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Republican presidential nominee Donald Trump kisses his wife Melania Trump, wife of Donald Trump after the presidential debate with Democratic presidential nominee Hillary Clinton at Hofstra University in Hempstead, N.Y., Monday, Sept. 26, 2016. (AP Photo/David Goldman)

Donald Trump und seine Ehefrau Melania: Die dritte Ehe des US-Präsidentschaftskandidaten. Bild: David Goldman/AP/KEYSTONE

Affären im US-Wahlkampf –  komm du nur, Donald!

Donald Trump steht nach dem TV-Duell dumm da, er ist endgültig als Sexist blossgestellt. Wütend droht er nun, die Affären Bill Clintons zum Thema im Wahlkampf zu machen. Hillary Clinton kann das nur recht sein.

30.09.16, 09:35 30.09.16, 13:06

Patricia Dreyer



Ein Artikel von

«Sie haben Eheprobleme eingeräumt. Heisst das, Sie haben sich schon mal getrennt? Haben Sie über Scheidung nachgedacht?»

1992 stellte der TV-Journalist Steve Kroft dem damaligen Präsidentschaftsanwärter Bill Clinton und seiner Frau Hillary diese Fragen, in einem Interview für die Sendung «60 Minutes».

Halb Amerika sah dieses Fernsehverhör. Hillary Clinton, überschminkt und kämpferisch, und Ehemann Bill, adrett frisiert und nervös, sitzen – hin und wieder händchenhaltend – auf einem Sofa und mühen sich, Gerüchte zu zerstreuen, er habe jahrelang eine Affäre mit dem Model Gennifer Flowers gehabt.

Legendäres Interview aus dem Jahr 1992: Bill und Hillary Clinton geben Auskunft über ihr Privatleben. Video: YouTube/Jim Heath

Hillary Clinton macht keinen Hehl daraus, wie unzumutbar sie es findet, über ihr Privatleben Auskunft geben zu müssen.

«Wissen Sie», sagt sie gegen Ende des Gesprächs, «ich sitze hier nicht wie ein kleines unbedarftes Frauchen, das blind zu seinem Mann steht wie in einem Countrysong, sondern weil ich ihn liebe und respektiere. Wenn das den Leuten nicht reicht – verdammt, dann wählt ihn halt nicht.»

Die Botschaft kam an: Die Amerikaner machten Bill Clinton, dessen Affäre mit Monica Lewinsky ihn später noch an den Rand eines Amtsenthebungsverfahrens bringen sollte, zum Präsidenten.

Die Clintons überstanden diese Skandale. Doch vergessen sind sie natürlich nicht. Erst recht nicht bei Donald Trump.

Am Montag scheiterte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner im TV-Duell gegen Hillary Clinton, und seit dieser Demütigung ist der Milliardär wütend.

Trump war nicht nur mangelhaft vorbereitet auf den neunzigminütigen Showdown. Vielmehr reagierte er so dünnhäutig auf Clintons Provokationen, dass es ihr ein Leichtes war, eine vernichtende Schluss-Attacke und damit das Medienthema der folgenden Tage zu setzen: Trump, der Sexist.

Kein Streitpunkt des Duells wird seither so intensiv diskutiert wie die Art und Weise, in der Donald Trump Frauen behandelt: herablassend, gönnerhaft, verachtend, verletzend, grob beleidigend – jede Erscheinungsform von Sexismus ist vertreten.

Trump reagierte umgehend auf seine öffentliche Blossstellung.

Noch am Abend der Debatte dröhnte er, nur aus Rücksicht auf die im Zuschauerraum anwesende Tochter der Clintons, Chelsea, habe er das Ass in seinem Ärmel nicht ausgespielt: Bill Clinton, dessen ausserehelichen Affären und die Rolle, die Hillary Clinton dabei spielte. Aber er könne dieses Thema jederzeit auf die Tagesordnung setzen.

Die Frage ist nur: Wäre das wirklich eine gute Idee?

Worauf Trump abzielt, ist klar: Hillary Clinton hat in den Neunzigerjahren einige der Frauen, die Affären mit oder angebliche Belästigungen durch Bill Clinton bekannt machten, scharf attackiert. In einem Interview sagte sie damals, sie würde Gennifer Flowers gern persönlich ins Verhör nehmen, «ich würde sie kreuzigen». An anderer Stelle soll sie laut «Washington Post» in Bezug auf eine der Frauen gesagt haben, «wir müssen ihre Story zerstören».

Bill und Hillary Clinton bei einem Wahlkampfauftritt im Jahr 1992. bild: shutterstock

«Bill Clinton hat Frauen missbraucht, schlimmer als jeder andere Mann, den wir kennen», polterte Trump bei einem Wahlkampfauftritt im Mai in typisch übertriebener Art und Weise, «und Hillary hat ihm geholfen».

Es darf jedoch bezweifelt werden, ob Trump – selbst ein notorischer Fremdgeher und zwei Mal geschieden – wirklich punkten kann, wenn er das Fehlverhalten anderer Ehemänner und die Reaktion ihrer Ehefrauen thematisiert.

Dem Clinton-Team ist offenbar nicht bange, dort kalkuliert man so: Unter den noch unentschlossenen Wählern, die man erreichen will, sind Frauen und junge Menschen die wichtigsten Gruppen.

Weil Donald Trump so ein Gentleman ist, redet er nie (NIE!!!) über die Affären Bill Clintons. Video: YouTube/The Young Turks

Für beide dürften die mehr als 20 Jahre zurückliegenden Affären Bill Clintons kaum eine Rolle spielen bei der Entscheidung über die Präsidentschaft 2016. Viel wichtiger sind für sie Probleme wie die Finanzierung eines Hochschulstudiums, Lohngerechtigkeit oder bezahlte Elternzeit.

Dass Hillary Clinton in den Neunzigerjahren die Geliebten ihres Mannes attackierte, dafür dürften die meisten Amerikaner eher Verständnis aufbringen. Das Magazin «Politico» zitiert eine Beraterin der republikanischen Partei, die die Reaktion einer Wählerin bei einer Befragung so wiedergab: «Welche Ehefrau würde denn nicht die Geliebte angreifen?»

Clinton, die in der Debatte am Montag zeigte, wie kämpferisch sie auf persönliche Attacken Trumps in der direkten Auseinandersetzung zu reagieren vermag, könnte es am Ende nur recht sein, wenn ihr Widersacher das Thema tatsächlich anschneidet.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno S. 88 08.10.2016 23:45
    Highlight Möchte Trump überhaupt gewählt werden?! Ich zweifle stark daran. Warum sagt er immer das falsche zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort? Hillary ist so gut wie gewählt und alles was sie machen muss, ist Trump sich selbst zerstören lassen. Der ideale Wahlkampfrivale für hillary.
    1 0 Melden
  • rodolofo 30.09.2016 13:18
    Highlight Ich verstehe nicht, warum die Affären von Bill Clinton den Ruf von Hillary Clinton beschädigen sollten.
    Das waren ja SEINE Affären und nicht IHRE!
    An Hillary Clinton stört mich, dass sie KEINE Affaire vorzuweisen hat!
    Ist sie wirklich so langweilig, oder hat sie da etwas versteckt, ähnlich wie bei den e-mails?
    Jedenfalls geht das niemanden auch nur das Geringste an!
    Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht im Zeitalter der Inquisition...
    Vielleicht sollte das mal jemand den Evangelikalen Trump-Fans ins Ohr flüstern, in einer schwachen Minute, wenn sie gerade mal nicht so wütend sind, wie sonst.
    13 0 Melden
    • rodolofo 01.10.2016 08:34
      Highlight Ich schätze Hillary ebenfalls als äusserst kompetent und erfahren ein.
      Und sie hat gelernt, in einem extrem harten Umfeld ihre Frau zu stehen und nicht unterzugehen.
      Nun kann man(n) ihr natürlich vorwerfen, dass sie als Frau etwas gar hart und berechnend geworden ist und sarkastische Sprüche von sich gibt.
      Aber wie bitteschön hätte sie es denn sonst bis zur Präsidentschaftskandidatin bringen sollen?!
      Möglicherweise erleben wir noch eine ganz andere Hillary, wenn sie es einmal geschafft hat, die oberste Stufe ihrer Karriereleiter zu erklimmen.
      Ein Versuch wär's jedenfalls wert!
      3 0 Melden
  • Olaf! 30.09.2016 10:46
    Highlight "habe er das As in seinem Ärmel" Wieso hatte er den Arsen im Ärmel? Meint ihr vielleicht Aas? Wobei das wäre ja auch sehr unhygienisch. Ein Ass wiederum würde wohl Sinn machen.
    19 3 Melden
    • Anna Rothenfluh 30.09.2016 10:53
      Highlight @Olaf!: Man weiss nie, was der Trump so alles im Ärmel hat. Aber du hast natürlich recht. Ist korrigiert, danke.
      21 3 Melden

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