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Consumer rights activists take part in a march to protest against the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) and Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) in Berlin, Germany, September 17, 2016. REUTERS/Fabrizio Bensch TPX IMAGES OF THE DAY

70'000 Menschen demonstrierten in Berlin gegen das Freihandelsabkommen TTIP. Auch in vielen anderen Städten Deutschlands wurde am Samstag demonstriert. Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

«TTIP suck my balls»: In Deutschland demonstrieren Zehntausende gegen das Freihandelsabkommen

Zehntausende Menschen haben in mehreren grossen deutschen Städten gegen die geplanten Freihandelsabkommen CETA und TTIP protestiert. Dies sei «ein klares Signal» an die Politik, beide Abkommen zu stoppen, erklärten die Organisatoren.



Über die Zahl der Teilnehmer gingen die Angaben in einigen Städten weit auseinander. Die Veranstalter zählten rund 320'000 Menschen bei den Kundgebungen in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart, München und Leipzig. Die Polizei sprach in den meisten Städten von viel weniger Menschen.

«Die Bundesregierung muss endlich die Notbremse ziehen und das Nein der Bürgerinnen und Bürgerinnen zu CETA und TTIP respektieren.»

Bei der grössten Demo in Berlin gaben Polizei und Veranstalter die Teilnehmerzahl letztlich aber übereinstimmend mit 70'000 an. Überall blieb es laut Polizei friedlich.

Consumer rights activists take part in a march to protest against the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) and Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) in Berlin, Germany, September 17, 2016. REUTERS/Fabrizio Bensch

70'000 Menschen demonstrierten in Berlin am Alexanderplatz gegen TTIP und Ceta. Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

«Die Bundesregierung muss endlich die Notbremse ziehen und das Nein der Bürgerinnen und Bürgerinnen zu CETA und TTIP respektieren», verlangte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Umweltverbänden und kirchlichen Gruppen.

«Beide Abkommen schaffen eine konzernfreundliche Paralleljustiz, beide sind eine Gefahr für die Demokratie, für Sozial- und Umweltstandards und die öffentliche Daseinsfürsorge», erklärte das Bündnis. «Beide müssen gestoppt werden.»

Consumer rights activists take part in a march to protest against the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) and Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) in Frankfurt, Germany, September 17, 2016.  REUTERS/Kai Pfaffenbach

Klare Botschaft aus der Finanzkapitale Frankfurt. Bild: KAI PFAFFENBACH/REUTERS

Kritik an Sigmar Gabriel

Auf den Plakaten der Demonstrierenden war zu lesen: «Wir wollen eurer Gift nicht – fairer Handel für alle», «Brecht die Macht der Konzerne» oder einfach «TTIP stoppen». Ein als Huhn verkleideter Demonstrant verkündete: «Chlorhühnchen, nein Danke!»

«Wir wollen, dass die Globalisierung endlich den Menschen dient und nicht nur einigen wenigen in der Wirtschaft.»

Wirtschafsminister Sigmar Gabriel

Bei den Protesten seilten sich in Köln sechs Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace von einer Brücke ab und entrollten ein 150 Quadratmeter grosses Plakat über dem Rhein. Auch zahlreiche Landwirte beteiligten sich mit ihren Traktoren an den Demos. «TTIP und Gentechnik bleibt uns vom Hof!», stand auf einem Plakat.

epaselect epa05543951 Activists show placards and effigies during a protest against two international trade agreements, in Stuttgart, Germany, 17 September 2016. Protest marches and demontrations against the Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) between Canada and the European Union (EU) and the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) between the USA and EU were held simultaneously in several cities in Germany.  EPA/SILAS STEIN

Ausgefallene Verkleidungen bei den Demonstranten. Bild: EPA/DPA

Auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der das TTIP-Abkommen mit den USA für gescheitert hält, aber das CETA-Abkommen mit Kanada befürwortet, wurde kritisiert. «Gabriel, der Bösewicht, führt die Bürger hinters Licht», hatte ein Demoteilnehmer in Hamburg auf sein Plakat geschrieben.

Gabriel warnte dagegen nochmals vor einem Scheitern von CETA. «Wir wollen, dass die Globalisierung endlich den Menschen dient und nicht nur einigen wenigen in der Wirtschaft», sagte er der «Bild am Sonntag».

«Würde CETA scheitern, dann wäre der Versuch, die Globalisierung so zu gestalten, auf Jahrzehnte gescheitert. Denn niemand würde uns Europäer dann noch erst nehmen.» China und die USA würden dann die Standards für Handelsabkommen setzen, sagte Gabriel.

«Schauermärchen und Lügen»

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström warf den Kritikern vor, Unwahrheiten zu verbreiten. In der Debatte um TTIP und CETA gebe es «viele Missverständnisse, Schauermärchen und Lügen», sagte die Kommissarin der «Bild»-Zeitung.

Die Demokratie werde «selbstverständlich nicht ausgehöhlt, wie manche zu glauben scheinen». Auch seien die Verhandlungen nicht undurchsichtig: «Dies sind die transparentesten Handelsgespräche aller Zeiten.» (wst/sda/afp/dpa)

Und hier, weil geil: 18 lustige und geniale Schilder von weniger spassigen Demonstrationen

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • capture 17.09.2016 20:48
    Highlight Highlight Wer sich in gewohnt lustiger und dennoch sachlicher Art und Weise über das Thema informieren möchte, soll doch mal die Sendung von "die Anstalt" zum Thema schauen:

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    6 1 Melden
  • dmark 17.09.2016 20:00
    Highlight Highlight "China und die USA würden dann die Standards für Handelsabkommen setzen..."
    Naja...die VSA haben bei den Chinesen noch so einige Billionen Schulden. D.h. China wird wohl die Standards vorgeben dürfen.
    Aber sollen sie doch. Wenn sie in unsere Märkte wollen, dann gelten unsere Standards, welche weit höher liegen als die der Beiden. Und da wird es für viele China- und US-Produkte sehr eng werden.
    Außerdem wurden ja bei den Verhandlungen europäische Wünsche so gut wie gar nicht berücksichtigt. Warum wohl sind die Franzosen aus den Verhandlungen raus?
    11 1 Melden
    • SemperFi 17.09.2016 21:27
      Highlight Highlight @dmark: Das scheint mir reichlich naiv. Nicht der höhere Standard zählt, sondern wer den Markt beherrscht, der diktiert die Regeln. Und das sind nicht die bankrotten USA oder die zerstrittene EU...
      2 1 Melden
    • dmark 18.09.2016 11:45
      Highlight Highlight @SemperFi:
      Wenn man sieht, das u.a. Deutschland massive Exportüberschüsse produziert und die Chinesen ihre Produktionsanlagen dort, sowie auch in der Schweiz einkaufen, solange können unsere Standards nicht schlecht sein. Wir müssen nur darauf achten, dass die Qualität unserer Produkte hoch bleibt. Dann brauchen wir auch keine Angst vor billig produzierenden Chinesen zu haben. Warum wohl investieren diese ihr Kapital hier und weniger in ihre Wirtschaft?
      1 0 Melden
  • DerTaran 17.09.2016 19:13
    Highlight Highlight Sorry, aber hier wird mit ganz ähnlichen Argumenten gearbeitet wie bei der Pegida.
    So sieht Nationalismus aus: Alles was wir machen ist besser als das was die Ausländer machen, deshalb sind wir die besseren Menschen!
    Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes?
    3 44 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 17.09.2016 20:52
      Highlight Highlight Es ist mir nicht klar, wie du von diesem Artikel zu deiner Kritik kommst. Von "wir sind besser als die anderen", Patriotismus oder einer Amerikanisierung des Abendlandes steht da nichts. Kein Wort!

      Hingegen argumentiert das Bündnis: «Beide Abkommen schaffen eine konzernfreundliche Paralleljustiz, beide sind eine Gefahr für die Demokratie, für Sozial- und Umweltstandards und die öffentliche Daseinsfürsorge»

      Damit sind die privaten Schiedsgerichte gemeint, die nicht unseren aufgeklärten Ideen von unabhängigen, öffentlichen Gerichten entsprechen, welche ein faires Verfahren garantieren sollen.
      17 0 Melden
    • DerTaran 18.09.2016 00:32
      Highlight Highlight Freihandel und Globalisierung sind nichts schlechtes, grundsätzlich dagegen zu sein ist nach meiner Meinung Angst vor dem bösen, unaufgeklärten Ausland, das einem die eigenen Erungenschaften wegnimmt.
      Ich bin auch nicht für alles TTIP vorsieht, es ist aber an den Politikern einen guten Kompromiss auszuhandeln.
      @LorentPatron: Ersetze TTIP mit Islam und privates Schiedsgericht mit Scharia und dein Posting könnte von der SVP sein.
      Statt rational zu argumentieren wird hier genauso Angst geschürt wie bei Pegida nur statt den Migranten ist es jetzt die Wirtschaft, die Mechanismen sind die gleichen.
      0 10 Melden
    • DerTaran 18.09.2016 00:41
      Highlight Highlight Und was ist eigentlich an einem mit Chlor desinfiziertem Huhn so schlimm? Wir baden in der Badi auch in Chlorwasser. Wir haben Angst vor dem Chlor die USA vor Salmonellen.
      Das Unternehmen Angst vor Willkür haben kann ich auch nachvollziehen, das ist wie bei der MEI wenn man sich nicht an Verträge halten will, dann muss man TTIP halt kündigen (so wie die Bilateralen).
      Um es nochmal zu sagen es liegt an der Politik etwas gutes auszuhandeln. Und auch hier sehe ich wieder Parallelen, auch die Rechten trauen den Politikern nicht. Bleibt uns wirklich nur die Wahl zwischen Hitler oder Stalin?
      0 12 Melden
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