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Kapstadt verdurstet: Bürger fürchten «Stunde Null» mit Wasserstopp

In Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt herrscht eine verheerende Dürre. Das Wasser wird nun drastisch rationiert.



Kapstadts Einwohner dürfen seit Anfang Jahr im Schnitt laut Stadtverwaltung nur noch 87 Liter Wasser pro Tag verbrauchen – und das zum Trinken, Waschen, Kochen, Putzen und Klospülen. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der Wasserverbrauch pro Kopf allein für die WC-Spülung bei rund 42 Litern am Tag. Ein Bad benötigt 150 Liter Wasser.

Die Swimmingpools sind schon lange trocken. Gärten dürfen seit Monaten nicht mehr gewässert, Autos nicht gewaschen werden. Dabei hat gerade erst die trockene Sommerzeit begonnen. Regen wird erst im Mai oder Juni erwartet – wenn überhaupt.

Ende April droht die «Stunde Null»

Wenn es nicht bald regnet, droht Ende April die «Stunde Null», in der die Stadt das Wasser abstellen muss. Dann müssten sich die rund 4,5 Millionen Einwohner ihr Wasser unter Aufsicht von Militär und Polizei an 200 Verteilungspunkten abholen.

Image

Auf einer städtischen Website können Bürger in Echtzeit verfolgen, wann die «Stunde Null» schlagen wird; momentan am 29. April 2018.

Bürgermeisterin duscht nicht mehr jeden Tag

Täglich würde es dann in einer der entwickeltsten Städte Afrikas nur noch 25 Liter Wasser pro Person geben – das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Minimum zur Aufrechterhaltung von Gesundheit und Hygiene.

Bürgermeisterin de Lille sagt, um Wasser zu sparen, dusche sie nicht mehr jeden Tag und komme auch mal mit fettigen Haaren ins Büro. Doch wenn nicht schnell mehr Wasser gespart wird, könnte sich die Stadt mit der «Stunde Null» trotzdem in ein Katastrophengebiet verwandeln. 

«Wenn es schlimmer wird, ziehen wir weg. Das ist doch keine Art zu leben.»

Rentner in Kapstadt

Wasserverbrauch halbieren

«Wir versuchen alles, um die »Stunde Null« zu verhindern, doch dafür müssen wir unsere Beziehung zu Wasser grundsätzlich ändern», warnt Kapstadts Bürgermeisterin Patricia de Lille. «Wir haben nicht mehr viel Zeit, unseren Wasserverbrauch zu reduzieren», sagte sie bei der Ankündigung der neuen Massnahmen. «Wir müssen es jetzt tun.»

Um die «Stunde Null» noch abzuwenden, hat die Stadtverwaltung den erlaubten Wasserverbrauch ab 1. Januar nun von 20'000 Litern auf 10'500 Liter pro Haushalt halbiert. Haushalte mit mehr als vier Personen können allerdings eine Sondergenehmigung für höheren Wasserverbrauch beantragen.

Wasser in Stauseen reicht nicht

Schon jetzt sind die Stauseen, die Kapstadt mit Wasser versorgen, nur noch zu einem Drittel voll, die Region wurde schon vor Monaten zum Katastrophengebiet erklärt. «Wenn der Wasserspiegel auf unter 13 Prozent sinkt, drehen wir die Wasserhähne zu», droht de Lille.

Nur die dicht besiedelten Armengebiete rund um Kapstadt würden von extremen Massnahmen ausgeschlossen, da dort das Risiko von Krankheitsausbrüchen zu hoch sei.

«Es ist klar, dass das Wasser an den Staudämmen, die die Stadt versorgen, bis zum nächsten Regen nicht ausreichen wird», warnt Piotr Wolski, ein Klimaforscher der Universität Kapstadt. Daher müsse der Wasserverbrauch stark rationiert werden.

Auswirkungen des Klimawandels

Die Ursachen der Krise haben nach Angaben von Forschern der Universität Kapstadt mehr mit den Auswirkungen des Klimawandels als mit schlechter Planung der Stadt zu tun. Kapstadt liegt in einer zunehmend trockenen Provinz, dem Westkap, in der sich das Wetter in den vergangenen Jahren dramatisch verändert hat. Zudem verursacht das Klimaphänomen El Niño in der Region extreme Trockenheit.

Zahlreiche auf Wasser angewiesene Betriebe wie Gärtnereien und Autowaschanlagen sind pleitegegangen. Auch die Landwirtschaft im Westkap habe in dieser Ernte-Saison Verluste in Millionenhöhe verzeichnet, sagt Regierungsvertreter Graham Paulse.

Die Zwiebelernte sei um die Hälfte geschrumpft, die Obsternte soll um 20 Prozent zurückgehen, die Weinernte um fünf Prozent. Rund 50'000 Arbeitsplätze sollen aufgrund der Dürre bedroht sein.

Regenwassertanks ausverkauft

Viele Bürger versuchen, sich von der städtischen Wasserversorgung zumindest teilweise unabhängig zu machen. Sie installieren Systeme zur Wasserwiederverwertung und lassen Brunnen graben. Regenwassertanks sind überall ausverkauft.

An zwei natürlichen Quellen am Stadtrand drängeln sich täglich Dutzende Einwohner, um Wasserkanister aufzufüllen. «Wenn es schlimmer wird, ziehen wir weg. Das ist doch keine Art zu leben», klagt Yusuf Manjee, ein 68-jähriger Rentner, als er zahlreiche Plastikflaschen auffüllt.

Dürresteuer

Gleichzeitig versucht die Stadt, die Wasserversorgung durch eine Reihe von Meerwasserentsalzungsanlagen, Wasserrückgewinnung und Grundwasserentnahmen zu verbessern. Auch ist in vielen Stadtteilen der Wasserdruck reduziert worden, um den Verbrauch zu senken.

Ab Februar erwägt die Stadt die Einführung einer «Dürresteuer», die Hauseigentümern je nach Immobilienwert eine gestaffelte Zulage abverlangt. Auf diesem Wege will de Lille über die nächsten vier Jahre umgerechnet 260 Millionen Euro für die Ausweitung der Wasserinfrastruktur gewinnen. (whr/sda/dpa)

Trockenheit Ost-Afrika: Mensch und Tier leiden

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Video: srf

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41
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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Waedliman 03.01.2018 16:13
    Highlight Highlight Als wäre es nur der Klimawandel. Würde man Wasser nicht so grosszügig verschwenden, gäb es diese Knappheit wahrscheinlich nicht. Aber wenn man 100.000 Liter am Tag auf einen einzigen Golfplatz kippt, muss man sich nicht wundern, wenn die Stauseen leer sind.
  • Xi Jinping 03.01.2018 14:30
    Highlight Highlight Eine ernst gemeinte Frage: Wieso gibt es keine grossen entsalzungsanlagen, die Meerwasser in Trinkwasser umwandeln?
    • DingoAteMyBaby 03.01.2018 14:48
      Highlight Highlight Geld. Entsalzungsanlagen verbrauchen ne Menge Energie
    • Xi Jinping 03.01.2018 14:53
      Highlight Highlight meiner Meinung nach sollte das menschliche wohl oder bessergesagt das menschlich sein über dem Geld stehen. leider ist das ein Teufelskreis mit der Energie. kein wasser im speicher = keine Energie, keine Energie = kein wasser...
    • Posersalami 03.01.2018 15:32
      Highlight Highlight Die gibt es schon, aber die sind einfach sau teuer und benötigen unfassbare Mengen an Energie. Die kann natürlich zB. Solar erzeugt werden, mit allen Vor- und Nachteilen dieser Technologie.

      Hier hat mal jemand für die MENA Region ausgeknobelt, was das heissen würde:
      http://www.dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/documents/AQUA-CSP_Zusammenfassung.pdf

      Dabei gilt halt auch immer, dass diese Kapazität zusätzlich zur anzustrebenden Energiewende zugebaut werden muss. Wie soll das ein Land mit einem BIP von ca 5300$/Kopf bezahlen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Posersalami 03.01.2018 13:58
    Highlight Highlight In diesem Zusammenhang interessant:

    China fängt ansatzlos damit an, gewisse Spritfresser zu verbieten:
    https://tinyurl.com/yamj8okw
    Das wird erst der Anfang sein, nächstes Jahr wird die Liste erweitert.

    China reduziert die Energiegewinnung aus Kohle weitaus stärker, als angekündigt:
    https://tinyurl.com/ybv6af9l

    Nicht, dass ich China grundsätzlich super toll finden würde, aber gegen die Verseuchung der Atmosphäre und den Ausbau von EE wird wirklich etwas unternommen. Ganz im Gegensatz zu den sog. "Westlichen Länder" wo man sich ja über bereits Stagnation freuen muss.
  • Donald 03.01.2018 13:03
    Highlight Highlight Man könnte vielleicht mal bei ein paar Staaten am Persischen Golf fragen, wie man das mit der Wasserversorgung machen könnte.
    • Posersalami 03.01.2018 13:50
      Highlight Highlight Meerwasser zu entsalzen braucht unglaublich viel Energie und ist definitiv kein Modell für die Zukunft, jedenfalls nicht für die Fläche. Damit heizt man die Atmosphäre nur noch mehr auf, was zu noch mehr Trockenheit führt.

      Das einzige was noch helfen könnte wäre, wenn diejenigen mit dem höchsten Ausstoss an Schadstoffen diesen Ausstoss massiv (!!!) senken. Da das aber uns betrifft wird das kaum passieren. Aus Gründen.
  • Posersalami 03.01.2018 12:19
    Highlight Highlight Der Beginn einer rasend schnellen Entwicklung, die Europa Millionen von neuen Migranten aus Ausland bringen wird. Dazu werden noch Millionen weiterer Menschen aus dem südlichen EU Raum kommen weil ihre Heimat unbewohnbar geworden ist. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/spanien-und-sued-frankreich-klimawandel-koennte-suedeuropa-austrocknen-a-1118546.html

    All das wird seit Jahrzehnten prognostiziert und wird wohl auch so eintreffen. Leider ist dank der Konservativen ein Einlenken nicht möglich.
    • derEchteElch 03.01.2018 12:29
      Highlight Highlight „Leider ist dank der Konservativen ein Einlenken nicht möglich“

      So? Ich würde sagen, dass dank den Konservativen Europa nicht so offen ist wie Linke es gerne hätten und dass alle ungehindert kommen.

      Europa kann nicht alle Menschen der Welt aufnehmenund muss das auch nicht.
    • Posersalami 03.01.2018 13:46
      Highlight Highlight DerEchteElch zeigt hier im Prinzip wieder wunderbar, wie Faschisten Denken. Beim erschienen einer nicht Stammtisch-tauglichen Meinung wird sofort reflexartig gegen Links und "alle, die ungehindert kommen wollen" gehetzt, obwohl man nur ein plausibles und wahrscheinliches Zukunfsszenario zitiert hat.

      Nehmen sie sich doch wenigstens 10min und lesen sie den verlinkten Artikel. Wenn die Mittelmeerregion austrocknet, wo gehen dann die x Millionen Menschen hin? Nach Südafrika (das auch gerade austrocknet) oder nach Mittel- und Nordeuropa, wo es noch Wasser gibt? Na?
    • _kokolorix 03.01.2018 14:35
      Highlight Highlight Nein @Elch Europa kann und muss nicht alle Menschen der Welt aufnehmen. Aber Europa könnte aufhören die südlichen Länder auszubeuten, nur damit die reichsten 20% hier sich endlich goldene Kloschüsseln, einen Fünftwagen oder ein Privatflugzeug leisten können.
      Und genau das wollen die 'vernünftigen' konservativ bürgerlichen bis rechten Parteien weiter vorantreiben, koste es was wolle. Und die Hauptbeschissenen wählen sie mit Begeisterung...
    Weitere Antworten anzeigen
  • David Schweizer (1) 03.01.2018 12:08
    Highlight Highlight Liebes Watson-Team
    Die 87 Liter sind nicht mehr ganz korrekt. Diese Menge hat noch bis Ende 2017 gegolten. Nun wurde es jedoch auf 40L reduziert. Einzig in den Townships gelten diese Regelungen nicht, da schwere Krankheitsausbrüche wenn nicht sogar Seuchen als Folge auftreten könnten.
  • marcog 03.01.2018 12:03
    Highlight Highlight Es wird interessant (und vermutlich beänstigend) zu sehen, was passiert, wenn man wegen den veränderten Umweltbedingungen eine Millionenstadt verlassen muss. In Kalifornien und anderen Orten wird es in ein paar Jahren wohl auch so weit kommen. Wirtschaftskriese? (Bürger)krieg? Anarchie?
    • Posersalami 03.01.2018 13:18
      Highlight Highlight Egal was passieren wird, es ist klar dass diese Flüchtlinge dann für alles Böse der Welt am Zielort herhalten müssen. Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Die rechten Populisten können das immer ganz wunderbar ausschlachten.
    • _kokolorix 03.01.2018 14:42
      Highlight Highlight Nein, es wird weder Anarchie noch Bürgerkrieg geben. Die Reichen werden sich in Reichenghettos verstecken, beschützt von brutalen Mörderbanden, wie sie es seit Jahrzehnten in allen Entwicklungsländern tun. Die ansteigende Kriminalität werden sie mit härteren Gesetzten und Strafen einzudämmen versuchen. Aber nie und nimmer werden sie auf Privilegien verzichten, sie werden sich auch dann noch als etwas Besseres empfinden wenn sie von einem wütenden Mob gelyncht werden...
  • ShadowSoul 03.01.2018 11:31
    Highlight Highlight Unglaublich...
  • Therealmonti 03.01.2018 11:05
    Highlight Highlight Climate Change? Global Warming? Fake news, Mr. Trump!
  • derEchteElch 03.01.2018 11:04
    Highlight Highlight Ja, mit Wasser soll man eben nicht spielen.

    Da gibt es Grosskonzerne, die in Afrika Brunnen bohren und grosse Grundstücke kaufen, um das dortige Wasser in Flaschen anderswo verkaufen zu können.

    Wasser ist ein Allgemeingut und darf nicht privatisiert werden. Der Umgang muss sparsamer und geschult, die Aufbereitung verbessert werden.
    • öpfeli 03.01.2018 12:54
      Highlight Highlight Warum nennst du sie nicht beim Namen? Es ist unter allem was z.B Nestle veranstaltet mit dem Wasser.
      Und die Konsumenten schieben dem ... Konzern noch fleissig weiter Geld in den Hintern.
    • pedrinho 03.01.2018 13:37
      Highlight Highlight "Da gibt es Grosskonzerne, die in Afrika Brunnen bohren"

      nicht nur in afrika, auch suedamerika und ich denke man darf allen anderen weit voran, Coca-Cola und Nestle durchaus beim namen nennen.
    • Olaf44512 03.01.2018 14:48
      Highlight Highlight Warum sollte ein Grosskonzern in Afrika (wo es fast kein Wasser gibt, ergo teuer ist Wasser zu beschaffen) Wasser abpumpen um es anderen Orten (wo es bereits Wasser gibt?) zu verkaufen? Das macht keinen Sinn. Auch nicht ökonomisch.
    Weitere Antworten anzeigen

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