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Varoufakis und sein Nachfolger Tsakalotos. Bild: EPA/ANA-MPA

Varoufakis teilt aus: «Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können, da hätte ich dieselbe Reaktion erhalten»

Der abgetretene griechische Finanzminister Gianis Varoufakis teilt nochmals gegen seine ehemaligen europäischen Kollegen aus. Wann immer er wirtschaftliche Argumente vorgebracht habe, sei er von ihnen mit «leeren Blicken» bedacht worden, sagte er in einem Interview.

14.07.15, 02:54 14.07.15, 08:31


In einem Interview mit dem britischen Magazin «New Statesman» äussert sich Varoufakis erstmals über seine Amtszeit während der Krise. Und holt dabei zum Rundumschlag aus. «Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können, da hätte ich dieselbe Reaktion erhalten», sagte der Wirtschaftswissenschaftler in dem am Montag veröffentlichten Interview.

Varoufakis hatte eigentlich für den Fall, dass die Griechen beim Referendum vor über einer Woche über die Gläubigerpläne mit Ja stimmen, seinen Rücktritt in Aussicht gestellt. Die Griechen stimmten indes mit über 61 Prozent gegen die Reformforderungen.

Varoufakis am Tag vor seinem Rücktritt. Bild: EPA/ANA-MPA

Varoufakis trat überraschend trotzdem zurück. Als Grund nannte er die ablehnende Haltung ihm gegenüber in der Eurogruppe. Zudem sei sein Abschied von Regierungschef Alexis Tsipras als «potenziell hilfreich» betrachtet worden.

Härtere Linie gegen EZB gefordert

Dem britischen Magazin sagte Varoufakis nun, er sei zurückgetreten, weil er bei einem Kabinettstreffen überstimmt worden sei, bei dem er für eine harte Linie gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) geworben hatte. 

So habe er unter anderem vorgeschlagen, der EZB die Kontrolle über die griechische Zentralbank abzunehmen sowie Schuldscheine einzuführen. Er sei aber bei zwei zu vier Stimmen überstimmt worden.

«Ich bin erleichtert, nicht mehr diesen unerträglichen Druck zu haben, eine Position zu verhandeln, die ich nur schwer verteidigen kann.» 

Varoufakis zeigte sich zudem erleichtert, die Zeit als Minister hinter sich zu haben. Fünf Monate lang habe er täglich nur zwei Stunden geschlafen. «Und ich bin erleichtert, nicht mehr diesen unerträglichen Druck zu haben, eine Position zu verhandeln, die ich nur schwer verteidigen kann.» 

Mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble ging er hart ins Gericht. Die Euro-Finanzminister seien «komplett» von ihm dominiert. Die Gruppe sei «wie ein äusserst gut dirigiertes Orchester» mit Schäuble als Chef. (sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 14.07.2015 08:27
    Highlight Finanztechnokratie nützt alleine nichts. Diplomatie, Verhandlungsgeschick und politisches Gespür sind wichtig, wenn man als "Bittsteller" die beste Lösung für sich selbst im Auge hat. Varoufakis hat Lärm gemacht, und Griechenland nichts genutzt und manch einer mag den midlifecrisisgestressten Typen als Grauemäuseschreck leiden, so wie wir Figuren wie Zorro mögen, weil sie sich für uns in Rockymanier stellvertretend auflehnen. Sogar gegen die "böse" EU, die an allem Schuld sein soll, die aus 27 Nationen besteht, die ein friedliches Miteinander der Volker in Europa über eine Union suchen.
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