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Peter Navarro (rechts) ist als Ökonom höchst umstritten, aber Donald Trump hört auf ihn. Bild: AP/AP

So tickt Donald Trumps kruder «Handelskrieger» Peter Navarro

Mit dem Abgang des Freihandels-freundlichen Wirtschaftsberaters Gary Cohn haben die Nationalisten den Kampf um die Gunst von Donald Trump gewonnen. Ihr führender Kopf ist der China-Feind Peter Navarro.

07.03.18, 16:48 08.03.18, 05:35


«Achterbahnfahrt»: Mit diesem Begriff umschrieb die «Washington Post» die Stellung von Peter Navarro im Weissen Haus. Zu Beginn von Donald Trumps Präsidentschaft war der 68-jährige Ökonom Direktor des neu geschaffenen Nationalen Handelsrats. Nach dem Amtsantritt von Stabschef John Kelly wurde Navarro jedoch «degradiert» und Chefberater Gary Cohn unterstellt.

Mit dem «Globalisten» Cohn hatte sich Navarro wiederholt gezofft. Er ist neben Handelsminister Wilbur Ross der schärfste Verfechter einer nationalistischen und protektionistischen Wirtschaftspolitik im Weissen Haus. Nun hängt Ex-General Kelly in den Seilen. Sein Niedergang verläuft parallel zum Wiederaufstieg von Navarro in Trumps Gunst.

Donald Trumps Personalkarussell

Der Präsident ernannte ihn zum Assistenten für Handelsfragen. Trump möge Navarro und habe sich wiederholt erkundigt, warum er nicht an wichtigen Sitzungen teilnehme, schrieb «Politico». Am 12. Februar beorderte er ihn laut der «Washington Post» ins Oval Office, um eine aggressivere Handelspolitik einzuläuten. Ein erster Schritt ist die angekündigte Verhängung von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl.

«Kruder Aussenseiter»

Gary Cohn wehrte sich als oberster Wirtschaftsberater und Verfechter des Freihandels vehement gegen diesen Schritt. Am Dienstag warf er das Handtuch. Nun gilt Peter Navarro als möglicher Anwärter auf seine Nachfolge. Damit ist klar, dass die Protektionisten den Machtkampf in der Wirtschaftspolitik – vorläufig – gewonnen haben, was manchen Ökonomen in den USA den Angstschweiss auf die Stirn treibt.

Obwohl er an der Elite-Universität Harvard studiert hat und jahrelang als Professor am Ableger der Universität von Kalifornien in Irvine bei Los Angeles tätig war, gilt er in der Zunft als «kruder Aussenseiter», wie es auf seiner deutschsprachigen Wikipedia-Seite heisst. Er hat Bücher geschrieben mit vielsagenden Titeln wie «The Coming China Wars» und «Death by China».

Darin vertritt Navarro die These, dass China sich auf einem wirtschaftlichen «Eroberungsfeldzug» befindet. China-Kenner raufen sich ob seiner vor Klischees strotzenden Bücher die Haare, doch bei Donald Trump trifft er einen Nerv. Erst kürzlich warf der Präsident früheren US-Regierungen vor, sie hätten China «mit Mord davonkommen lassen», so die «Washington Post».

Gegen Handelsbilanzdefizite

Peter Navarros eigentliche Obsession betrifft die Handelsbilanzdefizite der USA. Im Interesse ihrer Wirtschaft müssten die USA diese eliminieren, wenn nötig mit Strafzöllen. Als «Hauptschuldige» hat er neben China die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA mit Kanada und Mexiko sowie die Europäische Union ausgemacht. Er wirft ihnen unfaire Handelspraktiken vor.

Mit den Strafzöllen sollen unter anderem die chinesischen Stahlexporte getroffen werden. Bild: AP/CHINATOPIX

Der Ökonom Noah Smith zerpflückt diese «simplifizierte Sichtweise» in seiner Kolumne für die Wirtschaftsagentur Bloomberg. Doch auch in diesem Fall kann Peter Navarro mit dem Wohlwollen von Donald Trump rechnen. Als Kind des Nachkriegsbooms träumt der Präsident vom «goldenen Zeitalter», als die USA die Welt mit Gütern belieferten und nicht von ihr «überflutet» wurden.

Trump will «liebevolle» Strafzölle

Die EU sei zu den USA «besonders hart», sagte Trump am Dienstag bei einem Treffen mit dem schwedischen Regierungschef Stefan Löfven. Die Handelssituation sei «sehr, sehr ungerecht». Erneut betonte er, Handelskriege seien «nicht so schlecht». Sie schadeten den anderen Ländern, nicht den USA. Gleichzeitig bezeichnete er Strafzölle als «liebevoll» – ein typischer Trumpismus.

Ein Dorn im Auge sind ihm die vielen europäischen Autos auf Amerikas Strassen, insbesondere deutsche Marken wie BMW und Mercedes. Es sei unfair, dass die Europäer im Gegenzug keine US-Autos kaufen. Dabei blenden Trump und sein «Handels-Guru» Navarro aus, dass nicht die Handelspolitik der EU der Grund für dieses Ungleichgewicht ist. It's the quality, stupid!

Mehr Jobs zerstören als retten

Amerikanische Vehikel, besonders die fetten Trucks und SUVs, sind im Rest der Welt nicht gefragt. Während deutsche Autos einen vorzüglichen Ruf als Premium-Produkte geniessen. Daran kann auch der Dieselskandal nichts ändern, wie die Rekord-Verkaufszahlen des letzten Jahres zeigen. Deutsche Autobauer produzieren zudem im grossen Stil in Amerika. BMW ist sogar der grösste Autoexporteur der USA.

VW-Werk in Tennessee: Deutsche Autobauer produzieren im grossen Stil in den USA. Bild: EPA/EPA FILE

Mit Strafzöllen auf Stahl würde sich Trump in den eigenen Fuss schiessen. Die amerikanischen Hersteller warnen, sie würden ihre Fahrzeuge verteuern und damit noch weniger konkurrenzfähig machen. Zölle und Protektionismus würden «das Wirtschaftswachstum untergraben», warnt Noah Smith auf Bloomberg: «Sie könnten schnell einmal mehr Jobs zerstören als retten.»

Peter Navarro wird auf Fox News «gegrillt». Video: YouTube/Raw Story

Der krude Wirtschafts-Nationalismus beunruhigt auch die traditionell Freihandels-freundlichen Republikaner. Am Sonntag wurde Peter Navarro ausgerechnet auf Trumps Haussender Fox News von Starmoderator Chris Wallace mit kritischen Fragen gelöchert. Die USA müssten «ihr Aluminium und Stahl verteidigen», rechtfertigte sich der umstrittene Berater mehr schlecht als recht.

Manche Ökonomen hoffen sogar, dass ein Mini-Crash an den Finanzmärkten Trump zur Vernunft bringen wird. Peter Navarro könnte dann schnell wieder weg vom Fenster sein, denn wenn es eine Konstante im Trump-Universum gibt, dann ist es die Sprunghaftigkeit des Präsidenten. Vorerst aber führt Navarros Weg von der Achterbahn direkt auf die wirtschaftspolitische Geisterbahn.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • saukaibli 08.03.2018 14:09
    Highlight "Es sei unfair, dass die Europäer im Gegenzug keine US-Autos kaufen." Och, so unfair. Die Europäer sollen doch gefälligst die amerikanischen Plastik-Klapperkisten kaufen, die techisch um Jahrzehnte veraltet sind und aussehen, als hätte sie ein Autohasser designt.
    Die Nachkriegszeit, in der ausserhalb der USA die halbe Welt in Trümmern lag und wieder aufgebaut werden musste, ist vorbei. Heute exportiert nur noch, wer qualitativ oder preislich mithalten kann und das können die Amis in vielen Bereichen einfach nicht mehr, weil anstatt investiert seit langem nur noch Reichtum angehäuft wurde.
    5 0 Melden
    • Vanessa_2107 08.03.2018 19:36
      Highlight ...und aussehen, als hätte sie ein Autohasser designt...der hat mir gefallen!
      0 1 Melden
  • Yannic_M 07.03.2018 20:46
    Highlight Zitat: "Am Sonntag wurde Peter Navarro ausgerechnet auf Trumps Haussender Fox News von Starmoderator Chris Wallace mit kritischen Fragen gelöchert."
    Ich komme nicht draus was mit "Trumps Haussender Fox News" gemeint ist. Zum einten tönt es nicht richtig. Ich nehme an es bedeutet Fox news soll negativ von Trump denken. In Wirklichkeit ist es aber genau anders rum. Ihnen wird vorgeworfen Lügen zu verbreiten.
    2 29 Melden
    • Magnum44 07.03.2018 23:33
      Highlight Nein, FoxNews soll die Hauptinformationsquelle von Trump sein.
      17 1 Melden
    • Fichtenknick 08.03.2018 06:31
      Highlight Du verstehst den Begriff “Haussender” falsch. Es bedeutet soviel wie Stiefellecker oder Arschkriecher. Fox News dreht alles noch so Absurde von Trump ins Positive, ohne Rücksicht auf Fakten.
      14 1 Melden
    • Me, my shelf and I 08.03.2018 06:57
      Highlight Hausse der nicht HAUsender :D
      6 1 Melden
    • Me, my shelf and I 08.03.2018 08:22
      Highlight Alter ich bring meine Autokorrektur um... Das erste sollte HAUsender heissen...
      6 0 Melden
  • Richu 07.03.2018 20:29
    Highlight Dass auch die EU verschiedene Produkte aus China mit Strafzöllen belegt, verschweigt watson! So werden auf Billig-Solarmodule aus China von der EU bereits seit 2013 Strafzölle erhoben! Ebenfalls bei gewissen Stahlprodukten bestraft die EU schon seit Jahren China mit Zöllen bis zu 70%! Gerade kürzlich, d. h. Ende Januar 2018, hat die EU zudem beschlossen, auch hochwertige Gussteile aus China mit Strafzöllen zu belegen. Tatsache ist also, die EU schützt ihre Industrie gegen kostengünstige Produkte speziell aus China!
    6 20 Melden
    • HabbyHab 08.03.2018 07:54
      Highlight Es geht hier nicht um die EU.
      10 1 Melden
  • rauchzeichen 07.03.2018 20:28
    Highlight Trump wettert gegen böse europäische Autobauer, wobei die Top 5 der Meistverkauften Autos in Amerika allesamt Japaner sind...
    34 1 Melden
    • cheko 08.03.2018 08:41
      Highlight Kein Wunder.. die Ami-Durchschnitt-Autos sind auch Schrott..
      11 1 Melden
    • rauchzeichen 08.03.2018 12:12
      Highlight dem ist so. da kommt mir n anderer witziger fact in den sinn, die meistexportierte automarke, ist bmw ^^
      4 0 Melden
  • kuwi 07.03.2018 20:12
    Highlight Och bin mir nicht sicher, ob Trump versteht, was Navarro sagt. Ich bin aber auch nicht sicher, ob Navarro weiss, wovon er redet. Eine äusserst explosive Mischung...
    25 2 Melden
  • Butschina 07.03.2018 18:58
    Highlight Dann sollen sie halt auf die Nase fallen. Würde dem Trum nicht schaden etwas demütiger zu werden. Wahrscheinlich würde das zwar nicht funktionnieren, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
    20 0 Melden
  • Don Alejandro 07.03.2018 18:04
    Highlight Paradoxerweise wird China-Feind Navarro genau das erreichen was er nicht will. Nämlich China stärken. Nicht gerade tolle Aussichten, wenn man weiss, dass China äusserst aggressiv in Asien und Afrika zum wichtigsten Wirtschaftsplayer wird/ist. Und dies notabene mit null Interesse an Menschenrechten.
    27 0 Melden
  • Sophia 07.03.2018 17:41
    Highlight Bush jun. hatte auch einst Strafzoll auf Stahl erhoben, um die US-Stahl-Arbeiter zu retten. Er rette 3'000 Stellen im Stahl-Sektor und vernichtete 50'000 Stellen im vom Stahl abhängigem Geschäft. GWB sah das rasch ein, aber Trump hat nichts daraus gelernt. Nun, wenn's wieder schief geht, ist nicht der beste Präs. aller Zeiten dran schuld, sondern Navarro. Wie gehabt. Weshalb nur wählen sich freie Bürger so oft die grössten Idioten, das soll mal einer verstehen!
    29 0 Melden
    • Sarkasmusdetektor 08.03.2018 09:47
      Highlight Ich hab da eine Theorie, die hängt mit dem Anteil von Idioten in der wahlberechtigten Bevölkerung zusammen...
      5 0 Melden
    • Hiker 08.03.2018 17:51
      Highlight Vermutlich ist es wie bei uns und in Europa. Die Politiker verstehen es nicht mehr wie ihre Völker denken. Populisten haben mit ihren einfach gestrickten Lösungen allenthalben ungeahnte Erfolge.
      0 0 Melden
  • Snowy 07.03.2018 17:38
    Highlight Leider ticken Volkswirtschaften nicht so kurzfristig... bis die US-Wirtschaft wegen den Strafzöllen Arbeitsplätze abbauen muss, werden Monate vergehen: Bis dahin kann sehr viel Schaden angerichtet werden.
    18 0 Melden

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