International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Obama ein heuchlerischer Prediger gegen Waffengewalt? Grafiken zeigen: 247 grosse Schiessereien in 8 Monaten, die Zahl der Kleinwaffen wuchs seit seinem Amtsantritt massiv

02.10.15, 13:36 02.10.15, 14:17


epa04959709 President Barack Obama leaves the podium after speaking on the shooting at Oregon's Umpqua Community College, at the White House in Washington, DC, USA, 01 October 2015. A 20-year-old man opened fire on a community college campus on 01 October in the north-western US state of Oregon, killing a reported 13 people before law enforcement shot him dead, authorities said.  EPA/KEVIN DIETSCH / POOL

Obama wurde nach der Tat ungewohnt deutlich.
Bild: EPA/UPI / POOL

Ein Mann stürmt eine Schule und erschiesst neun Menschen – weitere wurden bei der Blutorgie schwer verletzt. Offenbar hat der Mann aus der Nachbarort von Roseburg seine Tat auf Social-Media-Kanälen angekündigt – und Äusserungen des Schützen während des Amoklaufs deuten auf eine religiös motivierte Tat hin. 

Es ist ein so reflexartiges wie rituelles Schauspiel: Der Mord ruft die Gegner der laxen Waffengesetze in den USA ebenso auf den Plan wie die Lobby der Waffenhersteller.

Während Letztere kurz nach dem Amoklauf forderten, Schüler wie Lehrer müssten allesamt mit einer Waffe ausgestattet, appellierten die Kritiker an US-Präsident Obama: Dieser richtet sich mit ungewohnt scharfen Worten an die Öffentlichkeit: 

«Unsere Gedanken und Gebete sind nicht genug. Sie werden nicht verhindern, dass es wieder ein solches Gemetzel in Amerika geben wird – nächste Woche oder in ein paar Monaten.»

Schon wieder sei eine Gemeinde von Trauer überwältigt, so Obama. Die USA seien das einzige fortschrittliche Land, das alle paar Monate eine neue Massenschiesserei erlebe. Und weiter:

«Es ist zur Routine geworden. Die Berichterstattung ist Routine. Meine Reaktion hier auf diesem Podium ist letztendlich Routine. Wir sind abgestumpft.»

Obama nimmt Stellung – die ganze Rede

YouTube/Egberto Willies

Mehr Waffen, weniger Tote?

Mehr Waffen, weniger Tote: Diese Behauptung, propagiert von der US-Waffenlobby NRA und ihren erkauften Kongressmitgliedern, ist längst widerlegt. Eine neue Studie beweist, dass sich von 134 untersuchten Massakern zwischen Januar 2009 und Juli 2015 mehr als zwei Drittel (91) an Orten ereigneten, wo das Tragen von Waffen erlaubt ist. US-Bundesstaaten mit strengeren Gesetzen dagegen haben weniger Vorfälle. (spon)

Tatsache ist: Obama untertreibt masslos, wenn er von einer «neuen Massenschiesserei alle paar Monate» spricht: Seit er Präsident ist, verging keine Kalenderwoche ohne ein solches Massaker. Freilich ist die Zahl Waffen gemäss einer Statistik, in die Verkaufszahlen, Background-Checks und ähnliche Erhebungen einfliessen, seit Beginn seiner Amtszeit 2008 stark angestiegen.

Dieser Wert muss allerdings mit kritischer Distanz betrachtet werden, weil in den Vereinigten Staaten keine Datenbank existiert, in der sämtliche Waffenbesitzer vermerkt sind. Trotzdem wird klar: Die kolportierte Zahl der neuen Handfeuerwaffen war bereits vor Obamas Einzug ins Weisse Haus im Steigen begriffen, schwillt seit 2011 aber besonders sprunghaft an. Und diese konzentrieren sich immer mehr: Im gleichen Zeitraum hat die Zahl der Haushalte, in denen eine oder mehrere Waffen geführt werden, merklich abgenommen.

quelle: economist

Freude an der Obama-Administration dürften die beiden grössten Hersteller nicht-militärischer Waffen, die Unternehmen «Sturm Ruger» und «Smith & Wesson», haben. Dank des grossen Reibachs explodierten auch die Aktienkurse – um 700 respektive 450 Prozent.

quelle: economist

Wie eine Grafik der «Washington Post» zeigt, kam es in den ersten acht Monaten dieses Jahres zu knapp 250 grossen Schiessereien mit vier oder mehr Toten. An 24 Tagen in diesen acht Monaten starben bei jeweils drei oder mehr Schiessereien mindestens 12 Menschen.

quelle: washington post

Der «Economist» zeigt in einer weiteren Erhebung: Die grossen Schiessereien werden immer verheerender, sie fordern immer mehr Menschenleben. Die Daten basieren auf Statistiken des Stanford University Geospatial Centre, das sich wiederum auf FBI-Daten beruft.

quelle: economist

Trotz der jüngsten Bluttaten: Immer mehr US-Amerikaner verwehren sich gegen restriktivere Waffengesetze. Befürworteten 1959 noch 60 Prozent der Bevölkerung ein Verbot von Handfeuerwaffen, waren es 2014 nur noch 26 Prozent. Im Gegenteil: 63 Prozent stimmten voriges Jahr der Aussage zu, der Besitz einer Schusswaffe mache einen Haushalt sicherer.

quelle: economist

Hinter Mexiko belegen die USA bei der Mordrate Platz zwei aller OECD-Länder. Auf 100'000 Personen kamen 2012 etwa 4,7 Morde, was einem Rückgang gegenüber 2011 entspricht. 2015 wird aber wieder ein Anstieg befürchtet.

quelle: economist

Eine Karte der Website Vox zeigt eine Übersicht über sämtliche grossen Schiessereien in den USA seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School in der US-Kleinstadt Newtown am 14. Dezember 2012. Damals starben 28 Menschen.

=> Hier geht es zur interaktiven Karte.

quelle: twitter

Eine Gegenüberstellung der Zahlen jener US-Bürger, die Opfer terroristischer Gewalt geworden sind und jener, die bei einem Schusswaffen-Delikt innerhalb des Landes ums Leben gekommen sind, zeigt: Es erlagen 2011 635 mal mehr Menschen einem nicht-terroristischen Schusswaffen-Delikt als einem klar terroristisch motivierten Mordanschlag.

=> Hier geht es zur interaktiven Grafik.

quelle: vox

(tat)

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pana 02.10.2015 17:09
    Highlight Ziemlich zynischer Titel. Obama in dem Zusammenhang als heuchlerisch zu bezeichnen, ist doch sehr realitätsfremd.
    13 2 Melden
    • holymoly 02.10.2015 17:27
      Highlight fragezeichen übersehen?
      2 5 Melden
  • Asmodeus 02.10.2015 15:57
    Highlight Spätestens seit 9/11 (eigentlich schon vorher) wird die amerikanische Bevölkerung in einer andauerenden Aura der Angst gefangen gehalten.

    Die Medien und Politiker verbreiten Angst vor Terroristen, vor Immigranten und vor Menschen anderer Hautfarbe.

    In den ärmeren (oftmals Schwarzen und Latino)-Gebieten wird der Überlebenskampf und die Ganggewalt stärker, in den reicheren Gebieten fürchtet man sich immer mehr vor den Ärmeren. Ein Wettrüsten der amerikanischen Art.

    Und mittendrin werden Mobbingopfer und/oder Leute (sowie Psychos) die dieser Aura zum Opfer fallen zu Tätern mit Schusswaffen.
    14 1 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 02.10.2015 18:32
      Highlight Zitat irgendeiner Fox Reporterin (ka wie die hiess)

      " The Iran is the Devils home..."
      3 0 Melden
  • dracului 02.10.2015 14:43
    Highlight Warum wird hier wieder Obama kritisiert? Die NRA ist die mächtigste Lobby in den USA und hat starken Rückhalt in der (ländlichen) Bevölkerung. Das verfassungsmässige Recht Feuerwaffen zu besitzen, steht über dem Präsidenten. Wenn hier also jemand verurteilt wird, dann sind es die Leute, die sich gegen Obama stellen und keine Änderung wollen. Jeder Amoklauf ist letztlich nur ein Kollateralschaden, der Preis für den privaten Waffenbesitz.
    Die NRA hält diesen Preis für akzeptabel!
    35 4 Melden
  • Peter 02.10.2015 14:38
    Highlight Das bedarf einiger Präzisierungen: Nicht Obama verhindert schärfere Waffengesetze, sondern der republikanisch dominierte Kongress. Die Waffenverkäufe explodierten, weil die Gunfreaks nach Obamas Amtstantritt 2009 schärfere Gesetze fürchteten. Und weil viele meinten, sie müssten sich vor dem schwarzen Mann im Weissen Haus schützen.
    22 3 Melden
    • MaxM 02.10.2015 14:48
      Highlight Die Grundlage des freien Waffenbesitzes liegt aber in der US-Verfassung selber. Behauptet President Obama, etwas wirklich wirkungsvolles gegen die Waffenverbreitung unternehmen zu wollen, ist es nicht ganz ehrlich. Vielleicht will er das persönlich tatsächlich, die Verfassung anzupassen kann er aber nicht. Und nicht (nur) die Republikaner sind dran schuld.
      8 1 Melden
    • Peter 02.10.2015 15:01
      Highlight Allein kann Obama die Verfassung nicht ändern, das Prozedere ist sehr aufwändig. Verschärfungen und Einschränkungen aber sind möglich, man denke an die unter Bill Clinton verabschiedete Brady Bill. Im Endeffekt aber müsste sich die Mentalität vieler Amerikaner ändern, damit es nicht länger zu Massakern kommt. Ansätze dazu sind vorhanden, siehe der oben erwähnte Rückgang der Haushalte mit Waffen.
      9 2 Melden
    • MaxM 02.10.2015 15:28
      Highlight @Peter Es stimmt, dabei hat - so mind. meine Erfahrung - die Anzahl Waffen pro "waffenbesitz. Haushalt" eher zugenommen.
      Und eben: Würde Administration Obamas versuchen, die Einschränkungen mind. vorübergehend Einzuführen - diese Möglichkeit gibt es rechtlich, würde es NRA, Republikaner und auch demokratischen Obama-Gegner (und solche gibt es auch) erlauben, Obama vorzuwerfen, die die Grundlagen der US in Frage zu stellen. Und als Landesverräter will President Obama sicherlich nicht da stehen.
      5 3 Melden
  • peeti 02.10.2015 14:30
    Highlight Liebes Watson-Team, habt ihr Euch schon mal überlegt, dass der massive Anstieg von Kleinwaffen ev. mit Obamas Ziel, schärfere Waffengesetze einzuführen, zusammenhängen könnte?

    Viele Amis kauften sich ja gerade wegen einer drohender stärkeren Regulierung noch die eine oder andere Waffe. Im Nachhinein muss man aber sagen: Die haben ihre Politiker und Lobbysten unterschätzt.
    24 0 Melden

Sie will die Politik mit Frauen fluten – Meg Wolitzer, die Feminismus-Autorin der Stunde

#MeToo, die Brett-Kavanaugh-Hearings und Trump: Meg Wolitzers Roman «Das weibliche Prinzip» passt perfekt in die heutige Zeit.

An der Frankfurter Buchmesse von vergangener Woche hatte sie Auftritte auf prominenten Bühnen. Meg Wolitzer hat das Buch der Stunde geschrieben. Auch wenn das gar nicht ihre Absicht war. Dass sie sich mit weiblicher Macht, Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit, mit Deutungshoheit und dem Erlangen einer weiblichen Stimme auseinandersetzt und dass es die MeToo-Bewegung gibt, sei kein Zufall, sagt sie. Dass ihr Buch genau in diesem zugespitzten und beschleunigten Moment erscheine, hingegen schon.

Frau …

Artikel lesen