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Fotograf Sebastião Salgado: «Wir als Spezies scheinen unsere Selbstzerstörung zu betreiben»

Vor gut 20 Jahren reiste Sebastião Salgado um den Globus, um das Elend von Flüchtlingen zu dokumentieren. Jetzt bringt der Fotograf seine Bilder neu heraus. Und stellt fest: Geändert hat sich nichts.

04.08.16, 22:39 05.08.16, 07:24

Marc von Lüpke

Ein Artikel von

Neugierig blickt die Frau in die Kamera. Auf dem Kopf trägt sie ihre Habseligkeiten, auf dem Rücken ihr Kind, als sie die klapprige Brücke von Dona-Ano über den Fluss Sambesi überquert. Rebellen hatten das Bauwerk im mosambikanischen Bürgerkrieg zum Teil zerstört, jetzt im Jahr 1994 herrscht nach Jahrzehnten endlich wieder Frieden in dem afrikanischen Land.

Wohin sie wolle, fragt der Fotograf Sebastião Salgado die Mutter, die wie Zehntausende andere mosambikanische Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten Tansania und Malawi in ihre Heimat zurückkehren will. In die Ortschaft Sena, gleich auf der anderen Seite der Brücke? Oder etwas weiter, nach Beira, gut 300 Kilometer entfernt? «Nein», antwortet die Frau. Sie will in die Hauptstadt Maputo – über tausend Kilometer weiter südlich.

Ob die junge Frau in dem vom Krieg verwüsteten Land jemals ihr Ziel erreichte? Sebastião Salgado hegte daran keinen Zweifel, wie er 2001 im Gespräch mit dem «Tagesspiegel» sagte. Für seinen Bildband «Migranten» war der brasilianische Starfotograf ab 1993 sieben Jahre um die Welt gereist.

Tote, Nacht für Nacht

Was er mitbrachte, waren Bilder des Grauens. Leichenberge im damaligen Zaire, wo tausende Flüchtlinge aus Ruanda Nacht für Nacht an Seuchen starben. Vertriebene des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, direkt vor der Haustür der Europäischen Gemeinschaft. Und immer wieder Menschen in Südamerika, Afrika oder Asien, die Armut in die Grossstädte trieb – voller Hoffnung auf ein besseres Leben. Und die in der Regel bitter enttäuscht wurden.

Fast 20 Jahre später bringt Sebastião Salgado dieses Werk unter dem Titel «Exodus» neu heraus, ebenso den parallel entstandenen Bildband «Kinder». Seine eindringlichen Schwarz-Weiss-Fotografien haben nichts von ihrer Aktualität verloren. Noch immer ertrinken Menschen im Mittelmeer beim Versuch, Europa zu erreichen. Noch immer vertreiben Hunger und Armut, Krieg und Krisen Millionen Menschen aus ihrer Heimat.

Die Bilder sind ähnlich, nur die Gesichter haben sich geändert. «Als Spezies scheinen wir unsere Selbstzerstörung zu betreiben», schreibt Salgado im Vorwort von «Exodus». Und kämpft mit seinen Bildern für Menschlichkeit: «Wir können es uns nicht leisten, den Blick abzuwenden.»

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 05.08.2016 01:22
    Highlight Wer seine Brötchen mit Fotos von armen Leuten verdient, ist ein Schuft.
    3 58 Melden
    • Scaros_2 05.08.2016 07:06
      Highlight Kannst du das auch erläutern? Ich finde man muss auch das Elend in der Welt dokumentieren und festhalten. Und klar hängt irgendwo Profit darin er muss ja auch über die Runde kommen und ich bin mir sicher er macht auch andere Bilder. Aber es ist schon gut Werke neu herauszubringen einfach um pragmatisch zu sagen.

      Still the same shit on earth.
      21 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.08.2016 09:03
      Highlight Könnte man so sehen, Spooky. Wenn man sich aber etwas ausführlicher mit Salagados Arbeit auseinandersetzt, merkt man etwas: Es war nie die Profitgier, die ihn das machen liess. Im Gegenteil ging er unglaublich respektvoll und behutsam um mit den Menschen, welche er dort antraf.

      In diesem Zusammenhang auch sehr zu empfehlen ist der Film "The Salt of the Earth". Da spürt man schon ein bizli Salgado raus.
      9 0 Melden
    • Spooky 05.08.2016 15:17
      Highlight @Scaros_2. Dieser Artikel ist eine billige Lobhudelei an einen Starfotografen des Elends. Kein einziger kritischer Satz! Aber die Profiteure des Elends, die Fotografen, die Kriegsreporter und Kriegsfotografen usw. bilden zusammen mit den Hilfwerken und den Medien eine weltweite, starke Lobby. Fotos wie diese sind im globalen kapitalistischen System eingebettet und bringen nur viel Geld jenen, die schon genug haben: Den Medien, den Hilfswerken und ihren Mitarbeitern, all den Profiteuren des Elends. Die Elenden verrecken weiterhin, während diese Fotos gekauft werden.
      0 7 Melden
    • Spooky 05.08.2016 18:50
      Highlight @Elias Meile. "Vor gut 20 Jahren reiste Sebastião Salgado um den Globus, um das Elend von Flüchtlingen zu dokumentieren. Jetzt bringt der Fotograf seine Bilder neu heraus. Und stellt fest: Geändert hat sich nichts."

      Dieser Salgado sagt ja selber genau das, was ich auch sage: Seine fotografisch genialen Fotos von armen Leuten, die im Elend leben, nützen nur ihm, dem Fotografen. Denn: "Geändert hat sich nichts." Ausser für ihn selber: er lernt durch seinen Erfolg berühmte Leute kennen, die dafür sorgen, dass er Preise bekommt.

      0 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 04.08.2016 23:48
    Highlight Die Politiker trimmen uns ständig auf Krieg und die Medien machen fleissig mit. Ständig wird uns erzählt, dass wir den Menschen helfen, in dem wir ihr Land Bombardieren und Waffen schicken. Solange wir auf soche Leute hören, wird es nie Frieden geben.
    35 1 Melden
  • Mrum 04.08.2016 23:25
    Highlight Wuchtige Werke!
    Sehr zu empfehlen ist auch der Dokumentarfilm über sein Lebenswerk 'Das Salz der Erde' (The Salt of the Earth, 2014)
    23 1 Melden

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