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Der Russlandbeauftragte: Das Problem mit Trumps Aussenminister Tillerson

Mitten in der heftigen Debatte über russische Einmischung will Donald Trump ExxonMobil-Chef Rex Tillerson zum Aussenminister machen. Dessen gute Kontakte zu Wladimir Putin dürften im Senat für Krach sorgen.

13.12.16, 18:07

Veit Medick, Washington

Rex Tillerson Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Donald Trump schwärmt. «Ein Weltklasse-Anführer», sei sein Kandidat, die «Verkörperung des amerikanischen Traums». Er könne, so der gewählte Präsident, sich niemanden vorstellen, «der besser geeignet und entschlossener ist, in dieser kritischen Zeit als Aussenminister zu arbeiten».

Die Suche nach Amerikas Chefdiplomaten war eine wochenlange Casting-Show, nun hat Trump den Sieger bestimmt: Rex Tillerson, Chef des Ölkonzerns ExxonMobil, soll die USA künftig in der Welt vertreten. Es ist in vielerlei Hinsicht eine spektakuläre und irritierende Personalie. Der 64-Jährige hat noch nie ein Amt in der Politik gehabt. Er wuchs in Texas auf, studierte Ingenieurwissenschaften in Austin, stieg 1975 beim Energieunternehmen ein, kletterte die Karriereleiter kontinuierlich nach oben und wurde 2004 zum Chef der Firma berufen. Ein Alphatier wie Trump. Aber Aussenminister?

Ein grosses Netzwerk an politischen Kontakten hat er, so viel ist klar. Sein vielleicht wertvollster Kanal ist der in den Kreml. Mit Wladimir Putin hat er ein sehr stabiles Verhältnis aufgebaut, das an jenes von Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten erinnert. Eng verbunden ist Tillerson zudem mit Igor Sechin, Putins Vertrautem, der den Öl- und Gasgiganten Rosneft führt. Mit Putin und Sechin verhandelte der ExxonMobil-Chef grosse Projekte, unter anderem eines am Schwarzen Meer im Jahr 2011, das den zwei Unternehmen erlaubte, gemeinsam unter Arktis-Eis nach Öl zu bohren.

Dass Trump einen Mann zum Aussenminister machen will, der beste Kontakte in den Kreml hat, ist ein radikaler Bruch in der US-Aussenpolitik. Seit dem zweiten Weltkrieg gehört es zur DNA der amerikanischen Diplomatie, Russlands Einfluss einzudämmen und zu bekämpfen. Die Nominierung Tillersons zeigt, wie ernst Trump es trotz aller Warnungen seiner Partei und des mysteriösen Agierens Moskaus im Wahlkampf offenbar damit meint, diesen Kurs zu ändern. Welche Folgen das für den inneren Zusammenhalt der Republikaner haben wird, dürfte eine der spannenden Fragen von Trumps Präsidentschaft werden.

Ein Kulturbruch im Aussenamt

Sein Draht zu Putin heisst nicht, dass Tillerson grundsätzlich ungeeignet wäre für das Amt des US-Aussenministers. In manchen Themen - etwa dem Klimawandel, den er als Problem sieht - scheint der Unternehmer rationaler zu sein als Trump. ExxonMobil mag ein aggressives und mitunter rücksichtsloses Unternehmen sein, das in fragwürdigen Staaten agiert. Aber über seine unzähligen Projekte dürfte Tillerson eine gute Vorstellung davon haben, wie die Welt funktioniert.

Trumps Regierungsmannschaft

Im Hauptquartier im texanischen Irving sitzt eine grosse politische Abteilung, die bestückt ist mit ehemaligen Regierungsbeamten und Geheimdienstlern. Tillersons Arbeit im Unternehmen hat durchaus Überschneidungen mit jener im Aussenamt: Seit Jahren verhandelt er mit freundlich und weniger freundlich gesinnten Staatschefs, studiert die Stabilität von Krisenregionen, analysiert wichtige Akteure. Steve Coll, Reporter beim «New Yorker» und Autor eines kritischen Buchs über ExxonMobil, schreibt, Tillerson «arbeitete sein ganzes Leben daran, einen Quasi-Staat zu führen».

Ob Tillerson ins «State Department» passt, ist allerdings auch eine kulturelle Frage. Er hat nie irgendwo anders gearbeitet als bei ExxonMobil, einer Firma, deren Religion die Regeln der Privatwirtschaft sind und deren Kernziel es ist, die Welt danach aufzuteilen, wo sich am besten nach Öl und Gas bohren lässt. Die bürokratischen Strukturen und die Schwerfälligkeit des Aussenamts, vor allem aber Auftrag, das öffentliche Interesse über das von Aktionären zu stellen, dürfte für Tillerson mit seiner ultrakapitalistischen Sozialisierung mit Sicherheit gewöhnungsbedürftig sein.

«Ein Weltklasse-Anführer»: Rex Tillerson Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Als grosses Problemfeld könnten sich Tillerson Interessenkonflikte entpuppen, gerade was die Russlandpolitik angeht. Als ExxonMobil-Chef hat er sich kritisch über die in der Ukraine-Krise verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Moskau ausgesprochen. Als Aussenminister wäre er in der Lage, sie aufzuweichen - wovon auch der Ölkonzern profitieren würde: Die Sanktionen haben die Kooperation mit Rosneft erheblich verlangsamt. Egal, was Tillerson als Aussenminister macht: Stets dürfte die Frage mitschwingen, was sein ehemaliges Unternehmen davon hat.

Rubio meldet «grosse Bedenken» an

Im Senat, der die Personalie noch bestätigen muss, dürfte es auch wegen der im Hintergrund schwelenden Debatte über russische Einmischung im Wahlkampf massiven Streit geben. Über das Wochenende hatten sich bereits mehrere Senatoren aus Trumps Partei skeptisch gegenüber dem ExxonMobil-Chef geäussert. Das Problem aus Trumps Sicht ist, dass die Mehrheiten sehr knapp sind. Zunächst wird über Tillerson im Auswärtigen Ausschuss beraten, in dem die Republikaner allerdings nur eine Stimme Mehrheit haben. In dem Gremium sitzt auch Marco Rubio, im Vorwahlkampf Trumps Rivale. Er ist als besonders hartnäckiger Russland-Gegner bekannt. «Ich habe grosse Bedenken wegen seiner Nominierung», liess er am Dienstag wissen.

Trumps Konfrontationskurs gegenüber der CIA, die von einer aktiven Wahlkampfintervention Moskaus ausgeht, dürfte die Diskussion kaum erleichtern. Aber selbst wenn der Ausschuss Tillerson als Aussenminister empfehlen sollte, müsste noch der gesamte Senat den Vorschlag absegnen. Die Republikaner haben mit 52 Stimmen nur vier Stimmen Vorsprung vor den Demokraten. Tillerson bräuchte mindestens 50 Stimmen, das Patt würde im Notfall Vizepräsident Mike Pence sprengen können.

Trump scheint sich bereits auf erheblichen Widerstand einzurichten. Er plant in den kommenden Tagen eine aggressive Werbekampagne für die Nominierung des ExxonMobil-Chefs. Als Unterstützer hat er den ehemaligen Verteidigungsminister Robert Gates sowie die frühere Aussenminister Condoleezza Rice gewonnen. Aus Sicht von Tillerson-Kritikerin ist das wenig überraschend: Beide haben ExxonMobil in den vergangenen Jahren beraten.

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Brikne, 20.7.2017
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • seventhinkingsteps 13.12.2016 22:38
    Highlight Kapitalismus in seiner Endphase
    9 2 Melden
  • rodolofo 13.12.2016 20:04
    Highlight Ich komme mir vor, als würden wir da gerade in die 50er-Jahre zurückgeworfen...
    Lauter weisse, altmodische Männer, viele Militärs.
    Vorwärts in die Vergangenheit!
    38 9 Melden
    • Stojan 13.12.2016 23:44
      Highlight Hättest du auch ein Problem damit, falls sie schwarz wären?
      5 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.12.2016 00:28
      Highlight @rodolofo Ach komm, die Schweizer Politik ist kaum multikultureller.
      1 0 Melden
    • rodolofo 14.12.2016 07:04
      Highlight @ Shalashaka
      Von der Schweiz will ich schon gar nicht sprechen...
      Da gilt ja dieser staubtrockene Buchhalter-Typ Flury von der FDP bereits als Rebell!
      0 0 Melden
  • Xi Jinping 13.12.2016 19:53
    Highlight Finde es eher gut, dass er gute Beziehungen zu Russland hat. Dann hat das ganze Ost-West Gedönse mal Ruhe...sich einander Beinstellen und anpöbeln ist sowas von Kalter-Krieg-Style...
    19 16 Melden
    • trio 13.12.2016 23:28
      Highlight Ja grundsätzlich stimmt das. Aber was machen Europa, China, Indien (also der Rest der Welt), wenn die zwei zusammenarbeiten? Ich glaube nicht, dass die zwei weniger machthungrig werden und Trump hat China auf dem kicker, während Putin es eher auf Europa abgesehen hat. Wir sollten uns also nicht zu früh freuen.
      8 1 Melden
    • FrancoL 14.12.2016 00:11
      Highlight @trio; Ich denke sie haben es richtig formuliert.
      In der Politik haben wir bei 3 Akteuren das gleiche Problem wie im Alltag, meistens ist einer aussen vor.
      Nicht schwer zu raten war da aussen vor sein wird.
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.12.2016 19:08
    Highlight Ich warte gespannt auf den Artikel unseres Russland- und Trump-AltRight-Experten Löpfe.
    21 15 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.12.2016 18:33
    Highlight Der T-Rex musste doch nahe zu Putin sein, als CEO von ExxonMobil. Putin ist Russland. Wer dort grosses Geschäft machen will muss damit leben.
    17 3 Melden
  • Radiochopf 13.12.2016 18:32
    Highlight "Sein Draht zu Putin heisst nicht, dass Tillerson grundsätzlich ungeeignet wäre für das Amt des US-Aussenministers" na was jetzt? Entscheidet euch mal liebe Journalisten, ist nun jeder der irgendwie mit Putin/Russland Beziehung hat sofort unfähig und ungeeignet oder zählen doch noch anderes? Ich finde es absolut paradox und unverständlich wie die Medien jede Annäherung zwischen USA-Russland als schlimm und bedrohlich sehen? Hat jemand das Gefühl die Kriege in der Ukraine/Syrien hören jemals auf wenn nicht die USA/Russland sich nicht endlich wieder annähern!?
    46 37 Melden
    • Tilman Fliegel 13.12.2016 19:38
      Highlight Journalisten sollen garkeine Meinung haben, sondern informieren. Ich finde das ist im diesem Artikel auch ganz gut gelungen.
      Ansonsten finde ich Feindbilder in der Aussenpolitik generell schlecht, also auch das amerikanische Bild vom bösen Russland.
      11 14 Melden
    • Ivan der Schreckliche 13.12.2016 19:48
      Highlight Das versteh ich auch überhaupt nicht, ist doch nur mit Vorteilen verbunden, wenn zwei der grössten Mächte sich nicht zoffen sondern gemeinsame Sache machen?
      5 9 Melden
    • seventhinkingsteps 13.12.2016 22:37
      Highlight Nicht wenn die eine Grossmacht Annäherungsversuche mittels Kopieren von Ideologie macht
      2 4 Melden
    • FrancoL 14.12.2016 00:19
      Highlight Diese Posts sind teilweise an Naivität kaum zu überbieten.
      Ein Motor für die Annäherung ist das sowohl Trump (Nato redimensionieren, abschotten der eigenen Wirtschaft), als auch Putin (Destabilisieren des direkten Nachbars der EU) eher nichts mit den Europäern am Hut haben wollen und das kann für Europa kein Vorteil sein.
      Ein schwaches destabilisiertes Europa wäre für beide Grossmächte ein Vorteil, man könnte zudem weiter im nahen Osten agieren wie man will und die Flüchtlinge würden den Europäern den Rest geben.
      Für mich keine guten Aussichten für uns Europäer.
      1 0 Melden

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