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Nadelstiche gegen Trump: Irans Präsident Hassan Rohani. Bild: HANDOUT/REUTERS

Raketenversuch: Iran testet Trump – seine Reaktion überrascht

Im Wahlkampf warb Donald Trump mit einem harten Kurs gegenüber Iran. Teherans Raketentest prüft somit auch die Entschlossenheit des neuen US-Präsidenten – dessen Reaktion überrascht.

02.02.17, 05:11 02.02.17, 06:09

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Neun Tage liess sich Iran Zeit für die erste Provokation in Richtung des neuen US-Präsidenten Donald Trump: Am Sonntag testete das Regime eine ballistische Mittelstreckenrakete. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums explodierte die Rakete nach rund tausend Kilometern beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Erst am Mittwoch bestätigte Teheran den Test offiziell. Das iranische Verteidigungsministerium betonte jedoch, man habe damit weder gegen das Atomabkommen, noch gegen Uno-Resolution 2231 verstossen. In der Resolution, die im Juli 2015 in Zusammenhang mit dem Nukleardeal einstimmig verabschiedet wurde, heisst es: «Iran ist aufgefordert, keine Tätigkeiten im Zusammenhang mit ballistischen Flugkörpern durchzuführen, die dazu angelegt sind, Kernwaffen zum Einsatz bringen zu können, einschliesslich Starts unter Verwendung von Technologie für solche ballistischen Flugkörper.»

Iran behauptet, dass das kein striktes Verbot für Raketentests bedeute und bestreitet zudem, dass die getestete Rakete überhaupt mit einem atomaren Sprengkopf bestückt werden könnte.

Iran provoziert, Trump schweigt

Die USA sehen das anders: Der am Sonntag abgefeuerte Flugkörper hätte eine 500-Kilogramm-Last 300 Kilometer weit tragen können, behauptete die von Trump gerade erst eingesetzte US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. «Das ist mehr als genug, um eine Atomwaffe abzuwerfen.» Die USA würden Iran beibringen, dass sie so etwas niemals akzeptierten.

Doch passiert ist seither wenig. Der sonst so mitteilsame Trump hat sich selbst noch gar nicht zu der Provokation geäussert, sein Sprecher Sean Spicer sagte lapidar: «Wir haben mitbekommen, dass Iran diese Rakete abgefeuert hat. Wir gucken uns das jetzt genau an.» Der Sicherheitsberater des Weisses Hauses, Ex-General Michael Flynn, reagierte am Mittwochabend schärfer im Ton: Der Test verstosse gegen die Uno-Resolution, der Iran gefährde die USA und deren Verbündete in der Region. Man nehme dies «zur Kenntnis», fügte Flynn nachdrücklich hinzu - was er damit genau meint, ist unklar.

Michael Flynn: Der Iran gefährdet die USA und deren Verbündete in der Region. Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

Darüber hinaus reagierte die US-Regierung ähnlich wie Barack Obama nach dem letzten iranischen Raketentest im vergangenen Jahr: Sie berief eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats hinter verschlossenen Türen ein, um über den Test und seine Folgen zu beraten. Kontinuität statt Konfrontation also.

Dabei hatte Trump im Wahlkampf wieder und wieder eine radikale Abkehr von der Iran-Politik seines Vorgängers angekündigt. Obama habe viel zu schwach und nachgiebig agiert und sich von Teheran über den Tisch ziehen lassen. «Meine Priorität Nummer eins ist es, den desaströsen Deal mit Iran aufzulösen», versprach Trump. Später schränkte er ein, dass das Abkommen zumindest in vielen Punkten nachverhandelt werden müsste.

Rohanis Nadelstiche

Mit seinen Äusserungen im Wahlkampf hat Trump dafür gesorgt, dass der Raketentest auch ein erster Test für die aussenpolitische Entschlossenheit des neuen Präsidenten ist. Und prompt zeigten sich erste Republikaner enttäuscht.

Sie forderten, den Druck auf das iranische Regime sofort zu erhöhen. Bob Corker, Chef des Ausschusses für Aussenpolitik im US-Senat, plädierte dafür, Teheran für den Raketentest zur Rechenschaft zu ziehen. «Iran darf nicht länger einen Freibrief erhalten», so der Republikaner. Er beeilte sich, der Regierung die Unterstützung des Kongresses für weitere Schritte gegen Iran zuzusichern. Doch das Weisse Haus schweigt.

Irans Präsident Hassan Rohani setzte derweil am Mittwoch den nächsten Nadelstich Richtung Trump. Der neue US-Präsident sei unreif und kenne die politische Weltkarte nicht. «Für Leute wie ihn, die nie in der Politik waren und in einer anderen Welt lebten, ist die politische Bühne Neuland», sagte Rohani. Dann schob er eine Warnung in Richtung Washington hinterher: «Er wird lange brauchen, und es wird die USA viel kosten, bis er lernt, was in der Welt vor sich geht.»

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Majoras Maske 02.02.2017 08:45
    Highlight Rohani ist ja auch irgendwie eine undurchsichtigte Figur. Gewählt wurde er ja eigentlich mit dem Versprechen, den Iran zu mässigen und öffnen und die Bürgerrechte der Iraner zu stärken. Er hat zwar politische Gefangene freigelassen, geht aber gleichzeitig hart gegen Blogger vor. Das Atomprogramm will er weiterführen, aber mit dem Segen der internationalen Gemeinschaft. Mal fordert er zu Proteste gegen Israel auf und gratuliert den Juden dann per Twitter zu Festen.
    Das Trump wohl (?) versucht deeskalierend zu wirken ist gut. An Säbelrasseln und Eskalation dürfte kein Land interessiert sein.
    10 5 Melden
    • rodolofo 02.02.2017 09:41
      Highlight Rohani verhält sich genau so, wie sich auch unsere CVP'ler verhalten!
      Normalisierung im "Politischen Islam" also...
      9 4 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 02.02.2017 13:23
      Highlight Rohani ist auch ein Mullah (trägt allerdings einen weissen Turban).

      Die tatsächliche Macht im Iran liegt nicht im Parlament oder bei der Regierung, sondern beim Wächterrat (alles Mullahs).

      Wenn Rohani das Land mässigen will, muss er für alles immer den Wächterrat überzeugen.

      Mit dem Atomabkommen ist ihm das gelungen. Rohani bewegte das Volk auf die Strasse, die Mullahs (mit den schwarzen Turbanen) waren schwer beeindruckt, und sie winkten es schliesslich mit etwas Grummeln ab. Ziel erreicht.

      So funktioniert nunmal iranische Politik.
      2 0 Melden
    • saukaibli 02.02.2017 13:27
      Highlight Rohani ist kein Diktator, er kann nicht einfach machen was er will. Um seine Position nicht zu gefährden und dann wieder einen Hardliner an die Macht kommen zu lassen, ist er wohl auf gewisse Kompromisse angewiesen. Nicht dass ich Rohani in den Himmel loben möchte, aber dem vertraue ich doch noch einiges mehr als einem Trump, Putin oder Erdogan.
      3 0 Melden
  • frankyfourfingers 02.02.2017 08:33
    Highlight Diese pöhsen pöhsen agressiven iraner!
    24 3 Melden
  • The Destiny // Team Telegram 02.02.2017 07:58
    Highlight @Schmiergel, der Iran ist kein Regime...
    3 8 Melden
  • The Destiny // Team Telegram 02.02.2017 06:56
    Highlight Seit wann haben wir ein Regime im Iran ?
    Was bitte soll dieser Neusprech(?), sind nun alle Regierungen welche uns nicht friedlich gesinnst sind, Regimes ?

    Typische Atlantikpresse
    So ein Mist sollte strafbar sein.
    10 11 Melden
    • Firefly 02.02.2017 12:43
      Highlight Würde sich der Staat hier so sehr ins private, öffentliche Leben der Bürger einmischen wollen, wie dies im Iran der Fall ist, würden sie wohl als einer der ersten von Regime sprechen... zurecht.
      4 1 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 02.02.2017 15:47
      Highlight @Firefly, es ist kein Regime. Wenn dann ist es eine Theokratie. Das Wort Regime wird viel zu leichtfertig verwendet.
      0 0 Melden
  • rodolofo 02.02.2017 06:15
    Highlight Rohanis Äusserungen klingen wie eine Drohung...
    Da erscheint mir das "Orange Riesen-Meerschweinchen" gerade wieder sympathisch, verglichen mit dem bösen "Bartli"!
    Dabei hat der Iran seine heutige Vormacht-Stellung im "Nahen Osten" paradoxerweise den fahrlässigen und planlosen Interventionen der USA im Irak und in Afghanistan zu verdanken.
    19 77 Melden
    • Marbek 02.02.2017 09:16
      Highlight Ja klar, der böse Bartli, ganz im Gegensatz zu den guten USA, gell? Und wie viele Kriege hat nun der Iran in den letzten paar Jahrzehnten angezettelt und wie viele die USA?

      Ich hätte früher nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber die iranische Führung macht mir aktuell viiiiel weniger Angst als die der USA.
      32 4 Melden
    • rodolofo 02.02.2017 09:49
      Highlight @ Marbeck
      Als grösste Supermacht aller Zeiten wird die USA in Sachen "Interventionen" immer einsame Spitze bleiben!
      Der Iran ist aber zu einer zunehmend gefürchteten Regionalmacht aufgestiegen, die mit dem heutzutage äusserst aggressiven Putin-Russland gemeinsame Sache macht.
      Im Iran hat eine Islamische Revolution stattgefunden. Das bedeutet, dass der Iran nach wie vor ein starkes Sendungsbewusstsein hat und seine (Schiitischen) Erziehungsmethoden zu exportieren versucht.
      Rivalisierende (Sunnitische) Gegenspielerin ist die Neu-Osmanische Türkei geworden.
      Wo bleibt die Demokratie?
      4 2 Melden
    • saukaibli 02.02.2017 13:32
      Highlight @rodolofo: Und wieso hat im Iran die islamische Revolution stattgefunden? Das wäre sicher nie soweit gekommen, wenn die Amis nicht zusammen mit den Briten die demokratisch gewählte Regierung unter Mossadegh gestürzt und den autokratisch regierenden Schah wieder eingestellt hätten. Schau dir mal Bilder aus dem Iran der 50er Jahre an, du wirst kaum eine Frau mit Kopftuch finden. Ohne Einmischung der Amis wäre der Iran vielleicht heute ein Leuchtfeuer der Demokratie in der Region und könnte Nachbarstaaten positiv beeinflussen. Klar, reine Spekulation, aber möglich.
      2 0 Melden
  • Therealmonti 02.02.2017 06:07
    Highlight Mit seiner letzten Bemerkung hat Rohani völlig Recht. Dumm ist nur, dass es nicht nur die USA viel kosten wird, sondern auch den Rest der Welt. Ausserdem darf bezweifelt werden, ob Trump überhaupt je lernt, was in der Welt vor sich geht. Der scheint völlig lern-resistent zu sein.
    101 10 Melden

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