare for a much cheaper price" - war natürlich kompletter b.s., also wird nun einfach das bestehende sabotiert.

    Mauer: nicht nur, dass Mexiko nicht dafür bezahlt - sie wird gar nicht gebaut.

    draining the swamp: das white house gefüllt mit den schlimmsten Goldman Sachs bankster-flussmonstern usw.
    66 13 Melden
    • Baba 05.11.2017 18:07
      Highlight ...und das beste aller Versprechen: "I have a plan, a great and very secret plan to fight ISIS within 30 days!"

      Ob Nr 45 diesen ach so genialen und geheimen Plan selbst nicht mehr findet? Er ist rund 270 Tage in Verzug...
      11 0 Melden
    • roger.schmid 05.11.2017 18:59
      Highlight man könnte die Liste natürlich noch viel weiter führen..

      z.b. "I have tremendous people, I know the best people for the job, blabla"

      anscheinend hatte er die schlechtesten, unfähigsten und sogar kriminelle Leute x Kabinetmitglieder mussten schon zurücktreten wie Flynn gegen den anscheinend (wie per Breaking News jetzt gerade von Huffpost hereingekommen) wohl bald Anklage erhoben wird.
      5 1 Melden

Trump kippt Einfuhr-Verbot für Grosswildjäger – (Und ja, auf dem Foto sind seine Söhne)

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