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Schattenseiten des Ölreichtums: Im Niger-Delta in Nigeria sind grosse Landstriche verseucht.
Bild: TIFE OWOLABI/EPA/KEYSTONE

Weltgrösste Putzaktion beginnt: So lange dauert die Säuberung des ölverseuchten Niger-Deltas

03.06.16, 01:10 03.06.16, 07:37

Die nigerianische Regierung hat die bislang grösste Säuberungsaktion im ölverseuchten Niger-Delta gestartet. Vize-Präsident Yemi Osinbajo gab am Donnerstag bei einer Zeremonie in Ogoniland den Startschuss für das auf eine Milliarde Dollar geschätzte Programm, das laut UNO bis zu 30 Jahre dauern könnte. 

Das ehrgeizige Projekt ist eine Antwort auf einen Bericht des UNO-Umweltprogramms UNEP von 2011. Damals hatte die Behörde geurteilt, nach einer Reihe von Ölverschmutzungen benötige die Region im Bundesstaat Rivers den wohl grössten Säuberungseinsatz der Welt. Kostenpunkt laut UNEP: 1 Milliarde US-Dollar.

UNEP empfahl die Einrichtung eines Sonderfonds, in den die Ölunternehmen und die nigerianische Regierung eine Milliarde Dollar einzahlen sollten.

Ziel von Angriffen

Eigentlich hätte Staatschef Muhammadu Buhari bei der Zeremonie zugegen sein sollen, er sagte jedoch sein Kommen in die Region kurz zuvor ohne Angaben von Gründen ab. Dafür waren Fussballnationalspieler Joseph Yobo und Miss Nigeria Pamela Lessi anwesend.

Ölfilm auf dem Wasser nahe einer illegalen Ölraffinerie im nigerianischen Ogoniland. Bild: Sunday Alamba/AP/KEYSTONE

Im Niger-Delta gab es zuletzt verstärkt Angriffe militanter Aktivisten auf wichtige Einrichtungen der Ölindustrie. Eine neue Rebellengruppe namens Niger Delta Avengers (NDA), die die Säuberung des Niger-Deltas fordern, hat sich zu den Attacken bekannt, die Armee spricht von «Wirtschaftsterroristen».

Der britisch-niederländische Konzern Shell kündigte bei der Zeremonie am Donnerstag an, er wolle sich an dem Programm in Ogoniland beteiligen. Shell wolle mit allen Beteiligten an der Umsetzung des UNEP-Berichts zusammenarbeiten, sagte der Konzern-Vertreter Osagie Okunbor.

Grösster Ölproduzent Afrikas

Das westafrikanische Nigeria ist der grösste Ölproduzent des Kontinents, Shell ist dort traditionell einer der grössten Ölförderer. Aus Ogoniland musste sich der Konzern 1993 angesichts von Unruhen zurückziehen.

Anfang 2015 wurde Shell von einem britischen Gericht dazu verurteilt, Fischern und Bauern im Nigerdelta eine Entschädigung von umgerechnet 77 Millionen Franken zu zahlen. Damit wurde ein Streit über die Folgen von zwei Ölkatastrophen im Jahr 2008 aussergerichtlich beigelegt. (kad/sda/afp)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Menel 03.06.2016 07:39
    Highlight Meiner Meinung nach, sollten nur die Ölfirmen, die sich über Jahre mit der Ölförderung bereichert und das Delta verschmutzt haben, für die Reinigungskosten aufkommen!
    5 0 Melden
  • azoui 03.06.2016 07:20
    Highlight Nach 30 Jahren wird dieses Delta immer noch verschmutzt sein, die 1 Milliarde $ werden jedoch irgdend wo im Schlick versickert sein
    4 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 03.06.2016 07:51
      Highlight Woher hast du diese prognostische Sicherheit?
      2 2 Melden
    • azoui 04.06.2016 20:30
      Highlight So läuft das in unserer Welt, Joel. Dazu braucht es keineprognostische Sicherheit.
      0 0 Melden

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