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Nach dem Tod zweier Schwarzer bei einem Polizeieinsatz sind Dutzende Amerikaner in Chicago auf die Strasse gegangen.
Bild: TANNEN MAURY/EPA/KEYSTONE

Tod zweier Schwarzer durch Polizei: Angehörige protestieren gegen Chicagos Stadtpräsidenten

Die Tötung zweier Schwarzer bei einem Polizeieinsatz in Chicago hat erneut ein Schlaglicht auf Polizeigewalt in den USA geworfen. Angehörige der Opfer forderten am Sonntag bei einer Pressekonferenz, dass die verantwortlichen Polizisten bestraft würden.

28.12.15, 03:53 28.12.15, 06:41

Bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt erschossen Polizisten in der US-Metropole am Samstag einen 19-Jährigen, der seinen Vater bedroht haben soll, und eine unbeteiligte Nachbarin. Die 55 Jahre alte fünffache Mutter sei «versehentlich getroffen worden und tragischerweise gestorben», räumte die Polizei ein.

Nach Polizeiangaben trafen die Beamten beim Einsatz am Samstag auf eine «aggressive Person». Einer der Beamten habe seine Waffe gezogen und geschossen. Dabei seien zwei Menschen tödlich verletzt worden. Die Polizei übermittelte den Angehörigen der 55-Jährigen ihr Beileid. Zum Vorfall wurden Ermittlungen eingeleitet.

«Rahm failed us» – «Rahm hat uns verraten».
Bild: TANNEN MAURY/EPA/KEYSTONE

Die Zeitung «Chicago Tribune» berichtete, der 19-jährige Quintonio LeGrier habe psychische Probleme gehabt. Er habe seinen Vater mit einem Baseballschläger bedroht. Dieser habe die Polizei alarmiert und die 55-jährige Nachbarin gebeten, auf die Beamten zu warten.

Kritik an Stadtpräsident

LeGriers Mutter Janet Cooksey sagte am Sonntag, ihr Sohn sei «respektvoll» und ein fleissiger Schüler gewesen. Mehrere Unterstützer bei der Pressekonferenz trugen T-Shirts mit der Aufschrift «Rahm hat uns verraten». Damit meinten sie den Bürgermeister von Chicago, Rahm Emanuel, der für seinen Umgang mit früheren Fällen rassistischer Polizeigewalt schon kritisiert worden war.

Rahm Emanuel, umstrittener Bürgermeister von Chicago.
Bild: Jacquelyn Martin/AP/KEYSTONE

US-Medien zitierten den US-Abgeordneten Bobby Rush, der fragte, weshalb die Polizisten sofort geschossen und nicht zunächst auf andere Methoden wie Elektroschockpistolen zurückgegriffen hätten.

Laut Polizei darf einer der an dem Vorfall beteiligten Polizisten 30 Tage lang lediglich administrative Tätigkeiten wahrnehmen – nach einem vom neuen Polizeichef John Escalante eingeführten neuen Standardverfahren bei solchen Fällen. Die Polizei teilte nicht mit, wie viele Polizisten anwesend waren.

Chicagos Polizei unter Beobachtung

Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze hatten in den USA in den vergangenen Monaten wiederholt für Empörung und Aufruhr in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt. Ende November hatten die Behörden von Chicago ein Video vom Oktober 2014 veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie ein weisser Polizist einen schwarzen 17-Jährigen mit 16 Schüssen niedergestreckt hatte.

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Tausende Menschen waren daraufhin auf die Strasse gegangen, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Das US-Justizministerium leitete Ermittlungen wegen möglicher systematischer Bürgerrechtsverletzungen durch Chicagos Polizei ein, der Polizeichef der Stadt wurde entlassen. (dwi/sda)

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