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Clintons Vizepräsident-Kandidaten: Na Hillary, wer soll's denn sein?

Hillary Clinton plant ihren Angriff auf Donald Trump. Eine der wichtigsten Fragen: Wer wird Kandidat für die Vizepräsidentschaft? Diese zwölf Männer und Frauen kommen infrage.

21.06.16, 11:19 21.06.16, 13:47

Veit Medick, Washington

Ein Artikel von

Na Hillary, wer solls denn sein?
Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Es geht alles schnell in der amerikanischen Politik. Sehr schnell bisweilen. Vor Kurzem noch schien Hillary Clinton schwer angeschlagen. Jetzt, nachdem die Demokratin sich ihre Kandidatur gesichert hat und Donald Trump durch den Wahlkampf taumelt, geraten manche Beobachter ins Schwärmen. Ein «Paradebeispiel für harte Arbeit» nennt die «New York Times» Clintons Anlauf aufs Weisse Haus. Sie «findet endlich ihren Ton», meint der US-Sender «CNN».

Noch aber sind es knapp fünf Monate bis zur Präsidentschaftswahl, und so sehr Clinton ihre Kampagne auch stabilisiert haben mag: Sie hat viel Arbeit vor sich. Die Ex-Aussenministerin muss sich für eine Strategie gegen Donald Trump entscheiden. Sie wird sich überlegen müssen, auf welchen Feldern sie sich vom Milliardär politisch besonders abgrenzen will. Sie wird die linke Basis ihrer Partei mit einbinden müssen, die so sehr auf Bernie Sanders gesetzt hatte. Und ein Mitstreiter oder eine Mitstreiterin will auch noch gefunden werden.

Die Frage nach ihrem Vizepräsidentschafts-Kandidaten ist eng mit allen anderen Entscheidungen verwoben. Nimmt Clinton eine Frau als Copilotin, könnte sie ihre historische Rolle unterstreichen, die erste weibliche Kandidatin zu sein. Nimmt sie etwa einen erfahrenen und pragmatischen Senator, könnte das Wähler der Mitte ansprechen. Nimmt sie jemanden mit Einwanderungshintergrund, könnte ihr das bei Minderheiten helfen und Trumps Schwierigkeiten in diesen Wählergruppen noch vergrössern. Oder würde gegen Trump vielleicht jemand besonders helfen, der sich in der Unterhaltungsbranche auskennt?

Die Frage nach Clintons Nummer zwei ist auch deshalb wichtig, weil sie das Nachwuchsproblem auf Seiten der Demokraten entschärfen könnte. Bislang gibt es nicht viele Jüngere in der Partei, denen man zutraut, in vier oder acht Jahren selbst um die Präsidentschaft zu kämpfen. Wer immer aber als Clintons Vize antritt, dürfte in den kommenden Jahren eine grosse Rolle spielen. Das Amt hätte also eine noch stärkere Sprungbrettwirkung als auf Seiten der Republikaner, die in der nächsten Generation personell deutlich stärker besetzt scheinen.

Das sind die Kandidaten:

Julian Castro, 41, Städtebauminister im Kabinett Obama. Was spricht für ihn? Castro wird seit Jahren genannt, wenn über Vizepräsidenten spekuliert wird. Er ist jung, telegen und eloquent, hat einen Einwanderungshintergrund und administrative Erfahrung als Minister und Bürgermeister von San Antonio. Castro, so sehen es seine Fans, könnte das "neue", urbane Amerika repräsentieren. Was spricht gegen ihn? Als Minister in Obamas Kabinett hat er bislang nicht den stärksten Eindruck hinterlassen, wenige seiner Initiativen haben es in die nationalen Schlagzeilen gebracht. Sein Einwanderungshintergrund mag interessant sein, Spanisch spricht Castro aber nicht fließend. Manche in Washington halten seinen Zwillingsbruder Joaquin, der als Abgeordneter im Kongress sitzt, für talentierter. Bild: Eric Gay/AP/KEYSTONE

Elizabeth Warren, 66, Senatorin aus Massachusetts. Was spricht für sie? Warren ist Liebling der linken Basis. Sie hat sich dem Kampf gegen die Macht der Banken verschrieben und in den vergangenen Wochen öffentlich gezeigt, wie sehr sie gewillt ist, eine Präsidentschaft von Donald Trump zu verhindern. Ihre Aggressivität könnte Clinton im Wahlkampf helfen. Mit Warren würden die Fans von Bernie Sanders sehr gut leben können. Was spricht gegen sie? Warren und Clinton sind politisch nicht die besten Freunde. Die Senatorin steht deutlich links von der Ex-Außenministerin und könnte Wähler der Mitte verschrecken. Mit 66 Jahren ist sie zudem keine Nachwuchshoffnung.
Bild: AP/FR67404 AP

Tim Kaine, 58, Senator aus Virginia. Was spricht für ihn? Kaine ist sehr erfahren. Er war vor seiner Zeit als Senator schon Gouverneur. Dass er aus Virginia kommt, könnte Clinton helfen, der Staat ist ein klassischer "Swing State". Kaine spricht fließend Spanisch. Er war zudem einer der ersten demokratischen Amtsträger, die sich für Clinton als Präsidentschaftskandidatin aussprachen. Was spricht gegen ihn? Eigentlich nicht viel. Ein Risiko könnte allenfalls sein, in einem Jahr, in dem Politiker aus Washington nicht wirklich hoch im Kurs stehen, einen prominenten Senator als Vize zu wählen. Clinton/Kaine wäre ein klassisches Establishment-Ticket. Bild: Pablo Martinez Monsivais/AP/KEYSTONE

Al Franken, 65, Ex-Comedian und Senator aus Minnesota. Was spricht für ihn? Franken ist vielen Amerikanern als Radio- und TV-Star bekannt, war Schreiber bei "Saturday Night Live" und hatte seine eigene Show. Dort schaffte er sich ein Image als linker Angreifer. Regelmäßiges Ziel seiner Attacken: die Bush-Familie. Im Senat gibt er sich als Wall-Street-Kritiker und Anwalt der sozial Schwachen. Der linken Basis wäre er wohl gut zu vermitteln, zudem könnte er in Sachen Unterhaltung Trump einiges entgegen setzen. Was spricht gegen ihn? Er ist 65, verkörpert nicht die nächste Generation der Demokraten. Zudem haben ihm Episoden und Zitate aus der Zeit, bevor er Politiker wurde, schon in den Senatswahlkämpfen schwer zu schaffen gemacht. Und: Er würde viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zu viel vielleicht, aus Clintons Sicht. Bild: Andy Kropa/Invision/AP/Invision

Janet Napolitano, 58, Ex-Heimatschutzministerin im Kabinett Obama. Was spricht für sie? Napolitano hat viel Erfahrung. Sie war einst Gouverneurin von Arizona, wurde dann Bundesministerin und ist inzwischen Präsidentin der Universitäten in Kalifornien. Sie kennt die Clintons lange und gut. Und dass sie aus dem "Swing State" Arizona kommt, könnte auch helfen. Was spricht gegen sie? Sie war keine ganz unumstrittene Heimatschutzministerin. Sie ist ähnlich lange im politischen Geschäft wie Clinton, hat zudem den Stempel der Obama-Vertrauten und würde daher mehr Kontinuität als Wandel verkörpern. Zudem heißt es, sie träume von einem Richtersitz im Supreme Court.
Bild: Lenny Ignelzi/AP/KEYSTONE

Deval Patrick, 59, Ex-Gouverneur von Massachusetts. Was spricht für ihn? Er kennt die Clintons lange und hat jahrelange Regierungserfahrung. Thematisch hat sich Patrick als Gouverneur für eine Erhöhung des Mindestlohns und die Energiewende eingesetzt, dadurch hat er auf dem linken Flügel einige Unterstützer. Zudem ist ein glänzender Redner. Was spricht gegen ihn? Patrick gehört fast schon zum alten Eisen. Zudem würde sein aktueller Job womöglich eine Angriffsfläche bieten: Er ist einer der Manager bei der Investmentfirma Bain Capital, die einst vom Republikaner Mitt Romney gegründet wurde. Bild: Charles Krupa/AP/KEYSTONE

Sherrod Brown, 63, Senator aus Ohio. Was spricht für ihn? Brown gilt als Vertreter des linken Flügels, kämpft für Arbeitnehmerrechte, seit er in der Politik ist. An der Seite der Gewerkschaften machte er Mitte der Neunzigerjahre gegen das Freihandelsabkommen Nafta mobil. Der Vorwahlkampf hat in beiden Lagern gezeigt, wie unpopulär Freihandelsabkommen in den USA derzeit sind. Browns klare Haltung in dieser Frage könnte viele Clinton-Skeptiker überzeugen. Er kommt aus Ohio, einem sehr wichtigen "Swing State". Was spricht gegen ihn? Brown ist links, für die Republikaner wäre er womöglich ein dankbarer Gegner. Zudem wäre es für die Demokraten strategisch riskant, einen aktiven Senator zum "VP" zu machen. Die Machtverhältnisse im Senat könnten beeinflusst werden, denn die temporäre Nachbesetzung des Senatorenpostens darf der entsprechende Gouverneur bestimmen– und der ist in Ohio ein Republikaner: John Kasich. Bild: J. Scott Applewhite/AP/KEYSTONE

Cory Booker, 47, Senator aus New Jersey. Was spricht für ihn? Booker ist jung, verkörpert die nächste Generation der Demokraten. Er ist schwarz und könnte viele der früheren Obama-Wähler ansprechen. Mit seinem Engagement für eine Verschärfung des Waffenrechts hat er zuletzt auch auf nationaler Bühne gepunktet. Was spricht gegen ihn? Booker gilt manchen Demokraten als zu ehrgeizig. Er geht keinem Mikrofon aus dem Weg, hat eine äußerst überzeugte Schar an Fans hinter sich versammelt. Aber inhaltlich hat er– jenseits des Waffenthemas –noch wenige Spuren hinterlassen.
Bild: JIM LO SCALZO/EPA/KEYSTONE

Tom Perez, 54, Arbeitsminister im Kabinett Obama. Was spricht für ihn? Perez ist bei vielen progressiven Demokraten und unter Gewerkschaftern sehr beliebt. Als Anwalt hat er sich vor seiner politischen Laufbahn für Bürgerrechte und Verbraucherschutz stark gemacht. Seine Eltern stammen aus der Dominikanischen Republik, sein Einwanderungshintergrund könnte ein Vorteil sein. Schon im Vorwahlkampf hat Perez sich als treuer Anhänger Clintons gezeigt. Was spricht gegen ihn? Jenseits von wirklich informierten Washingtoner-Zirkeln ist sein Bekanntheitsgrad gering. Perez schillert nicht, ist weder jung noch alt. Perez wäre eine sehr brave Lösung.
Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Kirsten Gillibrand, 49, Senatorin aus New York. Was spricht für sie? Gillibrand ist eine aufstrebende Senatorin, sie vertritt in der Wirtschaftspolitik Positionen links der Mitte und hat sich zuletzt mehrfach in die Debatte um sexuelle Gewalt in Universitäten eingeschaltet. Sie ist vergleichsweise jung und könnte daher eine passende Ergänzung sein, um alle Wählerschichten anzusprechen. Gillibrand hat erkennen lassen, dass sie gerne selbst einmal um die Präsidentschaft kämpfen will. Was spricht gegen sie? Gillibrand stammt aus dem gleichen Bundesstaat wie Clinton, was ein verfassungsrechtliches Problem darstellen könnte. Wähler dürfen dem Grundgesetz zufolge nicht für zwei Kandidaten aus einem Bundesstaat stimmen. Zudem scheint sie noch nicht wirklich ihren Platz in der Partei gefunden zu haben: Ihre Positionen wechselten in den vergangenen Jahren mehrfach.
Bild: Jacquelyn Martin/AP/KEYSTONE

Bernie Sanders, 74, Senator aus Vermont. Was spricht für ihn? Sanders ist der Liebling der linken Parteibasis. Er spielt bei den Demokraten eine ähnlich Establishment-kritische Rolle wie Trump bei den Republikanern. Thematisch setzt er sich für etliche sozialpolitische Reformen ein. Mit Sanders als "VP" könnte Clinton die Partei womöglich am einfachsten vereinen. Was spricht gegen ihn? Er ist alt, noch älter als Clinton. Zudem ist er mit der Ex-Außenministerin mehrfach aneinandergeraten. Vom Typ her verkörpert er nicht wirklich das Ideal eines Vizepräsidenten, gibt eher den progressiven Kämpfer. Sanders ist erst seit kurzem Demokrat, hat in der Führung der Partei nur wenig Anhänger. Regierungserfahrung fehlt ihm auch.
Bild: AP/Pool The Washington Post

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Bene86 21.06.2016 15:33
    Highlight Die Frau ist irre, man beachte mal ihre Mimik, ihre Gestik und schaue ihr tief in die Augen. Gruselig. :)
    12 4 Melden
    • Tiny Rick 21.06.2016 17:25
      Highlight Echt, finde ich auch. Hillary; the horror movie. Comming 2017
      8 3 Melden
  • DerWeise 21.06.2016 12:48
    Highlight Naja, Warren, nebst Sanders eine der wenigen progressiven Demokraten, wirds sicher nicht:
    4 0 Melden
    • Pana 21.06.2016 17:47
      Highlight Die Argumente sind natürlich nicht falsch. Aber Warren ist oder war auf jeden Fall ganz vorne bei Hillary. Obwohl politisch auf der selben Linie wie Sanders, hat sie ihn nie öffentlich unterstützt. Das kann eigentlich nur einen Grund haben.
      1 0 Melden
    • DerWeise 21.06.2016 21:43
      Highlight Ja sie ist leider eine ziemliche Opportunistin und hat damit viele enttäuscht.
      0 1 Melden
  • Donald 21.06.2016 11:42
    Highlight 😂
    7 10 Melden

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