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FILE - In this June 27, 2012 file photo, pedestrians cross a street near the Bank of Stockton in Stockton, Calif. A judge overseeing California’s largest city to file bankruptcy on Tuesday, July 8, 2014 is expected to push for a deal between Stockton and its last hold-out creditor, Franklin Templeton Investment. (AP Photo/Gosia Wozniacka, File)

Stockton wurde von der Finanzkrise hart getroffen. Bild: AP/AP

Diese kalifornische Stadt war pleite – jetzt testet sie ein Grundeinkommen



Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise galt Stockton als «elendeste» Stadt der USA. Obwohl sie im erweiterten Einzugsgebiet von Bay Area und Silicon Valley liegt, sind die Lebensbedingungen schwierig. Das Einkommen in der mehrheitlich von Nichtweissen bewohnten Stadt ist deutlich tiefer und die Armutsquote höher als in San Francisco und selbst in Oakland.

Den Tiefpunkt erreichte Stockton mit seinen 300'000 Einwohnern vor fünf Jahren. Es musste Konkurs anmelden, als bislang grösste Stadt in der Geschichte der USA. Hauptgrund waren hohe Ausfälle bei der Immobiliensteuer, einer zentralen Einnahmequelle kalifornischer Städte. Während des Baubooms in den Nullerjahren hatte Stockton auf grossem Fuss gelebt. Nach dem Platzen der Subprime-Blase konnte die Stadt trotz Sparbemühungen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Michael Tubbs, Mayor von Stockton (Kalifornien)

Michael Tubbs wurde mit 26 Bürgermeister. bild: mdtubbs.com

Unter den Folgen der Pleite leidet Stockton bis heute. Und doch herrscht Aufbruchstimmung. Die Stadt soll als Versuchslabor für ein bedingungsloses Grundeinkommen dienen. Treibende Kraft ist Michael Tubbs, der letztes Jahr mit 26 Jahren zum ersten schwarzen Bürgermeister von Stockton und zum jüngsten Oberhaupt einer US-Stadt mit über 100'000 Einwohnern gewählt wurde.

Start im August 2018

Tubbs stammt selber aus ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater sitzt im Gefängnis aufgrund der berüchtigten «Three Strikes»-Regel, die nach der dritten Straftat automatisch eine lebenslange Haftstrafe vorsieht. Seine Motivation für das Grundeinkommen bezieht er vom Bürgerrechtler Martin Luther King, der sich in seinem letzten Buch dafür stark gemacht hatte.

Zum eigentlichen Auslöser wurde eine Anfrage des Economic Security Project, das sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzt und von Facebook-Mitgründer Chris Hughes finanziert wird. Michael Tubbs liess sich nicht zweimal bitten. In den nächsten Monaten sollen die Voraussetzungen für das Experiment abgeklärt werden. Der Start ist für August 2018 geplant.

Dem Bürgermeister schwebt ein dreijähriger Versuch mit 100 Personen vor, die 500 Dollar pro Monat erhalten sollen. Er wolle herausfinden, wie die Empfänger mit dem Geld umgingen, sagte Tubbs der Website Vox: «Sie können mehr Zeit als Elternteil oder mit Freiwilligenarbeit verbringen, zurück zur Schule gehen und sich weiterbilden oder in ein neues Geschäft investieren.»

Weiterer Versuch in Oakland

Die Kosten allein für das Experiment betragen 1,8 Millionen Dollar. Eine Million stellt das Economic Security Project zur Verfügung, der Rest soll unter anderem mit Crowdfunding beschafft werden. Im Erfolgsfall möchte Michael Tubbs die Zahl der Empfänger ausweiten, was angesichts der nach wie vor angespannten Finanzlage kaum ohne auswärtige Investoren möglich wäre.

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Video: srf

Allerdings ist das Grundeinkommen im Silicon Valley ein grosses Thema. Mark Zuckerberg, Elon Musk und Richard Branson gehören zu seinen Befürwortern. Es gilt als Gegenmittel für mögliche Jobverluste aufgrund der digitalen Disruption. Das Unternehmen Y Contributor, das Startups Anschubhilfe gewährt, plant ein deutlich grösseres Experiment als jenes in Stockton.

In Oakland, der «armen» Nachbarstadt von San Francisco, sollen 3000 Personen einbezogen werden, berichtet der Fernsehsender CNBC. 1000 Leute sollen 1000 Dollar pro Monat erhalten, und das während bis zu fünf Jahren. 2000 weitere Personen sollen als Kontrollgruppe 50 Dollar erhalten. Mit diesem «Feldversuch» soll der Effekt des Grundeinkommens erforscht werden. (pbl)

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Einstürzende_Altbauten * 21.10.2017 09:44
    Highlight Highlight "Dem Bürgermeister schwebt ein dreijähriger Versuch mit 100 Personen vor, die 500 Dollar pro Monat erhalten sollen."

    100 von 300'000 Personen. Seriously?



    *fail

    • trio 21.10.2017 17:44
      Highlight Highlight Darum ist es ja ein Versuch...
  • Rabbi Jussuf 20.10.2017 15:41
    Highlight Highlight Da kann man, ohne Prophet zu sein, jetzt schon sagen, dass das in die Hose geht.
  • ....ich weiss nicht aber: 20.10.2017 15:05
    Highlight Highlight Sind halt lauter Dagobert Ducks, welche nicht richtig besteuert werden, vor Ort.
  • Candy Queen 20.10.2017 14:37
    Highlight Highlight An die Befürworter des BGE:
    Warum sollte sich zB ein Kantischüler/Studentin... um einen Job bemühen, wenn er/sie ein BGE erhielte?
    Würden nicht mit BGE viele wertvolle Erfahrungen NICHT gemacht, die in solchen Jobs erworben werden können?
    • Oberon 20.10.2017 17:28
      Highlight Highlight Die erste Frage wäre wie hoch das BGE in der Schweiz wäre und welche Systeme dadurch abgelöst werden sollen.

      Einfach einen Betrag X ende Monat zu bekommen wird nicht funktionieren, da nicht finanzierbar und mehrheitsfähig.

    • Str ant (Darkling) 20.10.2017 17:46
      Highlight Highlight http://www.watson.ch/!858562830
      Umfrage zeigt: Neun von zehn Schweizern würden trotz Grundeinkommen arbeiten
      Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen:

      2% gaben an, sie würden bestimmt aufhören wollen zu arbeiten.
      54% würden sich weiterbilden.
      53% nähmen sich mehr Zeit für die Familie.
      22% würden sich selbstständig machen.
      35% würden nachhaltiger konsumieren.
      59% der unter 35-Jährigen glauben, dass das Grundeinkommen irgendwann eingeführt wird.
    • Pitsch Matter 20.10.2017 18:06
      Highlight Highlight Die Lohnarbeit ist nur ca 200 Jahre alt. Die Menscheit hat auch zuvor ohne Lohn Dinge erfunden, Kontinente entdeckt, Musik und Kunst gemacht und vieles mehr.
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