International

Amazons Kampfansage an die US-Supermärkte: Die Kunden freut's, die Konkurrenz erschaudert

29.08.17, 14:17 29.08.17, 14:36

Als neuer Eigentümer der Biokette Whole Foods bläst Amazon zur Attacke auf die US-Lebensmittelbranche. Preissenkungen um bis zu 50 Prozent sind nur der Anfang.

Bereits am ersten Tag nach der milliardenschweren Übernahme der Öko-Supermarktkette Whole Foods lässt Amazon die Preise purzeln: Avocados kosten plötzlich 1.49 statt 2.99 Dollar und das Pfund Wildlachs aus Alaska 9.99 – das sind fünf Dollar weniger als bisher. «Das ist nur der Anfang», verkündet das Werbeschild in der Filiale in Brooklyn, New York. Ein Versprechen, das Kunden erfreut – aber zugleich eine Kampfansage, die Konkurrenten erschaudern lässt.

Auch Aldi und Lidl

Denn der US-Detailhandel ächzt bereits unter massiv verschärftem Wettbewerb. Die aggressiv expandierenden deutschen Discounter Aldi und Lidl nehmen die Platzhirsche wie Walmart, Target, Kroger oder Costco in die Mangel. Nun heizt mit Amazon ausgerechnet der Quälgeist den Preiskampf weiter an, dessen boomende Onlineverkäufe der Branche schon seit Jahren die Geschäfte erschweren.

Der 13,7 Milliarden Dollar teure Whole-Foods-Kauf wurde an der Börse von Anfang an als Hiobsbotschaft für die etablierten Shopping-Grössen verstanden. Seitdem der Deal vor rund zehn Wochen angekündigt wurde, sind die Aktien von Lebensmittelhändlern unter Druck. Die grösste US-Supermarktkette Kroger hat binnen drei Monaten Kursverluste von 28 Prozent erlitten, für Costco ging es 15 Prozent bergab.

«Jeder sollte sich Whole Foods leisten können»

Vergangene Woche genehmigten die US-Kartellwächter – nach überraschend zügiger Prüfung – Amazons Whole-Foods-Übernahme. Der neue Eigentümer holte sofort den Hammer raus. «Ab Montag werden wir die Preise bei einer Auswahl an Bestsellern senken», kündigte Manager Jeff Wilke an. Damit sei jedoch nur der Auftakt gemacht, künftig würden die Preise bei Whole Foods «kontinuierlich» schrumpfen.

Damit will Amazon die Kette mit über 460 Filialen in den USA, Kanada und Grossbritannien für eine breitere Kundschaft öffnen. «Jeder sollte sich Whole Foods leisten können», findet Wilke. Das ist ein Bruch mit dem bisherigen Geschäftskonzept, das sich mit gehobener Qualität, exklusiven Produkten und teuren Preisen an wohlhabende Kunden richtete und sich so von der Billig-Konkurrenz abgrenzte.

Dieser Ansatz brockte Whole Foods jedoch auch den Ruf eines Oberschicht-Supermarktes für Öko-Snobs ein. Über die Jahre entwickelte sich das Unternehmen zu einem kontroversen Symbol der Gentrifizierung in US-Metropolen und wurde deshalb etwa von den Machern der Comedy-Serie «Southpark» auf die Schippe genommen. Amazon will dieses Schnösel-Image nun offenbar schleunigst loswerden. Und der E-Commerce-Gigant drückt nicht nur die Preise.

Vermischung der Kanäle

Amazon vermarktet über Whole Foods auch seine eigenen Produkte – der vernetzte Lautsprecher «Echo» steht bereits prominent im Eingangsbereich. Zudem wird der Prime-Service, der Abonnenten Zugang zu Video-Streaming und Gratisversand bietet, zum Prämienprogramm für Supermarkt-Kunden ausgebaut. So verzahnt Amazon seine Online-Dienste mit dem stationären Handel. Das verheisst für die Konkurrenz nichts Gutes, zumal Geldverdienen für den nach Marktdominanz strebenden Amazon-Chef Jeff Bezos nicht an erster Stelle steht.

«Amazon wendet die gleiche Strategie an, mit der bereits Buchverkäufern und anderen Detailhändlern zugesetzt wurde», so Marktexperte Chris McCabe gegenüber dem «Wall Street Journal». Der Konzern übernehme den Markt, indem er die Konkurrenz mit niedrigen Preisen ausschalte. Als solle diese Theorie bestätigt werden, hat Amazon einige der gefragtesten Whole-Foods-Produkte in Brooklyn bereits um bis zu 50 Prozent verbilligt.

Für die heimischen Supermarkt-Schwergewichte kommt die Attacke zur Unzeit. Die Abwanderung der Kundschaft ins Internet macht der Branche ohnehin schon zu schaffen, nun greift Amazon – die treibende Kraft hinter dem Online-Trend – auch noch mit Macht im Ladengeschäft an. Erschwerend hinzu kommt Konkurrenz aus Deutschland. Discounter Lidl hat im Sommer seine ersten US-Filialen eröffnet, Aldi nimmt derweil ebenfalls viel Geld für eine rasante US-Expansion in die Hand. (whr/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 29.08.2017 17:29
    Highlight Es beginnt.. die Umsetzung von TTIP
    0 0 Melden
  • pun 29.08.2017 16:01
    Highlight "Jeder sollte sich die Produkte aus meinem Supermarkt leisten können - also ausser Mitarbeitende, weil die so einen tiefen Lohn haben, dass es sie knapp vom Sterben abhält." - Amazon, Walmart... you name it...
    4 0 Melden
  • Flexon 29.08.2017 15:28
    Highlight Die Lebensmittelbranche ist die letzte Branche, die einen verschärften Wettbewerb nötig hätte. Die Margen sind tief, eine Automatisierung schwierig und die Böden sind nicht optimierbar.

    Der einzige Grund, dem Markteintritt Amazons etwas positives abzugewinnen wäre, dass mehr vom Kuchen an die Produzenten abfällt. Aber ich tue mich extrem schwer mit diesbezüglichen Hoffnungen.

    Amazon sollte sich vorsehen und nicht über das Ziel hinausschiessen. Ich hoffe die EU wird es in die Schranken weisen.
    4 2 Melden
    • Rotbeisser 30.08.2017 08:27
      Highlight Nein, im Lebensmittelbereich gibt es noch viel Luft, die man herauslassen kann.
      Ganz besonders auch in der Schweiz.
      Die Detailhändler haben viel zuwenig Konkurrenz. Darum unterbieten sie sich kaum je gegenseitig. Und darum kosten hier Lebensmittel 200-400 % mehr als schon nur in Westeuropa.
      Ein Bauer kriegt ca. 5 Fr. pro Kg. Schweinefleisch. Im Laden kostet es dann 15 bis 30 Fr. (ein günstiges Stück). Für Milch kriegt er irgendwas um die 0.5 Franken und im Laden sind es dann 1.80 Franken.
      Und nein, die Verbeitung und der Vertrieb rechtfertigen die Differenz bei weitem nicht.
      0 0 Melden
  • Wilhelm Dingo 29.08.2017 14:41
    Highlight Bei Amazon und Co geht es nicht nur um den Preis sondern vor allem um Bequemlichkeit. Noch nie war es so einfach, Gebrauchsgegenstände ohne quälende Ladenbesuche zu kaufen. Lieder haben das die meisten konventionellen Läden noch nicht gecheckt!
    2 6 Melden

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