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Death row inmate Ronald Bert Smith Jr., scheduled to be executed December 7, 2016, is seen in an undated picture released by the Alabama Department of Corrections in Montgomery, Alabama, U.S.   Alabama Department of Corrections/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY

Hingerichteter Häftling Ronald Smith. Bild: HANDOUT /REUTERS

13 Minuten Todeskampf – die missratene Hinrichtung des Ronald Smith

Vor seiner Hinrichtung bekam Ronald Smith ein kaum erprobtes Beruhigungsmittel. Es wirkte nicht. Er zuckte, hustete, rang nach Luft, 13 Minuten lang. Er ist nicht der Erste, den US-Behörden leichtfertig quälen.

11.12.16, 04:00 11.12.16, 08:24

Stefan Schultz



Ein Artikel von

Was in der letzten halben Stunde seines Lebens genau passierte, könnte nur Ronald Smith selbst sagen. Nur er könnte erzählen, was er dachte und fühlte, als das Gift in seinem Körper zu wirken begann, das Beruhigungsmittel, das ihn einschläfern sollte, aber offenbar nicht. Vielleicht hatte er grauenvolle, brennende Schmerzen; vielleicht war er nicht wirklich bei Bewusstsein.

Klar ist nur, dass US-Behörden zum wiederholten Male einen Menschen dem Risiko ausgesetzt haben, einen barbarischen Tod zu sterben. Weil sie ein Beruhigungsmittel benutzten, das bei Hinrichtungen schon mehrfach versagte.

Die fahrlässige Hinrichtung des Ronald Bert Smith Junior, 45, beginnt Donnerstagnacht um 22.25 Uhr in einem Gefängnis im Südwesten des US-Bundesstaats Alabama. Die Wärter bringen den muskulösen, blassen Mann in eine Zelle mit grünen Mauern. Sie fesseln ihn mit Ledergurten auf eine Trage. Als eine Polizistin ihn fragt, ob er noch etwas sagen will, antwortet er: «Nein, Ma'am.»

Die erste Spritze, die Smith bekommt, enthält einen Arzneistoff namens Midazolam, ein Mittel, das Nervenzellen hemmen und den Körper empfindungslos machen soll. Zahlreiche Experten zweifeln an dem Stoff. Bei mehreren Hinrichtungen, bei denen er eingesetzt wurde, kam es zu Problemen. Ein sterbender Häftling in Ohio rang fast eine halbe Stunde lang laut nach Luft. Ein Verurteilter in Arizona wand sich 90 Minuten lang unter fürchterlichen Qualen auf seiner Liege, ehe sein Herz aufhörte zu schlagen.

Trotz solcher Vorfälle setzen immer mehr Bundesstaaten Midazolam bei Hinrichtungen ein – einfach, weil andere Arzneien nicht zugegen sind. Europäische Pharmafirmen verweigern die Lieferung des erprobten Betäubungsmittels Pentobarbital, weil sie die Todesstrafe ablehnen.

13-minütiger Todeskampf

Um 22.37 Uhr prüft ein Polizist, ob Smith noch bei Bewusstsein ist. Er ohrfeigt ihn leicht. Ruft seinen Namen. Kneift ihn in den linken Arm. Der Arm habe sich leicht bewegt, berichten Augenzeugen, darunter der Journalist Kent Faulk, der die Hinrichtung von einem Zuschauerraum aus durch eine Glasscheibe betrachtet.

Um 22.47 Uhr wiederholt der Polizist die Prozedur. An dieser Stelle werden die Beschreibungen widersprüchlich. Faulk zufolge hat sich Smiths Arm erneut leicht bewegt. Der zuständige Gefängnischef Jeff Dunn dagegen sagt, der Todeskandidat habe sich nun nicht mehr gerührt.

Die Hinrichter jedenfalls machen weiter nach Protokoll. Sie verabreichen Smith zwei weitere Spritzen, gefüllt mit Giften, die den Herzschlag erst lähmen und dann völlig stoppen.

Kurz darauf, so erzählt es Faulk, hustet Smith. Seine Brust hebt und senkt sich stärker, er ringt nach Luft. Seine Hände ballen sich zu Fäusten. Sein linkes Auge scheint sich manchmal leicht zu öffnen. Einmal hebt sich Smiths Kopf und fällt wieder zurück auf die Trage.

13 Minuten betrachtet Faulk den Todeskampf. Um 22.59 Uhr werden die Vorhänge zur Todeszelle zugezogen.

Wie Smith zum Mörder wurde

Es hatte Streit darüber gegeben, ob Ronald Smith überhaupt hätte hingerichtet werden sollen. 1994 hatte er in Huntsville den Ladenbesitzer Casey Wilson erschossen. Strafverfolger beschrieben die Tat als grausamen Mord. Wilson sei regelrecht exekutiert worden, sagen sie. Er war gerade Vater geworden.

Vor Gericht wurde Smiths Fall kontrovers diskutiert. Sieben von zwölf Geschworenen verurteilten den Mörder zu einer lebenslänglichen Strafe. Der Richter überstimmte sie, verurteilte Smith zum Tod. Der Angeklagte sei in einer stabilen Mittelklassefamilie aufgewachsen, sagte er laut «Los Angeles Times» zur Begründung. Er hätte es besser wissen müssen.

Die Hinrichtung von Ronald Smith provoziert in den USA nun heftig Streit. Smiths Verteidiger hält der Gefängnisleitung vor, sie hätte einen Plan B haben müssen, sie hätte eingreifen müssen, als das Midazolam offensichtlich versagte. Manche Kritiker fordern, den Einsatz des fragwürdigen Betäubungsmittels komplett zu stoppen, wieder andere fordern die komplette Abschaffung der Todesstrafe.

Ronald Smith stirbt um 23.05 Uhr. Sein Tod wird von einem anwesenden Arzt festgestellt. Seine Familie wird informiert, niemand von ihnen hatte der Hinrichtung beigewohnt. Die genauen Umstände seines Todes soll nun eine Autopsie klären, teilt die Gefängnisleitung mit. Dabei werde auch festgestellt, ob es bei der Hinrichtung zu «Unregelmässigkeiten» kam.

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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Einfache Meinung 11.12.2016 19:03
    Highlight Es heißt, Du sollst nicht töten.
    7 1 Melden
    • blaubar 13.12.2016 12:40
      Highlight Du schon nicht, aber die dürfen das.
      0 0 Melden
  • rkeller 11.12.2016 17:44
    Highlight Die Verantwortlichen, inkl dem Richter gehören nicht nur wegen Mord lebenslang hinter Gitter, sondern wegen Folter auch mal selbst gefoltert.

    Solche primitive Wesen müssen für ihr Handeln hart bestraft werdden
    7 9 Melden
    • Midnight 12.12.2016 08:18
      Highlight Mit Punkt 1 bin ich einverstanden. Folter sollte aber um jeden Preis vermieden werden!
      3 0 Melden
    • Fabio74 14.12.2016 23:01
      Highlight Konsequent wären Richter und Staatsanwalt die nächsten die ins Jenseits befördert werden müssten. Nach dem Prinzip Auge um Auge.
      0 0 Melden
  • ThePower 11.12.2016 14:43
    Highlight Eine Frage drängt sich mir auf. Wenn die Amis offenbar zu blöd sind, einen Häftling so zu vergiften dass er ohne grössere Qualen stirbt, warum erschiessen sie die Delinquenten nicht einfach? Ballern doch sonst auch gerne in der Gegend rum, unsere Freunde aus dem Wilden Westen.
    15 0 Melden
    • Midnight 12.12.2016 08:19
      Highlight Anderer Ansatz: Weshalb lassen die's nicht gleich ganz sein?
      3 0 Melden
  • blaubar 11.12.2016 12:18
    Highlight Stellt Euch mal vor, der Bericht käme aus Syrien.
    8 2 Melden
    • Midnight 12.12.2016 08:24
      Highlight Wieso? Ist die Todesstrafe in Syrien weniger schlimm oder wie ist das zu verstehen? Die macht in Syrien genau so wenig Sinn wie in jedem anderen Land der Welt!
      2 0 Melden
    • blaubar 12.12.2016 12:39
      Highlight Ja, aber erstens findet die Welt das in den USA deutlich weniger dramatisch, als wenn es ein Assad tun würde. Und zweitens tut eben Assad wahrscheinlich keine solchen Dinge. Das Sarin 2011, weisst du noch? Das hat H. Clinton nach Syrien schmuggeln lassen (siehe S. Hersh, Pulitzerpreisträger, Abu Graibaufdecker, ehem. AP-Journalist). Deshalb muss man die Medien sehr kritisch betrachten und immer mit einem objektiven Auge.
      0 1 Melden
    • exeswiss 14.12.2016 23:17
      Highlight "We now know it was a covert action planned by Erdoğan’s people to push Obama over the red line. They had." ich lese da kein "Das hat H. Clinton nach Syrien schmuggeln lassen"
      0 0 Melden
  • MaskedTruth 11.12.2016 10:57
    Highlight Und es wird hier, oft in unseren Breitengraden behauptet, die Russen seien barbarisch! Was das amerikanische Rechtssystem hier tut, ist inhuman, es ist auch parteiisch und vor allem ist es käuflich! Dieses Land (USA) widert mich an, weil es immer wieder behauptet, der einzige Gralshüter der Menschenrechte und der Demokratie zu sein, aber die Menschen leiden lässt! Und jetzt noch einen Präsidenten wählt, der seine eigenen Leute anlügt!
    43 15 Melden
    • Jürg Müller 11.12.2016 16:51
      Highlight Hä, was hat das jetzt mit Russland zu tun?
      5 0 Melden
    • strieler 12.12.2016 02:04
      Highlight und vor allem. usa hüter der menschenrechte?? wo haben sie das her? ganz nebenbei - hat sich russland 2015 (durch ein gesetz) nicht faktisch vom egmr gelöst?
      4 0 Melden
  • pamayer 11.12.2016 10:14
    Highlight Todesstrafe NEIN!


    Wenn schon Todesstrafe, dann nicht pseudo Human, sondern martialisch wie vor einigen hundert Jahren.
    Ich weiss nicht, ob sich dann noch so viele für die Todesstrafe einsetzen würden.

    Aber vielleicht täusche ich mich da gewaltig.
    54 6 Melden
    • Fabio74 11.12.2016 13:04
      Highlight @Stipps: Träum weiter. Es ging über Jahrhunderte drum zu quälen, ob auf dem Scheiterhaufen, oder das Knochenbrechen, das Ersäufen und was für sonst bestialische Grausamkeiten die Kreatur Mensch erfunden hat.
      14 6 Melden
    • Freddie 11.12.2016 13:32
      Highlight @Fabio das war ummzu foltern, zu wissen wer eine hexe ist und wer nicht.
      Der Henker, der die Todesstrafe vollzug, war eine angesehner Mann. Häufig war es auch Familientradition Henker zu sein. Was man vor allem ab dem ca 16. Jhd in Frankreich sieht. Der rest kannst du bei Stipps lesen
      5 1 Melden
    • MaskedTruth 11.12.2016 13:53
      Highlight Du verwechselst hier etwas; du meinst bestimmt die 'heilige Inquisition'
      Vieles davon erlebt ein Revival in Syrien!
      Und gestern habe ich dem deutschen Aussenminister zugehört: alles bla bla! Europa, ein einziges Trauerspiel!
      3 0 Melden
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  • Fabio74 11.12.2016 09:57
    Highlight Widerlich, dass ein "westliches" Land im 21. Jahrhundert immer noch im Reich der Barbaren lebt und Menschen von Staats wegen ermorden lässt.
    63 14 Melden
    • TheMan 11.12.2016 12:55
      Highlight Stipps, Auenlandschaft? Tolkien war Engländer und Lotr sowie The Hobbit, wurden in Neuseeland gedreht. Dabei wurden die Filme nach den Amerikanischen und nich nach den Europäischen Bücher gedreht. Tolkien wollte Nie, das die Bücher von Hollywood gedreht wird.
      4 1 Melden
    • Fabio74 11.12.2016 13:04
      Highlight @Stipps: Nimm deine Medikamente.
      20 5 Melden
    • Midnight 12.12.2016 08:29
      Highlight Immerhin finde ich das Embargo der hiesigen Pharmas als Reaktion auf diese Todesstrafen toll! Schade nur, dass es nichts bringt. Die geschädigten sind die Todeskandidaten 😩
      3 0 Melden
  • Babalu 11.12.2016 09:32
    Highlight barbarisch und leider typisch für USA
    47 7 Melden
  • lilas 11.12.2016 09:01
    Highlight Erstmal sollte kein Mensch einen anderen töten dürfen, nicht als Vollstrecker eines Gerichtsurteils, nicht im Krieg, aber lassen wir das.
    Das Sterben ist so eine Sache, die die Wenigsten einfach und schnell hinbekommen, es sei denn sie erledigen es selbstbestimmt. Die Meisten kämpfen am Schluss ganz arg, sie schliessen nicht einfach die Augen und schlafen weg, unabhängig wie "gut oder bös" sie waren in ihrem Leben.

    Die Vorstellung, dass man das Leiden in diesem Moment noch erhöht, aus Fahrlässigkeit oder gar absichtlich, daran will man nicht denken.
    47 4 Melden
  • Madison Pierce 11.12.2016 08:31
    Highlight Die Diskussion um "humane" Hinrichtungen ist schizophren. Entweder man ist der Ansicht, der Staat habe auch Verbrechern ihre Würde zu wahren und sie anständig zu behandeln. Oder man ist der Meinung, ein Mörder habe den Tod verdient, dann muss der aber auch etwas leiden.

    Beides gleichzeitig wäre gut für das eigene Gewissen, geht aber nicht.
    15 18 Melden
    • lilas 11.12.2016 12:02
      Highlight Kann nicht ganz folgen, sorry.
      Wenn jemand zum Tode verurteilt wird, (was ich schon nicht verstehen kann) warum muss er dann ihrer Meinung nach "auch etwas leiden"?
      Humane Hinrichtung als Ausdruck ist bereits schizophren, da geb ich Ihnen recht, aber mit Würde sterben ist nicht schizophren.
      10 1 Melden
    • Madison Pierce 11.12.2016 22:02
      Highlight War etwas unklar formuliert, bitte entschuldige.

      Ich meinte es so: Man muss sich eingestehen, dass es keine "humanen" Hinrichtungen gibt. Also entweder steht man dazu, oder führt keine Hinrichtungen durch.

      Kommt mir etwas vor wie "weisse" Folter. Richtig Foltern tun die Bösen, bei der CIA heisst es "strenges Verhör".
      2 0 Melden
    • blaubar 12.12.2016 12:42
      Highlight Immerhin löscht man damit ein HUMAN aus. Widerspricht sich förmlich.
      0 0 Melden
  • Thinktank 11.12.2016 05:19
    Highlight Naja, derjenige, den er erschossen hat, ist vermutlich auch unter Schmerzen krepiert. Einfach die Hinrichtungen filmen und ins Youtube stellen, vielleicht schreckt es ja ab, ansonsten ist es auch egal.
    30 175 Melden
    • SUP_2 11.12.2016 08:44
      Highlight So wie die "IS" oder?

      Thinktank isr wohl als Name etwas missglückt
      72 7 Melden
    • lilas 11.12.2016 09:03
      Highlight "Thinktank" als username: bissl daneben gegriffen?
      47 11 Melden
    • Hayek1902 11.12.2016 09:33
      Highlight Die Todesstrafe schreckt niemanden ab, das weiss man schon lange. Im Gegenteil, sie erhöht die Gewaltbereitschaft: Nach dem du weisst, dass du eh hingerichtet wirst, bist du zu allem bereit, dein Leben zu schützen. Ein paar Tote mehr erhöhen dein Strafmass ja sowieso nicht mehr, sich der Polizei stellen bringt nichts mehr.
      60 5 Melden
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  • Darkside 11.12.2016 05:18
    Highlight The greatest nation on earth.
    43 15 Melden

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