International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Wednesday, Nov. 23, 2016 file photo, Britain's Prime Minister Theresa May leaves 10 Downing Street to attend the weekly Prime Ministers' Questions session, in parliament in London. Prime Minister Theresa May's office says Thursday Jan. 5, 2017, the British leader will meet Donald Trump in Washington in the weeks following his Jan. 20 inauguration as U.S. president. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth, File)

Strebt einen «harten» Brexit an: Grossbritanniens Premierministerin Theresa May. Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/KEYSTONE

Jetzt wird's hart: Grossbritannien verzichtet auf den soften Brexit

Grossbritanniens Premierministerin Theresa May will am kommenden Dienstag offenbar den harten Brexit verkünden. Damit wären die meisten Verbindungen zur EU gekappt. Ihr Finanzminister sinniert bereits über Alternativen.

15.01.17, 13:25 15.01.17, 17:08


Ein Artikel von

Die britische Premierministerin Theresa May strebt übereinstimmenden Zeitungsberichten zufolge einen harten Schnitt mit der EU an. Die Brexit-Pläne der Regierungschefin sähen einen Ausstieg Grossbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt, aus der Zollunion und ein Verlassen des EU-Gerichts vor, berichteten mehrere britische Zeitungen am Sonntag. May will ihre Vorstellungen am Dienstag in einer Rede darlegen.

Der «Sunday Telegraph» zitierte einen Regierungsvertreter mit den Worten: «Sie will es voll durchziehen. Die Leute werden wissen: Als sie sagte, ‹Brexit heisst Brexit›, meinte sie genau dieses.» Die «Sunday Times» schrieb, May werde einen «sauberen und harten Brexit» ankündigen. May werde zu erkennen geben, dass sie «bereit ist, Grossbritannien aus dem europäischen Binnenmarkt und der Zollunion zu führen», schreibt der «Telegraph» in seiner Sonntagsausgabe.

Wie britische Promis zum Brexit stehen

Mays Pläne liefen auf einen sogenannten harten Brexit hinaus – im Kern stünde also ein klarer Bruch mit dem gemeinsamen Markt. Dies würde es Grossbritannien erlauben, auch die EU-Personenfreizügigkeit zu beenden und seine Einwanderungspolitik wieder vollständig allein zu kontrollieren. Für viele Brexit-Befürworter war dies ein wichtiges Anliegen bei dem Referendum im Juni.

«Softer Brexit» offenbar vom Tisch

Die Alternative, die in den vergangenen Monaten ebenfalls diskutiert wurde, wäre ein «softer Brexit», der Grossbritannien einen weiteren Zugang zu Binnenmarkt im Austausch für Zugeständnisse etwa bei der Freizügigkeit eingeräumt hätte.

epa05685445 Chancellor of the Exchequer Philip Hammond walks through Downing Street in London, Britain, 22 December 2016.  EPA/HANNAH MCKAY

Finanzminister Philip Hammond: Wirtschaftsmodell muss gegebenenfalls überdenkt werden. Bild: HANNAH MCKAY/EPA/KEYSTONE

Sollte Grossbritannien nach einem «harten Brexit» der Zugang zum europäischen Markt fehlen, wird das Land nach den Worten von Finanzminister Philip Hammond sein Wirtschaftsmodell überdenken. Man wolle mit Europa verbunden sein, aber «wenn man uns zwingt, etwas anderes zu sein, dann werden wir etwas anderes werden müssen», sagte Hammond der «Welt am Sonntag».

«Wir erwarten, dass wir mit substanziellen Verhandlungen mit der EU vor dem Sommer beginnen könnten.»

Finanzminister Philip Hammond

Auslöser könnten die ökonomischen Umstände sein. «Wenn wir keinen Zugang haben zum europäischen Markt, wenn wir ausgesperrt werden, wenn Grossbritannien die Europäische Union verliesse ohne eine Übereinkunft über einen Marktzugang, dann könnten wir zumindest kurzfristig wirtschaftlichen Schaden erleiden. In diesem Fall könnten wir gezwungen sein, unser Wirtschaftsmodell zu ändern.»

Wird Grossbritannien zum Steuerparadies?

Die Regierung in London hat bereits niedrigere Steuersätze für Unternehmen angekündigt. Hammond ergänzte, im Frühjahr werde die Absicht offiziell mitgeteilt, aus der EU auszutreten. «Wir erwarten, dass wir mit substanziellen Verhandlungen mit der EU vor dem Sommer beginnen könnten.» Ungewissheit schade der Wirtschaft in ganz Europa. «Wir würden gern so viel Klarheit wie möglich so früh wie möglich schaffen. Und wir hoffen, dass wir uns schnell einig werden, wie ein zukünftiges Arrangement aussehen könnte, und dass wir 2019 nahtlos dazu übergehen können.»

Das Brexit-Votum von Ende Juni habe auch die klare Botschaft gesendet, dass das Land Kontrolle über die Zuwanderung haben müsse. «Im Moment haben wir gar keine Kontrolle, so wenig wie Deutschland sie hat. Das muss aufhören.» Weil auf der Insel Vollbeschäftigung herrsche, brauche die Wirtschaft Zuwanderer. «Daher werden wir uns rational und ökonomisch vernünftig verhalten.»

Ende März will May in Brüssel offiziell das Austrittsgesuch Grossbritanniens einreichen, es bleiben dann zwei Jahre für die Austrittsverhandlungen. Bislang hatte May offengelassen, welche genauen Ziele sie in den Verhandlungen anstrebt. (jat/dpa/AFP/Reuters)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

28
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blaubar 15.01.2017 23:24
    Highlight Vielleicht könnte die Schweiz beratend zur Seite stehen und zeigen, wie man einen Brexit-light realisieren könnte.
    (Z.B. indem man Backöfen mit über 2000 Watt verbietet).
    4 0 Melden
  • MaxiPower 15.01.2017 21:44
    Highlight Das Thumbnail erinnert mich an das ^^
    4 3 Melden
  • Hippie-ster 15.01.2017 18:44
    Highlight Ein harter Bruch den man in zweijährigen Verhandlungen noch abfedern kann.

    Die Suppe wird nie so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.
    29 2 Melden
  • Platon 15.01.2017 18:15
    Highlight Gratuliere den Briten für ihren Mut in ihrer Vorreiterrolle. An ihnen lässt sich nun messen wie sich ein unilateraler Bruch mit der EU auswirkt. Ich tippe 1:0 für die EU...
    54 28 Melden
  • rodolofo 15.01.2017 17:26
    Highlight Gut möglich, das Teresa May blufft.
    Alle "knallharten Verhandler" tun das.
    27 3 Melden
  • koks 15.01.2017 16:20
    Highlight was heisst schon: jetzt wirds hart. GB hat immerhin vollbeschäftigung, im gegensatz zu den südlichen EU-staaten mit 20% arbeitslosen.
    48 28 Melden
    • Stachanowist 15.01.2017 17:20
      Highlight GB hat als EU-Mitglied Vollbeschäftigung (5.4% Arbeitslose). Spricht das nicht eher für eine EU-Mitgliedschaft als gegen sie? Verstehe Ihr Argument nicht ganz.
      55 17 Melden
  • sheimers 15.01.2017 15:55
    Highlight England wird den Schweizer Weg gehen: Alles in der EU mitmachen, aber nichts mehr zu sagen haben. Hauptsache man kann so tun als ob man unabhängig sei, obwohl man es faktisch in einer globalisierten Welt gar nicht mehr sein kann.
    77 43 Melden
    • Stachanowist 15.01.2017 17:27
      Highlight @ sheimers

      Naja, das ist auch nicht ganz korrekt. Die Schweiz macht nicht bei allem mit, was die EU so beschliesst.

      Beispiel: Als EU-Mitglied müsste die Schweiz die Mehrwertsteuer von 8 auf den EU-Mindestsatz von 15% erhöhen. Die Mwst ist eine unsoziale Steuer, weil sie alle ungeachtet ihres Einkommens in gleichem Ausmass belastet. Finde das nicht so toll.
      50 7 Melden
  • Jol Bear 15.01.2017 15:31
    Highlight Das ist die richtige Taktik vor dem Gang zum Verhandlungstisch, klare Ausgangslage mit Fokus auf die eigenen Intetessen formulieren. Die EU ihrerseits wird es ebenso tun. Dann, im Verlauf der Verhandlungen wird man sich annähern, in einzelnen Punkten Kompromisse erzielen in andern stur bleiben. Da beide letztlich aufeinander angewiesen sind, wird keiner ganz leer ausgehen.
    34 8 Melden
  • Corahund 15.01.2017 15:10
    Highlight Diese fantastische Frau achtet den Volkswillen. Unsere CH
    Politiker mit vorauseilendem Gehorsam gegenüber der EU können von ihr viel lernen. Bravo!
    47 98 Melden
    • Alex23 15.01.2017 17:32
      Highlight Corahund: Welchen Volkswillen? Ich gehöre auch zum Volk und fühle mich von diesen Tiraden von dir nicht angesprochen.
      47 19 Melden
    • Fabio74 15.01.2017 17:48
      Highlight Diese Frau ist bald 1 Jahr im Ant. Ausser geredet hat sie nichts gemacht. Aber für die Rechten reichen markige Worte
      50 15 Melden
    • Hippie-ster 15.01.2017 18:46
      Highlight 6 Monate im Amt.
      15 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Aged 15.01.2017 14:59
    Highlight Harter Brexit, unbedingt Verhandlungen, von der EU ausgesperrt werden, alles Kündigen ... fehlt noch eine Variante? Oh ja, alles per sofort kündigen und innerhalb von drei Monaten alles geräumt.
    Und sowieso, die EU hat schon einen Rosinenpicker und das reicht doch. 😋
    24 29 Melden
    • Hansdamp_f 15.01.2017 17:34
      Highlight Das Rosinenpickerargument stimmte nach wie vor nicht, egal wie oft es wiederholt wird. Wieso soll es nicht möglich sein, freie Handelsgrenzen zu haben und gleichzeitig Inländervorrang auf dem Stellenmarkt zu haben, solange man sich darauf einigt? An der angeblichen Unverhandelbarkeit der vier Freiheiten wird die EU zerbrechen. Wenn sie nicht vorher wegen dem Euro und seinen Kontruktionsfehlern zerbricht. Nicht, dass ich das möchte. Es sind bloss die Fakten.
      21 12 Melden
    • Hansdamp_f 15.01.2017 21:16
      Highlight @Benot Ich und meine "Gesinnungsgenossen". Wer soll das bitte sein? Ich stelle nur fest und will der EU gar nichts aufzwingen.

      Ich wünsche mir eine funktionierende, demokratische EU. Davon ist sie leider weit entfernt und wird zerbrechen, wenn sie sich nicht zu ändern bereit ist. Weitere Länder werden austreten und Populisten Wahlen gewinnen . Schuld sind - entschuldige bitte - die Konstruktionsfehler von EU und Euro.

      Das Dilemma ist, dass die EU - verstanden als Bürokraten in Brüssel - etwas entscheidet, die Bevölkerungen der Mitgliedstaaten aber nicht mitreden lässt. #demokratiedefizit
      5 4 Melden
    • Judge Dredd 15.01.2017 21:28
      Highlight @Benot, die EU hat auch die Freiheit, keine Rosinenpickerei zuzulassen. Sie ist ja definitiv am längeren Hebel. Also ist es wirklich Rosinenpickerei, verhandelt die EU so schlecht mit der Schweiz?
      3 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • purzelifyable 15.01.2017 14:34
    Highlight "überdenkt"
    15 5 Melden
    • f303 15.01.2017 20:49
      Highlight Schon die Schlechtwetterhäufung in GB spricht eher für überdacht. 🙄 ... der Duden aber auch.
      2 0 Melden
  • Sophia 15.01.2017 14:10
    Highlight Ach niedere Steuern, was können die schon bewirken, wenn die EU im Gegenzug auf britische Waren hohe Zölle schlägt, ist das alles wieder umsonst gewesen. Oder die EU den Börsenhandel mit hohen Taxen für britische Aktien einschränkt. London hat nur wenig Chancen. Vielleicht hat die May ja ganz anderes im Sinn. Es muss warscheinlich eine Parlamensabstimmung stattfinden. Einem guten Kompromis könnten die EU-Befürworter akzeptieren, einem harten Brexit wohl kaum. Die Parlamentsmehrheit will ja den Remain. Eine klare Sachlage sorgt auch für ein klares Resultat, denkt sie vielleicht.
    49 30 Melden
    • Majoras Maske 15.01.2017 14:45
      Highlight Schwer zu sagen, was sie schlussendlich anstrebt. Aber ein harter Brexit ergibt ja zum Beispiel auch eine harte Opposition aus Schottland. Ausserdem haben erste Gespräche mit etwa Ex-Kolonien wie Indien gezeigt, dass diese für den Freihandel ein Zugeständnis in Sachen Einwanderung wollen. Aber das will ja London auch nicht... Vielleicht kalkuliert sie ja wirklich ein, dass sie vom Parlament ausgebremst wird, dann muss sie sich nichts vorwerfen lassen und kann die Remainer abholen.
      43 6 Melden
    • Hansdamp_f 15.01.2017 17:40
      Highlight @Sophia Das sind tolle Rezepte wie sie auch Trump vorschlägt: Hohe Steuern auf Importe, damit die inländische Industrie profitiert. Funktioniert nicht und hat noch nie funktioniert. Und ganz generell ist es der falsche Ansatz! GB bestrafen, weil es aus dem Klub austritt? Kindergarten! Jetzt gilt es, dies zu akzeptieren und die Handelsbeziehungen zu beider Seiten Vorteil sobald wie möglich zu normalisieren.
      8 5 Melden

Schweizer Firmen spenden 1,7 Millionen an Trumps Partei

Tochterfirmen hiesiger Konzerne spenden bei den Zwischenwahlen für beide Parteien. Allein die Lobbygruppe der UBS hat im Wahlzyklus 2018 bis Ende September eine Million Dollar an amerikanische Politiker gespendet.

Die amerikanischen Gesetze sind eigentlich glasklar. Ausländische Personen, seien es Individuen oder Firmen, dürfen sich nicht finanziell im Wahlkampf engagieren. Wer gegen diese Auflage verstösst, gerät schnell ins Visier der Strafverfolgungsbehörden. Doch es gibt Schlupflöcher.

US-Tochtergesellschaften von ausländischen Konzernen etwa dürfen bei ihren Mitarbeitern Spenden einsammeln und an Politiker verteilen. Bedingung ist: Das Geld muss von US-Bürgern stammen. Und nur US-Bürger dürfen …

Artikel lesen