International

Assange geht gegen europäischen Haftbefehl in Berufung

10.08.16, 17:17

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange ist gegen die Entscheidung eines schwedischen Bezirksgerichts in Berufung gegangen, den gegen ihn erlassenen europäischen Haftbefehl aufrechtzuerhalten.

Assanges Anwalt Tomas Olsson sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, sein Mandant habe die Entscheidung am Dienstag angefochten. Der europäische Haftbefehl gegen Assange wurde 2010 erlassen, nachdem ihn eine Schwedin wegen Vergewaltigung angezeigt hatte.

Julian Assange versucht, einer Verhaftung zu entgehen. Bild: RODRIGO GARRIDO/REUTERS

Einvernehmlicher Sex oder nicht?

Die schwedische Justiz will ihn deswegen vernehmen. Der 45-jährige Australier sagt, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt, die Anschuldigungen weist er als politisch motiviert zurück.

Assange begab sich im Juni 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London, nachdem er in Grossbritannien alle Rechtsmittel gegen einen Antrag Schwedens auf seine Auslieferung ausgeschöpft hatte. Seitdem lebt er im Botschaftsgebäude auf beengtem Raum mit Bett, Computer und Balkonzugang.

Whistleblower

Assanges Anwalt sagte, in der Berufung werde auf die Erklärung einer UNO-Arbeitsgruppe vom Februar dieses Jahres verwiesen. Darin heisst es, Assanges jahrelanges Botschaftsexil in London sei eine «willkürliche Inhaftierung», und der Australier habe anstelle seiner Festnahme Anrecht auf Entschädigung. Olsson fügte hinzu, die schwedische Seite habe keinerlei Anstrengungen unternommen, seinen Mandanten ausserhalb Schwedens zu befragen.

Angst vor Uncle Sam

Sollte der Wikileaks-Gründer das Botschaftsgelände verlassen, will ihn die britische Polizei festnehmen und an Schweden überstellen. Für diesen Fall befürchtet Assange, von den schwedischen Behörden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm wegen Geheimnisverrats eine langjährige Haftstrafe und möglicherweise sogar die Todesstrafe droht.

Das Bezirksgericht in Stockholm hatte den Antrag von Assanges Anwälten, den Haftbefehl aufzuheben, im Mai zurückgewiesen. Im Gegensatz zu der UNO-Arbeitsgruppe vertrat das Gericht die Auffassung, dass Assanges Aufenthalt in der Botschaft nicht als «Inhaftierung» anzusehen sei.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte in den vergangenen Jahren hunderttausende geheime Dokumente, unter anderem über das Vorgehen der US-Streitkräfte bei den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Assange zog damit den Zorn der US-Regierung und der NATO auf sich.

(sda/afp)

Das könnte dich auch interessieren:

12 geniale Erfindungen, die deinen Koch-Alltag einfacher machen

Die 10 witzigsten Rezensionen bei Amazon – zum Beispiel für diese Huhn-Warnweste

Mit Vollgas in die Vergangenheit – was der Tesla-Chef falsch macht

HÄSSIG! So käme es heraus, wenn du deinen Aggressionen immer freien Lauf lassen würdest

Wir müssen uns dringend über die 00er-Jahre unterhalten! Sitzung! Sofort!

Peter Pan ein Kindermörder? Die absurdesten Fan-Theorien im Filmuniversum

Trump-Kenner Kim Holmes: «US-Verbündete sollten Trumps Tweets nicht allzu ernst nehmen»

Lohnt sich der Umstieg auf den neuen Firefox Quantum? Dieser Speed-Vergleich zeigt es

Liam füdliblutt – wieso Eltern denken müssen, bevor sie ihre Kinder zu Insta-Stars machen

Und dann war das Model zu dick ... Der Zürcher Walter Pfeiffer lebt im Glamour-Himmel

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FancyFish 10.08.2016 18:10
    Highlight ...möglicherweise sogar die Todesstrafe droht...
    Ach die USA, denken dass SIE der Welt die Zivilisation bringen
    14 1 Melden
  • PuRpLE_KusH 10.08.2016 17:34
    Highlight Das ihn die USA wegen Geheimnisverrats dran kriegen will ist einfach unmöglich, wem gegenüber ist er denn verpflichtet diese Geheimnisse zu wahren. Die hätten ihre Geheimnisse besser hüten können. Es geht hier nur darum um alle anderen Geheimnisse de USA zu schützen. Ich hoffe das die Welt sowas nicht zulässt und er ungehindert weiterfahren kann mit seinen Leaks, bis es nichts mehr gibt das er leaken könnte.
    14 0 Melden

Zum Tod von Charles Manson: Wie man einen Teufel macht

Ein Mann, viel Mythos: Charles Manson galt in den USA als das personifizierte Böse. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben. Wie wurde der Kleinkriminelle zum Antichrist?

Mit der Popkultur ist das so eine Sache, eine lustige und eine alberne. Lustig, weil Pop alles grell und einfach macht. Albern, weil Pop stets die Oberfläche dem Inhalt vorzieht und so seine Ikonen bis zur Sinnlosigkeit aufbläst.

Che Guevara ist so eine. Auf T-Shirts, Kaffeebechern, Buttons steht sein Konterfei für die meisten Menschen für «irgendwas mit Rebellion». Warum er gekämpft hat? Und wofür? Egal.

So ist es auch mit Charles Manson. Auf den bekannteren Fotos trägt …

Artikel lesen