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Trump in einer aktuellen Aufnahme (links) und nach seinem Wahlsieg in New York am Dienstag.
Bild: PETER FOLEY/EPA/KEYSTONE

Plötzlich war sein Haar weiss: Trumps Schwenk in die Mitte hat begonnen

Weicher, seriöser, präsidialer: Um sich der Partei und den Wählern anzunähern, probt Donald Trump den Imagewechsel. Kann das klappen?

23.04.16, 18:32 24.04.16, 09:44

Veit Medick, Washington

Ein Artikel von

Die Sache mit den Umfragen ist eigentlich eine von Donald Trumps Lieblingsbeschäftigungen. Wo er auch auftritt, zitiert der Milliardär die Zahlen: Hier liege ich vorne, da bin ich spitze, und Hillary Clinton hat ohnehin keine Chance gegen mich. Seine Fans sind dann aus dem Häuschen, sie träumen von einem Präsidenten Donald J. Trump.

Das Problem ist, dass es auch die anderen Zahlen gibt. Die zitiert Trump nicht so gerne. Sie beschäftigen sich mit seinem Charakter, und in dieser Kategorie sieht es wirklich schlimm aus für ihn. Zwei Drittel der Amerikaner sehen Trump in einem schlechten oder sehr schlechten Licht, das ergab gerade erst eine Umfrage des Senders NBC. Kein Präsidentschaftskandidat der vergangenen Jahrzehnte hatte ähnlich schlechte Werte.

Irgendetwas muss sich tun, wenn der 69-Jährige wirklich eine Chance aufs Weisse Haus haben will, das scheint inzwischen auch in seinem Wahlkampfteam angekommen zu sein. Seine Leute haben einen Plan entwickelt, um aus den miserablen Zahlen gute zu machen. Seriöser soll Trump auftreten, präsidialer, weicher. Er soll sich mehr mit seiner Familie zeigen und nicht mehr so viel schimpfen.

Kurzum: Ein Imagewechsel soll her, weg vom Wählerschreck, hin zum Liebling der Nation. «Die Rolle, die er spielt, wird sich verändern», versicherte sein Chefberater Paul Manafort in einer internen Runde der Parteiführung.

Teleprompter sind bereit

Ein wenig war von dem neuen Ansatz schon zu sehen. Nachdem Trump am Dienstag die Vorwahlen in New York gewonnen hatte, trat er auffallend sanft auf, selbst seine Konkurrenten behandelte er verhältnismässig manierlich. Er verzichtete darauf, Ted Cruz als «Lügen-Ted» zu beschimpfen, wie er das sonst gerne machte. Er nannte ihn schlicht «Senator Cruz». Kein Patzer, keine Flegelei. Es war ein sehr normaler Auftritt.

Seitdem wühlen sich viele Beobachter durch Auftritte des New Yorkers, um weitere Anzeichen für den «New Donald» zu finden. Einige meinen, der Spitzenreiter hätte sein Haar künstlich ergrauen lassen, um dem Bild näher zu kommen, das die Amerikaner gemeinhin von einem Präsidenten haben. Anderen fällt auf, dass sein letzter Ausfall schon einige Wochen her ist. Wieder andere verweisen auf seine neuen Strategen, alte Profis, die sich um ein entspannteres Verhältnis zum republikanischen Establishment bemühen sollen. Denn da sind ja viele noch immer regelrecht entsetzt, dass ein Mann wie Trump möglicherweise den artigen Konservatismus repräsentieren wird.

Trumps Berater machen kein Geheimnis aus ihren Plänen, den Spitzenreiter künftig als konventionelleren Politiker erscheinen zu lassen. Sie streuen, dass der Kandidat schon bald einen Redenschreiber an die Seite gestellt bekommt. Und er bei grossen Auftritten Teleprompter benutzen wird, ein Instrument, dass Trump eigentlich verabscheut, weil es seiner Ansicht nach das Unechte in der Politik verkörpert wie nichts sonst. Aber er kann eben auch anders, das wollen seine Leute den Gegnern signalisieren.

Es gibt bei dieser Strategie mehrere Probleme, und das grösste ist vielleicht die Unsicherheit, ob Trump selbst mitspielt. Nach seiner Wahl in New York hatte der Kandidat einen Auftritt in Pennsylvania, und dort ging es schon wieder weniger brav zu. Er liess sich wieder dazu hinreissen, vom «Lügen-Ted» zu sprechen; die Republikaner kamen ebenfalls nicht gut weg. Trump schimpfte über das «korrupte und kaputte» Vorwahlsystem.

Grosse Reden, grosse Themen

Das zweite Problem ist, dass seine Kandidatur vor allem auch deshalb so gut funktioniert, weil sie so anders ist. So viel unkontrollierter und wilder als die seiner «normalen» Rivalen. Mit seinem Stil und seiner Aggressivität mag Trump die halbe Welt verschreckt haben, aber seine Anhänger lieben ihn, wie er ist. Ihre Unterstützung für Trump ist auch ein Mittel, um gegen die herkömmliche Politik zu protestieren. Was, wenn Trump nun selbst mehr und mehr zu einem dieser herkömmlichen Politiker wird?

Und überhaupt ist das mit einem Imagewechsel so eine Sache in der Politik, in der Regel ist das nichts, was man sich einfach so verschreiben kann. Auch Peer Steinbrück versuchte im Jahr 2013 ein Stück weit, sich vom mürrischen Polit-Technokraten zum Familienmenschen zu wandeln – es ging schief.

Hillary Clinton ist ebenfalls ein Beispiel dafür, wie schwierig es ist, eine Wahrnehmung, die sich in den Köpfen der Menschen eingebrannt hat, mal eben zu verändern. Sie wird als kalt und kalkulierend gesehen, auch wenn das vielleicht nicht durchgängig eine zutreffende Zuschreibung ist.

Aber Trump will es versuchen, oder jedenfalls seine Berater. Der Milliardär soll von nun an auch Reden halten zu grossen politischen Fragen. Der Wirtschaft, der Gesundheit, den Steuern. Am kommenden Mittwoch wird er den Anfang machen mit einem Vortrag zur Aussenpolitik. Er soll in Washington stattfinden, dem Zentrum der etablierten Politik. Und wahrscheinlich kommen auch die Teleprompter zum Einsatz.

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    Alle Leser-Kommentare
  • DerWeise 24.04.2016 11:47
    Highlight "Sie wird als kalt und kalkulierend gesehen"

    weil es so ist...
    0 0 Melden
  • Cityslicker 24.04.2016 09:17
    Highlight «Die Rolle, die er spielt, wird sich verändern»: Eine holprige Übersetzung enthält manchmal ungewollt so viel Wahrheit.
    8 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.04.2016 01:38
    Highlight Seine Haarfarbe ist wohl das kleinste Problem...
    14 2 Melden
  • Kronrod 23.04.2016 21:40
    Highlight Trump wird gewinnen. Scott Adams (Dilbert Autor) hat das schon vor bald einem Jahr prophezeit.
    11 31 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.04.2016 00:40
      Highlight Gefällt mir zwar nicht aber könnte so passieren. Die Alternativen sind allerdings eh nicht besser. Ted Cruz? Nein danke. Hillary Clinton? Eine Kriegstreiberin. Sanders hat vermutlich keine Chance. Leider. So bleibt die Wahl zwischen Pest und Cholera.
      28 2 Melden
    • Hayek1902 24.04.2016 00:55
      Highlight Die vorwahlen vielleicht, aber nicht die eigentliche wahl.
      7 3 Melden

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