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Vor dem Tatort in Charleston werden hunderte Blumen, Stofftiere und Mitteilungen deponiert. Bild: RICHARD ELLIS/EPA/KEYSTONE

Charleston-Attentat: Dylann R. wird wegen Mordes angeklagt

19.06.15, 21:39 20.06.15, 15:20


Nach den Todesschüssen auf Afroamerikaner in einer Kirche in Charleston ist der mutmassliche Täter wegen neunfachen Mordes angeklagt worden. Weiterer Vorwurf ist der Waffenbesitz zur Durchführung eines Gewaltverbrechens.

Dies teilte die Polizei im US-Bundesstaat South Carolina am Freitag mit. Die Bundesbehörden ermitteln zudem gegen ihn wegen eines Hassverbrechens. Medien berichteten unter Berufung auf Ermittler, der 21-Jährige habe die Tat gestanden. Sein Motiv sei demnach gewesen, einen «Krieg zwischen den Rassen» zu starten.

Laut Berichten sei Freunden und Verwandten zuletzt immer häufiger seine feindliche Haltung gegenüber Schwarzen aufgefallen. Die Gouverneurin von South Carolina, die Republikanerin Nikki Haley, sprach sich dafür aus, den Täter mit dem Tode zu bestrafen.

Erste Anhörung

Der 21-Jährige wurde am Freitagnachmittag (Ortszeit) per Video vom Gefängnis aus zu einer kurzen Gerichtsanhörung zugeschaltet. Er stand dabei regungslos in einem Gefängnisraum, in gestreifter Sträflingskleidung und bewacht von zwei Polizisten. In kurzen Antworten auf Fragen des Richters teilte er sein Alter mit und erklärte, dass er arbeitslos sei.

Richter James Gosnell ordnete an, dass der Tatverdächtige in Haft bleibt. Die nächste Anhörung setzte Gosnell für den 23. Oktober fest. Mehrere Angehörige der Opfer gaben im Gerichtssaal emotionale Erklärungen ab. Richter Gosnell verwies in einer persönlichen Erklärung auch auf die Opfer auf der Seite der Familie des jungen Inhaftierten.

Amoklauf in Schwarzen-Kirche in Charleston

Schulabbrecher, Einzelgänger

US-Medien beschrieben den Täter als Einzelgänger, der 2010 seine Schulausbildung abgebrochen habe. In letzter Zeit sei er mehrmals mit der Polizei in Konflikt geraten, etwa wegen unerlaubten Besitzes von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Er habe häufig in seinem Auto geschlafen und sei wegen sonderbaren Verhaltens aufgefallen.

Ein Freund sagte der «New York Times», der mutmassliche Täter habe mehrfach geäussert, Afroamerikaner töten zu wollen. Mit Geld, dass ihm seine Eltern zum 21. Geburtstag geschenkt hätten, habe er sich eine Schusswaffe gekauft. Unklar war, ob er sich rechten Gruppen angeschlossen habe.

Der Verhaftete soll am Mittwoch in der historischen Emanuel-Methodistenkirche während einer Bibelstunde den Pastor und acht weitere Menschen erschossen haben. Er habe zunächst etwa 50 Minuten selbst an dem Treffen teilgenommen. Dann sei er aufgestanden, habe rassistische Sprüche von sich gegeben und auf die Teilnehmer geschossen, sagte eine Überlebende laut der Zeitung «Charleston Post and Courier».

Präsident Barack Obama beklagte im Anschluss an die Tat erneut die unbewältigten Probleme zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe in den USA und die laxen Waffengesetze. Auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte eine Reform des Waffenrechts. Oppositionspolitiker wiesen eine schnelle Politisierung des Vorfalls zurück.

Vorerst keine Proteste

Der mutmassliche Schütze war am Donnerstag bei einer Verkehrskontrolle festgenommen worden. Er wurde einem Richter vorgeführt und für die Untersuchungshaft und das Gerichtsverfahren nach South Carolina zurückgebracht.

Auch das Bundesjustizministerium nahm Ermittlungen auf. Es handelt sich um eines der schwersten möglicherweise rassistisch motivierten Verbrechen seit Jahren in den USA. In den Medien war auch von Inlandsterror («domestic terrorism») die Rede. Dabei wurde als Vergleich der Anschlag auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City vor 20 Jahren genannt, bei dem 168 Menschen starben.

Schwarze und Weisse trauerten in Charleston gemeinsam um die Opfer. Proteste blieben zunächst aus.

In der Metropole New York wurden indes die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Alle Kirchen, die hauptsächlich von Afroamerikanern besucht werden, würden mit zusätzlichem Personal bewacht, teilte Bürgermeister Bill de Blasio mit. «In New York hat Hass keinen Platz.» Es gebe aber keine konkreten Gefährdungshinweise, es handle sich lediglich um eine Vorsichtsmassnahme. (sda/dpa)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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