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Nixon-Berater Dean über Trumps Start: «Das waren die schlimmsten 100 Tage»

Mit schwierigen Politikern kennt John Dean sich aus, er war die rechte Hand von Skandalpräsident Richard Nixon und eine Schlüsselfigur der Watergate-Affäre. Im Interview verrät er, warum er Donald Trump für so gefährlich hält.

Marc Pitzke



100 Tage Trump in 90 Bildern

Ein Artikel von

Spiegel Online

SPIEGEL ONLINE: Mr Dean, kurz vor Donald Trumps Amtseinführung haben Sie gesagt, er bereite Ihnen Albträume. Er ist nun 100 Tage im Amt. Schlafen Sie besser?
Dean: (lacht) Noch hat er uns nicht in die Luft gejagt. Aber er macht mir Angst. Vor allem seine Inkompetenz. Er hat kein wirkliches Verständnis dafür, wie das Präsidentenamt funktioniert oder überhaupt wie Washington funktioniert. Mein einziger Trost ist, dass er so inkompetent ist, dass er nichts zustande kriegt, was ein echtes Problem verursachen könnte.

Immerhin hat er uns mit Nordkorea an den Rand eines Atomkriegs gebracht.
Das Auffallendste daran war, dass er erst verkündete, eine «Armada» sei Richtung Nordkorea unterwegs, und nur wenige Tage später verkündete jemand anders, sie seien in die entgegengesetzte Richtung gesegelt. Das schien also nur Gepolter. Seine Aussenpolitik ist ein Witz. Jeder vertritt eine andere Position, der Aussenminister, der Verteidigungsminister.

Das ist nicht sehr beruhigend.
Wenigstens hat ihn die öffentliche Meinung gezwungen, Michael Flynn loszuwerden, seinen ersten Sicherheitsberater, der total unfähig und unqualifiziert war, selbst ohne seine Auslands-Connections. In Herbert McMaster haben wir jetzt jemanden, der tatsächlich was kann. Ich halte Trumps gesamtes Sicherheitsteam für erstklassig. Die einzige Schwachstelle ist Aussenminister Rex Tillerson, der keine Ahnung hat, was er tut.

Welche Note würden Sie Trump also für seine ersten 100 Tage geben?
«Ungenügend». Das war die schlimmste 100-Tage-Übergangsphase zu meinen Lebzeiten, und ich wurde während Franklin D. Roosevelts Amtszeit geboren. Noch nie habe ich ein Weisses Haus gesehen, das so schlecht geführt wurde.

Nichts Positives?
Er hat einen Richter an den Supreme Court gebracht. Aber auch das hat er nicht wirklich selbst getan.

Erinnert er Sie an Ihren früheren Boss Richard Nixon?
Es gibt Parallelen zwischen Nixon und Trump, keine Frage. Aber es gibt auch Unterschiede. Nixon war introvertiert, er griff die Medien hinter verschlossenen Türen an und beleidigte Leute hinter ihrem Rücken, was wir nur wissen, weil es die Tonbänder aus dem Oval Office gibt. Daher kennen wir Nixons dunkle Seite, seine Rachsucht. Trump ist da ganz offen. Er hat sogar Wahlkampf damit gemacht, wie fies er ist, was bei genügend Wählern Zuspruch fand, um ihn ins Weisse Haus zu befördern.

Nixon hat seine Machtbefugnisse als Präsident so ausgedehnt, bis die Situation aus dem Ruder lief. Sehen Sie die Gefahr auch bei Trump?
Noch hat Trump nicht versucht, um seine Macht zu missbrauchen. Ich glaube nicht mal, dass er sich seiner ganzen Befugnisse als Präsident bewusst ist. Und das beunruhigt mich. Er wird lernen. Wenn er gelernt hat, wie das Präsidentenamt funktioniert, könnte Trump noch viel gefährlicher werden. Haben Präsidenten die Macht einmal entdeckt, geben sie sie freiwillig nie mehr auf. Nach Watergate liess der Kongress zwar die Muskeln spielen und stellte sicher, dass er dem Weissen Haus als Machtsäule der US-Demokratie gleichgestellt war. Das störte Dick Cheney, damals Stabschef von Nixons Nachfolger Gerald Ford, sehr, und als Cheney George W. Bushs Vizepräsident wurde, holten sie sich die Macht zurück.

Nach dem 11. September 2001.
9/11 veränderte alles. Terrorismus dient seitdem als Hebel, um die Leute zu verängstigen, um Gesetze durchzuboxen, und uns zu nötigen, unsere Rechte aufzugeben. Sicher, Terrorismus ist überall ein reales Problem. Aber man kann ihn nicht verhindern. Terroristen sind Irre, die drauf aus sind, Menschen der Ideologie halber umzubringen. Das ist ziemlich schwer zu stoppen. Allerdings sterben im Jahr mehr Amerikaner durch Ertrinken in der Badewanne als durch Terrorismus.

Auch Trump hat den «Krieg gegen den Terror» wieder zu einem Hauptthema gemacht.
Der Unterschied zu früher ist der Autoritarismus. Das ist die verborgene Erklärung der Wahlen von 2016. Wer hat Trump gewählt? Wer sind diese Leute, die, wie er selbst sagte, ihm sogar erlauben würden, jemanden auf der Fifth Avenue zu erschiessen? Es sind Leute, die eine starke Führungsperson wollen, die tun würden, was dieser Führer ihnen sagt. So wie die Europäer, die Mussolini und Hitler folgten. Es gibt einen Charakterzug im Menschen, der so einen Führer mag. Das ist Trumps Basis. Autoritarismus.

Glauben Sie wirklich, dass er einen autoritären Staat will?
Trump ist keine Person mit einer ausgeprägten Eigenwahrnehmung. Aber als Narzisst übertrifft Trump alle. Er ist der perfekte narzisstische Geschäftsmann. Und das kann sehr gefährlich werden. Das einzig Positive daran ist, dass Trump keine Ideologie hat, er ist ein leeres Gefäss, umgeben von Leuten, die ihm Ideen eintrichtern, und nur die Ideen zählen, die Trump ins Licht stellen.

Wurde das demokratische System der USA nicht eigens gebaut, dass es genau so etwas aushält?
Ja, wir haben ein System der Gewaltenteilung. Es ist ziemlich schwer, das auszuhebeln. Ich glaube nicht, dass Trump das schon getan hat. Wir haben eine unabhängige Justiz. Wenn Trump und sein Justizminister Jeff Sessions über die Richter herziehen, weil ihnen ihre Urteile nicht schmecken, stärkt das die Entschlossenheit der Richter nur. Doch wenn Trump beschliesst, die Richter zu ignorieren, dann rasseln wir in eine Verfassungskrise. Denn ein Richter kann allein nicht viel tun, um seine Urteile durchzusetzen.

Würde der Kongress, die andere Säule der US-Demokratie, so eine Krise nicht verhindern?
Unser Kongress funktioniert nicht mehr. Seine Popularität ist niedriger als die des Präsidenten, und der hat die schlechtesten Beliebtheitswerte der Geschichte. Der Kongress interessiert sich im Moment nur dafür, alles zu tun, um das Erbe der Demokraten auszuradieren. Zur gleichen Zeit können sie sich nicht darauf einigen, welche Uhrzeit es ist.

FILE - In this March 15, 1973, file photo President Nixon tells a White House news conference that he will not allow his legal counsel, John Dean, to testify on Capitol Hill in the Watergate investigation and challenged the Senate to test him in the Supreme Court. A feisty Nixon defended his shredded legacy and Watergate-era actions in grand jury testimony that he thought would never come out. On Thursday, Nov. 10, 2011, it did. (AP Photo/Charles Tasnadi, File)

Nixon mochte die Medien nicht Bild: AP

Aber sie ermitteln doch wegen des russischen Hacking-Skandals und der Russland-Connections zu Trumps Wahlkampfteam.
Es gibt viele Trump-Unterstützer im Kongress, die bremsen die Ermittlungen. Sie wollen keine Probleme verursachen.

Der Senat auch? Der scheint doch auf ziemlich überparteiliche Ausschuss-Anhörungen zuzusteuern.
Der Senat ist ein bisschen unabhängiger als das Repräsentantenhaus, aber nicht sehr.

1973 sagten Sie selbst im Watergate-Ausschuss aus. Nixons Rücktritt wurde aber schliesslich wegen der Tonbandaufzeichnungen erzwungen. Sehen Sie einen ähnlichen Ablauf für den Russlandskandal voraus?
Dank der totalen Überwachungspraxis unserer digitalen Ära wurden viele Gespräche, die mit dem russischen Hacking zu tun hatten, abgehört, und jetzt tauchen die Transkripte auf. Trotzdem wissen wir noch nicht, was es an Beweisen gibt. Aber wir wissen, dass Trump lügt. Wir haben es mit einem endlosen Strom aus Täuschungen, erfundenen Geschichten und regelrechten Lügen zu tun. Es ist klar, dass er jegliche Komplizenschaft leugnen würde. Um ihn ins Gefängnis zu bringen, bräuchte man ziemlich solide Indizien, die bestätigt werden könnten.

Wann können wir also wieder besser schlafen?
Ich habe gelernt, dass das Land es ganz gut aushält, wenn keiner am Steuer ist. Das habe ich während Watergate erlebt. Die Regierung lief ziemlich gut, auch ohne Nixon. Hoffentlich werden wir uns durchwursteln.

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15
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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 28.04.2017 07:13
    Highlight Highlight ...
    Das Resultat sehen wir heute:
    Die Rassenunruhen mit den Schwarzen flammen erneut auf. Die Afro-Amerikaner und die Minderheiten finden sich nach der Wahl von Trump in einem wahr gewordenen Alptraum wieder, mit einem sich neu formierenden Apartheid-Staat, in dem ein gnadenloser Klassenkampf von oben nach unten tobt, mit Reichen und Super-Reichen, die sich getragen von einem Rechtsnationalen Wutbürger-Mob Steuererleichterungen zuschanzen und die Hälfte der Bevölkerung zum Inneren Feind erklären.
    (siehe auch die Türkei unter Erdogan, der anstelle von Schwarzen Kurden zu Sündenböcken stempelt.)
  • rodolofo 28.04.2017 07:04
    Highlight Highlight Mit dem Sieg über Nazi-Deutschland hat der US-Faschismus die weltweite Führung übernommen.
    Dieser Wohlstands-Faschismus ist wesentlich raffinierter, als der hässliche Militarismus von Hittler, da er auf der Droge Konsum aufbaut.
    Anders als die Deutschen, die sich ihrer dunklen Vergangenheit stellten und so eine Aufarbeitung und einen Neuanfang schafften, sahen sich die USA als Siegermacht nie genötigt, eine solche Gesellschaftliche Psychotherapie durchzumachen.
    ...
  • ujay 28.04.2017 05:45
    Highlight Highlight Anspruch und Realität laufen bei Trump nach 100 Tagen Amtszeit 180° auseinander. Ein Faktencheck seiner möchtegern- Vorhaben und was daraus geworden ist bis heute, entlarvt ihn als Ankündigungs- Clown. Grosse Klappe, nichts dahinter.
  • Taggart 27.04.2017 23:17
    Highlight Highlight Ist es nicht das Wesen der Demokratie, dass auch Inkompetente mitbestimmen dürfen, können und sollen? Trump als Präsident befindet sich in einem Lernprozess. Prognose: Die Tage 101 bis 200 werden eine bessere Bilanz aufweisen.
    • Obsidian 28.04.2017 01:41
      Highlight Highlight @Taggart: In einer Demokratie dürfen, können und sollen auch inkompentente mitbestimmen. Aber was, wenn ein Vollidiot zum President gewählt wird? Traust Du eine genaue Prognose mit diesem Fähnchen im Wind? Also in den nächsten 100 Tagen: Mauer auf Kosten von Mexiko gebaut, Steuern abgebaut, keine "Aliens" mehr, Krankenversicherung für alle weg! Make Trump Great! Again fällt weg, war er nie, und wird es nie sein.
    • Juliet Bravo 28.04.2017 02:37
      Highlight Highlight Stimmt. Frei nach Farner (heute grosse Lobbying Firma) kann Farner aus jedem Härdöpfelsack einen Bundesrat machen.
    • ujay 28.04.2017 05:40
      Highlight Highlight @Taggart. Inkompetente können an der Urne mitbestimmen, aber sicher nicht als Präsident einer Grossmacht...so ein Schwachsinn.
  • Troll Ololol 27.04.2017 22:33
    Highlight Highlight Mr. Dean hat einen klaren, realistischen Blickwinkel. Finde die Antworten sehr stark formuliert.
  • Hohl mich der Teufel 27.04.2017 20:49
    Highlight Highlight Für mich waren es die schlimmsten hundert Tage, weil man immer wieder seinen schrecklichen Mund ansehen musste, den er vorwiegend zu einem Anus formt und aus dem schlussendlich nur Scheisse kam.
    • TanookiStormtrooper 27.04.2017 21:20
      Highlight Highlight
      User ImagePlay Icon
    • Zerpheros 27.04.2017 23:10
      Highlight Highlight *pröt*
  • zombie woof 27.04.2017 20:05
    Highlight Highlight Das waren die schlimmsten 100 Tage...kein Wunder, hat ja vorher auch noch nie so einen Vollpfosten als Präsidenten gegeben
    • Jonas Schärer 27.04.2017 23:42
      Highlight Highlight Also Nixon als gestandener Alki war da schon recht nah dran...
    • ubu 28.04.2017 00:25
      Highlight Highlight ich muss etwas gestehen: ich like alles von zombie woof, weil der name und das bild so geil sind. ich lese nicht mal seine texte. von mir aus könnte er auch mitten auf der fifth avenue ...
    • Hayek1902 28.04.2017 02:10
      Highlight Highlight Nixon war immer noch ein x-fach fähigerer Politiker, trotz all seinen menschlichen Fehlern. Was nicht heisst, dass ich ihn mir zurückwünsche.

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