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«Arrogant» und «eisenhart»: Bush senior rechnet mit Cheney und Rumsfeld ab

In einer Biografie teilt Ex-US-Präsident George Bush senior kräftig gegen die prägenden Männer in der Regierung seines Sohnes aus. Donald Rumsfeld und Dick Cheney hätten diesen nach dem 11. September falsch beraten.



Ein Artikel von

Spiegel Online
epa04848414 (FILE) Former US President George H.W. Bush in his office in Houston, Texas, USA, 29 March 2012. According to his spokesman, former US President George Bush senior had a fall in his home in Maine, USA, on 15 July 2015 and broke a vertebrae in his neck. He was admitted to hospital but doctors say he will be fine, just having to wear a neck brace.  EPA/LARRY W. SMITH

Abrechnung: George Bush senior
Bild: LARRY W. SMITH/EPA/KEYSTONE

Zwei Männer haben die Aussenpolitik von Präsident George W. Bush nach den Anschlägen des 11. September 2001 entscheidend mitgeprägt: Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney. Für ihren Einfluss auf den Kurs des Weissen Hauses müssen sie sich nun harsche Kritik gefallen lassen: von Präsidenten-Papa George Herbert Walker Bush.

In seiner neuen Biografie wirft Bush senior den beiden Entscheidern vor, sie hätten seinem Sohn mit ihren Einflüsterungen geschadet. «Die Reaktion auf den 11. September, das war eisenhart.» Die USA hatten zunächst in Afghanistan Jagd auf die Taliban gemacht, begründeten aber auch den zweiten Irakkrieg ab 2003 mit den Anschlägen.

Sein Sohn habe «sein Bestes» getan, so Bush senior weiter. Allerdings müsse er sich vorwerfen lassen, dass er Cheney zu viel Handlungsfreiheit zugestanden habe. So habe dieser «so etwas wie sein eigenes Aussenministerium» aufgebaut, so der 91-Jährige. Das sei «ein Fehler des Präsidenten» gewesen.

FILE - In this Friday, Dec. 15, 2006, file photo, Secretary of Defense Donald Rumsfeld, left, pauses as President George W. Bush, and Vice President Dick Cheney participate in Rumsfeld's farewell ceremony at the Pentagon in Washington. Former President George H.W. Bush is publicly criticizing for the first time key members of his son's administration. A biography of the nation's 41st president to be published in November, 2015, contains his sharply critical assessments of Cheney and Rumsfeld. (AP Photo/J. Scott Applewhite, File)

Rumsfeld, Bush jr. und Cheney (rechts).
Bild: J. Scott Applewhite/AP/KEYSTONE

Auch mit seiner berühmten Ansprache im Jahr 2002, als er vor einer «Achse des Bösen» zwischen dem Irak, Iran und Nordkorea warnte, habe sich Bush junior «keinen Gefallen getan».

Nicht mehr derselbe Dick?

Unter Bush sr. hatte Cheney von 1989 bis 1993 bereits als Verteidigungsminister gedient. Später, so Bush sr., habe er allerdings gravierende Veränderungen an seinem einstigen Wegbegleiter festgestellt: «Er wurde ein strenger Hardliner. Ganz anders als der Dick Cheney, den ich kannte und mit dem ich gearbeitet habe.» Offenbar hätten die Terroranschläge sein Weltbild verändert: «Da scheint er den harten Typen nachgegeben zu haben, die gegen alles kämpfen wollen. Die mit Gewalt unseren Kurs im Nahen Osten durchdrücken wollten.»

Auch für Rumsfeld, Verteidigungsminister während des Grossteils der beiden Amtszeiten von Bush junior, hat Vater Bush wenig schmeichelhafte Worte übrig. Er bezeichnet ihn als «arroganten Typen», der dem Präsidenten geschadet habe. So richtig warm sei er mit Rumsfeld ohnehin nie geworden. «Ihm fehlt jede Bescheidenheit, er kann sein Gegenüber nicht verstehen. Ihm liegt eher daran, Leute fertigzumachen.»

Cheney fühlt sich gar nicht kritisiert

Zu dieser persönlichen Kritik hat sich Rumsfeld bisher nicht geäussert – Cheney dagegen schon. Er sieht in seinem (laut Bush sr.) überharten Kurs nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon keinerlei Verfehlung. Im US-Sender Fox erklärte er: «Das macht mich sogar ein wenig stolz.» Seine aggressive Reaktion auf den 11. September werde noch heute von vielen Menschen gutgeheissen.

Inzwischen hat auch George Bush junior die harschen Worte seines Vaters kommentiert. Von einer Beeinflussung durch Cheney und Rumsfeld will er natürlich nichts wissen: «Ich teile seine Einschätzung nicht. Ich habe die Entscheidungen getroffen. Das war meine Philosophie.»

(jok)

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    Alle Leser-Kommentare
  • TanookiStormtrooper 05.11.2015 13:08
    Highlight Highlight Taktik um seinem Lieblingssohn Jeb doch noch Chancen auf das Präsidentenamt einzuräumen?
    Wenn er Rumsfeld noch nie leiden konnte, warum hat er ihn damals als Sondergesandten in den Irak geschickt? Warum hat er seinem Sohn damals nicht von ihm als Verteidigungsminister abgeraten?

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